Deutschland – Norwegen: die Spielerinnen in der Einzelkritik

Von am 8. September 2009 – 8.30 Uhr 30 Kommentare

Dank eines 3:1-Siegs gegen Norwegen hat die deutsche Frauenfußball-Nationalmannschaft bei der Europameisterschaft in Finnland am Donnerstag gegen England die Chance, zum fünften Mal in Folge den Titel zu holen. Womensoccer unterzieht die Spielerinnen einer individuellen Bewertung.

Nadine Angerer
Beim Gegentor sah die deutsche Torhüterin nicht gut aus, wurde aber von einer norwegischen Spielerin beim Versuch den Ball weg zu fausten geschickt geblockt. Wirkte nicht immer sicher, etwa bei einigen Standardsituationen, rettete in der zweiten Halbzeit aber erneut glänzend wie schon im Auftaktspiel bei einem Schuss von Cecilie Pedersen.

Note: 2,5

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Bianca Schmidt
Die junge Verteidigerin aus Potsdam, im bisherigen Turnierverlauf eine der Stützen im Team, erwischte keinen guten Tag. Mit häufigen Fehlpässen und nervösem Spiel war sie ein steter Unsicherheitsfaktor in der DFB-Elf, Bundestrainerin Silvia Neid nahm sie in der Pause zu Recht vom Platz.

Note: 5

Annike Krahn
Vor dem Spiel hatte die Duisburgerin betont, mit der durch die Verletzung von Ariane Hingst gestiegenen Verantwortung gut umgehen zu können, was sie auf dem Platz dann eindrucksvoll bestätigte. Umsichtig dirigierte sie ihre Abwehr und ließ bei ihrem bisher stärksten Turnierspiel nur wenig anbrennen und war meist zur Stelle, wenn es brenzlig wurde.

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Note: 1,5

Saskia Bartusiak
Für manche Beobachter überraschend nahm Saskia Bartusiak anstelle von Sonja Fuss die Position von Hingst in der Innenverteidigung ein. Und die Frankfurterin machte ihren Job an der Seite von Krahn gut. Im Aufbauspiel fehlt es ihr aber noch gelegentlich am Blick für die besser postierten Mitspielerinnen.

Note: 2,5

Babett Peter
Die Potsdamerin Verteidigerin bot erneut eine gute Leistung. In der ersten Halbzeit gehörte sie zu den wenigen, die auch nach vorne versuchten, für Impulse zu sorgen. Über ihre Seite brannte auch in der zweiten Halbzeit bis auf seltene Ausnahmen nur wenig an.

Note: 2

Kim Kulig
In der ersten Halbzeit schien Kim Kulig wie auch der Rest des Teams nicht richtig ins Spiel zu finden, auch wenn sie bemüht war, mit ihrer Athletik und ihrem Kopfballspiel Präsenz zu zeigen. Durch die Umstellungen der zweiten Halbzeit fand auch sie besser in die Partie, insgesamt aber war sie unauffälliger als in den Spielen zuvor.

Note: 3,5

Linda Bresonik
Bis zur ihrer verletzungsbedingten Auswechslung kurz vor der Pause konnte auch Linda Bresonik nicht an die Leistungen der Spiele zuvor anknüpfen. Das Passspiel war zu ungenau und behäbig, bei den Zweikämpfen war auch sie oft einen Tick zu spät. Hofft, dass sie am Donnerstag im Finale gegen England wieder spielen kann.

Note: 4

Kerstin Garefrekes
Von den gefürchteten Vorstößen früherer Tage war von der Frankfurter Mittelfeldspielerin auch diesmal zunächst nur wenig zu sehen. In der zweiten Halbzeit wurde sie auf die ungewohnte rechte Außenverteidigerinnenposition zurückgezogen und überraschend schien sie sich dort sogar wohler zu fühlen. Steigerte sich dann auch im Spiel nach vorne.

Note: 3

Birgit Prinz
Zwar war der Frankfurterin erneut eine gewisse Verunsicherung anzumerken und sie traf auch diesmal trotz guter Chancen nicht ins Tor, doch vor allem in der zweiten Halbzeit war sie es, die ihr Team immer wieder mit nach vorne riss. Auch ohne Torerfolg war sie mit unermüdlichem Einsatz eine der Wegbereiterinnen dafür, dass die DFB-Elf noch ins Finale einzog.

Note: 2

Melanie Behringer
Melanie Behringer sorgte in der ersten Halbzeit mit einer direkten Ecke auf die Latte für einen der wenigen positiven Momente, in der zweiten Halbzeit holte sie den Eckball heraus, in dessen Folge sie mit einer perfekten Flanke den Ausgleich von Simone Laudehr vorbereitete. Wirkte aber insgesamt ein wenig müde und überspielt und entwickelte weniger Druck als sonst.

Note: 3

Inka Grings
Die Duisburgerin schoss zwar an diesem Tag keine Tore, rackerte und ackerte aber gewaltig. Ende der ersten Halbzeit wäre ihr mit einer schönen Einzelleistung fast der Ausgleich gelungen. Steigerte sich zudem in der zweiten Halbzeit wie der Rest der Mannschaft, hatte gelegentlich Pech im Abschluss.

Note: 2,5

Fatmire Bajramaj
Mir ihrer Jokerrolle will sich die Potsdamerin auf Dauer nicht zufrieden geben, doch als Einwechselspielerin gelang ihr bereits ihr dritter Turniertreffer, so dass sie sogar noch EM-Torschützenkönigin werden könnte. Sorgte für Schwung nach vorne, auch wenn sie sich gelegentlich verzettelte und nicht immer ein gutes Auge bewies.

Note: 2

Simone Laudehr
Die Duisburgerin zeigte eindrucksvoll, dass sie ihre Knieverletzung aus dem Russland-Spiel vor der EM überstanden hat. Sie schoss das wichtige Tor zum 1:1 und bereitete kurz darauf das 2:1 vor und war auch sonst ein steter Unruheherd. Sie überzeugte mit klugen Pässen offensiv als auch mit aggressiver Defensivarbeit.

Note: 1

Célia Okoyino da Mbabi
Auch die Spielerin des SC 07 Bad Neuenahr gehörte in der zweiten Halbzeit zu den Gewinnerinnen. Ihr kraftvolles Kopfballtor brachte Deutschland auf die Siegerstraße, sie fand schnell Bindung zum Spiel, obwohl sie zunächst auf ungewohnter Position agierte. Auch sonst sorgte sie mit ihrer Dynamik für viel Schwung im Spiel nach vorne.

Note: 1

Markus Juchem (50) schreibt seit 2003 über Frauenfußball, für Medien wie Womensoccer.de, UEFA.com, FIFA.com, DFB.de, FAZ, NZZ und Kicker.

30 Kommentare »

  • Rainer sagt:

    Das Niveau des Turniers finde ich insgesamt gut. Allerdings hat der Modus dazu geführt, dass schon im zweiten Gruppenspiel auf Ergebnis gespielt wurde, markantestes Beispiel als die Holländerinnen gegen Finnland das 1:2 halten sollten und konnten…

    Womit ich Schwierigkeiten habe? Wer kriegt den Golden Player Award und wird Nachfolgerin von Anne Mäkinen?

    Keine Spielerin hat der EM ihren Stempel aufgesetzt. Keine Kelly Smith, die gegen Finnland von Anne Mäkinen abgemeldet wurde, dann aber wieder toll gegen Holland spielte. Keine Birgit Prinz (siehe Diskussion oben). Auch nicht Inka Grings trotz ihrer vier Tore.

    Beeindruckend die Eleganz von Laura Kalmari, aber das reicht auch nicht. Beeindruckend die zahllosen Paraden von Ingrid Hjelmseth, aber Torhüterinnen gewinnen sowas selten.

    Hat jemand von euch eine Idee für den Golden Player?

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  • Dirk sagt:

    Jenny Zietz, die hat im Laufe des Turniers keinen einzigen Fehler gemacht 🙂

    Sorry, wollte auch mal witzig sein und nicht immer nur streiten 🙂

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  • Ute sagt:

    @Stefan Prinz: Dies ist ein Forum zum Diskutieren, hier speziell über Leistungsbewertungen, was naturgegeben immer subjektiv und emotional gefärbt ist… sicher macht dabei auch der Ton die Musik, aber angegriffen brauchen Sie sich und die Spielerinnen erst recht nicht durch manche emotionale „Ausreißer“ zu fühlen… das übernehmen schon die Medien für uns, worin m.M.n. eher das Problem liegt: Deutschland kann 10:0 gegen USA gewinnen (ich träume jetzt mal :-))) und die Medien sehen immer noch irgendwo Probleme zum hochpuschen… Da finde ich es auch nur richtig und notwendig, dass sich Frau Neid schützend vor Birgit Prinz stellt, da es sich leider auf sie konzentriert. Fussball ist immer noch ein Mannschaftssport und das ist auch gut so! und wir sind aufgrund einer geschlossenen Leistungssteigerung der 2. Halbzeit verdient ins Finale eingezogen und nicht aufgrund einzelner „Auferstehungen“ 😉

    dass Dirk über Markus‘ Bewertung angesäuert ist kann ich genauso nachvollziehen, da hat Matti wunderbar „vermittelt“ 😉

    Zum Forum generell: Als Turbine- UND Birgit Prinz Fan- sowie der gesamten Natio finde ich, dass es KEINE reine objetiv Bewertung der einzelnen Spielerinnen geben kann – es andererseits schade ist, dass viele Beiträge nicht beim Thema bleiben (siehe Statements zum England-Einzug ins Finale, die letztendlich wieder nur zum Aufstellungs-BP-Neid-Streit abdrifteten).

    Jeder hat seinen eigenen Fussball-Erfahrungshorizont, seine Wunsch-Elf und ideales Spielsystem vom modernen Fussball im Kopf… an dem er seine Bewertungen anlegt.

    Darüber brauchen wir nicht streiten…ich orientiere mich an den Höchstleistungen die die einzelnen Spielerinnen jemals in Ihrer fussballerischen Karriere zeigen konnten und nicht daran, was gemessen an der aktuellen Form maximal zu erwarten gewesen wäre und frage mich, was davon konnten sie in DIESEM Spiel zeigen. Deshalb sieht meine Bewertung so aus:

    Nadine Angerer eher 3, da unsicherer als sonst, die gemeinte Parade gegen Ende des Spieles? den Ball hätte sie in Normalform auch gefangen statt showmäßig zu fausten…

    Marcus Bewertungen von Bianca Schmidt, Saskia Bartusiak, Babett Peter, Kertin Garefrekes, Inka Grings, Simone Laudehr und Celia Okoyino da Mbabi und Bajramai stimme ich in der Benotung überein.

    Annike Krahn eher 2,5 da war mehr nach vorne drin. Kim Kulig 4 und Melanie Behringer 4, da zu eigensinnig und oft fest gespielt. Linda Bresonik habe ich besser gesehen, 2,5 und last but not least unser Captain Birgit Prinz mit 3.

    Und Punkt. (alles andere wissen die Spielerinnen und Sylvia Neid) eh selber – wen interessiert schon was wir hier schreiben ;-)))

    P.S. @ markus: vielleicht sollten wir hier ein spezielles Forum einrichten zum Thema Aufstellung der Natio… quo vadis …hinsichtlich WM 2011, „Vereinsbrillen“ etc. .. nach der EM natürlich, das scheint bei fast allen Beteiligten hier ja mehr oder weniger bewusst das Hauptthema zu sein…. wäre schade, wenn es sich nach der EM im Sande verlaufen würde, denn ich finde es auch toll, dass sich hier ausländische Fans von unserer Natio hier äußern.. vielen Dank für diese Bereicherung – den wichtigen Blick von außen…… ist nur ein Vorschlag… 🙂

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  • Ute sagt:

    P.S. mich hat gewundert, dass die ARD so eine hohe Einschaltquote hatte, der Kommentar war weniger als Kreisklassenverdächtig… gähn…

    Auf Eurosport war es um Längen besser, wenn auch nicht umwerfend, das absolute Hightlight war für mich der herzerfrischende Kommentar von STEFFi JONES, dem auch der Moderator nur ehrfürchtig hinterherlauschen konnte, kein Wunder, dass er sie gar nicht mehr weglassen wollte… – ich auch nicht!!!! 😉

    Macht sie hoffentlich auch im Finale, die Steffi ?!???? Hätte auch nix dagegen, wenn sie das mal hauptberuflich für Eurosport machen würde – zumindest für den Frauenfussball. Dann bekäme der TV-Auftritt des Frauenfussballs meilenweit mehr Niveau…

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  • laasee sagt:

    @Rainer

    Grings oder Smith.

    Wer hat das beste Spiel am Donnerstag.

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  • Felix sagt:

    Nur ein paar hoffentlich kurze Anmerkungen.
    Zum Thema Ballwegschlagen und der vermeintlichen Sicherheit: Vor dem Gegentor schlug zunächst A.Krahn den Ball ins Aus, wo ein Pass zu S.Bartusiak die Situation auch gelöst hätte. Dann schlug S.Fuss den Ball ins Toraus statt die Situation spielerisch zu lösen. Und dann kam diese vermaledeite Ecke, von der ich bis heute nicht weiß, wie das Gegentor fallen konnte.
    Immerhin haben sie sich darauf in der zweiten Halbzeit eingestellt gehabt und aus jeder Norwegischen Ecke wurde ein gefährlicher deutscher Konter, den L.Bajramaj dann aber in schöner Regelmäßigkeit verstolperte.
    Und noch eine Frage.. im Herrenfußball würde so etwas (5 Gegner im 5-Meterraum) sofort als Torwartbehinderung abgepfiffen, wird das im Frauenfußball nicht gemacht?
    Und jetzt noch zum Thema pfeifen: Die Schiedsrichterin fand ich überhaupt nicht souverän, ich hatte manchmal gar den Eindruck, sie würde auf Zuruf pfeifen, etwa als ein Handspiel von I.Grings erst nach gefühlten 10 Sekunden zurückgepfiffen wurde.

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  • eisbär sagt:

    @Felix
    S.Fuss hat im Halbfinale nicht gespielt, deshalb kann sie den Ball auch nicht ins Aus gesclagen haben 😉 Ich finde insgesamt die Schiedsrichterleistungen in diesem Turnier nicht glücklich. Sie lassen m.M.n. zu viel durchgehen, vor allem bei Eckbällen.

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  • Felix sagt:

    Hm… wie komm ich dazu Fuss zu schreiben? Ich meinte natürlich Bianca Schmidt. Mea culpa.
    Meine Meinung zum Ball wegschlagen ändert sich dadurch jedoch nicht. 😉

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  • eisbär sagt:

    Mit dem Ballwegschlagen gebe ich dir auch vollkmmen Recht. Das war einfach zu häufig.

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  • moya sagt:

    Wie die Auswahl der Schiris getroffen wurde, erschließt sich mir auch gar nicht. Ist das wirklich das beste, was Europa an Schiedsrichterinnen zu bieten hat? Die Finnin war leider in jeder Partie, die ich sehen konnte, unsouverän. Sie hat über weite Strecken einfach gar nichts gepfiffen und dann erst wieder als praktisch alles zu Gunsten einer Mannschaft entschieden war. Genauso die Ungarin Gaal. Nach ihrem ersten Spiel Ukraine-Dänemark hab ich geschrieben, die pfeift sicherlich kein Finale, wenn da Beobachter zugekuckt haben. Ja Pustekuchen, natürlich setzt man sie im Halbfinale ein und je länger der Abend wurde, desto mehr Schrott hat sie (nicht) gepfiffen. Es geht ja nicht darum, ne Abseitssituation zu verkennen oder nen Einwurf falschrum zu pfeifen. Es sind Handbälle im Strafraum, taktische Fouls im Mittelfeld, Entscheidungen die Konsequenzen hätten, und da wird dann lieber gar nicht gepfiffen. Dazu kommt allgemein der Eindruck von Zögerlichkeit und Unsouveränität, wenn bei jedem Einwurf Schiri und Linienrichter jeweils die Entscheidung des anderen abwarten, oftmals die Handzeichen nicht ordentlich sind (z.B. beim Reinwinken von Betreuern) etc. Da können einige von Glück sagen, dass sich die Spielerinnen allgemein sehr fair verhalten, die Ergebnisse meist nicht entscheidend beeinflusst wurden und es im Frauenfußball noch nicht so Mode ist, Schiris zu kritisieren.
    Ausnahmen wie immer Steinhaus (die z.B. die Spielchen der Italienerinnen zumindest beim zweiten Spiel mit konsequenter Nichtachtung und gelben Karten gestraft hat) und Palmqvist (bei der es einfach Spaß macht zuzukucken und man auch weit oben unterm Dach des Olympiastadions noch erkennt, was Sache ist).
    Ich bin jetzt mal gespannt auf Damkova, aber beim Finale werden sie hoffentlich gut gewählt haben.

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