Quo vadis, TeBe?
Turbulent geht es bei TeBe Berlin in den ersten Wochen im Fußballoberhaus zu. Nicht nur, dass der Aufsteiger seine ersten drei Saisonspiele verlor, überschattet wurden die Ereignisse vom rechtlich umstrittenen Rausschmiss der Abteilungsleiterin seitens des Fördervereins. Dieser ist bereits aktiv auf Suche nach einer Nachfolgerin, hat sehr genaue Vorstellungen – aber für Gaby Wahnschaffe ist der Fall noch nicht erledigt.
„Ich habe die ganze Zeit darauf gewartet, dass mein Verein dazu Stellung nimmt“, so Wahnschaffe, die sich nicht im Anstellungsverhältnis beim Förderverein sieht, sondern einzig bei TeBe. Nach einem Treffen mit dem Ältestenrat vor zwei Tagen ist sie nun optimistisch, dass TeBe klar stellt, dass der Förderverein nicht die Befugnis zu ihrer Absetzung hatte.
Zufrieden mit neuer Freiheit „Ich bin überhaupt nicht traurig“, sagt Wahnschaffe über die Tatsache, der Abteilung eventuell nicht mehr vorzustehen – über einen Abschied denke sie schon länger nach. „Aber nicht so – ich alleine bestimme über den Zeitpunkt.“ Es ist zu einer Prinzipienfrage geworden. „Der Verein muss sich positionieren – darum geht es mir. Es muss klar gestellt werden, dass der Förderverein nicht das Recht hatte, so in die Abteilungsarbeit einzugreifen. Wenn das durchkommt, öffnet es auch in anderen Abteilungen Tür und Tor.“
Was genau sie macht, wenn die erhoffte Rückendeckung kommt, weiß sie noch nicht, denn zurück möchte Wahnschaffe auf lange Sicht nicht mehr. „Ich bin in der komfortablen Situation, im Vorruhestand zu sein – ausnutzen, ohne mich nach Plänen anderer Leute oder Rahmenterminkalendern richten zu müssen, konnte ich das noch nicht. Ich möchte keine Vereinsarbeit mehr machen; im Sommer hätte ich vermutlich aufgehört.“
Ehemalige Nationalspielerin als Wunsch-Ersatz Auf Seiten des Fördervereins formuliert der Vorsitzende Erhard Rösler mittlerweile vorsichtiger: „Für den Vorstand des Fördervereins ist klar, Gaby Wahnschaffe nicht weiter zu beschäftigen – für die Abteilung kann ich nicht sprechen.“ Undurchsichtige Lage, da Wahnschaffe kein Mitglied des Fördervereins war. Dieser hat sich aber, unter Berufung auf den Kooperationsvertrag mit der Abteilung, der die Regelung kaufmännischer Angelegenheiten vorsieht, durch die Absetzung der Leitung bereits in Abteilungsangelegenheiten gemischt.
Auch bei der Suche nach Ersatz an der Abteilungsspitze hat der Förderverein klare Vorstellungen. „Wir möchten möglichst wieder eine Frau“, so Rösler, und Trainer Thomas Grunenberg konkretisiert: „Eine ehemalige Nationalspielerin wäre die Ideallösung. Die bringt Erfahrung und Kontakte mit.“ Gespräche mit Kandidatinnen stünden an, führt Grunenberg fort, ohne jedoch Namen nennen zu wollen.
Auf sportliche Situation konzentrieren „Ich bin mit Gaby nicht im Streit gegangen“, möchte Grunenberg festhalten. „Ich bin seit etwas über einem Jahr hier, weiß nicht, was alles passiert ist. Ob das für eine Entlassung ausreicht - keine Ahnung. Aber es ist passiert“, jetzt stehe für ihn die sportliche Situation im Vordergrund.
Drei Niederlagen in drei Spielen, aber der Trainer ist optimistisch. „Wir kommen da wieder raus.“ Doch die mangelnde Erfahrung seiner Spielerinnen wiegt schwer. „Es sind alles ordentliche Fußballerinnen, aber manchmal zu zappelig am Ball. Das müssen wir ablegen. Aber ich bin schon der Meinung, dass die Mannschaft sich weiter entwickelt, gerade gegen Wolfsburg war die zweite Hälfte ein wirklich offenes Spiel.“
„Die Stimmung im Team ist weiterhin gut, ich habe den Mädels von Anfang an gesagt, dass es schwer wird“, so der Trainer, der vor der Saison nicht wirklich wusste, wo seine Mannschaft steht. „Wir haben einen Kader fast ohne Bundesligaerfahrung.“
Verstärkung im Sturm gesucht Vier Monate ist der Kreuzbandriss von Kerstin Straka her, mittlerweile befindet sich die Stürmerin in der Reha; Grunenberg rechnet mit weiteren acht Wochen, bevor sie ins Mannschaftstraining einsteigen kann. Daher ist der Sturm derzeit das große Problemkind. „Wir haben ordentliche Stürmerinnen, die aber mehr Vorbereiterinnen sind – es fehlt eine Knipserin“. Die Augen werden offen gehalten: groß, kräftig, abschlussstark sind die Stichwörter.
Ziel 2011 Das größte Stichwort ist allerdings 2011. „Wir wollen dann unbedingt erste Liga spielen“, sagt Grunenberg, und auch für Rösler ist dies entscheidend. „Berlin ist Spielort, wir sind die Hauptstadtvertretung – daran wird alles gemessen.“ Doch gemessen wird man im Zuge einer stärkeren Professionalisierung des Sports auch an seiner Arbeit und seinen Strukturen. Ein längerfristiger Erfolg in Berlin hat, wie überall, mehrere Säulen. Der Zuschauerzuspruch (67 am Sonntag) bei TeBe liegt derzeit nahezu unter dem Zweitliganiveau, die Entlassung Wahnschaffes wurde auf die unprofessionellste aller Arten vollzogen. Unabhängig der Frage, ob der Förderverein dazu berechtigt war oder nicht, präsentiert man der Öffentlichkeit auf der Saisoneröffnungspressekonferenz keine Abteilungsleiterin, die zehn Minuten später abgesetzt wird. Auch über drei Wochen danach wurde noch immer keine offizielle Pressemitteilung verfasst. „Das ist eine interne Geschichte“, begründet Rösler. Die Gründe sind unbestreitbar intern und für jeden Außenstehenden schwer nachzuvollziehen. Aber der Sport wird professioneller - Zuschauerzuspruch, Geld, Sponsoring, Medienaufmerksamkeit wichtiger. TeBe war noch nie ein Verein, der bei diesen Faktoren einen Spitzenplatz einnahm. Wenn 2011 das (verständlicherweise) große Ziel ist, wird es Zeit, sich entsprechend aufzustellen, denn Erfolg ist längerfristig und keine Momentaufnahme.
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