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2010

DFB-Mitgliederstatistik: der schöne Schein

Man ist es inzwischen gewohnt, dass der DFB jedes Jahr neue Rekordzahlen in seiner Mitgliederstatistik verkündet . Das ist auch in diesem Jahr nicht anders. Insgesamt 6,76 Millionen Mitglieder sind inzwischen im DFB gemeldet, davon 1,05 Millionen Frauen und Mädchen. 27 477 Neuanmeldungen kamen im Jahr 2009 im Frauenfußball-Bereich dazu. Erfreulich, doch die jährlichen Zuwachsraten kaschieren, dass das öffentliche Interesse am Frauenfußball nur langsam zunimmt.

5 341 Frauenfußball-Mannschaften sind im DFB gemeldet, 8 665 Mädchenfußball-Mannschaften bis 16 Jahre. Bei den weiblichen Teams gab es im vergangenen Jahr ein Plus von 924. Hannelore Ratzeburg, DFB-Vizepräsidentin für Frauen- und Mädchenfußball, freut sich: „Das sind natürlich sehr erfreuliche Zuwachsraten, die beweisen, dass sich der Frauen- und Mädchenfußball in den vergangenen Jahren immer mehr zur Trendsportart entwickelt hat und unsere Maßnahmen im Hinblick auf die WM 2011 positiv umgesetzt worden sind.“ Doch die Zahlen sprechen nur die halbe Wahrheit.

Schwache Besucherzahlen Suggerieren sie doch einen Aufwärtstrend, der die Beweisführung beim wöchentlichen Besucher der Frauenfußball-Bundesligen nicht standhält. So ist etwa der Zuschauerschnitt im bisherigen Verlauf der Frauenfußball-Bundesliga-Saison 2009/10 nach wie vor dreistellig: 768. Nur die Top 3, der 1. FFC Turbine Potsdam, der FCR 2001 Duisburg und der 1. FFC Frankfurt sind in der Lage, regelmäßig eine vierstellige Besucherzahl zu erzielen. Selbst den strengen Winter eingerechnet, eine insgesamt immer noch dürftige Bilanz. Zum Vergleich: Der Zuschauerschnitt der Handball-Bundesliga der Frauen liegt mehr als 20 Prozent über dem der Frauenfußball-Bundesliga.

Ribéry und Ronaldo in den Köpfen Würde sich nur ein Bruchteil der Aktiven stärker für das Geschehen im Frauenfußball interessieren, wären die Besucherzahlen deutlich besser, würde auch der Umfang der Berichterstattung in den Medien weiter wachsen. Doch in den Köpfen der Fußball spielenden Mädchen sind immer noch Namen wie Franck Ribéry oder Cristiano Ronaldo stärker verankert, als solche wie Inka Grings oder Fatmire Bajramaj. Diskutiert wird bevorzugt über das Geschehen im Männerfußball, über die Ereignisse im Frauenfußball tauscht man sich nur in Ausnahmefällen aus.

Faszination Frauenfußball wecken Im Zuge der Frauenfußball-WM 2011 und auch darüber hinaus wird die eigentliche Herausforderung für den DFB sein, verstärkt die Faszination für den Frauenfußball zu wecken und weniger die Zahl der Fußball spielenden Mädchen und Frauen zu vergrößern. Auch die Anstoßzeiten der Frauenfußball-Bundesligen sollten einer eingehenden Prüfung unterzogen werden. Und die Vereine müssen sich hinterfragen, wie sich die infrastrukturellen Rahmenbedingungen und die Außendarstellung verbessern lassen, um mehr Besucher zu den Spielen zu locken. Von der Anfahrt über die Parkplatzsituation bis hin zu den sanitären Einrichtungen an den Spielstätten gibt es noch großen Handlungsbedarf, genauso wie etwa bei der Pflege und Aktualisierung der vereinseigenen Websites.