DFB-Elf: Das Fundament stimmt
Den 5:0-Sieg der deutschen Frauenfußball-Nationalelf gegen Kanada darf und muss man sicherlich nicht überwerten. Doch Bundestrainerin Silvia Neid dürfte mit Genugtuung zur Kenntnis genommen haben, dass die Ausgangsposition für die Arbeit in den kommenden Monaten bis zur WM komfortabel ist.
„Mit dem Ergebnis bin ich zufrieden, aber das Spiel ist noch ausbaufähig, es war nicht souverän“, so Neids Fazit nach dem Spiel. Doch dafür, dass die Frauenfußball-WM 2011 im eigenen Land noch neun Monate entfernt ist, das Team erstmals seit fast vier Monaten und der enttäuschenden 0:4-Niederlage in den USA wieder ein Länderspiel bestritt und die Bundesligasaison erst einige Spieltage alt ist, war die Qualität des deutschen Spiels bereits gut.
Kulig mit starker erster Halbzeit
Zu den Gewinnerinnen des Länderspiels durfte sich unter anderem Kim Kulig zählen, die vor allem in der ersten Halbzeit an zahlreichen gefährlichen Aktionen der DFB-Elf beteiligt war. Wenngleich es dem deutschen Offensivspiel gegen die kompakten Kanadierinnen oftmals noch an der Präzision und Kombinationssicherheit fehlte, war es doch beeindruckend, wie viele Chancen sich das Team erarbeitete, auch wenn die Chancenverwertung verbesserungswürdig war.
So vergab allein das Frankfurter Duo Kerstin Garefrekes und Birgit Prinz einige gute Torchancen, beschäftigte aber die kanadische Defensive ein ums andere Mal. Die zur zweiten Halbzeit für die beiden eingewechselten Célia Okoyino da Mbabi und Melanie Behringer nutzen die nun immer größer werdenden Räume für schnelle Vorstöße. Beide wurden für ihre gute Leistung mit einem Treffer belohnt, jeweils unter gütiger Mithilfe der kanadischen Torhüterin Karina LeBlanc, die nach starker erster Halbzeit genau wie der Rest ihres Teams abbaute.
Defensive kaum beschäftigt
Torhüterin Nadine Angerer verbrachte einen nahezu beschäftigungslosen Abend. Auch die nach dem Ausfall von Annike Krahn neu formierte Viererabwehrkette stand nicht gerade unter Dauerdruck, löste die wenige Aufgaben aber zumeist gut, wenngleich es dem Innnenverteidigungs-Duo Lena Goeßling und Saskia Bartusiak gelegentlich an Souveränität mangelte. Im Sturm sorgte Inka Grings in der ersten Halbzeit für Unruhe und verwandelte früh den Foulelfmeter zur Führung, die Mitte der zweiten Halbzeit eingewechselte Alexandra Popp erzielte mit einem Flugkopfball den schönsten Treffer des Tages und empfahl sich einmal mehr nachdrücklich als Option für die WM.
Tempo und Athletik als Pluspunkte
Die zweite Halbzeit brachte vor allem zwei Erkenntnisse: Wer das Tempo der deutschen Elf nicht über 90 Minuten mitgehen kann, steht auf verlorenem Posten und wird gnadenlos bestraft. Das bekamen die Kanadierinnen vor allem in der Schlussviertelstunde zu spüren, als das DFB-Team mit dem Gegner nach Belieben Katz und Maus spielen konnte. Ist die deutsche Mannschaft fit, können ihr in puncto Tempo und Athletik nur wenige Teams das Wasser reichen.
Und es zeigte sich einmal mehr, dass die verschiedenen Spielerinnentypen im deutschen Kader das Spiel flexibler und für jeden Gegner unberechenbarer machen. Schnörkellose, geradlinige Spielerinnen wie Behringer oder Garefrekes stehen verspielte, quirlige Typen wie Fatmire Bajramaj oder Célia Okoyino da Mbabi gegenüber. Der deutsche Kader ist in der Breite gut aufgestellt, große Veränderungen dürfte es hier bis zur WM kaum noch geben.
Kanadas Trainerin Carolina Morace musste wenige Wochen vor Beginn der WM-Qualifikation in Mexiko ernüchtert feststellen: „Mit unserer Spielweise sind wir einfach nicht auf einem Level mit den besten Teams wie Deutschland und den USA.“ Ihre Elf verstand es nicht, das Aufbauspiel der Deutschen zu unterbinden, das Pressing im Mittelfeld war über die gesamte Spielzeit mangelhaft. Doch Morace nahm ihre Spielerinnen auch in Schutz. „Nach drei Wochen Training waren meine Spielerinnen vermutlich auch müde, wobei das keine Entschuldigung sein soll. Christine Sinclair und Candice Chapman konnte ihre Leistung nicht abrufen, da waren die Reisestrapazen noch spürbar.“
Die Playoffs gehen weiter - welches europäische Team qualifiziert sich noch für die WM?