Schul-WM: „Das ist ein Riesenskandal“

Von am 17. April 2009 – 22.24 Uhr

Wie golden schimmert das WM-Silber der Eliteschülerinnen Friedrich Ludwig Jahn bei der Schulfußball-WM in Antalya wirklich? Im Gruppenspiel hatten sie China bezwungen, im Finale waren sie noch unentschiedenem Spiel im Entscheidungsschießen unterlegen.

Jetzt vermeldet die US-Nachrichtenagentur AP, immerhin eine Weltagentur, über ihren Pekinger Korrespondenten, dass laut der chinesischen Nachrichtenagentur Xinhua und der größten chinesischen Sportzeitung „Titan-Sports“ in der Türkei nicht alles mit rechten Dingen zugegangen ist. Potsdams Lehrertrainer Jürgen Theuerkorn will nun am grünen Tisch um Gold kämpfen.

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Die Schule aus Daping habe unerlaubte Spielerinnen eingesetzt. „Der Großteil an Spielerinnen ging nie dort zur Schule“, schreibt AP-Reporter Chi Chi Zhang. Dass in Chinas Nachwuchssport, insbesondere bei Altersfragen systematisch betrogen wird, ist bekannt und forensisch nachgewiesen. Theuerkorn bestärkt solche Vorwürfe.

Böser Verdacht
„Ich habe das fast geahnt. Wenn das wahr ist, ist es ein Riesenskandal. Was in Antalya abging, war höchst ungewöhnlich. Wir haben zum Beispiel auf einem Formular für alle Spielerinnen bestätigt, das sie ganztags zur Schule gehen und nicht nur zum Training kommen. Dieses Formular wurde nie eingesammelt. Vermutlich gab es so viel Betrug, dass sonst Chaos entstanden wäre und das Turnier vielleicht gar nicht stattgefunden hätte.“ Doch Theuerkorn hat sogar weitere Verdachtsmomente.

„Ich hatte das Gefühl, das die Chinesinnen was weggeschnuppert hätten, wie die im Finale gespielt haben. Da gab es offenbar die Pflicht, uns zu besiegen. Es ging nichts anders. Nach dem 0:3 im Gruppenspiel haben die Leiter uns nicht mehr angeschaut, die Mannschaft wurde noch auf dem Feld in Zweierreihen zum Rapport gestellt. Dann haben die Trainer ihre Spielerinnen öffentlich zur Sau gemacht.“

Zweifel am Alter der Spielerinnen
Torhüterin Friederike Mehring ist vorsichtig. „Wenn es unlauter zugegangen ist, finde ich das nicht fair“, sagt sie. In der Tat habe der Gegner nach dem Finale weder die Hand geschüttelt, noch abgeklatscht. Und Theuerkorn sagt, die Teamführung habe nach dem 0:3 tagelang nicht guten Tag gesagt, sondern immer weggesehen. Auch altersmäßig könnte laut Theuerkorn nicht alles in Ordnung gewesen sein.

„Die hatten da zwei Stürmerinnen, die gespielt haben, wie ich es noch nie gesehen habe“, sagt der Potsdamer Sportlehrer. „Es wäre eine absolute Schweinerei, wenn da was faul ist. Ich werde alles daran setzen, um die Sache aufzuklären. Das bin ich den Mädels schuldig. Wir haben ordentlichen, sauberen und fairen Sport getrieben.“

Ministerium eingeschaltet
Theuerkorn will das Gold jetzt am grünen Tisch holen. Als eine Genugtuung quasi, denn die Mannschaft habe das als gefühlter Sieger verdient. „Das muss jetzt weiterverfolgt werden“, will Theuerkorn über die Instanzen gehen. Das Brandenburgische Sport- und Bildungsministerium ist jetzt informiert und eingeschaltet.

Minister Holger Rupprechts Sprecher Stephan Breiding sagte auf Anfrage: „Wir werden diesen Hinweisen nachgehen und dann  entsprechende Maßnahmen einleiten, falls betrogen wurde.“ So etwas dürfe nicht ungeahndet bleiben, falls es stimme, sondern müsse in aller Konsequenz behandelt werden. Dafür werde sich der Minister stark machen.

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