Duisburg tankt Moral auf dem Bolzplatz

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Die Chancen auf das Erreichen des Finales der Champions League in London sind für den FCR 2001 Duisburg nach dem 2:2 im Halbfinal-Hinspiel gegen den 1. FFC Turbine Potsdam sicher nicht besonders groß. Dennoch durfte sich das Team nach der Partie als moralischer Sieger fühlen.

Denn der Gast aus Potsdam verspielte eine zweimalige Führung und machte zu wenig aus seiner spielerischen Überlegenheit.

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Potsdam zu selbstgefällig
„Nach der 1:0-Führung waren wir gut im Spiel, aber dann haben wir uns durch dumme Abwehrfehler selbst aus dem Rhythmus gebracht“, analysierte Turbine-Trainer Bernd Schröder nach der Partie. Zum wiederholten Mal brachte sich sein Team in dieser Saison nach einer Führung noch einmal ohne Not in die Bredouille, wie etwa im Bundesligaspiel beim SC 07 Bad Neuenahr oder auch dem DFB-Pokalhalbfinale in München.

Holpriger Rasen
Trotz des eines Champions-League-Halbfinales unwürdigen Geläufs im PCC-Stadion von Homberg, auf dem nahezu jeder Ball versprang, deutete Potsdam, allen voran durch Anja Mittag, bei einigen schönen Spielzügen in der ersten Halbzeit an, wozu das Team in der Lage ist. Die Gastgeberinnen aus Duisburg versuchten hingegen zumeist mit langen Bällen die mangelnde Kreativität im Mittelfeld zu überbrücken, doch bei einigen schnellen Vorstößen über die Außenbahn deckten die Duisburgerinnen auf, dass die Defensive, früher Prunkstück und Garant des Potsdamer Erfolgs, anfälliger ist als in der Vergangenheit.

Fatmire Bajramaj in Aktion
Fatmire Bajramaj hatte Pech mit einem Lattenschuss © Marion Kehren

Löchrige Defensivreihen
Denn nach dem furiosen Freistoßhammer von Isabel Kerschowski zum 1:0 hatte Turbine das Spiel dem Anschein nach im Griff. Bis Alexandra Popp mit einem simplen schnellen Pass in die Spitze die Turbine-Abwehr aushebelte und sich Inka Grings abgebrüht und kaltschnäuzig die Chance zum 1:1 nicht entgehen ließ. Doch nur wenige Minuten später lief das Team von Trainer Marco Ketelaer bereits wieder einem Rückstand hinterher, Anja Mittag und Yuki Nagasato nutzten eine Schlafmützigkeit in der Duisburger Abwehr eiskalt aus.

Popp glänzt als Vorbereiterin
Wer jedoch gedacht hatte, der neuerliche Nackenschlag würde Duisburg demoralisieren, sah sich getäuscht. Denn noch vor der Pause glich Jennifer Oster aus, erneut glänzte Popp als Torvorbereiterin, Bianca Schmidt hatte im Mittelfeld einen Ball vertändelt. „Das war wichtig, dass wir die zwei Tore gemacht haben, jetzt können wir mit gutem Gewissen ins Rückspiel gehen“, versprühte Popp nach Spielende Optimismus.

Bellinghoven mit Glück und Können
In der zweiten Halbzeit war bei beiden Teams viel Sand im Getriebe, in der Schlussphase schien Potsdam einem dritten Treffer näher, doch eine glänzend aufgelegte Duisburger Torhüterin Christina Bellinghoven verhinderte mit einem Reflex gegen Schmidt einen Rückstand, in der Schlussminute hatte sie Glück, dass Fatmire Bajramaj nur die Latte traf. „Dieses Ergebnis ist kein Ruhekissen, im Rückspiel wird es nochmals eng zur Sache gehen“, so Schröders nüchternes Fazit.

Josephine Henning, Inka Grings
Josephine Henning (li.) im Laufduell mit Inka Grings © Marion Kehren

Grings: „Keine schlechte Basis“
Im Duisburger Lager war man ob des Ergebnisses hingegen nicht unzufrieden. „Vor einem Jahr hatten wir das Hinspiel 1:0 gewonnen, danach fehlte die Anspannung, und wir hatten ein böses Erwachen“, so Ketelaer. Und Grings ergänzte: „Wir können zufrieden sein, waren zweimal im Rückstand, haben zweimal aufgeholt, das ist keine schlechte Basis für das Rückspiel.“

Duisburg setzt auf Laudehr
Im Rückspiel wird den Duisburgerinnen außerdem Simone Laudehr wieder zur Verfügung stehen. „Mir ihr haben wir im Mittelfeld noch mehr Optionen“, meint Ketelaer. Potsdam wird am kommenden Sonntag im Karl-Liebknecht-Stadion hingegen auf die gelbgesperrte Bianca Schmidt verzichten müssen. Und sich bis dahin Gedanken machen müssen, wie man die Löcher in der Defensive stopft, zumal Josephine Hennings Einsatz nach einer Prellung fraglich sein könnte.

Potsdamer Heimstärke
Dennoch spricht die Ausgangsposition dank der zwei Auswärtsstore für Potsdam, denn nur mit einem hohen Unentschieden oder einem Sieg kann Duisburg den Sprung ins Champions-League-Finale am 26. Mai in London schaffen, ein 0:0 oder ein 1:1 wäre für Potsdam bereits ausreichend. Und im „Karli“ ist das Team eine Macht – seit einer 0:3-Niederlage in der Bundesliga gegen den FC Bayern München am 6. September 2008 sind die Potsdamerinnen auf eigenem Platz ungeschlagen.

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laasee
laasee

The new coach is a liability. The team was set up wrong. Bad defence and non-existent midfield. Fortunate for FCR was that Potsdam did not take full advantage. The FCR players showed good spirit and desire which was very positive. FCR know that only a win (3:3 is not on) will take them to London. So the game plan is simple and straight forward. I hope and pray that FCR will succeed. Turbine have the better team unit but FCR have the better individual players. In big games the top players often decide the result. I would be more confident… Weiterlesen »

eisbär
eisbär

Ich fand das Spiel ziemlich ausgeglichen und die spielerische Überlegenheit Potsdams habe ich nicht erkennen können. Ich sehe die Chancen weiterhin bei 50:50. Ich hoffe, dass der FCR gegen Potsdam mal in Führung geht, was diese Saison leider noch nicht geklappt hat. Und der FCR sollte mal wieder mit 11 Spielerinnen auftreten (Maes war gestern leider mal wieder ein Totalausfall).

Paul
Paul

Popp und Grings kennen wo die Regeln nicht. Bei 0:0 oder einen 1:1 ist Potsdam weiter….
Duisburg kann nicht mit guten Gewissen in das Rückspiel gehen.
Duisburg steht mächtig unter Druck.

Jochen -or
Jochen -or

Das 2 : 2 dürfte für Potsdam besser sein, als es ein Sieg mit einem Tor unterschied gewesen wäre. So muss man von Anfang an aufmerksam spielen und ist gezwungen – wie gewohnt – nach vorne zu spielen. Nur mit einer solchen Einstellung wird man den Sack zumachen können. Auf keinen Fall hinten reinstellen. Ein Sieg hätte dazu führen können, dass man mit einer (zu)defensiven Einstellung ins Spiel geht – und dort hat man diese Saison doch erhebliche Schwierigkeiten. Da kommt es nicht darauf an, ob Josephine spielt oder nicht, denn auch ihr sind zuletzt regelmäßig ihre vor allen Dingen… Weiterlesen »

Detlef
Detlef

@Jochen, ich gebe Dir in fast allem Recht!!! Aber selbst im Falle eines knappen Sieges, hätte TURBINE wohl kaum versucht hinten Beton anzurühren!!! Wie Du schon richtig bemerktest, geht das im Moment sowieso nicht!!! Das Problem besteht aber erst seit der Rückrunde, denn in der Hinrunde war die Abwehr noch mit großem Abstand der beste und sicherste Mannschaftsteil!!! Warum und wieso sich dies geändert hat, scheint auch Schröder nicht klar zu sein, denn sonst hätte er längst was unternommen!!! Bei JOSI habe ich auch einen Aufwärtstrend bemerkt!!! Mangels Alternativen wird wohl Inka in die Abwehr rücken, falls JOSI nicht einsetzbar… Weiterlesen »

laasee
laasee

@Detlef

I think that Turbine might regret not winning yesterday.
They should have because FCR were very bad defensively.
FCR know what they have to do next Sunday – win!
What will be the Turbine tactics?….defend?….attack?
The late miss yesterday by Lira might prove very costly.

Detlef
Detlef

@laasee,
TURBINE kann mit dieser Abwehr kein defensives Spiel aufziehen!!!
Sie werden wie in Duisburg auf Sieg spielen müssen!!!

laasee
laasee

@Detlef

I do not want to get the Brandenburgers worried but in the last two seasons when FCR have drawn a game, the following game has been WON!!

An interesting statistic. Which means that Inka & Co. win on Sunday!!!

Detlef
Detlef

@laasee,
eine noch ältere Statistik besagt, daß TURBINE seit 2008 kein Spiel mehr im KARLI verloren hat!!!
Und an ein 3:3 oder 4:4 mag ich nicht glauben!!!

Ralf
Ralf

Ja, dann schauen wir am Sonntag halt mal, welche Statistik denn dann Recht hat!

Weil: „Traue keiner Statistik, die du nicht selber gefälscht hast!“ 😉

waiiy
waiiy

@laasee,

Da MVT bis Sonntag keine Trainerin bei Duisburg wird und danach eh alles schlechter geworden ist, wird Duisburg keine Chance haben, weiterzukommen.

Ansonsten stimmte ich Detlef zu…

waiiy

laasee
laasee

@Ralf

I like the good statistics.

Also, FCR have Inka and she is the best footballer that Germany has ever produced.
Consequently, she is the best footballer that Europe has ever produced…..and so on and so on….
The greatest players always end up at the top party……this year the party is in London.

All is good.

waiiy
waiiy

@laasee

Lira was in 2010 one the three best footballer of the world.. so she was better than Inka… 😉

waiiy
waiiy

Vielleicht sollten wir einen extra Beitrag mit Kommentaren zum Thema „Statistik rund um das Rückspiel Turbine vs. FCR“ machen…

Hier noch ein paar Statistiken:

Beste Torschützin in dieser CL-Saison: Inka Grings (11 Tore)

Beste Scorerin: Lira Bajramaj (13 Punkte (5 Tore, 8 Vorlagen)

Club mit den meisten Toren: Turbine (42 oder 6 pro Spiel) vor FCR (25)

Ich hab noch eine Frage: Wann hat Turbine eigentlich mal 3 Pflichtspiele in Folge nicht gewonnen?

waiiy

Ulf
Ulf

zu MVT „und danach alles schlechter geworden“
4x gewonnen und 2x unentschieden: geht´s noch ?
Ich kann zumindest bestätigen,daß mir schlechter geworden ist wegen der ganzen Heulerei von einigen,nein,von wenigen,nein,von einem (einer ?) hier seitdem. Wie sagt der Libyer doch: hic Rhodos,hic salta!

laasee
laasee

@waiiy Inka is the current German Footballer of the Year. She did not get on the FIFA list?…..but two other German players did!!!! Prinz is the DFB favourite! Bajramaj is the DFB marketing Barbie girl! The exclusion of Inka was unjust, absurd and very wrong!!!!! Also, the previous year Inka did not win the FIFA award. It is ironic that the German media stayed quiet but the English people on EuroSport TV said that, „Inka was robbed of the Award“! That is the story of the career of Inka – mainly ignored in her own country but appreciated elsewhere! Inka… Weiterlesen »

laasee
laasee

@waiiy

Sorry to have to correct your inaccurate statistics but Inka has 13 goals in CL!

Samba, Samba.

waiiy
waiiy

*lol*

Who won an international final in 2010? Lira! That’s the reason why she was nominated.

Yes, you are right: Inka isn’t so important for the marketing. And it is also right that Lira is more important for women soccer than Inka. There are more prospects with her.

But you take it to seriously. Keep cool and accept that all of the elections are influenced by lobbies. Nobody knows that better than a Turbine fan.

waiiy

laasee
laasee

@waiiy

Yeah, it all works on lobbies and politics.
Deals in smoke filled rooms.
And the Dusseldorf girl suffers because of that.
Das ist fussball!

waiiy
waiiy

@laasee

Now I know what kind of facts you write here. In my opinion you are smart enough to know that goals in the qualification do not count to the official goals. It is the correct statistic of the UEFA.

So you count them to take your advantage. It isn’t correct and it’s sad…

waiiy