Turbine und Frankfurt weiter Spitze

Von am 14. November 2010 – 16.39 Uhr 34 Kommentare

Der 1. FFC Turbine Potsdam hat mit einem souveränen Sieg gegen den FC Bayern München die Tabellenspitze in der Bundesliga verteidigt. Anja Mittag stellte bereits vor der Pause die Weichen für den Erfolg, der auch durch fragwürdige Schiedsrichterentscheidungen begünstigt wurde. In Torlaune zeigte sich eine Woche vor dem Spitzenspiel auch Verfolger Frankfurt.

Beim 3:0 (2:0)-Sieg zeigte sich Turbine vor 1 520 Zuschauern in der ersten Halbzeit spielerisch verbessert, Anja Mittag (32., 45.+1) sorgte für eine frühe Vorentscheidung, Fatmire Bajramaj setzte den Schlusspunkt (86.).

Von Beginn an übernahm Turbine gegen eine kompakte und taktisch gut eingestellte Bayern-Elf das Kommando. Mittag hatte mit zwei Hebern über das Tor die ersten guten Gelegenheiten (9., 14.). Nach einer Viertelstunde erhöhte Turbine den Druck weiter, Viola Odebrecht setzte einen Kopfball übers Tor (16.) und kurz darauf brannte es im Bayern-Strafraum lichterloh, nachdem die zunächst im Mittelfeld agierende Bianca Schmidt zwei Bayern-Spielerinnen hatte aussteigen lassen (17.). Ein Freistoß von Kapitänin Jennifer Zietz strich knapp über das Tor (21.), die Turbine-Führung wäre längst verdient gewesen.

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Mittags Freistoß passt perfekt
Nach einem unabsichtlichen Handspiel von Sarah Puntigam entschied Schiedsrichterin Marija Kurtes auf Freistoß, Mittag zirkelte den Ball unhaltbar zur Führung in den Winkel (32.). „Ich habe den Ball gut getroffen, da war auch ein bisschen Glück dabei“, so Mittag, während Längert konstatierte: „Der war einfach gut geschossen.“ Zuvor hatte Kurtes hingegen ein elfmeterreifes Foul an Bajramaj durchgehen lassen.

Bayern zu harmlos
Die Gäste aus München waren nur sporadisch gefährlich, etwa bei einem Kopfball von Petra Wimbersky nach Flanke von Nina Aigner (41.) und einem Konter, bei dem die Turbine-Abwehr zu weit aufgerückt war, Vanessa Bürki aber beim Schussversuch der Ball abrutschte (45.).

Entscheidung vor der Pause
Eine weitere umstrittene Freistoßentscheidung führte zum 2:0: Bajramaj fädelte bei Puntigam ein, erhielt einen Freistoß zugesprochen, und legte den Ball perfekt für Mittag auf, die eine mangelnde Zuordnung in der Bayern-Abwehr ausnutzte und den Ball ins Netz beförderte (45.+1).

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Anja Mittag (li.) und Jennifer Zietz

Anja Mittag (li.) ebnete mit zwei Treffern den Weg zum Erfolg ©Frank Scheuring / girlsplay.de

Längert kann sich auszeichnen
In der zweiten Halbzeit ließ die Qualität des Spiels deutlich nach, ein kraftvoller Kopfball von Nadine Keßler, den Bayern-Torhüterin Kathrin Längert an die Latte lenkte, war eines der wenigen Highlights (62.). Bayern-Trainer Thomas Wörle brachte für Wimbersky und Bürki Mitte der zweiten Halbzeit in Sylvie Banecki und Lena Lotzen zwei frische Stürmerinnen.

Bajramaj setzt Schlussakkord
Doch erst in der Schlussphase kamen die Gäste zu zwei guten Möglichkeiten. Turbine-Torhüterin Anna-Felicitas Sarholz parierte einen Schuss von Clara Schöne (82.), eine Minute später schoss Sylvie Banecki nur knapp vorbei (83.). Doch für das letzte Ausrufezeichen sorgte Turbine: Nach einem Steilpass von Zietz tanzte Bajramaj in Weltklassemanier Längert aus und schob den Ball zum Endstand ins Netz (86.).

Fürs Frankfurt-Spiel gerüstet
Turbine-Trainer Bernd Schröder bilanzierte: „In der ersten Halbzeit haben wir guten Fußball gespielt, in der zweiten Halbzeit sind beide Teams wegen unverständlicher Schiedsrichterentscheidungen aus dem Rhythmus gekommen. Heute haben wir gezeigt, was wir spielen können. Ich denke, wir sind gut für das Spiel in Frankfurt gerüstet.“

Bayern-Trainer Thomas Wörle erklärte: „Potsdam spielt momentan in einer Liga, wo wir nicht mithalten können. Wir wollten tief stehen und Potsdam etwas Probleme bereiten, das ist über weite Strecken mit etwas Glück auch gelungen. Aber wir haben unsere Konter nicht gut zu Ende gespielt und zu einem unglücklichen Zeitpunkt das 0:2 kassiert.“

Kantersieg für Frankfurt
In der Hinrunde hatte der 1. FFC Frankfurt am heimischen Brentanobad mit 6:0 gegen den Herforder SV gewonnen, heute ließ er ein 7:0 folgen. Birgit Prinz eröffnete den Torreigen mit einem Foulelfmeter in der sechsten Minute, Melanie Behringer traf in der zwölften Minute zum 2:0-Halbzeitstand.

Prinz in Torlaune
In der zweiten Spielhälfte hatte der Tabellenzweite keine Probleme mit den Ostwestfälinnen. Prinz erhöhte schnell auf 3:0 (55.), ehe Conny Pohlers (65.), erneut Prinz (72.) und Dzsenifer Marozsán (75./90.) das Ergebnis in die Höhe schraubten.

Ein halbes Dutzend für Hamburg
Die in der Hinrunde so souveräne Mannschaft des SC 07 Bad Neuenahr hat im Heimspiel gegen den Hamburger SV ihre zweite Niederlage in Folge einstecken müssen. Trotz früher Führung durch Lena Goeßling (9.) verloren die Gastgeberinnen am Ende mit 2:6. Aferdita Kameraj und Carolin Simon erzielten noch vor der Halbzeit die HSV-Führung. In einer torreichen zweiten Halbzeit trafen Ana-Maria Crnogorcevic (51.), Antonia Göransson (57.), Nicole Zweigler (60.) und Maja Schubert (84.) für die Gäste. Nina Jokuschies erzielte in der 77. Minute mit einem letztlich bedeutungslosen Eigentor den zweiten Treffer für die Kurstädterinnen.

Markus Juchem (50) schreibt seit 2003 über Frauenfußball, für Medien wie Womensoccer.de, UEFA.com, FIFA.com, DFB.de, FAZ, NZZ und Kicker.

34 Kommentare »

  • Nora Kruse sagt:

    Auch der SC 07 Bad Neuenahr spricht auf seiner Homepage von einem Eigentor durch Nina Jokuschies – ich habe das entsprechend abgeändert.

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  • Frieda sagt:

    Entschuldigung, aber von welchen falschen Abseits Entscheidungen sprecht ihr denn hier? Die in der ersten Halbzeit sahen für mich korrekt aus, da stand ich genau auf der Linie und muss sagen, die Damen hatten recht. Über Halbzeit zwei kann ich wenig sagen…

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  • horst sagt:

    @frieda
    es bringt doch nichts „genau auf der linie“ zu stehen, um über abseitsentscheidungen zu urteilen 😉
    aber sei’s drum, gerade in der zweiten halbzeit gab es haarsträubende abseitsentscheidungen, über welche es im detail geht, kannst du dir ja noch in völler länge auf dfb tv ansehen

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  • Frieda sagt:

    Natürlich bringt es was, lieber Horst. Ich hätte Yuki und wer da noch immer im Abseits stand darauf hinweisen können, dass keine rot bekleidete Dame mehr hinter ihr steht und sie also den Ball eh nicht annehmen darf.

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  • horst sagt:

    Ok, Problem war ja aber, dass Abseits gepfiffen wurde, obwohl Bayernspielerinnen noch hinter Turbinespielerinnen waren.

    Über welche Linie reden wir eigentlich? 🙂

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  • psychio sagt:

    also ich muss markus einfach recht geben die entscheidungen waren teilweise übelst. das angebliche handspiel war einfach keines (ich saß 10 meter weg) und auch die gelbe karte für kathrin in der ersten halbzeit für zeitspiel bei einem stand von 0:0 ist lächerlich. glaubt die schiedsrichterin denn das kathrin 70minuten die null noch halten will oder was? abgesehen währe es im falle von zeitspiel angebracht ersteinmal vorzuwarnen oder? aber dazu bräuchte mann halt fingerspitzengefühl
    was spricht eientlich dagegen wenn auch männer in der frauenliga pfeifen würden viele spielerinnen sind dafür. frau steinhaus pfeift ja auch bei denn männern und es stört keinen (ich finde sogar sie macht einen super job)
    aber ich denke mal dann würde auffallen wie schrecklich schlecht viele der damen pfeifen und frauenfeindlch wäre das bestimmt auch wenn man kompetenz vor geschlecht stellt oder??

    ps: turbine hat trotzdem hochverdient gewonnen

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  • Schenschtschina Futbolista sagt:

    @psychio
    Das was Du schreibst, hat aber nichts mit der mehrfach angefochtenen Äußerung, dass die Schiri-Entscheidungen den TP-Spiel begünstigt hätten, zu tun. Damit wird der überlegen herausgespielte Sieg nämlich zur Nebensache und die seit Wochen beste Leistungen der Spielerinnen klar in den Schatten gestellt.
    Sicher, auch ich fand die Verwarnung von Längert fast peinlich, aber spielbeeinflussend war das doch keineswegs. Allerdings zähle ich die zwei absolut desaströsen Abseitsentscheidungen, wo eine Spielerin die Chance hatte allein vorm Tor, dieses auch zu erzielen, schon eher dazu! Die Begründung mit dem Gegenlicht der Sonne, fand ich schon ziemlich lächerlich…

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  • Eric sagt:

    @psychio
    Ich habe dich gar nicht auf dem Spielfeld (10 m?)sitzen sehen. Der Ball berührte schon den Arm, aber von Absicht kann bei dieser Aktion schwer zu reden sein. Vor allem wundert es mich, dass die Fehlentscheidungen gegen Turbine (klarer 11 Meter für Lira) keine Erwähnung finden.
    Die Aussage von Markus Juchem, dass der Sieg durch fragwürdige Schiedsrichterentscheidungen begünstigt wurde, finde ich für einen Journalisten schon unglücklich gewählt.

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  • Markus Juchem sagt:

    @Eric: Wo meinst Du findet das Foul an Bajramaj keine Erwähnung, in den Kommentaren? In meinem Beitrag ist es nämlich drin: „Zuvor hatte Kurtes hingegen ein elfmeterreifes Foul an Bajramaj durchgehen lassen.“

    Ich dachte, ich hätte das bereits ausreichend erläutert, in welchem Sinne ich das Wort „begünstigt“ verwendet habe. Aber wie schon einmal gesagt, man liest wohl immer gerne das raus, was man gerne herauslesen will, nicht wahr? Ich bleibe dabei, dass diese unglücklichen Entscheidungen dem Turbine-Sieg förderlich waren, mehr habe ich aber auch gar nicht sagen wollen.

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  • Detlef sagt:

    Ich finde die Formulierung von Markus auch nicht sehr glücklich!!!
    Natürlich kann man sich darüber streiten, ob der Ball zur Hand, oder die Hand zum Ball ging!!!
    In der Regel wird aber (vor allem bei den Herren)fast immer auf Handspiel entschieden, wenn der Ball den Arm oder die Hand in einer unnatürlichen Haltung trifft!!!
    Ob das jetzt der Fall war, sei mal dahingestellt!!!

    Und beim „Foul“ an LIRA, was zum zweiten Treffer führte, hätte ich auch keinen Freistoß gegeben!!!
    Sie lief einfach auf die Österreicherin auf, die nur stehen blieb!!!
    Aber die schlechte Frau Kurtes gab ihn, wie wahrscheinlich 50% unserer „glorreichen Schiris“!!!
    Und Frau Kurtes konnte ja auch nicht ahnen, daß TURBINE seit langer Zeit mal wieder Tore aus Standartsituationen erzielt!!!
    Potsdams Ecken und Freistöße, gehören wohl zu den Ungefährlichsten der ganzen Bundesliga!!!
    Es war wohl auch dies ein Beleg für die stark verbesserte Spielweise unserer Mädels, daß sie aus zwei Standartsituationen zwei Tore machten!!!
    Und was für wunderschöne Treffer von ANJA!!!

    Sei es wie es sei, Potsdam wurden 2 klare Elfer nicht gegeben, und in mindestens zwei Fällen wurde ihnen durch eine klar falsche Abseitsentscheidung, weitere klare Torchancen genommen!!!

    Hinzu kamen sehr umstrittene gelbe Karten für TABEA und ANJA, die beide den Ball spielten!!!
    Und es gab weitere klare Fehlentscheidungen, als zB Nicole Banecki VIOLA absichtlich zu Boden riß!!!
    Da gab es keine Karte, ja nicht mal einen Freistoß!!!

    Also könnte man die (eventuell)fragwürdigen Entscheidungen, die die beiden ersten Tore begünstigten, auch als ausgleichende Gerechtigkeit sehen!!!

    Natürlich gab es auch Fehlentscheidungen gegen Bayern!!!
    Das konnte bei dem grottigen Schiri-Gespann auch nicht ausbleiben!!!
    Auch ich fand die gelbe Karte gegen Längert lächerlich bis skandalös!!!

    Ich glaube in dem Spiel wurde kein Team eindeutig bevorzugt, bzw benachteiligt!!!
    Das Team, was die meisten Spielanteile hatte, also am meisten am Ball war, hat auch die meisten Fehlentscheidungen schlucken müssen!!!
    Die Bayern-Ladies hätten sich also auch noch mehr Fehlentscheidungen „erarbeiten“ können, wenn sie öfter am Ball gewesen wären!!!

    Das klar bessere Team hat gewonnen, und da hatte die Wörle-Elf noch sehr viel Glück, daß TURBINE mal wieder zu viele Chancen nicht nutzen konnte!!!

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  • Eric sagt:

    @Markus Juchem
    Ich habe auf die Äußerungen von psychio angespielt…

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  • Expert sagt:

    Steinhauß, darf sie auch FF Spiele pfeiffen, oder ist sie überqualifiziert. Ich sage am So. in Frankfurt muß Frau Steinhauß ran. Jede andere Schiedsrichterinn hat jetzt schon …….sausen. ERIC, MARCUS,Horst, psycho, auf welchen Sportplatz ( Fernseh)seit ihr gewesen. In Babelsberg ist halt eine andere Stimmung, da sind die Schiedsrichterinnen schnell von Außen beeindruckt, und lassen sich dadurch beeinflussen, deßhalb entstehen die Fehler. In der Haupttribüne steht die Linienrichterin zwei Meter mit den Rücken zum Publikum, und wird laufend angemacht. schade, aber so isthalt so.

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  • Frieda sagt:

    Ich gebe Expert da recht. In Potsdam Linienrichter zu machen ist kein Spaß. Noch dazu weil die Schiris immer beschimpft werden, wenn sie etwas gegen Potsdam pfeifen. Selbst wenn es die richtige Entscheidung ist. Ich weise meine Mitzuschauer dann gerne darauf hin, dass sie doch auch selber ne Ausbildung zum Schiri machen können, wenn sie es so viel besser wissen. Es ist teilweise echt peinlich, was da gerufen wird und weit unter der Gürtellinie. Bald muss es Ordner geben, die die Schiris schützen. Vielleicht haben die Männer Respekt vor denen…
    Steinhaus wird bei den Frauen nur pfeifen, wenn sie an dem gleichen Spieltag kein Männerspiel zugewiesen bekommt. Money, money, money…

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  • Schenschtschina Futbolista sagt:

    Ich meine, dass je mehr Zuschauer auf den Rängen ein Spiel (egal welches!) verfolgen, wird der Widerspruch auf Schiri-Entscheidungen umso nachdrücklicher und lautstarker. Schliesslich geht man zum Einen in der Masse unter und zum Anderen meint man, den Rücken gestärkt zu bekommen bei dieser oder jener Kontra-Äußerung. Das ist dann für denjenigen eine „Wohltat“ und Anregung zugleich weiterzumachen.
    Da in Potsdam das Stadion regelmäßig gut besetzt ist, ist es folglich auch auffälliger als dort, wo sich nur einige Handvoll Zuschauer hin verirrt haben.
    Und, nein, ich habe keine Diplomarbeit im Fach Sport mit dem Thema „Das Zuschauerverhalten in unseren BL-Stadien“ geschrieben! 😉

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