Deutschland – Norwegen: die Spielerinnen in der Einzelkritik
Dank eines 3:1-Siegs gegen Norwegen hat die deutsche Frauenfußball-Nationalmannschaft bei der Europameisterschaft in Finnland am Donnerstag gegen England die Chance, zum fünften Mal in Folge den Titel zu holen. Womensoccer unterzieht die Spielerinnen einer individuellen Bewertung.
Nadine Angerer Beim Gegentor sah die deutsche Torhüterin nicht gut aus, wurde aber von einer norwegischen Spielerin beim Versuch den Ball weg zu fausten geschickt geblockt. Wirkte nicht immer sicher, etwa bei einigen Standardsituationen, rettete in der zweiten Halbzeit aber erneut glänzend wie schon im Auftaktspiel bei einem Schuss von Cecilie Pedersen.
Bianca Schmidt Die junge Verteidigerin aus Potsdam, im bisherigen Turnierverlauf eine der Stützen im Team, erwischte keinen guten Tag. Mit häufigen Fehlpässen und nervösem Spiel war sie ein steter Unsicherheitsfaktor in der DFB-Elf, Bundestrainerin Silvia Neid nahm sie in der Pause zu Recht vom Platz.
Annike Krahn Vor dem Spiel hatte die Duisburgerin betont, mit der durch die Verletzung von Ariane Hingst gestiegenen Verantwortung gut umgehen zu können, was sie auf dem Platz dann eindrucksvoll bestätigte. Umsichtig dirigierte sie ihre Abwehr und ließ bei ihrem bisher stärksten Turnierspiel nur wenig anbrennen und war meist zur Stelle, wenn es brenzlig wurde.
Saskia Bartusiak Für manche Beobachter überraschend nahm Saskia Bartusiak anstelle von Sonja Fuss die Position von Hingst in der Innenverteidigung ein. Und die Frankfurterin machte ihren Job an der Seite von Krahn gut. Im Aufbauspiel fehlt es ihr aber noch gelegentlich am Blick für die besser postierten Mitspielerinnen.
Babett Peter Die Potsdamerin Verteidigerin bot erneut eine gute Leistung. In der ersten Halbzeit gehörte sie zu den wenigen, die auch nach vorne versuchten, für Impulse zu sorgen. Über ihre Seite brannte auch in der zweiten Halbzeit bis auf seltene Ausnahmen nur wenig an.
Kim Kulig In der ersten Halbzeit schien Kim Kulig wie auch der Rest des Teams nicht richtig ins Spiel zu finden, auch wenn sie bemüht war, mit ihrer Athletik und ihrem Kopfballspiel Präsenz zu zeigen. Durch die Umstellungen der zweiten Halbzeit fand auch sie besser in die Partie, insgesamt aber war sie unauffälliger als in den Spielen zuvor.
Linda Bresonik Bis zur ihrer verletzungsbedingten Auswechslung kurz vor der Pause konnte auch Linda Bresonik nicht an die Leistungen der Spiele zuvor anknüpfen. Das Passspiel war zu ungenau und behäbig, bei den Zweikämpfen war auch sie oft einen Tick zu spät. Hofft, dass sie am Donnerstag im Finale gegen England wieder spielen kann.
Kerstin Garefrekes Von den gefürchteten Vorstößen früherer Tage war von der Frankfurter Mittelfeldspielerin auch diesmal zunächst nur wenig zu sehen. In der zweiten Halbzeit wurde sie auf die ungewohnte rechte Außenverteidigerinnenposition zurückgezogen und überraschend schien sie sich dort sogar wohler zu fühlen. Steigerte sich dann auch im Spiel nach vorne.
Birgit Prinz Zwar war der Frankfurterin erneut eine gewisse Verunsicherung anzumerken und sie traf auch diesmal trotz guter Chancen nicht ins Tor, doch vor allem in der zweiten Halbzeit war sie es, die ihr Team immer wieder mit nach vorne riss. Auch ohne Torerfolg war sie mit unermüdlichem Einsatz eine der Wegbereiterinnen dafür, dass die DFB-Elf noch ins Finale einzog.
Melanie Behringer Melanie Behringer sorgte in der ersten Halbzeit mit einer direkten Ecke auf die Latte für einen der wenigen positiven Momente, in der zweiten Halbzeit holte sie den Eckball heraus, in dessen Folge sie mit einer perfekten Flanke den Ausgleich von Simone Laudehr vorbereitete. Wirkte aber insgesamt ein wenig müde und überspielt und entwickelte weniger Druck als sonst.
Inka Grings Die Duisburgerin schoss zwar an diesem Tag keine Tore, rackerte und ackerte aber gewaltig. Ende der ersten Halbzeit wäre ihr mit einer schönen Einzelleistung fast der Ausgleich gelungen. Steigerte sich zudem in der zweiten Halbzeit wie der Rest der Mannschaft, hatte gelegentlich Pech im Abschluss.
Fatmire Bajramaj Mir ihrer Jokerrolle will sich die Potsdamerin auf Dauer nicht zufrieden geben, doch als Einwechselspielerin gelang ihr bereits ihr dritter Turniertreffer, so dass sie sogar noch EM-Torschützenkönigin werden könnte. Sorgte für Schwung nach vorne, auch wenn sie sich gelegentlich verzettelte und nicht immer ein gutes Auge bewies.
Simone Laudehr Die Duisburgerin zeigte eindrucksvoll, dass sie ihre Knieverletzung aus dem Russland-Spiel vor der EM überstanden hat. Sie schoss das wichtige Tor zum 1:1 und bereitete kurz darauf das 2:1 vor und war auch sonst ein steter Unruheherd. Sie überzeugte mit klugen Pässen offensiv als auch mit aggressiver Defensivarbeit.
Célia Okoyino da Mbabi Auch die Spielerin des SC 07 Bad Neuenahr gehörte in der zweiten Halbzeit zu den Gewinnerinnen. Ihr kraftvolles Kopfballtor brachte Deutschland auf die Siegerstraße, sie fand schnell Bindung zum Spiel, obwohl sie zunächst auf ungewohnter Position agierte. Auch sonst sorgte sie mit ihrer Dynamik für viel Schwung im Spiel nach vorne.