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2011

Beschäftigungslose Defensive

Drei Spiele, drei Siege, 12:0-Tore – die Testspielbilanz der DFB-Elf ist nach dem 5:0-Erfolg gegen die Niederlande weiter makellos. Doch wie stabil ist die Defensive, wenn es gegen durchschlagskräftigere Gegner geht?

Die Atmosphäre in den Katakomben des Aachener Tivoli war nach dem klaren Erfolg gegen das Nachbarland entspannt. In der Mixed Zone lobten die Spielerinnen die Zuschauerkulisse, verteilten artig Komplimente an die Mitspielerinnen und betonten die hohe Qualität und Flexibilität des gesamten Kaders. Eine Etage höher scherzte Bundestrainerin Silvia Neid in der Pressekonferenz, am meisten Sorgen vor der WM würden ihr ihre persönlichen Termine bereiten, wie etwa die Fußpflege. Sportlich sei bisher alles nach Plan verlaufen.

Niederlande zu harmlos Dabei blieben nach den 90 Minuten noch viele Fragen offen, denn die angekündigte Offensivstärke der Niederländerinnen erwies sich als laues Lüftchen, einzig Manon Melis konnte die Abwehr gelegentlich in Verlegenheit bringen. Bei der Frauen-WM im eigenen Land dürfte die deutsche Defensive aber weit mehr gefordert werden, wenn schnelle Spitzen wie Christine Sinclair , Elodie Thomis oder Stürmerinnen vom Kaliber einer Marta warten.

Wenig Probleme „Heute hat die Abwehr wirklich nicht so viel zu tun bekommen“, räumte Neid ein. Bei den wenigen gegnerischen Offensivaktionen sei ihr Team aber auf der Hut gewesen. „Das haben Saskia und Annike sehr gut gemacht, sie waren immer sofort zur Stelle und bekamen auch Hilfe von den Sechsern Kim und Simon. Das war sehr gut, konzentriert und aufmerksam.“ Auch mit den vermehrten langen Bällen in der zweiten Halbzeit habe man keine Probleme gehabt. „Die haben wir sehr gut und früh erkannt, uns fallen lassen und sie früh abgelaufen.“

Schnitzer vor der Pause Einmal war Krahn aber die fehlende Spielpraxis noch deutlich anzumerken, als sie sich kurz vor der Pause im Zweikampf mit Melis verschätzte, Nadine Angerer die Situation aber entschärfte. „Da hätte ich noch einen Schritt weiter nach rechts gemusst. Sie hat das auch gut gemacht, aber natürlich muss ich da den Körper dazwischen schieben.“ Dennoch war Neid mit ihrer Abwehrchefin zufrieden.

Neid: “Krahn kann auf jeden Fall eine WM spielen” „Sie hat heute und auch am vergangenen Freitag sehr gut gespielt, sie ist auf jeden Fall soweit, dass sie eine WM spielen kann.“ Neid betonte, trotz der klaren Siege sei ihr Team insgesamt in allen drei Spielen gefordert worden. „Das war gegen alle nicht einfach. Wir haben dann letztlich so hoch gewonnen, weil wir eben momentan stärker drauf sind und sich die anderen beiden Teams nicht auf eine WM vorbereiten“, spielte sie auf die Gegner aus Italien und den Niederlanden an.

Norwegen als echter Prüfstein Doch schon bei der WM-Generalprobe gegen WM-Teilnehmer Norwegen dürfte am 16. Juni in Mainz eine andere Herausforderung auf die DFB-Spielerinnen warten. „Das wird dann auch in der zweiten Halbzeit ein ausgeglichenes Spiel werden“, ist sich Neid sicher. Insgesamt sei die Vorbereitung bisher optimal verlaufen. „Gegen Norwegen wird uns hier und da noch etwas aufgezeigt werden, am 21. treffen wir uns dann in Berlin, wo wir noch ein paar Trainingseinheiten zusammenarbeiten können. Dann sind wir froh, wenn es los geht.“

Starke Kulig Kim Kulig erhielt für ihre Leistung ein Sonderlob. „Sie hat ein Superspiel gemacht, auch schon gegen Italien. Sie hat heute viel Spielfreude nach vorne gezeigt, auf der Sechserposition muss sie auch eine Art Spielmacherin sein. Sie ist sehr laufstark und hat ihre Mitspielerinnen gut eingesetzt, das hat mir gefallen.“ Und Kulig verspricht: „Von der WM dürfen wir uns noch mehr erwarten, dort werden wir spritziger sein.“

Torgefährlich und stark In allen drei Testspielen konnte sich die zukünftige Frankfurterin auch in die Torschützenliste eintragen, nach ihrem Treffer schickte sie einen besonderen Gruß auf die Tribüne. „Das Herz ist ein Zeichen für meine Familie, die freuen sich immer.“ In großen Teilen kam das Spiel schon dem nahe, was Kulig bei der WM mit ihrem Team zeigen will. „Wir wollen so spielen, dass der Gegner wenig Ballbesitz hat, wir unsere Torchancen haben und die Tore machen. Wir sind ganz stark und es macht richtig Spaß, in dieser Mannschaft zu spielen.“

Vorgeschmack auf die WM Torhüterin Nadine Angerer lobte ebenfalls ihre Mitspielerinnen: „Wenn ich nicht viel zu tun habe, spricht das für die Qualität der Mannschaft. Heute waren zumindest ein paar Rückpässe mehr dabei.“ Die Kulisse am Tivoli lieferte schon einen kleinen Vorgeschmack auf die WM. „Die Zuschauer sind phänomenal, ich genieße das.“ Und auch Bundestrainer Neid meinte: „Die Spielerinnen freuen sich unheimlich auf die vollen Stadien. Wenn die Zuschauer uns so unterstützen wie heute in Aachen, ist das klasse, das beflügelt einfach.“