Titel-Endspurt verkommt zur Farce

Von am 26. Mai 2009 – 5.21 Uhr 130 Kommentare

Der Kampf um die deutsche Meisterschaft war in dieser Saison spannend wie nie zuvor, doch ausgerechnet auf der Zielgeraden scheint der Meistertitel nahezu kampflos dem FC Bayern München überlassen zu werden. Denn UEFA-Pokal-Sieger FCR 2001 Duisburg schickt am Dienstag, 19 Uhr, nur eine bessere Zweitliga-Mannschaft zum Topspiel nach Aschheim und dürfte sich damit bundesweit einige Sympathien verscherzen.

Nur eine um ein paar Ersatzspielerinnen der ersten Mannschaft verstärkte Zweitliga-Auswahl der Duisburgerinnen tritt die Reise nach München an – statt packendem Titelkampf mit Nationalspielerinnen auf beiden Seiten werden die Zuschauer vergeblich auf das Erscheinen von Inka Grings, Linda Bresonik oder Fatmire Bajramaj warten. Und selbst Trainerin Martina Voss bleibt der Titel-Farce fern und sendet Zweitliga-Trainer Jürgen Raab.

Wettbewerbsverzerrung
„Wir haben auch diesbezüglich schon Briefe an den DFB sowie die betroffenen Vereine geschrieben. Sie müssen dafür Verständnis haben“, so Voss. Doch warum sollten der 1. FFC Turbine Potsdam, der im Normalfall noch reelle Chancen auf den Titel hätte, und auch die zahlenden Fans Verständnis für diese grobe Form der Wettbewerbsverzerrung haben?

Anzeige

Dass die Duisburgerinnen der Meisterschaft nicht mehr oberste Priorität einräumen, ist sicherlich nachvollziehbar. Und auch damit, dass einige Spielerinnen vor dem DFB-Pokalfinale am Samstag gegen Potsdam geschont werden  oder nur verkürzte Einsätze erhalten, könnte man noch klar kommen. Dass man aber gleich geschlossen seine erste Mannschaft zu Hause lässt, dürfte den Duisburgerinnen zu Recht einige der Sympathiepunkte kosten, die sie sich zuletzt mit ihren couragierten Leistungen auf internationalem Parkett erworben haben.

Retourkutsche
Und auch gegenüber dem Deutsche Fußball-Bund (DFB) ist das Verhalten des UEFA-Pokal-Siegers ein Affront. Eine Retourkutsche, mit der man sich auf Kosten der Potsdamerinnen nun offenbar beim DFB dafür revanchiert, in dieser Saison schon mehrfach nicht mit den Terminansetzungen zufrieden gewesen zu sein.

„Wir haben mit Potsdam, Bayern München und dem DFB so großen Ärger mit Terminabsprachen gehabt, dass wir nun selbst auch keine Rücksicht nehmen werden“, so Voss, die gegenüber Womensoccer inzwischen dementiert hat: „Dieses Zitat ist so nie gefallen.“ Doch die beiden Bundesligaspiele gegen Potsdam fanden zu den ursprünglich angesetzten Terminen statt, einen Interessenskonflikt kann es hier nicht gegeben haben. Das Verhalten der Duisburgerinnen dürfte für reichhaltige Diskussionen sorgen.

Jetzt lesen
Frauen-Bundesliga: Wolfsburg gegen Frankfurt zum Auftakt

Champions-League-Qualifikation betroffen
Zumal es auch international Auswirkungen auf den Ablauf der erstmals ausgetragenen Champions League hat. Denn der deutsche Vizemeister muss bereits Ende Juli/Anfang August in die Qualifikation gehen und kann dann aufgrund von Nationalmannschaftsabstellungen zur Europameisterschaft in Finnland wohl nicht seine stärkste Elf aufbieten. Und auch beim DFB wird man in Zukunft über eine Optimierung der Terminplanung nachdenken. Denn derartige Diskussionen sind der Weiterentwicklung des Frauenfußballs sicherlich abträglich.

Markus Juchem (50) schreibt seit 2003 über Frauenfußball, für Medien wie Womensoccer.de, UEFA.com, FIFA.com, DFB.de, FAZ, NZZ und Kicker.

130 Kommentare »

  • Ralf sagt:

    „Ein (Gewitter-)Sturm im Wasserglas“

    So könnte man resümieren.

    Wer hätte denn als einziger wirklich Grund dazu, den ‚Flipper‘ zu machen: Bernd Schröder und seine Torbienen.
    Aber das er nicht schimpft und wettert, zeigt doch nur, dass er der ‚coolste‘ von allen Übungsleitern in der 1. FF-BuLi ist.

    Für Martina Voss ziehe ich den Hut. Zieh’s durch, Vossi!
    Nur einen Fehler hat sie gemacht; wenn man ihr einen Rat geben könnte und dürfte – Mund halten und einfach MACHEN!
    Ehrlichkeit ist eine edle Tugend – nur mit Schlitzohrigkeit kommt man manchmal halt weiter.

    Der DFB-Direktor Sandrock und sein ‚ausgefallener‘ Auftritt bei radioDuisburg.
    „Feigheit vor dem Feind.“

    Und nun zu Herrn SiDi aus FFM.
    Unser ‚Wurst-Ulli’… ach ja richtig – unsere fassungslos betroffene Mutter Theresa des deutschen Frauenfussballs.
    Was regt er sich denn auf?
    Für seinen 1. FFC ist doch eh‘ alles gelaufen.
    Der umtriebige Manager DES deutschen Frauenfussballklubs,
    in Personalunion Geschäftsführer einer Sportvermarktungsgesellschaft,
    desweiteren Spielerberater unzähliger aktueller Bundesligaakteurinnen und Nationalspielerinnen, mit teils grenzwertigem Verhalten,
    und wie ich dieser Tage gelernt habe, Expertisenverfasser und ebenfalls beratend tätig zum Thema Vermarktungsmöglichkeiten des dt. FF.
    RESPEKT sag‘ i do!!! 🙂
    Und das alles macht er ’natürlich‘ nur aus reiner Nächstenliebe – wie Mutter Theresa.
    Wer das glaubt, glaubt auch, das Zitronenfalter Zitronen falten.

    Soll das der Weg sein, den der FF zur Professionalisierung nimmt?
    „Hessisch‘ Connection in Mainhattan“.
    Jesus Christus … und drei Kreuze! Nein danke!
    Da ist mir die hier mehrfach verspottete ‚Unprofessionalität‘, die angeblich in Duisburg gang und gäbe ist, tausendmal lieber.

    Im Rheinisch-Ripuarischen gibt’s einen schönen Spruch; ich kann es aber nicht im Dialekt schreiben:
    „Man muss auch mal gönnen können.“

    Bevor man mir Unkenntnis und Frechheit vorwirft;
    Ich habe auch recherchiert:
    Zitronenfalter (lat. Gonepteryx rhamnin; Tagfalter aus der Familie der Weißlinge, LINNAEUS, anno 1758) – ein sehr schöner, zartgelber kleiner Schmetterling – und, nicht wie manche glauben mögen, ein Plantagenarbeiter…

    (0)
  • Pinguin sagt:

    „Potsdams Trainer und Manager Bernd Schröder zeigt Verständnis dafür, dass der UEFA-Cup-Sieger zum letztlich ausgefallenen Bundesliga-Nachholspiel bei Bayern München nur die 2. Garnitur geschickt hatte. … «Martina Voss hat völlig recht, man muss als Trainer Prioritäten setzen», sagte Schröder im Gespräch mit der Deutschen Presse-Agentur dpa….“

    https://newsticker.sueddeutsche.de/list/id/649508

    Gerade die vermeintlich „Geschädigten“ reagieren also vernünftig, ganz im Gegensatz zu den Exzessen, die man auf dieser Seite leider nachlesen kann.

    (0)
  • Bernhard sagt:

    @Ralf: Expertisenverfasser SIDI? Wo kann man die einsehen?

    (0)
  • sisyphos sagt:

    @ Ralf: Mer muss och jönne künne …

    Die Reaktion von Bernd Schröder (und im übrigen auch die einiger seiner Spielerinnen) zeigt wahre Professionalität – die verstehen im Gegensatz zu einigen Funktionären in Frankfurt nämlich, was wichtig ist und worauf es ankommt.
    Das Einzige, wie auch Ralf schon sagte, was man MV vorwerfen kann, ist, dass ihr Verhalten Wasser auf die Mühlen des ohnehin einseitig orientierten DFB ist und sie sich mit ein wenig mehr Loyalität einigen Ärger hätte ersparen können. Denn was passiert, wenn man seinen Standpunkt klar vertritt, hat sie leider als Nationalspielerin schon erleben müssen.
    Gleichwohl hab ich vollsten Respekt vor dem, was sie gemacht hat. Ich glaube nur nicht, dass es bei irgendjemandem, an den diese Reaktion adressiert war, zu Einsicht oder Umdenken führen wird.

    (0)
  • Ralf sagt:

    @ Bernhard

    Die Expertise als solche habe ich noch nicht gesehen.

    Aber lt. unserem Diskussionsfreund ‚mrx‘ im Blog „Nur noch fünf Bewerber für DFB-Pokalfinale 2010“ in seinem Beitrag vom 23. Mai 2009, 14:27 Uhr; soll es wohl so sein.

    (0)
  • Zaunreiter sagt:

    @Ralf: Du sprichst mir aus der Seele.

    Und die geistige Armut einiger Foristen hier dauert mich.

    (0)
  • mrx sagt:

    Die Expertise von SiDi bezog sich auf das Einbringen seiner Erfahrung bezüglich des neuen inoffiziellen Europa-Zuschauerrekordes und wie man selbiger erreicht.

    Schon lustig, was manche nicht gerade hochbegabten Mitmenschen daraus alles konstruieren (möchten/wollen)…

    (0)
  • Ralf sagt:

    Na, hier machste aber wieder mit Deinem provozierenden Deutsch dort weiter, wo wir an anderer Stelle gerade zu einem friedlichen Ende gekommen sind. Das ist auch nicht gerade Fair Play!

    (0)
  • Nicky sagt:

    Ganz ehrlich was regt ihr euch so auf?
    das hätte Jeder aber auch JEDER Verein genauso gemacht wenn es um so viel geht!
    Hätten die scheiß Bayern im Männerfußball sowas gemacht hätte sie NIEMAND aber auch wirklich NIEMAND drüber aufgeregt!!
    Und die blöde(sorry) Bayern solln sich nicht aufregen die Chance das sie deutscher Meister werden ist doch eh sehr hoch da könnten die den Duisburgerinnen das echt mal gönnen..also Leute chillt euch mal denn so hätte jeder gehandelt…
    Und auch finde ich es sehr fair und loyal von Bernd Schröder das er sowohl zu den Duisburgerinnen als auch zu Martina Voss hält. Den wie auch er sagte, er hätte genauso gehandelt udn ich wette JEDER andere auch!!!

    (0)
  • Steffen sagt:

    Die 2. Mannschaft von Duisburg hätte gegen München bestimmt verloren, aber die 1. Mannschaft war dann doch eine Nummer zu groß. Diese Mannschaft in dieser Form ist unschlagbar. Nein, unschlagbar ist niemand, zumindest nicht immer, aber momentan das Beste auf diesem Planeten.

    Durch die Klatsche sind die Torbienen jetzt sogar Erster. Aber München wird versuchen, Crailsheim gleich zu Beginn zu überrennen, auch zur 2. Halbzeit, so wie sie es bei Duisburg versucht haben, und Potsdam muss sehen, dass sie Wolfsburg überhaupt schlagen, damit sie nächste Saison Champions League spielen können.

    (0)