U17-WM: DFB-Elf ohne falsche Bescheidenheit

Von am 28. Oktober 2008 – 11.13 Uhr 53 Kommentare

Von heute bis zum 16. November kämpfen in Neuseeland 16 Teams um den Titel bei der im Frauenfußball erstmals ausgetragenen U17-Weltmeisterschaft. Das deutsche Team von Trainer Ralf Peter darf sich dank eines starken, ausgeglichenen Kaders berechtigte Hoffnungen machen, es weit im Turnier zu bringen. Dennoch bleiben Fragezeichen.

Denn erfahrungsgemäß sind Prognosen bei Turnieren im Juniorenbereich schwer. Gänzlich unbekannt sind einige der teilnehmenden Teams, die Schwankungen in diesem Alterssegment sind häufig groß, Überraschungen gehören zur Tagesordnung und sind keine Seltenheit, die so genannten Außenseiter sind oft noch näher dran an ihren Altersgenossinnen aus den anderen Ländern, als später auf A-Niveau.

DFB-Elf gegen Costa Rica, Nordkorea und Ghana
In der Vorrunde bekommen es die deutschen Juniorinnen in Gruppe B zum Auftakt morgen mit Costa Rica zu tun, es folgen Partien gegen Nordkorea (1. November) und Ghana (4. November). Drei Spiele, in denen die deutsche Mannschaft selbstbewusst, aber dennoch voller Respekt vor dem jeweiligen Gegner agieren sollte. Denn die fortschreitende Entwicklung des Frauen- und Mädchenfußballs auf allen Kontinenten hat das internationale Niveau deutlich angehoben.

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Allerdings ist die DFB-Elf mit einem bärenstarken Kader nach Neuseeland gereist, den Peter sogar in der Bundesliga für konkurrenzfähig halten würde. Angefangen von Torhüterin Anna Felicitas Sarholz bis hin zu Stürmerin Svenja Huth ist das deutsche Team in allen Mannschaftsteilen ausgezeichnet besetzt. Und seit dem überzeugenden 3:0-Sieg gegen Frankreich im Finale der Europameisterschaft im Mai im Colovray-Stadion von Nyon haben sich die Spielerinnen des Europameisters prächtig weiterentwickelt.

Talente mit reichlich Erfahrung
Ob Inka Wesely (SG Essen-Schönebeck), Isabelle Linden (SG Essen-Schönebeck), Valeria Kleiner (SC Freiburg), Marie-Louise Bagehorn (Turbine Potsdam), Tabea Kemme (Turbine Potsdam), Turid Knaak (FCR 2001 Duisburg), Alexandra Popp (FCR 2001 Duisburg), Hasret Kayikci (FCR 2001 Duisburg) oder Svenja Huth (1. FFC Frankfurt) – fast die Hälfte aller nominierten Mädchen hat sich in den Vereinen in der laufenden Saison der ersten Frauenfußball-Bundesliga als Stammspielerin etabliert und somit wertvolle Erfahrung sammeln können.

Hinzu kommen die erst 16-jährige Trumpfkarte Dzsenifer Marozsan, schon jetzt Dreh- und Angelpunkt im Spiel von Zweitligist 1. FC Saarbrücken, und auch das nur wenige Monate ältere, ebenfalls 16 Jahre alte, pfeilschnelle und kopfballstarke Ausnahmetalent Ivana Rudelic, die bei Tabellenführer Bayern München schon mehrfach eine Kostprobe ihres Potenzials gegeben hat. Kurzfristig verzichten muss die DFB-Elf allerdings auf Claudia Bujna. Die Abwehrspielerin vom Herforder SV zog sich im Abschlusstraining einen Kreuzbandriss zu, für sie wurde Angelina Lübcke nachnominiert.

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Eigene Stärken ausspielen
Trotz des starken Kaders gibt es keinen Grund, einen WM-Gegner zu unterschätzen. „Costa Rica hat in der Qualifikation Kanada hinter sich gelassen, das zeigt schon eine gewisse Qualität. Aber wir wissen auch um unsere Stärken und wollen uns natürlich eine gute Ausgangssituation erspielen“, so Peter vor dem Auftakt gegen die Mittelamerikanerinnen am Mittwoch im Stadion „Queen Elizabeth II“ von Christchurch.

Doch von falscher Bescheidenheit will Peter zu Recht nichts wissen. „Als Europameister muss das Erreichen des Halbfinales unser Ziel sein. Wir wollen vorne landen, alles andere wäre unrealistisch.“ Allerdings räumt Peter ein: „Es ist schwer einzuschätzen, was da auf uns zukommt.“

Neues Turnier
DFB-Präsident Dr. Theo Zwanziger hofft darauf, dass das Team in Neuseeland „attraktiven und erfolgreichen“ Fußball bieten wird. Neben der DFB-Elf zählen auch die USA, Brasilien und die asiatischen Teams zum Favoritenkreis.

Das Turnier ist der jüngste Sprössling im Kalender des Fußball-Weltverbands (FIFA). Das Budget des Turniers beträgt knapp zehn Millionen Euro. “Über die Turnierkosten denken wir nicht nach”, sagt FIFA-Generalsekretär Jérôme Valcke. „Wir wollen die Entwicklung des Spiels vorantreiben.“

WM-Spiele live im Internet, zeitversetzt auf Eurosport
Damit dies gelingt, lässt sich auch das Fernsehen ganz und gar nicht lumpen. So überträgt etwa der paneuropäische Sportsender Eurosport zeitversetzt vormittags und mittags erstaunliche 22 der 32 Partien, auf der offiziellen FIFA-Website sind gar in zahlreichen Ländern, darunter auch in Deutschland, alle Partien im Live-Streaming zu sehen. Alle Nachtschwärmer kommen also in den kommenden Wochen reichlich in den Genuss von Frauenfußball!

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Markus Juchem (50) schreibt seit 2003 über Frauenfußball, für Medien wie Womensoccer.de, UEFA.com, FIFA.com, DFB.de, FAZ, NZZ und Kicker.

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