Duisburg tankt Moral auf dem Bolzplatz

Von am 10. April 2011 – 12.43 Uhr 28 Kommentare

Die Chancen auf das Erreichen des Finales der Champions League in London sind für den FCR 2001 Duisburg nach dem 2:2 im Halbfinal-Hinspiel gegen den 1. FFC Turbine Potsdam sicher nicht besonders groß. Dennoch durfte sich das Team nach der Partie als moralischer Sieger fühlen.

Denn der Gast aus Potsdam verspielte eine zweimalige Führung und machte zu wenig aus seiner spielerischen Überlegenheit.

Potsdam zu selbstgefällig
„Nach der 1:0-Führung waren wir gut im Spiel, aber dann haben wir uns durch dumme Abwehrfehler selbst aus dem Rhythmus gebracht“, analysierte Turbine-Trainer Bernd Schröder nach der Partie. Zum wiederholten Mal brachte sich sein Team in dieser Saison nach einer Führung noch einmal ohne Not in die Bredouille, wie etwa im Bundesligaspiel beim SC 07 Bad Neuenahr oder auch dem DFB-Pokalhalbfinale in München.

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Holpriger Rasen
Trotz des eines Champions-League-Halbfinales unwürdigen Geläufs im PCC-Stadion von Homberg, auf dem nahezu jeder Ball versprang, deutete Potsdam, allen voran durch Anja Mittag, bei einigen schönen Spielzügen in der ersten Halbzeit an, wozu das Team in der Lage ist. Die Gastgeberinnen aus Duisburg versuchten hingegen zumeist mit langen Bällen die mangelnde Kreativität im Mittelfeld zu überbrücken, doch bei einigen schnellen Vorstößen über die Außenbahn deckten die Duisburgerinnen auf, dass die Defensive, früher Prunkstück und Garant des Potsdamer Erfolgs, anfälliger ist als in der Vergangenheit.

Fatmire Bajramaj in Aktion

Fatmire Bajramaj hatte Pech mit einem Lattenschuss © Marion Kehren

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Löchrige Defensivreihen
Denn nach dem furiosen Freistoßhammer von Isabel Kerschowski zum 1:0 hatte Turbine das Spiel dem Anschein nach im Griff. Bis Alexandra Popp mit einem simplen schnellen Pass in die Spitze die Turbine-Abwehr aushebelte und sich Inka Grings abgebrüht und kaltschnäuzig die Chance zum 1:1 nicht entgehen ließ. Doch nur wenige Minuten später lief das Team von Trainer Marco Ketelaer bereits wieder einem Rückstand hinterher, Anja Mittag und Yuki Nagasato nutzten eine Schlafmützigkeit in der Duisburger Abwehr eiskalt aus.

Popp glänzt als Vorbereiterin
Wer jedoch gedacht hatte, der neuerliche Nackenschlag würde Duisburg demoralisieren, sah sich getäuscht. Denn noch vor der Pause glich Jennifer Oster aus, erneut glänzte Popp als Torvorbereiterin, Bianca Schmidt hatte im Mittelfeld einen Ball vertändelt. „Das war wichtig, dass wir die zwei Tore gemacht haben, jetzt können wir mit gutem Gewissen ins Rückspiel gehen“, versprühte Popp nach Spielende Optimismus.

Bellinghoven mit Glück und Können
In der zweiten Halbzeit war bei beiden Teams viel Sand im Getriebe, in der Schlussphase schien Potsdam einem dritten Treffer näher, doch eine glänzend aufgelegte Duisburger Torhüterin Christina Bellinghoven verhinderte mit einem Reflex gegen Schmidt einen Rückstand, in der Schlussminute hatte sie Glück, dass Fatmire Bajramaj nur die Latte traf. „Dieses Ergebnis ist kein Ruhekissen, im Rückspiel wird es nochmals eng zur Sache gehen“, so Schröders nüchternes Fazit.

Josephine Henning, Inka Grings

Josephine Henning (li.) im Laufduell mit Inka Grings © Marion Kehren

Grings: „Keine schlechte Basis“
Im Duisburger Lager war man ob des Ergebnisses hingegen nicht unzufrieden. „Vor einem Jahr hatten wir das Hinspiel 1:0 gewonnen, danach fehlte die Anspannung, und wir hatten ein böses Erwachen“, so Ketelaer. Und Grings ergänzte: „Wir können zufrieden sein, waren zweimal im Rückstand, haben zweimal aufgeholt, das ist keine schlechte Basis für das Rückspiel.“

Duisburg setzt auf Laudehr
Im Rückspiel wird den Duisburgerinnen außerdem Simone Laudehr wieder zur Verfügung stehen. „Mir ihr haben wir im Mittelfeld noch mehr Optionen“, meint Ketelaer. Potsdam wird am kommenden Sonntag im Karl-Liebknecht-Stadion hingegen auf die gelbgesperrte Bianca Schmidt verzichten müssen. Und sich bis dahin Gedanken machen müssen, wie man die Löcher in der Defensive stopft, zumal Josephine Hennings Einsatz nach einer Prellung fraglich sein könnte.

Potsdamer Heimstärke
Dennoch spricht die Ausgangsposition dank der zwei Auswärtsstore für Potsdam, denn nur mit einem hohen Unentschieden oder einem Sieg kann Duisburg den Sprung ins Champions-League-Finale am 26. Mai in London schaffen, ein 0:0 oder ein 1:1 wäre für Potsdam bereits ausreichend. Und im „Karli“ ist das Team eine Macht – seit einer 0:3-Niederlage in der Bundesliga gegen den FC Bayern München am 6. September 2008 sind die Potsdamerinnen auf eigenem Platz ungeschlagen.

Markus Juchem (50) schreibt seit 2003 über Frauenfußball, für Medien wie Womensoccer.de, UEFA.com, FIFA.com, DFB.de, FAZ, NZZ und Kicker.

28 Kommentare »

  • WalesGER sagt:

    @lassee

    I am wondering if you will still support the „SAMBA SAMBA“ Club
    if your only Queen of Football will leave the club! 🙂

    Grings its a real good player and one of the best in Germany…but she is not the only good player germany has and not the only good player Duisburg has!
    (just if you forgot about it :D)

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  • laasee sagt:

    @waiiy

    UEFA count all goals for the Top Scorer Award.
    That is why Vidarsdottir has won the Award 3 times.
    Also, Burki won the Award last year.

    Maybe you should understand the exact rules!
    Better to be smart than clever.

    Samba Samba

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  • laasee sagt:

    @WalesGer

    I first became aware of Inka in EM2005.
    Because of her I became a fan of FCR – not because of the „gentlemen“.
    I hope they chaos men leave the club – the sooner the better.

    I will always be a Inka fan and a FCR fan.
    I sincerely hope that the union of Inka with FCR remains.

    Oh, just to clarify – Inka is the best player that Germany has ever produced.
    She has always had to fight an uphill battle because of the attitude of many in the DFB and the DFB infuenced media.
    Inka has a football talent ‚from heaven‘ – very few (men or women) are that blessed.

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  • WalesGER sagt:

    @laasee

    *Inka is the best player Germany has „EVER“ produced*

    haha well..you saw her in 2005 the first time… I dont know how long you are following womens football in Germany and if you have ever seen any player from the „old“ nationalteam back in the days of Meinert,Neid,Fitschen,Mohr,Jones,Wiegmann, Lingor, Bernhardt, Bornschein….etc… -in their active days!!!
    back in the days of the 80s or 90s (well maybe I am just getting old) 🙂 🙂

    but I agree with you that she is really gifted with a great talent (maybe not from heaven but I am not that religious 😉 )

    and you are obviously a huge fan of her…thats okay… I am a huge Fan of Kelly Smith and she is IN YOUR WORDS also gifted by a talent „from heaven“ 🙂

    but….coming back to the above subject…

    Postdam has the better chances to proceed to the final… and not becos of the „gentlemen“ or the Coach of the Duisburg…
    Postdam just has the better team play and in the end what we call
    “ a quantum of luck“ in the end… 🙂

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  • laasee sagt:

    @WalesGer

    You missed out the name Voss on your list of great players.
    Does she not qualify?

    Everybody has a special talent (from heaven) – even Brandenburgers.
    It is just that Inka has that unique talent of being the best goalgetter of all time – it is special as gold dust.
    That is an uber special and natural gift – it can not be manufactured.

    Now the game on Sunday.
    The „gentlemen“ at FCR created an advantage for Potsdam with the crazy decision to sack MVT.
    The game ended 2:2 and I think that Bernd Schroder is disappointed because it was a missed opportunity for Potsdam. He knows that FCR were very bad in defence and the team was tactically inept. FCR got the draw because of class finishing by Inka and Jenny. Also the morale of the FCR players was good. The players were united as a team – but not as a club.
    So now it is clear that FCR must win (3:3, 4:4 is not on). That helps to concentrate the players minds.
    Big games are often decided by big players. FCR have the big players.

    Ironically the crazy nonsense of the „gentlemen“ at Duisburg may well contribute to the team spirit of the FCR players. They will be playing for themselves as a team and not for the Club (I hope you understand what I mean with that).

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  • Ulf sagt:

    Egal ob Mann oder Frau, heirate sie und dann ist gut hier.

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  • Ulf sagt:

    Der FCR demnächst im Sportpark Wedau statt PCC Stadion ?
    https://j.mp/eF9Q2y

    ein paar Photos:
    https://j.mp/ga73e3

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  • laasee sagt:

    Lots of nice trees in the photos.
    The PCC Stadion is better for picnics and sunbathing.

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