Turbine Potsdam freut sich auf Spiel des Lebens

Von am 20. Mai 2010 – 10.05 Uhr 8 Kommentare

Wenn heute Abend um 20.30 Uhr (live auf ZDF und Eurosport) im mit rund 15 000 Zuschauern ausverkauften Coliseo Alfonso Perez von Getafe bei sommerlichen Temperaturen das erste Finale der Champions League ausgetragen wird, sehen viele Beobachter den  1. FFC Turbine Potsdam als Favorit. Dabei spricht die Erfahrung für Gegner Olympique Lyonnais.

„Dieses Finale ist durch das Wort Champions League geadelt“, freute sich Turbine-Trainer Bernd Schröder in der Pressekonferenz auf das Spiel, das für den 67-Jährigen, der seit 1971 die Geschicke des Teams leitet, einen späten Karrierehöhepunkt und eine Krönung seines fast 40 Jahren langen Schaffens darstellt. Und so genoss Schröder am Tag vor dem Endspiel mit einer Mischung aus Stolz und Vorfreude den Rahmen und die Aufmerksamkeit, die ihm, seinem Team und dem Frauenfußball in diesen Tagen zuteil wird.

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Jugend gegen Erfahrung
Mit einer jungen und erfolgshungrigen Final-Elf, die im Schnitt gerade einmal etwas älter als 20 Jahre sein wird, will man den größten Triumph der Vereinsgeschichte einfahren. „Es sind nur drei Spielerinnen dabei, die schon mal im UEFA-Pokal-Finale standen, aber wir haben sehr viele Europameisterinnen, U19- und weitere Junioren-Nationalspielerinnen“, so Schröder. Über den Kader des Gegners, eine hochkarätige Ansammlung von Nationalspielerinnen aus Frankreich und weiteren Ländern, sagt er: „Lyon hat erfahrene Spielerinnen, die wir nicht haben.“ Allen voran die norwegischen Mittelfeldspielerin Ingvild Stensland, die Schröder vor einigen Jahren gerne nach Potsdam geholt hätte, oder auch die Brasilianerin Katia sowie die Schweizerin Lara Dickenmann.

Starke Bundesliga
Ein kleiner Vorteil  im Duell Jugend gegen Erfahrung könnte für Potsdam jedoch sein, dass das Team in der Bundesliga regelmäßig Spiele gegen hochkarätige Gegner zu bestreiten hat. „Von der Papierform her sind die ersten vier, fünf Teams der Bundesliga von der Leistungsstärke besser als in Frankreich. Aber es ist ein anderes Spiel und jedes Spiel muss neu gespielt werden“, erklärt Schröder, dessen Team auch in puncto Athletik dem Gegner nicht unterlegen sein dürfte.

Besser gerüstet
Lyon-Trainer Farid Benstiti glaubt, dass sein Team, das nur dank eines Entscheids des internationalen Sportgerichtshofs CAS im Wettbewerb verblieben ist, nach dem Halbfinal-Aus im UEFA-Pokal in der vergangenen Saison gegen den FCR 2001 Duisburg nun im neuerlichen Duell mit einem deutschen Team besser gerüstet ist. „Wir haben damals gelernt, was es heißt, gegen ein deutsches Team zu spielen. Aber seitdem haben sich meine Spielerinnen verbessert und weitere Erfahrung gesammelt.“

Lyon ohne Schelin
Dass das Finale in nur einem Spiel ausgetragen wird, ist eine besondere Herausforderung.  „Als Trainer muss man versuchen zu vermitteln, dass dies das Finale unseres Lebens ist. Wir müssen vor allem Spaß haben und mit Begeisterung an die Sache herangehen.“ Seine Elf muss allerdings ohne die verletzte Stürmerin Lotta Schelin auskommen, die ein wenig wehmütig auf Krücken das Abschlusstraining ihres Teams verfolgte.

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Spielfreude zelebrieren
In Potsdamer Reihen sind bis auf die langzeitverletzte Monique Kerschowski alle Spielerinnen gesund. Kapitänin Jennifer Zietz erklärt: „Wir werden 90 Minuten Gas geben, um als Sieger vom Platz zu gehen. Wir haben hart trainiert und haben das Selbstbewusstsein, als Deutscher Meister gegen eine sehr gute französische Mannschaft zu spielen. Jetzt heißt es, die positive Anspannung in Spielfreude umzuwandeln.“ Für den sportlichen Höhepunkt muss Zietz sogar auf ein privates Highlight verzichten. „Meine Mutter heiratet am Freitag, deswegen ist auch meine Familie nicht hier. Aber sie Verständnis dafür, dass der Sport über alles geht.“

Lukrative Finalteilnahme
Rein finanziell ist die Finalteilnahme schon jetzt für beide Teams ein Riesengewinn. Der Champions-League-Sieger wird 325 000 Euro erhalten, der unterlegene Finalist 225 000 Euro. DFB-Präsident Dr. Theo Zwanziger wird dem 1. FFC Turbine Potsdam im Stadion die Daumen drücken, UEFA-Präsident Michel Platini und das gesamte UEFA-Exekutivkomitee werden der Partie ebenfalls beiwohnen.

Markus Juchem (51) schreibt seit 2003 über Frauenfußball, für Medien wie Womensoccer.de, UEFA.com, FIFA.com, DFB.de, FAZ, NZZ und Kicker.

8 Kommentare »

  • eisbär sagt:

    Also ich denke, wenn Potsdam es schafft, Necib aus dem Spiel zu nehmen, dann stehen die Chancen sehr gut.

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  • Schenschtschina Futbolista sagt:

    …und eine Schelin, eine Thomis, eine Franco, eine Katia, eine Dickenmann und und und! 😉

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  • Salamander sagt:

    Also Schelin kann ja nicht spielen. Weiss man denn schon, wie die Aufstellung ungefähr aussehen wird?!

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  • Winter sagt:

    Viel Glück Turbinen. Ich hoffe, wir erleben einen fantastischen Abend am Potsdamer Kutschstall!!!

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  • Ralf sagt:

    Und es bedarf keines Auguren, um zu wissen, was so gegen 22:30 Uhr hier auf dem Blog los sein wird, wenn Turbine gewonnen hat! 🙂

    Aber vielleicht geht die/der eine oder andere ja noch mal nach dem Flug der Schwalben schauen, bevor das Spiel losgeht! 😉

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  • Marcel sagt:

    Ich hoffe mal die Mädels haben sich neue Energie geholt in der kurzen Pause ,den die letzten Spiele wirkte das nicht mehr so frisch und auch von der Leistung her ging es tendenziell nach unten.

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  • Schenschtschina Futbolista sagt:

    Ich ahne jetzt schon, dass im Liveticker unter den ersten Berichten stehen könnte:nervöser Beginn der Turbinen, Fehlpässe/-zuspiele, Großchancen ausgelassen u.ä. Das konnte/mußte man zuletzt auch recht häufig dort lesen…
    Trotzallem bin ich der Überzeugung, dass Schrödis Versprechen kein Versprecher war und unsere Torbienen den Platz als 1. CL-Sieger verlassen werden! 🙂

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  • Marcel sagt:

    Ja diese Nervosität im Spiel von Turbine versteh ich manchmal auch nicht eigentlich müsste man doch dank der ganzen Erfolge wesentlich selbsbewusster auftreten.Kann natürlich auch der jungen Mannschaft geschuldet sein das man da kurz vorm Ziel den Druck nicht so leicht abschütteln kann.
    Wie dem auch sei genug mit dem Schwarzmalen ich denke die Turbinen haben die Pause genutzt und setzen der Saison das i-Tüpfelchen auf 🙂

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