U17-WM: Deutschland scheitert an Nordkorea

Von am 17. September 2010 – 2.54 Uhr 25 Kommentare

Nach einer überragenden Vorrunde musste Deutschland im Viertelfinale der U17-WM in Trinidad und Tobago die Segel streichen. Gegen den amtierenden Titelträger aus Nordkorea gab es eine enttäuschende Niederlage.

Beim 0:1 (0:1) machte der Treffer von Kim Kum Jong kurz vor der Pause den Unterschied (44.) in einem Spiel, in dem der DFB-Elf nach einer halben Stunde zunehmend die Ideen gegen die kompakt agierenden Asiatinnen ausgingen.

„Wir hatten uns so viel vorgenommen für dieses Spiel“, so ein enttäuschter Bundestrainer Ralf Peter, „aber die Koreanerinnen waren in der Abwehr sehr gut organisiert und habe es uns heute extrem schwer gemacht.“ Peter vertraute auf dieselbe Anfangsformation, die auch beim 3:0-Sieg im letzten Gruppenspiel gegen Südkorea begonnen hatte. Lena Nuding erhielt im Tor erneut den Vorzug vor Friederike Abt.

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DFB-Elf mit gutem Start
Die deutsche Mannschaft übernahm sofort das Kommando, Melanie Leupolz gab aus 20 Metern einen ersten Warnschuss ab (9.). Die DFB-Elf kontrollierte die Partie auch in der Folge, Kyra Malinowski hatte per Kopf nach Leupolz-Flanke und schöner Vorarbeit von Lina Magull die nächste Chance (18.).  Ein missglückter Abwurf von Nuding bescherte den Nordkoreanerinnen die erste Torchance, Choe Yong Wa verfehlte mit ihrem Schuss aber das Gehäuse (22.).

Sonntagsschuss bringt Entscheidung
Nordkorea fand allmählich besser ins Spiel, nach einer Ecke brannte es im deutschen Strafraum lichterloh, doch Isabella Schmid klärte den Ball per Kopf auf der Linie (32.). Leupolz kam zu einer Zufallschance, als der Ball quer durch den Strafraum sprang, doch ihr Kopfball ging neben das Tor (38.). Kurz vor der Pause ging Nordkorea in Führung, Kim Kum Jong zog aus 30 Metern ab, der Ball passte genau in den Winkel (44.).

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Die DFB-Elf um Lina Magull ist ausgeschieden. (c) Nora Kruse, ff-archiv.de

Enttäuschende zweite Halbzeit
In der zweiten Halbzeit kam die DFB-Elf nur schwer in die Gänge, vom Glanz der Vorrunde war gegen die kompakten und gut organisierten Asiatinnen nichts zu sehen. Lena Petermann hatte nach einer Ecke den Ausgleich auf dem Fuß, doch sie traf den Ball nicht richtig (62.).  Insgesamt wirkte das Spiel der deutschen Mannschaft verkrampft und ideenlos. Ein Magull-Schuss in der Schlussphase war schon eher der Verzweiflung geschuldet (83.). Zwar versuchten die deutschen Spielerinnen in den Schlussminuten noch einmal alles, doch echte Torchancen gab es nicht mehr.

Südkorea schlägt Nigeria in denkwürdigem Spiel
Als erste Mannschaft zog Südkorea ins Halbfinale ein. In einem verrückten Spiel bezwang der Asienmeister den Titelträger aus Afrika mit 6:5 nach Verlängerung, nach regulären 90 Minuten hatte es 4:4 gestanden. Dabei lagen die Nigerianerinnen bereits nach 180 Sekunden durch Tore von Loveth Ayila (2.) und Winifred Eyebhoria (3.) mit 2:0 in Führung.

Bunter Torreigen
Doch Lee Geum Min (15.) und Yeo Min Ji (23.) brachten die Südkoreanerinnen wieder heran. Ngozi Okobi brachte Nigeria aber noch vor der Pause erneut in Führung (37.), ein verwandelter Foulelfmeter von Yeo Min Ji brachte das 3:3 (70.). Als Yeo Min Ji ihr Team kurz vor Schluss in Führung brachte (89.), schien die Partie gelaufen, doch Ngozi Okobi rettete ihr Team in die Verlängerung (90.+1). Dort hatten die Südkoreanerinnen mehr zuzusetzen, Kim Areum (94.) und Yeo Min Ji (98.) mit ihrem vierten Treffer stellten auf 6:4. Loveth Ayila gab ihrem Team noch einmal Hoffnung (103.), doch Südkorea brachte den hart erkämpften Sieg über die Zeit.

Gemischte Gefühlslagen
Südkoreas Trainer Choi Duck Joo erklärte: „Ich habe immer daran geglaubt, dass wir zurückkommen können. Ich bin natürlich sehr zufrieden, wie das heute gelaufen ist, aber es hätte aber auch anders ausgehen können. Wir müssen an unserer Defensive arbeiten.“ Nigerias Trainer Peter Dedevbo erklärte: „Fußball ist nicht immer ein Wunschkonzert. Manchmal verliert man, wenn man eigentlich gewinnen sollte. Nach der frühen Führung haben wir unsere Konzentration verloren und sind dafür bestraft worden. Dabei hätten wir nur den Ball halten müssen, aber wir haben die Kontrolle abgegeben.“

Markus Juchem (50) schreibt seit 2003 über Frauenfußball, für Medien wie Womensoccer.de, UEFA.com, FIFA.com, DFB.de, FAZ, NZZ und Kicker.

25 Kommentare »

  • Schenschtschina Futbolista sagt:

    Nachdem nun der 2. Tag des Ausscheidens um ist, fällt meine Analyse wie folgt aus:
    Die Mannschaft verfügt über einige technisch gute ausgebildete Einzelspielerinnen, deren Manko aber das Zusammenspiel untereinander ist. Immer wieder die Passgenauigkeit, insbesondere beim Kurzpassversuch ausserhalb und im Strafraum, wo die Räume bekanntlich eng genug sind, funktionierte das überhaupt nicht. Bälle prallen lassen, ging grundsätzlich in die Hose, weil viel zu kurz geraten.
    Ganz besonders ist diese Schwäche bei Malinowski auszumachen, die sicher gute Zuspiele in den Fuß verwerten, aber leider sehr selten ihre Nebenleute ähnlich bedienen kann. Trotz der 7 Tore war sie eigentlich eher der Chancentod der Mannschaft, hektisch, eigensinnig und ohne Übersicht. Ihre folgerichtige Auswechslung hätte daher eher erfolgen müssen, wenn da nicht der Glaube an die Torschützenkrone gewesen wäre…
    Faszinierend war, wie eine Romert unermüdlich gerackert hat, so daß ich ihr die beste Einzelleistung bescheinigen mürde.

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  • Striker sagt:

    Von U17 zum Frauenfußball ist es noch ein ganzes Stück, von daher ist es nicht mehr und nicht weniger als ein Talentwettbewerb. Wenn man zweit- oder drittklassige Mannschaften auseinandernehmen kann, dann ist sicherlich Talent vorhanden. Wenn man Probleme mit Mannschaften auf derselben Augenhöhe hat, ist man vielleicht Drucksituationen nicht gewachsen oder eben kein richtiges (Spitzen)Team. Erinnert ein wenig an die erste Zweitligasaison vom 1.FC Köln. Die Asien-Dominanz in der Altersklasse wundert wenig – die bekommen ihr typisches taktisches Schema eingeimpft und da braucht es eben Geduld und Nervenstärke, um das auszuhebeln. Das hatte Deutschland in diesem Fall offensichtlich nicht.

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  • expert1 sagt:

    Wer sind die SPITZENTEAMS, Wo sind die Amerikaner, Nicht soviel Taktik, in diesem Alter sollte die Freude am Fußball gefördert werden, man muß nicht immer gewinnen, der DFB ist schon auf dem richtigen Weg, immer ERSTER ist auch langweilig, siehe Männerbundesliga.

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  • laasee sagt:

    @SF

    I agree with you. The players are very good individually and played very well as a team against Mexico and South Africa. The big problem was against the Korean teams. The tactics needed to be changed but were not. Players must be encouraged to also solve problems for themselves during the game. The tactics were too rigid. North Korea defended for virtually all of the game and so why did Germany need to keep to a rigid 4 defence. That is just one example. If the players at 17 years are not encouraged to improvise then it becomes harder for them to think differently as they get older.

    @expert1

    ‚immer ERSTER ist auch langweilig‘

    True but Germany have yet to win FIFA WMU17 !

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  • Schenschtschina Futbolista sagt:

    @expert1
    Jede identische Plazierung erzielt, ist langweilig, aber wenn ich immer Erster wäre, würde ich diese Langeweile gern hinnehmen! 😉
    Immerhin ist es auch nicht einfach und ohne Mühe zu erreichen, diese Plazierung muss immer auf´s Neue erkämpft und bestätigt werden, was oftmals schwer genug ist. Das Sprichwort mit dem Hasen und den vielen Jägern hat schon seine Berechtigung!

    Außerdem finde ich, wenn für die Mannschaft der 1. Platz ein durchaus realistisches Ziel ist, dann muß man auch diese Zielstellung so ausgeben!

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