TeBe kommt nicht zur Ruhe
Sportlich läuft es für TeBe Berlin in der Ersten Bundesliga besser, als viele vor der Saison gedacht haben. Seit Mittwoch hat der Hauptstadtclub darüber hinaus eine neue Abteilungsleitung. Doch von Ruhe ist man bei den Berlinerinnen nach den zuletzt turbulenten Wochen weit entfernt. Trainer Thomas Grunenberg spricht nur wenige Tage nach der Wahl von Oliver Ronneberger zum Abteilungsleiter schon wieder von einer Annullierung.
„Ich sehe mich Herrn Ronneberger nicht untergeordnet“, so der Trainer, der die Wahl der neuen Abteilungsleitung als „absolute Farce“ bezeichnet. „Ich denke, dass sie annulliert wird.“
Abteilung besteht auf einen Vorsitzenden Zunächst war Grunenberg auf der Mitgliederversammlung gar nicht anwesend, da die erste Mannschaft zeitgleich Training hatte. Dies sei in Absprache mit Erhard Rösler entschieden worden, so Grunenberg. Rösler hatte die Abteilung nach der umstrittenen Absetzung der ehemaligen Vorsitzenden , Gaby Wahnschaffe, als Vorsitzender des Fördervereins kommissarisch geführt. Obwohl die Wahl einer Abteilungsleitung auf der Tagesordnung stand, habe man die Wahl nicht durchführen, sondern bis Saisonende aufschieben wollen, erklärt Ronneberger. „Die Mitglieder wollten aber eine Abteilungsleitung, laut Satzung besteht Anspruch darauf“, so Wahnschaffe, die bei der Versammlung anwesend war, auf eine Kandidatur jedoch verzichtete.
Rösler sei überrumpelt gewesen von dem Votum der Abteilung, Wahnschaffe dagegen „bestens vorbereitet“, so Grunenberg, der dies allerdings weniger als Kompliment meint. Wahnschaffe hatte sich Stimmübertragungen nicht anwesender Mitglieder gesichert. „Laut unserer Satzung zulässig“, sagt sie, „nicht korrekt“ kontert der Trainer, der die Vereinsmitgliedschaft der Abwesenden nun prüfen lassen will.
Bundesligateam wird zur Wahl gerufen Aufgrund der anstehenden Wahlen rief Rösler die erste Mannschaft sowie den der Abteilung nicht angehörenden Trainer in die Versammlung. Jessica Brückner, Kerstin Prusas, Constanze Heß und Anissa Holzhaus weigerten sich – es folgte die prompte Suspendierung durch Grunenberg. Ein Unding, findet Wahnschaffe, die eine Mitgliederversammlung inklusive Wahl für eine freiwillige Veranstaltung halte, “Vertrauensbruch” nennt es der Trainer. Im Fall Brückner sei die Entscheidung endgültig: „Solange ich Trainer bin, wird sie nicht mehr spielen.“
Die Abteilung folgte mehrheitlich ihrer ehemaligen Vorsitzenden, auch bei der Wahl eines neuen Abteilungsleiters. Wahnschaffe schlug Oliver Ronneberger, bis dato Teammanager der zweiten Mannschaft, vor. „Er ist der Richtige: ein Mensch mit Tiefgang, der sich nicht die Butter vom Brot nehmen lässt.“ 54:0 Stimmen erhielt Ronneberger, der sich über das Ergebnis zwar freute, „aber die Umstände machen den Einstieg nicht leicht.“ Der Trainer, der, so Wahnschaffe, gegenüber den Anwesenden ausfallend geworden sei, hatte die Versammlung aus Protest mit seinen Spielerinnen zu diesem Zeitpunkt schon wieder verlassen.
Grunenberg lehnt Abteilungsleitung ab „Ich wünsche mir, dass wir vertrauensvoll zusammenarbeiten“, so Ronneberger. „Ich weiß, dass es Vorbehalte gibt und man sich natürlich auch fragt, wie sich der neue Abteilungsleiter wohl geben wird.“ Diese Frage scheint sich Grunenberg in der Tat zu stellen, erklärt er doch, dass er mit Ronneberger nicht zusammen arbeiten werde, wenn er feststelle, dass er „in einer Riege“ mit der dritten Mannschaft und Gaby Wahnschaffe stehe. „Mein erster Ansprechpartner bleibt Herr Rösler.”
Grunenberg halte die Wahl von Ronneberger für überflüssig. „Wir haben in den letzten Wochen gut gearbeitet.“ Grundsätzlich scheint der Trainer eine Abteilungsleitung nicht abzulehnen, doch möchte er sie selbst bestimmen. „Wir haben Gespräche geführt. Leider ist eine Kandidatin wegen der vereinsinternen Querelen abgesprungen.“ Es ist wohl ein mehr als unübliches Vorgehen, dass ein Trainer der Abteilung eine Vorsitzende aussucht, somit auch seinen eigenen Vorgesetzten – insbesondere dann, wenn der Trainer dieser Abteilung nicht einmal angehört. Aber die Probleme sind bei TeBe hausgemacht und basieren auf dem Kooperationsvertrag zwischen Abteilung und Förderverein, der die Regelung finanzieller Belange vorsieht, wodurch sich der Förderverein in einer Art Arbeitgeberposition sieht. Grunenberg und Rösler kennen sich seit Jahren und versuchen, TeBe im Doppel zu führen. Mit 54:16 Stimmen sei allerdings in der ersten Abstimmung ein Antrag angenommen worden, der die Rückgabe der Geschäfte in die Hände der Abteilung vorsehe, sagt Wahnschaffe. Die Abteilung verlangt also mehr als nur formales Mitspracherecht. Doch da die finanziellen Belange weiterhin vom Förderverein geregelt werden sollen, was Ronneberger auch unterstütze, dürften die Probleme weitergehen.
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