DFB-Elf kommt in den USA unter die Räder

Von am 23. Mai 2010 – 4.34 Uhr 51 Kommentare

Die deutsche Frauenfußball-Nationalmannschaft hat in Cleveland gegen die USA eine der bittersten Niederlagen ihrer Länderspiel-Geschichte kassiert.

Beim 0:4 (0:2) in Cleveland schrammte das Team nur knapp an der höchsten Niederlage der fast 28-jährigen Historie vorbei. Am 14. März 1996 hatte man ebenfalls in den USA in Decatur mit 0:6 verloren. Und hätte nicht Torhüterin Nadine Angerer mit zahlreichen Glanzparaden weitere Gegentreffer verhindert, hätte die Niederlage sogar noch höher ausfallen können.

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Riesenenttäuschung
„Wir sind alle total enttäuscht, das war eine richtige Klatsche“, so Bundestrainerin Silvia Neid. „Meine Spielerinnen haben alles gegeben, was derzeit in ihnen steckt. Mehr war diesmal nicht drin. Wir werden jetzt das Spiel genau analysieren und so das Beste daraus machen – und zwar daraus lernen. Bis zur WM im kommenden Jahr müssen wir weiter an uns arbeiten“, so das ernüchternde Fazit.

Zwei Treffer von Wambach
Ein verwandelter Foulelfmeter von Abby Wambach eröffnete den Torreigen (29.), Heather O’Reilly (35.), Kristine Lilly in ihrem 345. Länderspiel (62.) und erneut Wambach (63.) schraubten das Ergebnis in die Höhe gegen eine deutsche Mannschaft, die in der Vorwärtsbewegung gute Ansätze zeigte, defensiv gegen die athletischen und schnellen US-Spielerinnen aber gänzlich auf verlorenem Posten stand.

Dritte Niederlage gegen USA in Folge
Für die DFB-Elf war es binnen sieben Monaten die dritte Niederlage in Folge gegen den Weltranglistenersten. „Das ist großartig, perfekt und einfach fantastisch“, freute sich eine begeisterte US-Trainerin Pia Sundhage. Und US-Stürmerin Abby Wambach lobte: „Wenn man eine Torhüterin wie Hope Solo hat, hat man alle Chancen WM-Titel und olympische Medaillen zu gewinnen.“

Elfmeter bringt DFB-Team aus dem Konzept
Dabei hatten die deutschen Spielerinnen vor 10 321 Zuschauern im Cleveland Brown Stadium einen guten Start erwischt, doch nach einer knappen halben Stunde zeigte Schiedsrichterin Margaret Domka nach einem Foul von Saskia Bartusiak an Wambach auf den Elfmeterpunkt. Die US-Führung brachte die DFB-Elf vollkommen aus dem Konzept, das US-Spiel kam nun immer besser ins Rollen. Nach einer Ecke konnte Angerer Wambachs Kopfball noch klären, doch O’Reilly reagierte am Schnellsten und drückte den Ball aus kurzer Distanz über die Linie, so dass es mit einer Zwei-Tore-Führung in die Pause ging.

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Tag der Torhüterinnen
Auch die deutschen Spielerinnen hatten Chancen, so etwa Kerstin Garefrekes, die aber aus kurzer Distanz an der glänzenden US-Torhüterin Hope Solo scheiterte (58.). Nach toller Vorarbeit von Wambach erhöhte die 38-jährige Lilly auf 3:0, Wambach selbst erzielte nur eine Minute später  ihren zweiten Treffer, als die DFB-Elf wieder einmal zu weit weg von den Gegenspielerinnen stand. Der DFB-Elf war an diesem Tag trotz allem Bemühens kein Treffer vergönnt, den Schuss der eingewechselten Alexandra Popp hielt Solo erneut prächtig (86.). Beide Torhüterinnen konnten sich auch noch in der Folge mehrfach auszeichnen, am Ende war das deutsche Team mit den vier Gegentreffern noch gut bedient.

Das Fehlen der Potsdamer Nationalspielerinnen war genauso zu merken, wie die Probleme der umgestellten deutschen Viererkette mit den Weltklassestürmerinnen des Gegners. Die kräftezehrende Saison hatte zudem ihre Spuren hinterlassen.

Markus Juchem (51) schreibt seit 2003 über Frauenfußball, für Medien wie Womensoccer.de, UEFA.com, FIFA.com, DFB.de, FAZ, NZZ und Kicker.

51 Kommentare »

  • Detlef sagt:

    Jetzt sind wir hier aber schön vom Thema abgekommen!!!
    Ich glaube auch nicht, dass es unseren Spielerinnen an der Kraft gefehlt hat, denn die sollte eine Leistungssportlerin nach spätestens einer Woche ohne Spiel wieder vollständig zurück haben!!!
    Für mich war dieses Spiel ein Fingerzeig, dass sich zu viele Stammplatzabonenntinnen, um eben diesen kaum einen Kopf machen müssen!!!
    Da wird nicht wirklich ausprobiert, ob es Alternativen zu den „Amtsinhabern“ gibt!!!
    Somit hat dieses Freundschaftsspiel, nicht den „Tatbestand“ eines Testspieles erfüllt!!!
    Was hätte Frau Bundestrainerin auch in Erfahrung bringen wollen, ohne die 6-7 TURBINEN, und so kurz vor dem Sommerurlaub???
    Also wozu war dieser Mannschaftsausflug nach Cleveland überhaupt gut???
    Hatte sich Frau Bundestrainerin vielleicht insgeheim diese Klatsche gewünscht, um ihre 3 Monate Vorbereitungszeit nochmal nachträglich zu rechtfertigen???
    Oder wollte man die WM-Konkurrenz in Sicherheit wiegen???
    Hätte man den Spieltermin nicht absagen, oder noch verschieben können, als im Halbfinale der CL klar war, daß ein deutsches Team ins Finale kommen wird???
    Fragen über Fragen!!!

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  • Dirk sagt:

    @mrx

    was Du Dir vorstellen kannst oder nicht, darf gerne Dein Geheimnis bleiben…

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  • laasee sagt:

    @Detlef

    The USA game was arranged with the possibility of both Potsdam and Duisburg going to Getafe. It was obvious that at least one of the two clubs would be in CL Final. The DFB has caused this nonsense and must accept full responsibilty. It also shows a lack of respect from the DFB to the Potsdam and Duisburg clubs.

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  • Markus Juchem sagt:

    I agree that the timing was far from being perfect, but I assume that it was 90% the US association who decided date and venue, not taking into account (as always) what happens in Europe. So German FA likely accepted to play without the players of a possible CL finalist rather than cancelling the game. As of today’s knowledge they might have decided in a different way.

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  • Karl sagt:

    Man muss bei dieser Niederlage auch beruecksichtigen dass da moeglicherweise der Jetlag noch ne gewisse Rolle gespielt hat. Ich weis es nicht genau, aber ich glaube die sind weniger als eine Woche vor dem Spiel angereist. Da laeuft man erstmal ein paar Tage rum wie ne tote Muecke.

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  • Jens sagt:

    Etwas offtopic:

    Beim Roulette wird Rot nicht wahrscheinlicher, wenn mehrmals hintereinander Schwarz kommt. Die Wahrscheinlichkeit ist immer 18/37…genau wie bei Schwarz auch. Dazu noch die Null, und die Summe der Wahrscheinlichkeiten ist 1…

    mfg

    Jens

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  • laasee sagt:

    @Markus

    I understand your logic. Maybe part of the problem is that the Buli needs to have its organisation structure similar to the mens. Then the FF Buli could argue against such a fixture problem.

    Also, there is a general problem with fixture confusion – the WM qualifiers clashed with Buli games and players missed club games. Not just National Associations but FIFA and UEFA have a responsibilty for a proper fixture schedule.

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  • Jan sagt:

    @Jens
    Dass Rot stets die gleiche Wahrscheinlichkeit hat, ist klar.
    Was ich eigtl. meinte, ist, dass es für Schwarz immer unwahrscheinlicher wird, je öfter Schwarz gewinnt.

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  • Ralf sagt:

    Sto(a)chastik ist halt eine schwierige Disziplin!

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  • Markus Juchem sagt:

    @Jan: Neeeee..

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  • Jan sagt:

    OK – dann mal anders: Was ist wahrscheinlicher; und was ist unwahrscheinlicher?:
    Dass die USA die nächsten 3 Duelle gewinnen? – Oder die nächsten 30 Duelle alle gewinnen?

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