Bajramaj: Gereiztes Glamour-Girl

Von am 3. Juli 2011 – 14.59 Uhr 45 Kommentare

„Was fehlt Ihnen denn noch?“, raunzte Fatmire Bajramaj heute in der Pressekonferenz in Düsseldorf einen Journalisten an, der es gewagt hatte, eine Frage nach der emotionalen Gefühlslage in den 87 Minuten vor ihrer Einwechslung gegen Nigeria zu stellen. „Das habe ich doch schon beantwortet“, schob sie die neuerliche Nachfrage beiseite.

Gereizt und aggressiv präsentierte sich die junge Dame, die noch vor wenigen Monaten dazu auserkoren war, das deutsche Gesicht der Frauenfußball-Weltmeisterschaft zu werden.

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Nur 22 Minuten Spielzeit
Doch in den beiden bisherigen Spielen durfte sie sich gerade einmal 22 Minuten lang der Weltöffentlichkeit präsentieren – zu wenig, um in echte WM-Laune zu kommen, zu wenig auch, um die Sponsoren glücklich zu machen und sich für Werbeaufträge nach dem Turnier zu empfehlen. „Was zählt, ist, dass man spielt, auch wenn man nur drei Minuten spielt“, erklärte sie trotzig. Doch auch ihr dürfte nicht entgangen sein, dass selbst die verletzungsbedingte Auswechslung von Melanie Behringer sie nicht in die Mannschaft gespült hat, stattdessen wechselte Célia Okoyino da Mbabi auf die Behringer-Position.

Auf gutem Weg
„Ich denke, ich bin auf einem guten Weg“, versuchte sie dennoch dem Eindruck entgegenzuwirken, die WM könnte komplett an ihr vorbeilaufen. „Das Frankreich-Spiel wird sicherlich nicht meine letzte Chance sein“, sagt sie, die nur zu gerne am Dienstag im abschließenden Gruppenspiel in ihrer Heimatstadt Mönchengladbach zeigen würde, dass mit ihr wieder zu rechnen ist. „Ich freue mich total auf die Stadt, in der ich aufgewachsen bin. Dort leben meine Familie und meine Freunde und dort gibt es eines der schönsten Fußballstadien in Deutschland.“

Fatmire Bajramaj

Fatmire Bajramaj (im Hintergrund) spielt derzeit nur eine Nebenrolle © Nora Kruse / ff-archiv.de

Bajramaj: „Selber Druck gemacht“
Dafür, dass ihre Leistung in den vergangenen Monaten nicht mehr Extraklasse war, hat Bajramaj eine Erklärung. „Ich habe mir selber Druck gemacht, der Trainerstab hat viel mit mir darüber geredet. Den Druck kann ich mir nur selber nehmen.“ Wie sie das anstellen wolle, wurde sie gefragt, doch darauf wollte sie keine rechte Antwort geben. „Musikhören zum Beispiel“, war ihr zumindest zu entlocken.  Auch den Vorwurf ihres ehemaligen Trainers Bernd Schröder, sie sei nicht in die Nationalmannschaft integriert, wollte sie diesmal nicht diplomatisch abwiegeln. „Herr Schröder hat wahrscheinlich die Tage nix zu tun und sagt unüberlegte Dinge, aber wir lachen nur darüber“, konterte sie die Kritik mit deutlichen Worten.

Unklare Startformation
Ob sie gegen Frankreich zum Einsatz kommt, ist fraglich. Die angeschlagene Melanie Behringer zeigte bei ihren bisherigen WM-Auftritten eine gute Leistung und absolvierte trotz ihrer Außenbahndehnung bereits wieder ein Lauftraining. Assistenztrainerin Ulrike Ballweg erklärte: „Wir haben nur elf Plätze in der Startformation. Wir haben jetzt das dritte Spiel und werden wieder überlegen. Das ist immer wieder ein neuer Entscheidungsfindungsprozess.“

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Markus Juchem (51) schreibt seit 2003 über Frauenfußball, für Medien wie Womensoccer.de, UEFA.com, FIFA.com, DFB.de, FAZ, NZZ und Kicker.

45 Kommentare »

  • Schenschtschina Futbolista sagt:

    Wenn das Ergebnis dem Spielverlauf entspricht, bin ich der Letzte der es den les bleurettes nicht gönnt, und dann wissen wir auch, wie der Boden der Tatsachen in Wirklichkeit beschaffen ist!
    Die staaksige Innenverteidigung dürfte wohl die Achillesferse sein, falls Delia, Thieney, Thommis und Necib nicht zu sehr ballverliebt sein sollten. 😉

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  • fisch sagt:

    @ ballander
    Sachliche Kritik und persönlich lächerlich machende, respektlose
    Reaktion darauf sind doch wohl ein Unterschied. Allein das optimale Timing und die Motivationsförderlichkeit der Schröderschen Kritiken bleiben diskutabel.

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  • Schenschtschina Futbolista sagt:

    Richtig, fisch! Im Vergleich zu Schröder ist Lira einfach ein unausgegorenes FF-Barbie, das z.Z. den mannigfaltigen und zum Großteil selbstverschuldeten und -verantworteten Problemen in keinster Weise gewachsen ist.
    Ich hoffe nur, dass sie in ähnlicher Weise wie es Schröder ihr gegenüber getan hat (in London bei einem Glas Wein sich auszusprechen!) Einsicht zeigt und auf ihren Ex-Trainer zugeht!

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  • fisch sagt:

    Nur noch eine ergänzende Bemerkung zum Thema: Achtung und Respekt vor Lebensleistungen. Bernd Schröder hat am letzten Mittwoch vom Brandenburger Ministerpräsidenten das vom Bundespräsidenten verliehene Bundesverdienstkreuz für seine 40-jährigen, großen Verdienste im Frauenfußball überreicht bekommen. So, nun ist’s gut zu diesem Thema von mir.

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  • Schenschtschina Futbolista sagt:

    @fisch
    Ich hatte auch bereits in einem Beitrag darüber das Unverständnis geäußert, dass es den WS-Machern kein Bericht bzw. noch so kleine Randnotiz wert war!
    Niicht nur für mich hat diese Auszeichnung eigentlich einen höheren Stellenwert als die Meldung über die Vertragsverlängerung der Bundestrainerin!

    Nun, dann läßt man ihn eben heute abend zur Turbine-Fanparty mal so richtig hoch leben! 🙂

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