Schul-WM: Für Potsdams Elite zählt nur Gold

Von am 10. April 2011 – 15.02 Uhr 27 Kommentare

Mit zweieinhalb Millionen Einwohnern ist Fortaleza ein bisschen kleiner als Berlin. Doch das ist den U17-Fußballschülerinnen aus der Potsdamer Eliteschule Friedrich Jahn schnurzpiepegal. 18 Mädels und ihre Betreuer sitzen heute im Flieger in die nordostbrasilianische Stadt, in der ab Montag um die Schul-WM gespielt wird.

Hier sind die jungen Potsdamerinnen Titelverteidiger. „Wir wollen das Turnier gewinnen“, lautet kurz und knackig die Ansage von Sportlehrer Sven Weigang, der die meisten Mädels auch von der U17 her kennt. Die ist bekanntlich deutscher Meister. Für die Schul-WM aber qualifiziert man sich als Bundessieger im Wettbewerb „Jugend trainiert für Olympia.“

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Nachträglicher WM-Titel
Die passenden Medaillen und den Pokal haben sie inzwischen in Potsdam. Nachdem es 2009 im türkischen Antalya schwerste Betrügereien gegeben hatte, weil China sich nicht an die Regeln gehalten und gleich das komplette Nationalteam geschickt hatte, gegen das die Mädels vom Luftschiffhafen dann im Finale im Elfmeterschießen den Kürzeren gezogen hatten und erst nach langen zähen Monaten des Protestes der wahre Weltmeistertitel doch nach Potsdam ging.

Potdsdam hofft auf Konditionsvorteile
Spannend: China ist jetzt in die deutsche Gruppe gelost worden. Zusammen mit Schweden, Frankreich, Italien und Brasilien B. Die Gastgeberinnen stellen zwei Teams und sorgen so für gleichgroße Gruppen. Brasilien A trifft auf Finnland, Dänemark, Belgien und Guatemala. Das Finale und alle anderen Platzierungen werden am kommenden Sonntag ausgetragen. Ein pralles Programm also. Doch Sven Weigang setzt auf sein konditionsstarkes Team. „Ich denke, dass wir von hinten heraus den längeren Atem haben werden“, sagt er. So kennt man die Potsdamer Spielart.

Großzügige Spenden
Möglich wurde der Ausflug nach Brasilien nur, weil der Etat von etwa 50 000 Euro durch Spenden eingeworben wurde. Sparkasse, Allianz, Deutsche Bank, ILB, das brandenburgische Bildungsministerium und viele Kleinspender greifen den Schülerinnen unter die Arme. Allein der Flug verschlingt 26 000 Euro.

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Erica Dillmann

Erica Dillmann (Mi.) feiert Wiedersehen mit ihrer brasilianischen Heimat © Rainer Hennies

Dillmann zurück in die Heimat
Mit Anna Sophie Fliege (DFB U15), Annalena Kriebisch (DFB U16) und Nina Fischer (DFB U16) sind drei Nationalspielerinnen im Weigang-Team. Besonders spannend aber ist die WM-Reise für Erica Dillmann. Sie ist brasilianischer Abstammung, kommt aus São Paulo. Mit zweieinhalb Jahren wurde die 17-jährige Angreiferin adoptiert, weil ihre leibliche Mutter jung, alleinstehend auf der Straße lebte und das Kind deshalb in ein Heim gegeben hat.“

Emotionale Reise
Durch die Adoptiveltern ging es nach Ravensburg, später nach Spanien, wo Erica mit den Jungs kickte, später auch in einem weiblichen Team spielte. Dann zurück in Oberschwaben schaffte sie es bis zu den DFB-Mädchen, wo Turbine Potsdam über ihre Spielerin Felicitas Mayr zugriff und Dillmann am Luftschiffhafen unterbrachte.

Natürlich ist für sie diese Reise emotional besonders bewegend. Aber ihre Mutter kennenlernen möchte sie nicht. „Klar, man überlegt, wie sie so ist. Doch sie lebt auf der Straße und ist nicht gemeldet. Ich würde sie auch gar nicht finden.“ Gut, das es von Fortaleza nach São Paulo noch einmal eine kleine Weltreise ist, immerhin fast vier Flugstunden.

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