Unwürdiger Abschied

Von am 18. Februar 2011 – 10.34 Uhr 22 Kommentare

Gerade einmal sieben Zeilen hatte die dünne Pressemitteilung des FCR 2001 Duisburg, in der am Donnerstag die sofortige Trennung von Martina Voss-Tecklenburg verkündet wurde. Eine stillose und unangemessene Art, sich von seiner Erfolgstrainerin der vergangenen Jahre zu lösen.

Der Verein hofft, „Druck von der Mannschaft nehmen zu können, damit sie befreit an die noch ausstehenden Aufgaben herangehen kann“, so die Begründung, mit der öffentlich der Führungsstil und die Qualität einer Trainerin diskreditiert werden, die den UEFA- und zweimal den DFB-Pokal gewann und somit für den größten Erfolg der Vereinsgeschichte gesorgt hatte.

„Nach dem Aus in der Meisterschaft und im Pokal sahen wir den Zeitpunkt gekommen, eine Veränderung herbeizuführen“, lässt sich Vorstandsmitglied Guido Lutz zitieren. Und nicht nur für den Niedergang der spielerischen Leistung wird Voss-Tecklenburg gemacht: „Man musste sich ja nur die Spiele und die Zuschauerzahlen ansehen.“

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Schwer nachzuvollziehen ist, warum der Verein seit dem Pokal-K.-o. in München mehr als eine Woche verstreichen und Voss-Tecklenburg noch zwei Bundesligaspiele (2:0 gegen Bad Neuenahr, 4:0 gegen Herford) erfolgreich auf der Bank sitzen ließ, obwohl die Entscheidung schon vor dem Herford-Spiel gefallen sein soll. Nur zwei Tage vor ihrem Rauswurf wurde sie gar noch als Teilnehmerin einer Pressekonferenz für kommenden Dienstag angekündigt.

Richtig ist, dass der FCR 2001 Duisburg seit dem UEFA-Pokal-Sieg 2009 sein spielerisches Potenzial nur noch selten ausschöpfen konnte und Voss-Tecklenburg zudem keine Erklärung für das Phänomen fand, dass ihre Elf entweder geschlossen gut oder schlecht spielte. „Da muss sich jede selbst hinterfragen“, urteilte sie nach dem 0:3 in München über Spielerinnen, die ihr Leistungsvermögen nicht mehr voll abrufen können.

Erstaunlich war, dass die Elf trotz der zahlreichen Verletzungen, wie etwa Annike Krahn, Mirte Roelvink, Marina Hegering oder Hasret Kayikci, in der Bundesliga ganz vorne mitmischte und sich im Titelrennen erst durch die unglückliche 0:1-Niederlage in Potsdam ins Hintertreffen brachte. Doch mehr als die dortige Niederlage schmerzte das Pokal-Aus in München.

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Martina Voss-Tecklenburg

Vor die Tür gesetzt: Martina Voss-Tecklenburg © Sascha Pfeiler / girlsplay.de

Denn das hinterließ vor allem in der Kasse Spuren, wo man die Einnahmen eines möglichen Halbfinal-Heimspiels gegen den 1. FFC Turbine Potsdam schon fest eingeplant hatte inklusive der Chance, bei einem Einzug ins Finale mit einem weiteren Geldsegen rechnen zu dürfen. Geld, das der Verein gut hätte gebrauchen können, um den mit Nationalspielerinnen bestückten Kader beisammen zu halten.

Vielleicht war das der Grund, warum der Verein mit dem Trainerwechsel einen neuen Reizpunkt für die Spielerinnen setzen wollte, um sich später nicht nachsagen lassen zu müssen, möglicherweise untätig zugesehen zu haben, wie auch der letzte Titel verspielt wurde. Denn nur mit einem erfolgreichen weiteren Verlauf in der Champions League kann das so dringend benötigte frische Kapital erschlossen werden. Der Erfolgsdruck auf die Spielerinnen ist durch die Entlassung Voss-Tecklenburgs sicher nicht geringer geworden.

Es mag viele weitere Gründe gegeben haben, warum sich die Führungsriege zu dieser radikalen Entscheidung gezwungen sah. Über die wahren Hintergründe lässt sich nur spekulieren, denn der FCR 2001 Duisburg blieb bisher Erklärungen schuldig, erst am Sonntagnachmittag nach dem Spiel gegen Wolfsburg soll Licht ins Dunkel gebracht werden.

Ob die Trennung der richtige Schritt war, wird erst die Zukunft zeigen. Doch eines steht fest: Ein Wort des Dankes und einen respektvolleren Abschied hätte sich Martina Voss-Tecklenburg aufgrund ihrer Verdienste um den FCR 2001 Duisburg ganz sicherlich verdient gehabt.

Markus Juchem (50) schreibt seit 2003 über Frauenfußball, für Medien wie Womensoccer.de, UEFA.com, FIFA.com, DFB.de, FAZ, NZZ und Kicker.

22 Kommentare »

  • laasee sagt:

    Ralf, I understand that but I am the eternal optimist.

    You may well be correct but then I hope that on Wednesday I read that MVT is back.
    If nothing happens on Wednesday, then I hope on Thursday that I learn of good news.
    And so on, and so on……until it actually does happen.

    One matter is absolutely certain. With regard to the ‚gentleman‘ on the Board at FCR – they have no money, they have no vision, they have no football pedigree, they have no PR sense, they have no stature. In short – they are penniless, thoughtless incompetents.

    They have got nothing to offer – and that in due course will be their downfall.

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  • laasee sagt:

    @Svensson

    Uber mess.

    Perhaps the players and fans should boycott the game.

    Girl Power!!

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