Keine Live-Übertragung vom DFB-Hallenpokal
Im Vorjahr übertrug der Westdeutsche Rundfunk (WDR ) in seinem dritten Programm noch zwei Stunden live vom DFB-Hallenpokal in Bonn. Doch diesmal wird es von dem am Samstag, 24. Januar, erstmals in Magdeburg ausgetragenen Turnier keine Livebilder, sondern nur eine einstündige Zusammenfassung der Höhepunkte geben.
Der Mitteldeutsche Rundfunk (MDR) begnügt sich im Rahmen der Sendung „Sport im Osten extra“ von 17 Uhr bis 18 Uhr mit den Highlights des mit allen zwölf Frauenfußball-Bundesligisten hochkarätig besetzten Hallenturniers. Ausschnitte der Veranstaltung werden wie im Vorjahr zudem in der ARD-Sportschau zu sehen sein . Keine Selbstverständlichkeit, denn ursprünglich war überhaupt keine Fernsehübertragung geplant.
60 Minuten das höchste der Gefühle „Für diesen Tag war gar keine Sport-im-Osten-Sendung vorgesehen; dann zunächst 30 Minuten“, so MDR-Sportchef Wolf-Dieter Jacobi gegenüber Womensoccer.de . Dank der Hilfe von Fernsehdirektor Wolfgang Vietze gibt es „jetzt sogar eine Stunde“. Beim MDR verweist man darauf, nur selten Extra-Sendungen auszustrahlen, in diesem Jahr sind nur fünf Termine eingeplant.
Wenigstens die sportlich interessantesten Finalspiele live auszustrahlen, hielt man beim MDR für keine gute Idee. „Bei einer Live-Schlussphase kämen für uns wichtige Aspekte, wie die Vorrunde oder der regionale Aspekt Jena zu kurz. Live war bei uns zu keinem Zeitpunkt geplant.“ Man will „thematisch möglichst umfassend berichten, dabei viele Teams zeigen, auch kleine interessante und emotionale Geschichten.“ Mit diesem Konzept hofft man, „einen größeren Programmerfolg als der WDR im Vorjahr zu erzielen.“
Dietrich: „Finde das sehr schade“ Nun gibt es zwar eine Sendung mit angekündigten hochkarätigen Gesprächspartnern, das Finale ist bei Sendebeginn jedoch schon Geschichte, dank Videotext und Internet wird man also als interessierter Frauenfußball-Fan über den Ausgang des Geschehens schon informiert sein, bevor die ersten Bewegtbilder im Fernsehen zu sehen sein werden. Das Live-Erlebnis und das Mitfiebern an den Fernsehschirmen bleiben auf der Strecke.
Nicht jeder teilt denn auch die Vorgehensweise der MDR-Verantwortlichen. „Ich finde das schon sehr schade, dass es keine Live-Übertragung gibt“, so Siegfried Dietrich, Manager des 1. FFC Frankfurt gegenüber Womensoccer.de . „Die Attraktivität der Veranstaltung in der Hardtberghalle in Bonn war ja auch mit der starken TV-Präsenz verbunden“, so Dietrich.
Schleppender Vorverkauf Nach Koblenz (1994 bis 1996), Frankfurt (1997 und 1998) und Dessau (1999) hat sich das Turnier in Bonn in den Jahren 2000 bis 2008 zu einem der Highlights im nationalen Frauenfußball-Kalender entwickelt. Seit 2004 war das Turnier in jedem Jahr bereits Wochen vor der Veranstaltung ausverkauft, wegen der begrenzten Zuschauer-Kapazität von 2.900 Besuchern und dem wachsenden Interesse der Fans zog man nun in die Magdeburger Bördelandhalle um, deren Kapazität mit 5.000 Zuschauern doppelt so hoch ist.
Doch im Vorverkauf gingen bisher nicht viel mehr als 3.000 Tickets weg, ein nur geringes Plus gegenüber Bonn. Allzu viele dürften an der Tageskasse nicht mehr dazu kommen. „Eine vollbesetzte Halle erreichten wir dort auch erst in den letzten Jahren“ , so DFB-Vizepräsidentin Hannelore Ratzeburg. Werner Georg, Präsident des Fußballverbands Sachsen-Anhalt, meint : „Es ist für den Verband ein wichtiges Ereignis, um zu dokumentieren, dass wir ein Rieseninteresse für Frauen- und Mädchenfußball haben.“
Sinsheim in den Startlöchern Umso unverständlicher, dass man im Fernsehen dem wachsenden Interesse mit einer Verknappung der Übertragungszeit begegnet. Um den Frauenfußball in Richtung WM stärker ins Blickfeld der Öffentlichkeit zu rücken, wäre die vertragliche Fixierung einer Live-Übertragung schon vor der Vergabe an Magdeburg wünschenswert gewesen.
Keine vollbesetzte Halle und eine reduzierte TV-Übertragung – zwischen Wunsch und Realität klafft zwei Jahre vor der Frauenfußball-WM 2011 im eigenen Land noch eine große Lücke. Und so dürfte es Magdeburg wohl schwer haben, auch im kommenden Jahr in den Genuss zu kommen, den DFB-Hallenpokal auszurichten.
Am WM-Spielort Sinsheim bekundet man bereits großes Interesse, ab 2010 Gastgeber der Veranstaltung zu sein, die Verhandlungen sollen bereits weit fortgeschritten sein. „Wir wollen das Masters unbedingt haben und gehen das an“, so Georg Kühling, Geschäftsführer der Sportregion Rhein-Neckar .
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