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2010

U20-WM: der erste Spieltag im Überblick

68 120 Zuschauer, zwölf Tore, eine Rote Karte, Salto-Einwürfe und ein echter Pechvogel – der erste Spieltag der U20-Frauenfußball-WM in Deutschland produzierte umkämpfte Spiele und sorgte bereits für eine Menge Aufregung und Unterhaltung.

Gleich das Eröffnungsspiel der fünften Titelkämpfe zwischen Deutschland und Costa Rica bescherte den 23 995 Zuschauern im ausverkauften Bochumer WM-Stadion sechs Tore, eine gute Leistung der deutschen Mannschaft und einen 4:2 (2:1)-Erfolg der Gastgeberinnen . Da waren auch schnell WM-2011-Maskottchen “Karla Kick” und die Eröffnungszeremonie wieder vergessen. Kurioserweise brachte das Spiel dasselbe Ergebnis hervor, mit dem die deutsche Männer-Nationalmannschaft 2006 in München ins heimische WM-Turnier gestartet war – ebenfalls gegen Costa Rica.

Huth hatte es eilig Svenja Huth gelang bereits in der zweiten Minute die Führung und somit das zweitschnellste Tor der WM-Geschichte. Nur die Kanadierin Loredana Riverso war bisher schneller, sie traf 2002 im Spiel gegen die Demokratische Republik Kongo bereits nach 40 Sekunden. Ärgerlich: Abwehrspielerin Bianca Schmidt sah ohne Not beim Stand von 4:1 nach einer Notbremse gegen die quirlige Raquel Rodriguez Vasquez die Rote Karte und wird somit das zweite Gruppenspiel gegen Kolumbien am Freitag verpassen.

Ruppiger Gegner Ohne Platzverweis kamen hingegen die Mittelamerikanerinnen aus – doch fünf Gelbe Karten sind Beleg für die ruppige Gangart, der Asiens Schiedsrichterin des Jahres 2009, Eun Ah Hong , das ein oder andere Mal vielleicht etwas entschlossener Einhalt hätte gebieten können. Nur die mangelnde Chancenverwertung der DFB-Elf schmeckte Bundestrainerin Maren Meinert nicht, denn der Sieg mit zwei Toren Unterschied spiegelt die wahren Kräfteverhältnisse auf dem Rasen nur unzureichend wider.

Lady Andrade (r.) setzt sich durch.

Lady Andrade vermiest Frankreich WM-Auftakt Im zweiten Spiel der Gruppe A trennten sich Kolumbien und Frankreich leistungsgerecht mit 1:1 (0:1). Die bessere Spielanlage der Französinnen kam nur in Ansätzen zum Tragen, trotz des frühen Führungstreffers von Marina Makanza, die mit einem schnellen Antritt kraftvoll in den kolumbianischen Strafraum eindrang und mit einem Schrägschuss die französische Führung erzielte (16.). Doch Kolumbien ließ sich durch den Rückstand nicht beirren, biss sich immer besser in die Partie und übernahm in der zweiten Halbzeit zunehmend das Kommando. Angetrieben von der überragenden Lady Andrade, der Stürmerin mit der Nr. 16 und dem berühmten Nachnamen , wurden die Südamerikanerinnen immer dominanter und erkämpften sich am Ende einen verdienten Punkt.

Frankreich kämpft mit der Hitze Minuten zuvor noch wegen Krämpfen an der Seitenauslinie behandelt, schloss Andrade einen schönen Angriff über den linken Flügel von Katerin Castro aus zentraler Position zum 1:1 ab, gefolgt von einem Jubelsturm Richtung Trainerbank der Cafeteras (86.). Die Französinnen müssen sich vorwerfen lassen, nach der Führung zu wenig für den möglichen Sieg gearbeitet zu haben. Trainer Jean-Michael Degrange lobte den Gegner für den Kampfgeist und wies darauf hin, dass Kolumbien mit der warmen Witterung besser klar gekommen sei. Für Frankreich war es im 14. Spiel bei einer U20-WM das erste Remis nach sechs Siegen und sieben Niederlagen.

Nordkorea überzeugt In Gruppe B setzte sich im Auftaktspiel Nordkorea gegen Brasilien knapp, aber verdient mit 1:0 (0:0) durch. Die eingewechselte Ho Un Byol erzielte mit einem Schrägschuss, ähnlich wie die Französin Makanza, in der 69. Minute den Treffer des Tages zum Sieg der Asiatinnen, die sich nach ausgeglichener erster Halbzeit in den zweiten 45 Minuten optische Vorteile erarbeiteten. Brasiliens Offensivspiel blieb harmlos, die außergewöhnlichen Salto-Einwürfe von Leah brachten die Nordkoreanerinnen nur einmal in Verlegenheit – als in der Nachspielzeit Yun Song Mi nach einem solchen den Ball fast in das eigene Tor befördert hätte. Das Team von Trainer Choe Kwang Soks Team deutete an, dass es zu Recht zum Favoritenkreis gezählt wird. Brasilien stand in der Verteidigung gut, ließ es aber gegen die gute Defensive Nordkoreas an Ideen und Kreativität vermissen.

Doppelschlag durch Göransson Im zweiten Spiel dieser Gruppe kam Schweden zu einem hart erkämpften 2:1 (0:1)-Sieg gegen Neuseeland. Hannah Wilkinson nutzte die Uneinigkeit zweier schwedischer Abwehrspielerinnen zur überraschenden, aber nicht unverdienten Führung (33.). Denn die Neuseeländerinnen agierten aus einer guten Defensive und setzten geschickt punktuelle Nadelstiche. Erst in der zweiten Halbzeit begann das nun druckvollere Spiel der Schwedinnen Früchte zu tragen. Antonia Göransson (57. und 67.) drehte die Partie zugunsten der Skandinavierinnen.

Neuseeland im Pech Beim Ausgleich hatte sie nach einer 3:2-Überzahlsituation allerdings ein wenig Glück, dass ihr Schuss für Neuseelands starke Torhüterin Erin Nayler unhaltbar abgefälscht wurde. Und auch beim zweiten Treffer meinte es der Zufall gut mit ihr, denn ihr Schuss prallte von Nayler zurück an ihr Bein, von dort fand der Ball den Weg ins Tor. Neuseeland hatte hingegen Pech: Renee Leota knallte den Ball in der 16. Minute an den Pfosten, in der 61. Minute stand bei ihrem fulminanten Schuss nur die Latte einem Führungstreffer im Weg. Neuseelands Torschützin Wilkinson konnte zwar nicht die Punkte, aber zumindest den Spruch des Tages für sich beanspruchen: „Spanien hat bei der WM in Südafrika auch das erste Spiel verloren. Ich denke, das heißt wohl, dass wir Weltmeister werden.“