Teamporträt Nordkorea

Von am 18. Juni 2011 – 11.52 Uhr

Die nordkoreanische Nationalelf ist in den vergangenen Jahren zu einer festen Größe im internationalen Frauenfußball geworden. Das konditionsstarke und ballsichere Team lässt sich nur ungern in die Karten schauen, was darf man also bei der Frauen-WM in Deutschland erwarten?

„Es ist nicht leicht mit unseren Freunden aus Nordkorea“, musste WM-OK-Präsidentin Steffi Jones einräumen, die sich im Rahmen ihrer Welcome-Tour in Pjöngjang ein Bild von den Gegebenheiten vor Ort machen konnte. Denn statt sich weltoffen zu präsentieren, schottete sich das Team bereits vor der WM ab, ein geplantes Testspiel gegen den 1. FC Lokomotive Leipzig wurde nach Ankunft auf deutschem Boden genauso abgesagt wie ein geplantes Besuchsprogramm.

Dicke Brocken in Gruppe C
Doch verborgen von den Augen der Öffentlichkeit hat sich das Team generalstabsmäßig auf seine vierte Teilnahme an einer Frauenfußball-Weltmeisterschaft vorbereitet. Denn nachdem bei den Titelkämpfen 1999 und 2003 das Aus bereits in der Vorrunde kam und sich 1997 im Viertelfinale Deutschland als zu stark erwies, will die Elf des erfahrenen Trainers Kim Kwan Min diesmal zumindest das Halbfinale erreichen. Doch dazu heißt es, in der schweren Gruppe C gegen die USA, Schweden und WM-Neuling Kolumbien zu bestehen.

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Frauenfußball-Macht in Asien
In Asien ist das Team eine Macht, gewann drei der vergangenen fünf Asien-Meisterschaften. Hinter der Stärke des Teams steht dennoch ein Fragezeichen, nachdem einige namhafte Spielerinnen diesmal nicht mehr dabei sein werden, wie etwa Stürmerin Ri Kum Suk, die bei den vergangenen Turnieren das Aushängeschild des Teams war. 2010 musste sich die Elf bei den kontinentalen Titelkämpfen nur knapp Australien im Elfmeterschießen geschlagen geben. Dennoch glaubt etwa Pia Sundhage, Trainerin von Gruppengegner USA: „Nordkorea ist ist in unserer Vorrundengruppe ein ernsthafter Gegner um den Gruppensieg. Ich habe eine gute Vorstellung vom Team und weiß ziemlich genau, wie sie spielen werden.“

Glorreiche Zukunft?
Kim Kwan Min ist sich sicher: „Wir glauben, dass eine tolle Zukunft vor uns liegt. Die Erfahrung, die wir bei der Asien-Meisterschaft gewonnen haben, war eine gute Gelegenheit.“ In den Testspielen vor der WM fiel das Team aber eher durch schlechte Ergebnisse auf, so gab es Niederlagen gegen Deutschland, Kanada und gar Belgien, einzig gegen China konnte zu Jahresbeginn 1:0 gewonnen werden, in den Niederlanden gab es ein 1:1-Remis. Doch der Kader mit dem diese Ergebnisse erzielt wurden, deckt sich nur teilweise mit dem Stab der 21 Spielerinnen, die bei der WM in Deutschland antreten werden.

Jo Yun-Mi

Jo Yun-Mi deutete beim Test gegen Deutschland in Ingolstadt ihre Torgefährlichkeit an © Sascha Pfeiler / girlsplay.de

Jo Yun-Mi ist Schaltzentrale im Mittelfeld
Viel wird auf Mittelfeldspielerin Jo Yun-Mi ankommen, die als klassischer Zehner die Fäden im Mittelfeld zieht und bei der Asien-Meisterschaft 2010 zur wertvollsten Spielerin gekürt wurde. Die trickreiche und torgefährliche 24-jährige Spielerin vom Armee-Sportklub 25. April erzielte in ihren bisher 30 Länderspielen sechs Tore. „Sie ist für unsere Offensive wie unsere Defensive gleichermaßen wichtig“, lobt ihr Trainer. Vor allem ihre Fähigkeit das Spiel schnell zu machen und blitzartig von Abwehr auf Angriff umzuschalten, macht sie so gefährlich.

Kim Kwan Min: „Kein Geheimfavorit“
Trainer Kim Kwan Min betreut die nordkoreanische Auswahl seit 2005. Unter seiner Ägide qualifizierte sich das Team zum zweiten Mal in Folge für eine Frauenfußball-Weltmeisterschaft. Er erklärt: „Ich sehe uns nicht als Geheimfavorit. Unsere erste Aufgabe besteht darin, in der Todesgruppe mit USA, Schweden und Kolumbien zu überstehen. Alles was danach kommt ist nur noch ein Bonus.“

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Markus Juchem (50) schreibt seit 2003 über Frauenfußball, für Medien wie Womensoccer.de, UEFA.com, FIFA.com, DFB.de, FAZ, NZZ und Kicker.