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2011

Duisburg tankt Moral auf dem Bolzplatz

Die Chancen auf das Erreichen des Finales der Champions League in London sind für den FCR 2001 Duisburg nach dem 2:2 im Halbfinal-Hinspiel gegen den 1. FFC Turbine Potsdam sicher nicht besonders groß. Dennoch durfte sich das Team nach der Partie als moralischer Sieger fühlen.

Denn der Gast aus Potsdam verspielte eine zweimalige Führung und machte zu wenig aus seiner spielerischen Überlegenheit.

Potsdam zu selbstgefällig „Nach der 1:0-Führung waren wir gut im Spiel, aber dann haben wir uns durch dumme Abwehrfehler selbst aus dem Rhythmus gebracht“, analysierte Turbine-Trainer Bernd Schröder nach der Partie. Zum wiederholten Mal brachte sich sein Team in dieser Saison nach einer Führung noch einmal ohne Not in die Bredouille, wie etwa im Bundesligaspiel beim SC 07 Bad Neuenahr oder auch dem DFB-Pokalhalbfinale in München.

Holpriger Rasen Trotz des eines Champions-League-Halbfinales unwürdigen Geläufs im PCC-Stadion von Homberg, auf dem nahezu jeder Ball versprang, deutete Potsdam, allen voran durch Anja Mittag, bei einigen schönen Spielzügen in der ersten Halbzeit an, wozu das Team in der Lage ist. Die Gastgeberinnen aus Duisburg versuchten hingegen zumeist mit langen Bällen die mangelnde Kreativität im Mittelfeld zu überbrücken, doch bei einigen schnellen Vorstößen über die Außenbahn deckten die Duisburgerinnen auf, dass die Defensive, früher Prunkstück und Garant des Potsdamer Erfolgs, anfälliger ist als in der Vergangenheit.

Löchrige Defensivreihen Denn nach dem furiosen Freistoßhammer von Isabel Kerschowski zum 1:0 hatte Turbine das Spiel dem Anschein nach im Griff. Bis Alexandra Popp mit einem simplen schnellen Pass in die Spitze die Turbine-Abwehr aushebelte und sich Inka Grings abgebrüht und kaltschnäuzig die Chance zum 1:1 nicht entgehen ließ. Doch nur wenige Minuten später lief das Team von Trainer Marco Ketelaer bereits wieder einem Rückstand hinterher, Anja Mittag und Yuki Nagasato nutzten eine Schlafmützigkeit in der Duisburger Abwehr eiskalt aus.

Popp glänzt als Vorbereiterin Wer jedoch gedacht hatte, der neuerliche Nackenschlag würde Duisburg demoralisieren, sah sich getäuscht. Denn noch vor der Pause glich Jennifer Oster aus, erneut glänzte Popp als Torvorbereiterin, Bianca Schmidt hatte im Mittelfeld einen Ball vertändelt. „Das war wichtig, dass wir die zwei Tore gemacht haben, jetzt können wir mit gutem Gewissen ins Rückspiel gehen“, versprühte Popp nach Spielende Optimismus.

Bellinghoven mit Glück und Können In der zweiten Halbzeit war bei beiden Teams viel Sand im Getriebe, in der Schlussphase schien Potsdam einem dritten Treffer näher, doch eine glänzend aufgelegte Duisburger Torhüterin Christina Bellinghoven verhinderte mit einem Reflex gegen Schmidt einen Rückstand, in der Schlussminute hatte sie Glück, dass Fatmire Bajramaj nur die Latte traf. „Dieses Ergebnis ist kein Ruhekissen, im Rückspiel wird es nochmals eng zur Sache gehen“, so Schröders nüchternes Fazit.

Grings: „Keine schlechte Basis“ Im Duisburger Lager war man ob des Ergebnisses hingegen nicht unzufrieden. „Vor einem Jahr hatten wir das Hinspiel 1:0 gewonnen, danach fehlte die Anspannung, und wir hatten ein böses Erwachen“, so Ketelaer. Und Grings ergänzte: „Wir können zufrieden sein, waren zweimal im Rückstand, haben zweimal aufgeholt, das ist keine schlechte Basis für das Rückspiel.“

Duisburg setzt auf Laudehr Im Rückspiel wird den Duisburgerinnen außerdem Simone Laudehr wieder zur Verfügung stehen. „Mir ihr haben wir im Mittelfeld noch mehr Optionen“, meint Ketelaer. Potsdam wird am kommenden Sonntag im Karl-Liebknecht-Stadion hingegen auf die gelbgesperrte Bianca Schmidt verzichten müssen. Und sich bis dahin Gedanken machen müssen, wie man die Löcher in der Defensive stopft, zumal Josephine Hennings Einsatz nach einer Prellung fraglich sein könnte.

Potsdamer Heimstärke Dennoch spricht die Ausgangsposition dank der zwei Auswärtsstore für Potsdam, denn nur mit einem hohen Unentschieden oder einem Sieg kann Duisburg den Sprung ins Champions-League-Finale am 26. Mai in London schaffen, ein 0:0 oder ein 1:1 wäre für Potsdam bereits ausreichend. Und im „Karli“ ist das Team eine Macht – seit einer 0:3-Niederlage in der Bundesliga gegen den FC Bayern München am 6. September 2008 sind die Potsdamerinnen auf eigenem Platz ungeschlagen.