Gruppe D: Offener Schlagabtausch?

Von am 25. Juni 2011 – 12.24 Uhr 4 Kommentare

Eine interessante Zusammensetzung der Mannschaften stellt sich in WM-Gruppe D dar: Zwei Traditionsmannschaften im Frauenfußball  treffen auf junge Teams, die eine rasante Entwicklung genommen haben, aber über weniger Erfahrung verfügen. Es wird spannend mit Brasilien, Norwegen, Australien und Äquatorialguinea.

„Es ist eine schwierige Gruppe“, sagt Norwegens Spielführerin Ingvild Stensland, die nur sehr knapp für die Weltmeisterschaft überhaupt erst wieder gesund wurde, da sie sich nach einem Bandscheibenvorfall einer Operation unterziehen und lange pausieren musste. Und in der Tat scheinen Prognosen schwierig.

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Brasilien kämpft um den Gruppensieg. © Nora Kruse, ff-archiv.de

Papierform spricht für Brasilien
Die brasilianische Mannschaft ist als Weltranglistendritter von der Papierform her Favorit im Feld, doch bei der „Seleção“, amtierender Vize-Weltmeister, stellte sich die Turniervorbereitung nicht optimal dar. Die Testspielgegner, unter anderem Chile und eine brasilianische Regionalauswahl, dürften kaum Aussagekraft in Bezug auf die wahre Stärke der Brasilianerinnen geben und waren ihnen keine Gegner auf WM-Niveau. Allerdings ist man von den Südamerikanerinnen eine vergleichsweise kurze Vorbereitung mit wenigen Testspielen gewöhnt.

Verletzungspech in Norwegen
Die norwegische Nationalmannschaft musste in der Vorbereitung die Verletzungen von Melissa Wiik, Lise Klaveness und Lene Størlokken wegstecken. Am vergangenen Sonntag kam die Hüftverletzung von Lisa-Marie Woods hinzu. „So ist das Leben“, will Nationaltrainerin Eli Landsem nicht lange mit dem Zustand hadern. „Ich muss mich auf die Spielerinnen konzentrieren, die mir zur Verfügung stehen.“ Von deren Potenzial ist sie überzeugt, und so hält sie am vor über einem Jahr geäußerten Ziel fest: „Wir wollen eine Medaille.“

Doch dieses Ziel dürfte schwer werden. Ein Einzug ins Viertelfinale ist für Norwegen machbar, aber mit zunehmendem Turnierverlauf werden die Skandinavierinnen ihre Probleme bekommen. Selbst bei der als fit und athletisch geltenden Mannschaft wurden in der Partie gegen Deutschland am 16. Juni konditionelle Defizite deutlich.

Australien kommt mit junger Elf
„Ich denke, dass alle Australien unterschätzen, das ist ein sehr starkes Team“, sagt Stensland. Sie erwartet, wie auch ihre Trainerin, ein starkes Auftreten der Matildas. „Sie sind von Jahr zu Jahr besser geworden“, so Landsem. Ihre Elf trifft am letzten Spieltag der Vorrunde auf Australien – ein direktes Duell um ein Ticket für das Viertelfinale ist denkbar.

Australien tritt mit einer sehr jungen Mannschaft (Durchschnittsalter 22) an. Die erfolgshungrige Elf von Trainer Tom Sermanni ist amtierender Asienmeister, hat sich gegen Deutschland im vergangenen Jahr sehr gut verkauft und präsentiert sich selbstbewusst. Australien ist Dauergast bei Weltmeisterschaften, doch die momentane Elf hat kaum Erfahrung – ein Defizit, das schwer wiegen könnte.

„Wundertüte“ Äquatorialguinea
Das Leistungsvermögen des WM-Neulings aus Äquatorialguinea ist wohl am schwersten einzuschätzen. Der Afrikameister von 2008 hat sich in der Vorbereitung abgeschottet und bewusst keine Spiele gegen WM-Gegner absolviert. Ein einziges Länderspiel gegen Luxemburg (8:0) hat keine Aussagekraft. Die Mannschaft setzt auf den Vorteil der Unberechenbarkeit, denn auch die Gruppengegner hatten in der Vorbereitung auf die Afrikanerinnen nicht mehr zur Verfügung als DVD-Mitschnitte aus der WM-Qualifikation. Keines der drei Teams hat bislang gegen Äquatorialguinea gespielt. Der WM-Neuling sieht dies als großen Vorteil an – doch im Umkehrschluss ist den Afrikanerinnen auch das Niveau bei einer Weltmeisterschaft neu.

Womensoccer-Tipp
1. Brasilien
2. Norwegen
3. Australien
4. Äquatorialguinea

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4 Kommentare »

  • Detlef sagt:

    Ich glaube auch, was Ingvild Stensland sagte, und deshalb tippe ich auf die Matildas als Gruppenersten!!!

    Brasilien wird wahrscheinlich noch etwas Zeit brauchen, aber mit ihrer individuellen Klasse kommen sie natürlich weiter!!!

    Norge schafft es wohl nicht, denn die vielen Ausfälle sind doch zu kraß!!!
    Allerdings zeigte das Vorbereitungsspiel gegen USA, daß sie auch torgefährlich sein können, wenn sie ins Spiel kommen!!!

    Die Afrikanerinnen werden wohl chancenlos sein!!!

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  • xXx sagt:

    Warum sieht man Äquatorialguinea so als Außenseiter und schlecht an, wenn man doch überhaupt fast nix über sie weiß. Wer hätte z.B. gedacht, dass Anonma in Deutschland in der Lage ist in 2,5 Jahren in 58 Pflichtspielen für Jena (Liga und Pokal) 54 Tore zu schießen. Hätte ihr damals wohl auch keiner so recht zugetraut. Sie kommt ja schließlich „nur“ aus Äquatorialguinea“. Was, wenn es dort noch weitere solche guten Spielerinnen gibt, die bislang nur noch nicht entdeckt wurden, weil das Land so exotisch ist?

    Man kann so ziemlich nichts über sie sagen, außer das sie 2008 gegen Nigeria Afrikameister wurden und 2010 nur knapp unterlagen. Viel schlechter als Nigeria scheinen sie offentsichtlich nicht zu sein. Und sooo schlecht ist Nigeria jetzt nicht, wie man an der U20-WM gesehen hat.

    Wenn Norwegen, Brasilien und Australien sie auch soooo unterschätzen von vornherein, kann das für Äquatorialguinea wirklich ein Vorteil sein. Muss man sehen.

    Brasilien wird sich mit Sicherheit als 1. durchsetzen. Dahinter kann ALLES passieren. Norwegen hat vor dem WM auch nicht restlos überzeugen können und hat zudem viele Verletzungssorgen, Australien ist sicherlich immer mal für ne Überraschung gut, aber gehört auch nicht gerade zu den Topnationen. Äuqatorialguinea mag sicherlich die schlechteste Mannschaft sein, aber vielleicht auch nicht so schlecht, wie alle denken und daher für Überraschungen gut sein.

    1. Brasilien
    2. hier kann jeder der 3 anderen landen

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  • waiiy sagt:

    Ich sehe Äquatrialguinea auch als die große Unbekannte, halte sie aber auch für sehr spielstark. Die Frage wird sein, ob sie ähnliche Schwierigkeiten mit Disziplin im Spielsystem und Unbeherrschtheiten haben werden, wie es die männlichen Nationalmannschaften hatten und haben und auch die Lust verlieren, wenn mal Gegentore fallen. Das sehe ich als eientliche „Gefahr“ für diese Mannschaft.

    Und da haben sie mit einer disziplinierten Mannschaft wie Norwegen bzw. mit einem gut eingespielten Team wie Australien schon harte Brocken.

    Brasilien kann sicher nur Platz 1 verlieren, wenn sie die Gegner nicht für voll nehmen. Aber auch das kennt man ja von ballverliebten Brasilianern und Brasilianerinnen.

    waiiy

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  • pinkpanther sagt:

    Auch für mich ein „Geheimtipp“: Die Mannschaft Australiens 😉
    Ich könnte mir also durchaus vorstellen, dass es zum VF-Kracher USA-Brasilien kommt. Obwohl … auch die USA haben ihre Gruppe noch lange nicht gewonnen. Vieles hängt vom ersten Spiel gegen NK ab und das ist und bleibt diiiiiie große Unbekannte!

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