Die Tops und Flops des ersten Bundesliga-Spieltags

Von am 21. September 2009 – 10.43 Uhr 43 Kommentare

Womensoccer blickt auf die positiven wie negativen Höhepunkte des ersten Spieltags der neuen Saison in der Frauenfußball-Bundesliga zurück. Im Mittelpunkt stehen Dzsenifer Marozsan, treffsichere Europameisterinnen und auswärtsstarke Teams, aber auch schwere Verletzungen, niedrige Zuschauerzahlen und ein Trauma.

Top 5

1. Marozsans Traumdebüt
30 Minuten lang ließ Frankfurts Trainer Günter Wegmann Neuzugang Dzsenifer Marozsan beim 3:2-Erfolg gegen den VfL Wolfsburg spielen, und die 17-Jährige wurde gleich bei ihrem ersten Bundesligaeinsatz im Trikot der Hessinnen zur Matchwinnerin. Erst bereitete sie mit einer maßgerechten Flanke den 2:2-Ausgleich von Saskia Bartusiak vor, dann erzielte sie selbst neun Minuten vor Spielende das entscheidende Tor. Ein Auftakt nach Maß für eines der größten Talente im deutschen Frauenfußball.

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2. Bayern siegt auch ohne Zehn
Kennen Sie Christina Eckmann und Magdalena Mayr? Mit diesen und weiteren Nachwuchsspielerinnen wie Carina Wenniger und Annika Doppler gewann der FC Bayern München zum Saisonauftakt souverän mit 3:0 gegen die SG Essen-Schönebeck. Bayern-Trainer Günther Wörle musste gleich auf zehn Spielerinnen verzichten – Nina Aigner, Sylvie Banecki, Isabell Bachor, Stefanie Mirlach, Corinna Paukner, Ivana Rudelic, Viktoria Schnaderbeck, Katharina Würmseer, Vanessa Bürki, und Carolina Pini, die auf Krücken und mit Verdacht auf Bänderriss den Sieg ihres Teams verfolgte.

3. Europameisterinnen in Topform
Keine Spur von Müdigkeit: Die frisch gebackenen Frauenfußball-Europameisterinnen präsentierten sich zum Saisonauftakt in Torlaune. Beim 4:1-Sieg des FCR 2001 Duisburg gegen den Hamburger SV waren fünf Europameisterinnen für die Tore zuständig: Kim Kulig, Simone Laudehr, Annike Krahn und Inka Grings (2). Dazu trafen Birgit Prinz und Saskia Bartusiak für den 1. FFC Frankfurt, Anja Mittag und Babett Peter für den 1. FFC Turbine Potsdam, Melanie Behringer für den FC Bayern München und Célia Okoyino da Mbabi für den SC 07 Bad Neuenahr. 11 von 19 Toren gingen am ersten Spieltag somit auf das Konto der Europameisterinnen.

4. Doppelpacks
Ein Tor zu schießen ist schön, zwei Tore zu schießen ist besser: Wegen einer bei der EM erlittene Knieverletzung schien den Einsatz von Inka Grings beim Bundesligaauftakt lange Zeit gefährdet. Doch die Torschützenkönigin der vergangenen Saison biss auf die Zähne und tat das, was sie am besten kann. Tore schießen. Binnen zwei Minuten erzielte sie zwei Tore beim 4:1 gegen den HSV. Da wollte Wolfsburgs Shelley Thompson in nichts nachstehen. Erst vernaschte sie Gina Lewandowski, um den Ball dann perfekt um Nadine Angerer ins Tor zu zirkeln, beim zweiten Treffer hatte Frankfurts Neuzugang Sara Thunebro das Nachsehen. Doch es half nichts: Wolfsburg unterlag mit 2:3.

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5. Auswärtsstärke
Der Heimvorteil erwies sich für fünf der sechs Bundesligateams am ersten Spieltag als Bumerang. Nur Vizemeister Bayern München konnte sein Heimspiel gegen die SG Essen-Schönebeck gewinnen. Für den Hamburger SV, VfL Wolfsburg, den SC Freiburg und die beiden Aufsteiger 1. FC Saarbrücken und Tennis Borussia Berlin setzte es Heimniederlagen. Die niederschmetternde Bilanz der Heimteams: Sechs Spiele, fünf Niederlagen, ein Sieg und 6:13-Tore.

Flop 5

1. Schwere Verletzungen
Für Ally Krieger vom 1. FFC Frankfurt kam es knüppeldick. Nachdem sie weite Teile der vergangenen Saison mit einem Fußbruch pausieren musste und sich gerade wieder heran gekämpft hatte, zog sie sich in Wolfsburg die gleiche Verletzung erneut zu. Meister 1. FFC Turbine Potsdam freute sich mit einer sicheren 3:0-Führung im Rücken in Saarbrücken bereits über einen gelungenen Saisonauftakt, doch dann prallte Torhüterin Desirée Schumann unglücklich mit Saarbrückens Maike Trach zusammen. Schumann wurde im Gesicht getroffen und ging bewusstlos zu Boden. Nach mehrminütiger Behandlung kam sie wieder zu sich und wurde umgehend mit dem Rettungswagen ins Krankenhaus gebracht. Und in München wurde Melanie Behringer zur tragischen Heldin. Erst schoss sie per Foulelfmeter den ersten Treffer der neuen Saison, nach 16 Minuten musste sie vom Feld, weil eine alte Fersenverletzung wieder aufbrach. Eine längere Pause droht. Womensoccer wünscht allen Spielerinnen gute Besserung.

2. Carina Chojnacki sieht rot
Wegen Meckerns sah Essens Abwehrspielerin Carina Chojnacki von Schiedsrichterin Anja Kunick in der zweiten Halbzeit die Gelbe Karte, doch die 27-Jährige hatte ihre Emotionen nicht im Griff. Denn 60 Sekunden später meckerte sie erneut und Kunick griff erneut zum Karton – Gelb-Rote Karte. Trainer Ralf Agolli verschaffte seinem Unmut über die Unbeherrschtheit seines Schützlings deutlich Luft, Bayern Münchens Tanja Wörle und Nicole Banecki bedankten sich für die Schützenhilfe mit den Treffern zum 2:0 und 3:0.

3. Das Frankfurt-Trauma der Wölfinnen
Knapp vorbei ist auch daneben – für den VfL Wolfsburg und Trainer Ralf Kellermann gab es gegen den 1. FFC Frankfurt ein Déjà-vu der unangenehmen Art. In der vergangenen Saison führten die Niedersachsen gegen Frankfurt mit 2:0, am Ende gingen sie mit 2:3 als Verlierer vom Platz. Und auch diesmal gelang es den Gastgeberinnen nicht, eine Führung über die Zeit zu bringen.  Aus einer 2:1-Führung wurde am Ende erneut eine 2:3-Niederlage. Zumindest die Zuschauerzahl stimmte: 2 500.

4. Minuskulisse
Stell Dir vor, es ist Bundesliga, und keiner geht hin – ins Mommsenstadion von Berlin verirrten sich am Sonntagnachmittag zum Heimspieldebüt von Aufsteiger Tennis Borussia Berlin nach langjähriger Erstligaabstinenz gerade einmal 160 Zuschauer. Dabei gab es auf dem Platz in Célia Okoyino da Mbabi eine echte Europameisterin zu bewundern.  Die Berliner hatten für ihre Freizeitgestaltung an diesem Nachmittag offenbar andere Pläne, TeBe verlor mit 0:2.

5. Falsche Torschützinnen
Mit einem Liveticker versucht der Deutsche Fußball-Bund (DFB) Woche für Woche die Frauenfußball-Fans über die aktuellen Ereignisse auf dem Laufenden zu halten. Musste man sich in der Vergangenheit bereits häufiger über falsche Ergebnisse, Torschützinnen  oder Aufstellungen ärgern, begann auch die neue Saison mit einigen Fauxpas. So wurde aus Freiburg zunächst Sylvie Arnold als Torschützin vermeldet, um den Treffer später Yvonne Hartmann zuzuschreiben. Und auch von Dzsenifer Marozsans Treffern schienen die Übermittler der Daten in Wolfsburg nichts mitbekommen zu haben. Dort hatte man zunächst Karolin Thomas als Torschützin identizifiert. Womensoccer fragt: Geht das nicht besser?

Was hat Euch am meisten beeindruckt, gefreut, geärgert oder gewundert?

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Markus Juchem (50) schreibt seit 2003 über Frauenfußball, für Medien wie Womensoccer.de, UEFA.com, FIFA.com, DFB.de, FAZ, NZZ und Kicker.

43 Kommentare »

  • Ralf sagt:

    Eines der Probleme ist, daß der DFB weiterhin seine Basisarbeit vernachlässigt. Wieso haben wir in Hessen immer noch keine Verbandsliga bei den B-Juniorinnen zwischen Hessenliga und Gruppenliga ? Das Fundament muß stimmen. Mannschaften, die aus der Hessenliga absteigen, sind i.d.R. absolut unterfordert in der Gruppenliga. Davon haben die Talente nichts. Wenn wir mehr Mannschaften haben, die lokal eine gute Rolle spielen, kommen auch automatisch mehr Zuschauer, das wirkt sich auch auf die oberen Ligen aus, da die besten Talente in diesen Teams spielen und früher oder später aus diesen Teams zu den Topvereinen gehen. Aber 6000 im Schnitt in der Bundesliga zu erreichen, ist schwer. Zu den Zeiten der 70er hatten wir nicht das breite Freizeitangebot wie heute, und die Konkurrenz ist groß. Zudem kann man sich nicht mit der Popularität und Tradition des Männerfussballs vergleichen. Lange waren auch in der Gesellschaft große Vorbehalte gegen Frauen- und Mädchenfussball. Für mich nie nachvollziehbar, da Frauen und Mädchen auch sehr gut fussballspielen können und Mädchen sich auch erfolgreich in Jungenteams auf Gruppen- oder Verbandsebene durchsetzen und Führungsspielerinnen sind. Das kann man mir sicherlich vielfach bestätigen.
    Männerhandball ist neben Fußball auch ein Zuschauermagnet. Es ist und bliebt schwer, auf eine hohe Zuschauernachfrage in der Bundesliga zu kommen, aber wenn man bedenkt, wie verwaist die Plätze noch Anfang der 90er Jahre waren, hat sich doch schon viel getan. Es ist einfach so, daß sich die meisten Fussballhänger des Männerfussballs nicht für Frauen- und Mädchenfussball begeistern können und/oder wollen. Es ist schade, doch es ist fakt. Es wird viel gemacht im Vorfeld der WM 2011, doch in einem Land, in dem der Männerfussball diese immense Tradition hat und auch lange mit Händen und Klauen verteidigt wurde, selbst vom DFB selbst, der Frauenfußball bis 1970 sogar offiziell verboten hat, ist man doch in den letzten 20 Jahren, seit dem ersten Gewinn der Europameisterschaft, je nach Standpunkt relativ weit gekommen.

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  • Ralf sagt:

    Noch’n Ralf??? 😉 Wie unheimlich!!!

    Jetzt müssen wir aber aufpassen, dass wir zwei Beide argumentationstechnisch NICHT verwechselt werden!

    @Markus

    It’s your part!

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  • Ralf sagt:

    Hey, FCRler, – hier werden Fans ‚gedraftet‘! 🙂
    Hat was von Kim-Kulig-Show; mit grenzwertigem Verhalten abwerben! … tzz, tzz, tzz!
    Das funktioniert so nicht … hihihi! Nüüt mit mir!

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