Kim Kulig: Gereifter Shootingstar

Von am 5. Juni 2011 – 9.38 Uhr 8 Kommentare

2009 machte Kim Kulig eine Blitzkarriere und war eine der auffälligsten Nachwuchsspielerinnen der Frauenfußball-EM in Finnland. In den vergangenen zwei Jahren hat sich die 21-Jährige zu einer echten Führungskraft entwickelt, wie sie beim 5:0-Sieg gegen Italien eindrucksvoll unterstrich.

Ihr kraftvoller Einsatz und kluge Pass auf Kerstin Garefrekes war es, der nach gut einer halben Stunde die deutsche Führung einleitete, in der zweiten Halbzeit krönte sie ihre starke Leistung mit dem entschlossenen Treffer zum 3:0.

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Fähigkeit zur Selbstkritik
Nicht nur athletisch, sondern auch in puncto Spielübersicht hat sich die Noch-Hamburgerin verbessert, auf der Doppel-Sechs ist sie im System von Bundestrainerin Silvia Neid kaum noch wegzudenken. „Es war ein wunderschöner Tag, was will man mehr für ein Testspiel?“, freute sie sich nach dem klaren Erfolg, nicht ohne sofort zu analysieren: „So gut läuft es noch nicht, man hat gesehen, dass wir noch Probleme haben. Phasenweise hat es gut geklappt, aber wir wissen, dass wir uns im Aufbauspiel noch verbessern müssen.“

Wechsel in die Bundesliga als Schlüsselerlebnis
Seit sie zur Saison 2008/09 von Zweitligist VfL Sindelfingen in die Bundesliga zum Hamburger SV wechselte, ging es für Kulig steil nach oben. „Da habe ich gesehen, dass man in der 1. Bundesliga mehr trainieren muss. Dort musste ich Verantwortung übernehmen und konnte mich von daher bestmöglich weiterentwickeln. Das war der erste Schritt. Der Fußball war immer Nummer Eins, die Schule habe ich nebenher gemacht“, erklärt sie, wo die Prioritäten lagen. „Ich habe nicht gedacht, ich muss eine gute Note schreiben, ich dachte eher, ich muss fit sein und gut trainieren.“

Kim Kulig

Kim Kulig (li.) freut sich mit Alex Popp über einen Treffer gegen Kanada © Sven-E. Hafft / girlsplay.de

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Rascher Aufstieg
Im Februar 2009 bestritt sie gegen China ihr erstes Länderspiel in der A-Nationalmannschaft, nur wenige Monate später gehörte sie zum DFB-Kader der Europameisterschaft in Finnland, wo sie mit ihrer Leistung einen beträchtlichen Anteil am Gewinn des EM-Titels hatte. In einer Großfamilie als eines von sechs Kindern aufgewachsen, fiel es ihr nie schwer, im Team für den Erfolg zu kämpfen. „Es lag mir nie richtig, einen Einzelsport zu betreiben. Da muss man über Leichen gehen und das konnte ich eigentlich nie. Fußball hat mir einfach Spaß gemacht.“

Kicken verboten
Dabei genoss der Fußball in ganz jungen Jahren noch nicht oberste Priorität bei der gebürtigen Herrenbergerin. „Zuerst habe ich zwei andere Sportarten gemacht, Leichtathletik und BMX. Zum Fußball kam ich dann durch Klassenkameraden in der Grundschule. Meine Eltern haben es zuerst gar nicht erlaubt wegen der anderen beiden Sportarten, weil sie Angst hatten, dass es sonst zu viel wird“, erinnert sie sich.

Anfänge mit Acht
Beim SV Poltringen schnürte sie dann als Achtjährige erstmals ihre Fußballschuhe in einer Jungenmannschaft. Im Alter von zehn Jahren wurde sie erstmals zu einer Auswahlmannschaft eingeladen, nach ihrem Wechsel zum SV Unterjesingen folgten DFB-Stützpunkttrainings bei den Jungen, mit 13 dann beim VfL Sindelfingen die Berufung in die Auswahl des Württembergischen Fußballverbands.

Mit Talent, Ehrgeiz und Fleiß nach oben
„Dann spielt man Turniere, kommt in Sichtungslehrgänge für den DFB und sieht auch mal ein Länderspiel im Fernsehen.“ Doch von einer großen Karriere träumte sie damals noch nicht. „Man denkt noch nicht so viel nach, wenn man jung ist. Es macht einem Spaß, man sieht, dass man immer mehr erreichen könnte, dementsprechend ist der Ehrgeiz da.“ Und so wurden die Ziele Schritt für Schritt gesteigert. „Es war ein rasanter Aufstieg, von daher ging es ziemlich schnell.“ Zum Talent gesellte sich Trainingsfleiß, von größeren Verletzungen blieb sie glücklicherweise verschont.

Kim Kulig

Kim Kulig beim Aufwärmen vor dem Spiel gegen Italien © Nora Kruse / ff-archiv.de

„Bereits die Vorrunde ist happig“
Der Fokus ist nun ganz auf den Fußball gerichtet, wenn es gilt, bei der Frauenfußball-WM im eigenen Land so erfolgreich wie möglich abzuschneiden. „Wir haben in den letzten Jahren alles abgeräumt, von daher dürfen wir uns über die Erwartungshaltung nicht beschweren. Aber die anderen Nationen schlafen nicht, von daher wird es eine interessante WM, der Konkurrenzkampf ist groß und keine Mannschaft kann sich sicher sein, bereits die Vorrunde wird happig.“

„Wollen die Menschen begeistern“
In den K.-o.-Spielen hänge auch viel von der Tagesform ab. „Wir machen uns aber nicht zu viel Druck. Wir wollen die Menschen in den Stadien begeistern. Wenn wir erfolgreich sind, wird eine richtige Euphorie entfacht werden.“ Neben ihrer gereiften Persönlichkeit auf dem Platz meistert sie auch den Parcours der Werbe- und Marketingaktivitäten im Vorfeld der WM mit Bravour. „Das ist eine schöne Abwechslung, es gehört dazu und ist auch eine Chance für uns. Man muss sich auch nach außen präsentieren können.“

Mit Frankfurt Champions League spielen
Und nach der WM wird sich Kulig nach dem Wechsel zum 1. FFC Frankfurt der nächsten Herausforderung stellen. „Das ist der beste Zeitpunkt. Mit dem HSV kann ich keine Champions League spielen, auch nicht um nationale Titel, von daher sehe ich das auch nochmal als Chance, mich im täglichen Training mit anderen Nationalspielerinnen weiterzuentwickeln. Ich will noch einiges erreichen, deswegen habe ich diesen Schritt gemacht.“

Berufliche Zukunft
Und auch ihre berufliche Laufbahn will sie nicht vernachlässigen. „Das ist noch ein Stück weit weg, aber im Oktober will ich Sportmanagement als Fernstudium beginnen. Ich möchte dem Fußball auch später treu bleiben, mal schauen, was sich beruflich aufbauen lässt.“

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Markus Juchem (50) schreibt seit 2003 über Frauenfußball, für Medien wie Womensoccer.de, UEFA.com, FIFA.com, DFB.de, FAZ, NZZ und Kicker.

8 Kommentare »

  • fribu sagt:

    Kim Kulig ist eine tolle Fußballerin. Nur warum wechselte sie nach Frankfurt? Wenn irgendwo ’ne Warteschlange ist, muß man sich doch nicht gerade da anstellen… 😐

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  • Michele sagt:

    Kim möchte sich weiterentwickeln und da ist Frankfurt die richtige Adresse. Warum wird jeder Wechsel an den Main kritisch gesehen? Ich jedenfalls freue mit auf „Coolig“.

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  • fribu sagt:

    @ Michele:

    Wenn die besten Spielerinnen weiterhin reihenweise nach Frankfurt abwandern, kommt ihnen -welche Überraschung- irgendwann jeglicher ebenbürtige Gegner abhanden. Und die Bundesliga wird noch einseitiger (und damit langweiliger) als jetzt schon ab und zu. Vielleicht sollte Frankfurt mit 2 Teams in der Bundesliga spielen. 😉

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  • Schenschtschina Futbolista sagt:

    Da ist sicher was Wahres dran, fribu. Ich sehe auch die Gefahr, dass sich die BL zur 2-Klassen-Gesellschaft entwickelt – die oben und die unten unter sich!
    Mit dem Ergebnis:Nachlassen des Interesses bei den Zuschauern und der Motivation bei den Aktiven nach dem Motto:Es ist halt so, wir können´s nicht ändern, wenn wir uns noch soviel Mühe geben.

    Und was den Kulig-Schritt angeht:Wieviele Alternativen hatte sie denn? Ich kann so wie ihre Entscheidung gefallen ist, diese nachvollziehen. Immerhin war ja bereits Anfang 2009 die Rede davon…

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  • Detlef sagt:

    @fribu,
    In puncto Einseitigkeit der BuLi hast Du sicherlich recht!!!

    Aber dafür dürfen doch nicht die Spielerinnen verantwortlich gemacht werden!!!
    Das ist Sache des DFB, und des Ligarates!!!

    Und wenn Kim nächstes Jahr in der CL spielen möchte, kommen ja nur Frankfurt oder Potsdam in Frage!!!

    Und da ihr persönlicher Berater seeeeehr gute Connections nach Mainhatten hat, ist ihre Wahl wohl verständlich!!!

    Und starke Konkurrenz im eigenen Verein, ist ja auch nicht schädlich für die persönliche- und sportliche Entwicklung!!!

    Und vielleicht hat man nun auch in Frankfurt endlich gemerkt, daß ihre zweite Mannschaft nicht nur so ein nutzloses Anhängsel ist!!!
    Und so werden wohl einige der Top-Spielerinnen nächstes Jahr dafür sorgen, daß Frankfurts Zweite auch weiterhin in der Bundesliga spielt!!!

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  • jochen-or sagt:

    Sie wird sich auch in Frankfurt durchsetzen. Da habe ich keine Zweifel und wir werden noch lange an ihr Freude haben, wenn sie dann nicht verletzt wird!

    Und jetzt geht es zu Al-Dersimspor gegen Hafen Rostock!:-)

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  • laasee sagt:

    Only one club in the Buli has money.
    That is the big problem.

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  • Marcel sagt:

    Wer in der Natio Stammkraft ist wirds wohl erst recht bei Frankfurt sein.Da brauch sie sich erstmal keine Sorgen drum zu machen auf der Bank zu versauern

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