Duisburg gewinnt DFB-Pokal

Von am 15. Mai 2010 – 17.49 Uhr 45 Kommentare

Der FCR 2001 Duisburg hat mit einem Erfolg gegen den FF USV Jena zum zweiten Mal in Folge den DFB-Pokal gewonnen. Doch trotz klarer Überlegenheit und zahlreicher Chancen trennte am Ende beide Teams nur ein Tor.

Beim 1:0 (0:0)-Sieg vor der europäischen Rekordkulisse für ein nationales Spiel auf Vereinsebene von 26 282 Zuschauern erzielte im RheinEnergyStadion von Köln Abwehrspielerin Annike Krahn in der 51. Minute per Kopf nach Flanke von Alexandra Popp den einzigen Treffer des Tages. Für Duisburg war es nach 1998 und 2009 der dritte DFB-Pokalsieg der Vereinsgeschichte.

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Starke Burmeister
Krahn erklärte nach dem Spiel: „Ich bin zweimal mit nach vorne gekommen und habe glücklich das Tor erzielt. Irgendwie haben wir es nicht richtig geschafft, den Ball im Tor unterzubringen, obwohl wir mehr als genug Torchancen hatten.“

Die Duisburgerinnen verteidigen ihren Titel aus dem Vorjahr.

Die Duisburgerinnen hatten Chancen im Dutzend, doch entweder hatte man Pech wie bei mehreren Lattentreffern oder fand seine Meisterin in Jenas starker Torhüterin Jana Burmeister, die sich eine Bestnote verdiente und die beste Spielerin auf dem Platz war. So scheiterte Femke Maes nach einer knappen halben Stunde freistehend mit einem Schuss aus sieben Metern an Burmeister (28.), zehn Minuten später lenkte die U23-Nationaltorhüterin einen Kopfball von Inka Grings an die Latte.

Torchancen en masse
Die Belgierin Femke Maes (28.) hatte die große Chance zum 1:0 für den FCR auf dem Fuß, scheiterte aber aus sieben Metern freistehend an USV-Torhüterin Jana Burmeister, die zehn Minuten später erneut glänzend parierte, als sie einen Kopfball von Inka Grings aus kurzer Distanz an die Latte lenkte. Nach dem Führungstreffer hatte Duisburg weiter Chancen auf einen zweiten Treffer, Jena war nur einmal gefährlich, als Stürmerin Genoveva Anonma Torfrau Ursula Holl prüfte (56.).

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Jena verteidigte sich aufopferungesvoll, war in der Offensive zu harmlos, Duisburg fehlte bei allem Bemühen die letzte Konzentration und Entschlossenheit, um die Partie frühzeitig zu entscheiden. Jennifer Oster (55.), Linda Bresonik (65./74.), Grings (86./90.) und Maes (88.) vergaben weitere gute Einschussmöglichkeiten, ehe der Pokalsieg unter Dach und Fach war.

Jena zufrieden
„Wir sind mit der knappen Niederlage zufrieden. Wir freuen uns, dass wir hier waren, es war ein klasse Spiel. Ich und die Mannschaft wir haben eine gute Leistung gebracht, wir können uns auch ein bisschen als Sieger fühlen“, so Burmeister.

Duisburgs Trainerin Martina Voss-Tecklenburg konnte sich nicht so recht erklären, warum ihr Team nicht mehr Tore erzielt hatte. „Vor dem Tor war alles etwas unglücklich, wir müssen konsequenter und ruhiger sein, aber wir sind dennoch der hochverdiente Sieger und der Sieg hätte höher ausfallen können. Wir wussten, dass es ein Geduldsspiel wird, aber es war trotzdem ein interessantes Spiel. Annike gönne ich den Treffer von ganzem Herzen.“

Alexandra Popp mit dem DFB-Pokal

Lob an Organisatoren
Und so hielt sich die Freude der Duisburger Spielerinnen bei der Überreichung der Pokaltrophäe und der Medaillen zunächst noch etwas in Grenzen. Stürmerin Inka Grings, die mit 28 Toren Bundesligatorschützenkönigin wurde, aber an diesem Nachmittag ohne Treffer blieb, meinte: „Wir haben uns das Leben selber schwer gemacht und die hundertprozentigen Chancen nicht rein gemacht, deswegen mussten wir bis zum Ende zittern. Es war kein schönes Spiel von uns, aber das Publikum war fantastisch. Respekt an die Stadt Köln, den DFB und alle Helfer. Es war wunderschön, hier spielen zu dürfen. So macht Fußballspielen Spaß.“

Die 26 282 Zuschauer bei der Final-Premiere in Köln stellen einen neuen Europarekord für ein nationales Frauenfußball-Vereinsspiel dar. Die bisherige Bestmarke stammte vom 5. Mai 2008, als 24 582 Zuschauer das FA-Cup-Finale zwischen Arsenal LFC und Leeds United besuchten.

Markus Juchem (51) schreibt seit 2003 über Frauenfußball, für Medien wie Womensoccer.de, UEFA.com, FIFA.com, DFB.de, FAZ, NZZ und Kicker.

45 Kommentare »

  • Marcel sagt:

    @eisbär
    Also bis auf den kuriosen Kopfballinnenpfosten von Babs war Turbine letztes Jahr genauso weit entfernt wie Jena vom Finalsieg wenn nicht sogar mehr.
    Wenn dann solltest du dich beim Schicksal beschweren und nicht bei Jena,die Lose diese Saison waren halt unglücklich so das sich die Spielstärksten Mannschaften gegenseitig rausgehauen haben.
    Und wenn Jena „mitgespielt“ hätte bezweifle ich ob das so attraktiver gewesen wäre,da wäre das Spiel sicherlich schon in der ersten 30Min. entschieden gewesen.

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  • eisbär sagt:

    Ich sage ja auch nicht, dass sie von Beginn an offensiv hätten auftreten sollen. Wenn sie sich mit einem 0:0 ins Elfmeterschießen gerettet hätten, würde ich nichts sagen. Aber dass Jena nach dem 0:1 nicht offensiver geworden ist oder wenigstens die letzten 10 Minuten alles nach vorne geworfen hat, das stört mich, weil man so den Eindruck bekommt, dass sie nicht gewinnen wollten.
    Das gleiche gilt auch für das Spiel Bad Neuenahr gegen Potsdam. So lange es 0:0 stand, hatte Bad Neuenahr wenigstens einen Punkt, aber nach dem Rückstand kam weiterhin überhaupt nichts nach vorne und das ärgert mich, gerade wenn man dann überall liest, dass sie toll gekämpft haben. Denn dass die beiden Spiele so lange 0:0 standen, lag einerseits am eigenen Unvermögen und an den guten Torwartleistungen. Hätte Duisburg sich vor dem Tor etwas mehr konzentriert, dann wäre Jena auch trotz der destruktiven Spielweise untergegangen. Aus meiner Sicht lag es mehr an Duisburg, dass es nur 1:0 ausgegangen ist als an der „Taktik“ Jenas.

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  • Marcel sagt:

    @eisbär

    Jeder muss halt das Spiel so spielen wie es am erfolgsversprechendsten ist.Da Jena nunmal nicht die spielerischen Mittel hat um Duiburg Paroli zu bieten gabs halt nur eins ,hinten dicht machen und auf Konter lauern.Davon würde ich auch nicht abrücken wenn man 0:1 zurück liegt ,da kann man immer noch durch einen gut ausgeführten konter oder ne Standartsituation wegmachen.Auch wenn Jena daran natürlich kläglich gescheitert ist.
    Aber man muss natürlich auch die äusseren Umstände einbeziehen immerhin hat man vor ner grossen Kulisse gespielt und noch dazu wurde das live im ZDF gesendet,da gehts auch darum sein Gesicht zu bewaren und sich nicht als Kanonenfutter zu präsentieren.Vor allem für jetztige oder künftige Sponsoren nicht ganz unwichtig.

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  • Schenschtschina Futbolista sagt:

    Genauso ist es völlig korrekt, Marcel! Was Heidi Vater da ausgebrütet hatte, ist ein schon häufig erprobtes Taktikrezept – nicht besonders schön anzusehen, aber man kann sein Gesicht wahren. Immerhin kann der USV sich damit brüsten, 6 Tore weniger eingeschenkt bekommen zu haben als der der alte und neue Meister im Jahr zuvor. Ist doch auch was!
    Man hat im Vorfeld des Endspiels realistisch seine Möglichkeiten und spielerische Qualität in die Waagschale getan, abgewogen und kam zu der einzig richtigen Entscheidung, so zu spielen, wie wir es letztendlich gesehen haben. Und ich schreibe es wiederholt:Es war kein langweiliges Spiel mit serien- bzw. reihenweise eingeschlafenen Zuschauern!

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  • swalfa sagt:

    Hallo,
    ich war in Köln dabei und ich fand es einfach nur unheimlich traurig, dass eine Mannschaft den Sieg gar nicht erst erringen wollte! So sah es nämlich aus. Wenn ich in ein Finale käme, würde ich nicht alles für einen Sieg tun? Das sah ich in dem Spiel von Jena nicht.
    Das war doch kein Meisterschaftsspiel, bei dem es nur um Punkte und eine ideale Tordifferenz geht sondern der DFB-Pokal. Das war ein Endspiel, und ich denke hier hätte man mal etwas offensiver auftreten können.
    Für mich war es ein Endspiel von einer Mannschaft (Duisburg),die unbedingt gewinnen wollten gegen eine Mannschaft (Jena), die nicht hoch verlieren wollte und dadurch fehlte irgendwie dem Spiel der Pfiff. Ich bin mir sicher, dass die Essenerinen angriffslustiger gewesen wären. Würde mich nicht wundern, wenn 2011 die Zuschauer ausbleiben. Warum hingehen, wenn eine Mannschaft nicht einmal gewinnen will?????

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