Fairplay und Respekt nur Muster ohne Wert?

Von am 29. Mai 2009 – 12.38 Uhr 76 Kommentare

Mit wachsender Fassungslosigkeit habe ich in den vergangenen Tagen auf den verschiedenen Plattformen die Diskussionen verfolgt, die sich rund um die Entscheidung des FCR 2001 Duisburg entwickelt haben, seine komplette erste Mannschaft nicht beim für die Meisterschaft bedeutenden Bundesligaspiel gegen den FC Bayern München antreten zu lassen.

Fassungslos, weil das unfaire, unsportliche und wettbewerbsverzerrende Verhalten des UEFA-Pokal-Siegers, das eine gesamte Meisterschaftsrunde ad absurdum geführt hat bzw. hätte, wäre das Spiel nicht den Witterungsbedingungen zum Opfer gefallen, von einem nicht geringen Teil der Öffentlichkeit als professionell, kaltschnäuzig und konsequent gefeiert wurde.

Sicherlich hätte jeder Verständnis dafür aufgebracht, wenn Duisburg vier Tage vor dem DFB-Pokalfinale einzelne Schlüsselspielerinnen geschont hätte, andere vielleicht früher vom Platz genommen oder erst später eingewechselt hätte. Doch seine komplette erste Elf inklusive Trainerin Martina Voss nicht anreisen zu lassen, war nicht nur eine schallende Ohrfeige für die Fans, die diesem Spiel eine ganze Weile entgegengefiebert haben, sondern auch ein Affront gegenüber dem DFB, der nicht nur plante, die 90-minütige Farce für einen ordentlichen  fünfstelligen Euro-Betrag live zu übertragen, sondern auch jedes Jahr die Vereine der Frauenfußball-Bundesliga mit viel Geld subventioniert, um die Entwicklung der Liga und des Frauenfußballs voranzutreiben.

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Kritische Stimmen
Umso bemerkenswerter, dass gerade Karin Danner, die Managerin des FC Bayern München, des Vereins also, der am meisten von der Duisburger Entscheidung profitiert hätte, recht unverhohlen ihre Missbilligung zum Ausdruck gebracht hat. „Als Ligavertreterin erwarte ich mehr Professionalität. Dieses Verhalten ist für die Frauen-Bundesliga wenig hilfreich und zeugt nicht vom Respekt gegenüber den anderen Vereinen“, so Danner. Siegfried Dietrich, Manager des 1. FFC Frankfurt, bezeichnete das Verhalten ebenfalls als „respektlos gegenüber dem FC Bayern und der gesamten Liga.“ Schädlich war die Entscheidung der Duisburger aber vor allem für die öffentliche Wahrnehmung der Frauenfußball-Bundesliga, die sich an diesem Tag der Lächerlichkeit preisgegeben hat.

„Die Meisterschaft ist den Bayern ohnehin nicht mehr zu nehmen. Ich glaube nicht, dass sie am letzten Spieltag in Crailsheim verlieren“, rechtfertigte sich Duisburgs Trainerin Martina Voss. Kein Wort davon, dass bei einem Duisburger Sieg der 1. FFC Turbine Potsdam durchaus noch mehr als rechnerische Chancen auf den Titel gehabt hätte und auch kein Wort davon, dass man selbst eine wenn auch nur noch winzige Möglichkeit gehabt hätte, den Titel zu gewinnen. Ein Titelkandidat, der offenbar nicht gewinnen will – eine bizarre Konstellation, die im deutschen Fußball ihresgleichen sucht. Die Titelentscheidung und somit die gesamte Meisterschaft wurde somit zum Steigbügelhalter für das DFB-Pokalfinale degradiert.

Verpasste Gelegenheit
Potsdams Trainer Bernd Schröder wollte sich an der Diskussion leider offenbar nicht beteiligen, wohl weil ihm die Absicherung des zweiten Platzes wichtiger gewesen wäre, als die mögliche Chance auf den Titel und er vor dem DFB-Pokalfinale keine Unruhe entstehen lassen wollte. „Wir hätten sicher genauso gehandelt. Turbine nimmt das gelassen hin“, erklärte Schröder, der bereits nach dem Sieg in Frankfurt gesagt hatte: „Wir sind nicht so böse, wenn wir nicht Meister werden, das war nie unser Ziel. Zumal es nicht zu vermeiden ist, dass junge Leute heute nicht mehr das rechte Maß finden.“ Doch der sonst so selten um ein kritisches Wort verlegene Schröder hat es hier verpasst, ein Signal zu setzen, zumal er sich durch seine Aussage selbst das Etikett möglicher Unfairness anheftet.

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Und bei so viel Eintracht zwischen Voss und Schröder mag sich mancher Frauenfußball-Fan fragen, warum man die laufende Bundesligasaison nicht einfach im gegenseitigen Einvernehmen mit dem DFB vorzeitig beendet. Bayern München bekommt den Meistertitel überreicht (das ließe sich wunderbar vor großer Kulisse im Vorlauf zum DFB-Pokalfinale in Berlin machen), Turbine Potsdam löst als Bundesligazweiter sein Champions-League-Ticket und der FCR 2001 Duisburg muss als Bundesligadritter nicht noch einmal die beschwerliche Busreise nach München antreten und kann somit nicht nur seine Vereinskasse entlasten, sondern auch einen wertvollen Beitrag zum Umweltschutz leisten und seine geplagten Nationalspielerinnen bereits in Ruhe auf die EURO vorbereiten lassen. Mit dem positiven Nebeneffekt, in der kommenden Champions-League-Saison drei deutsche Teams zu stellen.

Fatales Signal an die Jugend
Die Medien dürften sich indes in ihrem bisherigen Verhalten bestätigt sehen, auch in Zukunft Live-Übertragungen aus der Frauenfußball-Bundesliga nicht in Erwägung zu ziehen, junge Nachwuchsspielerinnen werden wohl weiter lieber mit den männlichen Bundesligakickern mitfiebern und am Fernseher die Premiere-Konferenz schauen, als das sportlich fragwürdige Geschehen der weiblichen Kickerinnen zu verfolgen.

Und auch der eine oder andere potenzielle Sponsor dürfte möglicherweise ins Grübeln gekommen sein, ob er mit dem Frauenfußball wirklich auf das richtige Pferd setzt. Genauso wie der Autor dieses Blogs, der lieber weiterhin mit den Leserinnen und Lesern sympathisiert, die Werte wie Fairness und Anstand einfordern, anstatt mit denen, die dies als Heuchelei oder moralinsaures Gesülze abtun oder ihm die Vereinsbrille aufsetzen wollen.

Markus Juchem (50) schreibt seit 2003 über Frauenfußball, für Medien wie Womensoccer.de, UEFA.com, FIFA.com, DFB.de, FAZ, NZZ und Kicker.

76 Kommentare »

  • laasee sagt:

    Und das „Wunder von 7 Juni“ wenn FCR Gewinn das Bundesliga. Und dann schreit Sidi mehr.

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  • Lucy sagt:

    @laasee

    Was willste denn jetzt dauernd mit Sidi hier ?
    Meinst du nicht, dass es ihm egal sein kann, wer Meister wird, wo es Frankfurt eh nicht mehr auf die ersten Plätze schaffen kann ?

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  • Ralf sagt:

    @ Lucy

    Und aus genau diesem Grund, hätte ich mir, viele andere FCR-Fans und vielleicht FF-Fans allgemein landauf, landab, gewünscht, dass aus FFM, als die Entscheidung aus Duisburg publik geworden ist, kein Kommentar zu hören gewesen wäre.

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  • Ralf sagt:

    Bis auf das Zuspiel von Bernhard, das ich per Volleyabnahme zum Eigentor verwandelt habe, stimmt ALLES, was ich in meinem Beitrag geschrieben habe.

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  • Lucy sagt:

    @Ralf

    Kann mich nicht erinnern, dass der FFC Frankfurt so etwas im Terminstress der letzten Jahre mal gebracht hat (in Meisterschaft, DFB oder UEFA-Pokal) ! Dort haben immer alle Leistungsträgerinnen spielen, zumeist sogar noch durchspielen, müssen…

    Ist ja auch klar, wenn jemand so blöd ist und Sidi um ein Statement bittet, dass er natürlich seinen Senf dazu gibt 🙂

    Ansonsten hatte ich mich bisher so weit wie möglich raus gehalten.

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  • Ralf sagt:

    @ Lucy

    Dass er, SiDi, seinen Senf dazu gibt, war dem Blödmann von vornherein klar!
    Nur der erhobene moralische Zeigefinger, mit Fassungslosigkeit und Erschütterung, hat vielen im wahrsten Sinne des Wortes die Galle überkochen lassen.

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  • laasee sagt:

    @Lucy

    Hi Lucy. Ich hoffe das Sie das Pokal Finale genossen. Ich denke, dass einige Leute das Niveau des Fussball beneiden das FCR spiel. So, Sidi Schreie. Sie und ich sind okay – weil wir Fans des guten Fussballs.

    Viva FCR. Oh, und Inka ist besser als Prinz. Ja?

    hugs & kisses

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  • Lucy sagt:

    @Ralf
    Wenn das doch aber nun mal seine Meinung dazu war… 😉 Die eine Dame von Bayern hatte ja iwi eine ähnliche oder sogar die gleiche Meinung…

    @laasee
    Man kann Inka nicht mit Birgit vergleichen. Das sind ganz unterschiedliche Spielertypen.

    Ich beneide nicht den FCR. Sie hatten ohne Zweifel eine sehr gute Saison und haben die geholten Titel in dieser Spielzeit auch mehr als verdient. Nur, müssen sie jetzt erst mal zeigen, dass es ab jetzt professionell weitergeht und man Titel auch verteidigen kann und vielleicht schafft man ja auch mal die Meisterschaft…

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  • Lucy sagt:

    Ansonsten habe ich das Gefühl, wie schon öfter hier angemerkt, dass anscheinend die meisten FCR Fans tatsächlich nicht damit umgehen können, wenn der Lieblingsverein mal von außen kritisiert wird. Das müsst ihr iwi noch lernen. So ist das halt, hat man Erfolg, weht einem auch gleich jede Menge Gegenwind ins Gesicht. Gestern noch everybodys Liebling, heute schon kritisiert… Damit muss man leben…

    Das hat mit Ketzerei überhaupt nichts zu tun.

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  • Ralf sagt:

    @ Lucy

    Das er (s)eine Meinung hat und haben darf, streitet absolut niemand, wirklich niemand, ab.
    Interviews kann man authorizieren – oder eben nicht.
    Muss das an die Öffentlichkeit? – Das ist die Frage.

    Aus sportlicher Sicht, hat es ihn garnix anzugehen, wie die letzten drei verbliebenen Vereine, die allesamt noch mehr oder weniger im Rennen um den Titel sind, ihre personellen Dispositionen treffen.

    Aber das er moralisch daherkommt, und dann hier auf dieser Website der ‚Spieß rumgedreht‘ wird, ist – FCR-Fan hin, FFC/FCB-Fan her, nicht in Ordnung.
    Und das haben einige Leute hier auch deutlich zu verstehen gegeben.
    Das war keine journalistische Sternstunde.
    Wobei ich das, wie in Einzelfällen angekündigt, Meiden dieses Diskussionsforums für total übertrieben halte.
    Ich hoffe, Sie/Er überlegt sich das nochmal – ‚beleidigte Leberwurscht‘ ist kindisch!

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  • laasee sagt:

    @Lucy

    „Man kann Inka nicht mit Birgit vergleichen“. Ja korrekt. In der Geschichte das Buli – Inka tor alle 56 mins und Birgit alle 78 mins. Kein vergleich. Erinnern sie nicht Sidi, andernfalls schreit er mehr.

    So Lucy – und das „Wunder von 7 Juni“ wenn FCR gewinn das Liga. Wunder konnen geschehen. Ja?

    have a nice day.

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  • Ralf sagt:

    @laasee

    Sorry for not-communicating with you.
    I hope, you are not offended.

    It’s not easy these days, to have an emotion-free discussion here.

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  • laasee sagt:

    @Ralf

    Hi. It is good on here. People have emotions and then FCR go to Berlin and win 7 – 0 . I am really happy. Two Pokals for the best team in Germany is brilliant. It makes the summer months more enjoyable.

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  • Frank-M. Fischer sagt:

    Ein Gutes hatte dieser Artikel: so viel gespielte moralische Entrüstung über eine hätte/könnte/würde Geschichte mit teilweise fragwürdigen Schlussfolgerungen und einer recht einseitigen Betrachtungsweise hat mich so richtig zum Schmunzeln gebracht! Könnte glatt als Satire durchgehen.
    VG
    Frank-M. Fischer

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  • Stefan sagt:

    4:0, 4:0, 4:0, 4:0, 4:0, 4:0, 4:0, 4:0, 4:0, 4:0, 4:0, 4:0, 4:0,

    Wettbewerbsverzerung ???

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  • Heiner sagt:

    Vielleicht ein bisschen dramatisiert, aber im Kern die richtige Aussage.

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