Bajramaj: Gereiztes Glamour-Girl
„Was fehlt Ihnen denn noch?“, raunzte Fatmire Bajramaj heute in der Pressekonferenz in Düsseldorf einen Journalisten an, der es gewagt hatte, eine Frage nach der emotionalen Gefühlslage in den 87 Minuten vor ihrer Einwechslung gegen Nigeria zu stellen. „Das habe ich doch schon beantwortet“, schob sie die neuerliche Nachfrage beiseite.
Gereizt und aggressiv präsentierte sich die junge Dame, die noch vor wenigen Monaten dazu auserkoren war, das deutsche Gesicht der Frauenfußball-Weltmeisterschaft zu werden.
Nur 22 Minuten Spielzeit Doch in den beiden bisherigen Spielen durfte sie sich gerade einmal 22 Minuten lang der Weltöffentlichkeit präsentieren – zu wenig, um in echte WM-Laune zu kommen, zu wenig auch, um die Sponsoren glücklich zu machen und sich für Werbeaufträge nach dem Turnier zu empfehlen. „Was zählt, ist, dass man spielt, auch wenn man nur drei Minuten spielt“, erklärte sie trotzig. Doch auch ihr dürfte nicht entgangen sein, dass selbst die verletzungsbedingte Auswechslung von Melanie Behringer sie nicht in die Mannschaft gespült hat, stattdessen wechselte Célia Okoyino da Mbabi auf die Behringer-Position.
Auf gutem Weg „Ich denke, ich bin auf einem guten Weg“, versuchte sie dennoch dem Eindruck entgegenzuwirken, die WM könnte komplett an ihr vorbeilaufen. „Das Frankreich-Spiel wird sicherlich nicht meine letzte Chance sein“, sagt sie, die nur zu gerne am Dienstag im abschließenden Gruppenspiel in ihrer Heimatstadt Mönchengladbach zeigen würde, dass mit ihr wieder zu rechnen ist. „Ich freue mich total auf die Stadt, in der ich aufgewachsen bin. Dort leben meine Familie und meine Freunde und dort gibt es eines der schönsten Fußballstadien in Deutschland.“
Bajramaj: “Selber Druck gemacht” Dafür, dass ihre Leistung in den vergangenen Monaten nicht mehr Extraklasse war, hat Bajramaj eine Erklärung. „Ich habe mir selber Druck gemacht, der Trainerstab hat viel mit mir darüber geredet. Den Druck kann ich mir nur selber nehmen.“ Wie sie das anstellen wolle, wurde sie gefragt, doch darauf wollte sie keine rechte Antwort geben. „Musikhören zum Beispiel“, war ihr zumindest zu entlocken. Auch den Vorwurf ihres ehemaligen Trainers Bernd Schröder, sie sei nicht in die Nationalmannschaft integriert, wollte sie diesmal nicht diplomatisch abwiegeln. „Herr Schröder hat wahrscheinlich die Tage nix zu tun und sagt unüberlegte Dinge, aber wir lachen nur darüber“, konterte sie die Kritik mit deutlichen Worten.
Unklare Startformation Ob sie gegen Frankreich zum Einsatz kommt, ist fraglich. Die angeschlagene Melanie Behringer zeigte bei ihren bisherigen WM-Auftritten eine gute Leistung und absolvierte trotz ihrer Außenbahndehnung bereits wieder ein Lauftraining. Assistenztrainerin Ulrike Ballweg erklärte: „Wir haben nur elf Plätze in der Startformation. Wir haben jetzt das dritte Spiel und werden wieder überlegen. Das ist immer wieder ein neuer Entscheidungsfindungsprozess.“