Deutschland quält sich zum Etappenziel

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Als in einer saft- und kraftlos wirkenden deutschen Frauenfußball-Nationalmannschaft Birgit Prinz wenige Minuten vor Spielende zu einem ihrer kraftvollen Antritte ansetzte, mag sie bereits intuitiv gespürt haben, wie nah die DFB-Elf am Abgrund wandelte. Denn eine 0:1-Niederlage gegen Nordkorea hätte, wie sich allerdings erst später herausstellte, das Turnier-Aus bedeutet.

Prinz tankte sich also auf der linken Seite an zwei körperlich unterlegenen nordkoreanischen Abwehrspielerinnen vorbei, schoss, und die eingewechselte Anja Mittag stand goldrichtig und staubte den Abpraller dankend an. Ein Tor der oft Geschmähten, das möglicherweise rechtzeitig vor dem Duell mit Lieblingsgegner Schweden am Freitag die Fesseln gelöst hat.

„Es gibt immer Zweifel, ob man die Leistung auch tatsächlich auf den Punkt umsetzen kann“, hatte Bundestrainerin Silvia Neid bei der vergangenen WM in China einmal im Interview gesagt. Und es dürfte nach dem 1:0-Zittersieg gegen die Asiatinnen, das deutete sich im TV-Interview nach dem Spiel an, in Neid mächtig gebrodelt haben. „Wir haben nach vorne heute nicht gut gespielt, kamen immer wieder in Bedrängnis und hatten viele Ballverluste“, so Neid.

Angerer in Topform
Das eigene Potenzial abrufen und die Leistung umsetzen konnten im bisherigen Turnierverlauf nur wenige. Etwa Torhüterin Nadine Angerer, die seit der WM im Vorjahr weiter gereift ist und mit ihrer stoischen Ruhe, Souveränität und zahlreichen Paraden das Team im Turnier gehalten hat.

Unfassbare 810 Minuten, WM und Olympia zusammen genommen, hat die DFB-Elf kein Gegentor mehr kassiert. Bei aller Wertschätzung für Angerer – ein Kompliment für die gegnerischen Sturmreihen ist das nicht, denen es oft an der nötigen Abgebrühtheit mangelt.

Dass die deutsche Innenverteidigung derzeit nicht immer besonders stabil aussieht, liegt auch daran, dass das Abwehrverhalten des gesamten Teams verbesserungswürdig ist. Ariane Hingst und Annike Krahn haben somit deutlich mehr Arbeit als sonst, was die Fehleranfälligkeit und die Anzahl der brenzligen Situationen erhöht.

Probleme im Mittelfeld
Renate Lingor ist im Mittelfeld das Bemühen anzumerken, die Fäden in die Hand zu nehmen. Dies gelingt ihr bisher phasenweise, der Trend zeigt nach oben. Simone Laudehr gehört derzeit eher zu den Sorgenkindern im Team. Sie kann nicht an die Form anknüpfen, die sie im Vorjahr zur WM brachte und dort auszeichnete. Nach dem WM-Sieg wurde sie ein wenig aus der Bahn geworfen, wie sie selbst kürzlich in einem lesenswerten Interview einräumte.

Doch vielleicht noch mehr beeinflusst die Mannschaft derzeit, dass Kerstin Garefrekes bisher ebenfalls nicht an die tollen Leistungen anknüpfen kann, die sie bei früheren Turnieren oder auch beim 1. FFC Frankfurt in diesem Jahr schon gezeigt hat. Dadurch mangelt es nicht nur an offensiver Durchschlagskraft, sondern auch an Entlastung für andere Spielerinnen und Mannschaftsteile. Somit steht auch Sandra Smisek im Sturm meist allein auf weiter Flur und bekommt nur wenige Anspiele und Entfaltungsmöglichkeiten.

Schweden als Aufbaugegner?
„Wir fabrizieren zu viele Fehlpässe. Da müssen wir mehr Ruhe reinbringen, auch mal einfachere, sicherere Bälle spielen. Und das Timing beim Passspiel müssen wir verbessern, mal stimmt der Zeitpunkt des Abspiels nicht, mal müssen wir uns besser vor dem Ball bewegen“, sagt etwa Linda Bresonik. Denn durch die vielen Fehlpässe entsteht Mehraufwand an Laufarbeit, Gift bei den schwierigen äußeren Rahmenbedingungen.

Dass die Automatismen nicht wie gewohnt funktionieren, mag auch daran liegen, dass die Vorbereitungszeit auf Olympia deutlich kürzer war als vor der WM. Nur vier statt sieben Lehrgänge standen auf dem Programm. Doch trotz aller Probleme „haben wir in einer Hammer-Gruppe sieben Punkte geholt und sind Zweiter geworden. Darauf müssen wir aufbauen und nun fürs Viertelfinale neue Kräfte sammeln“, so Neid.

Dort wartet am Freitag Schweden, eine Elf, dass sich in den vergangenen Jahren zu einer Art Lieblingsgegner des deutschen Teams entwickelt hat. „Wenn Schweden gegen Deutschland spielt, gewinnt immer Deutschland“, sagte Ariane Hingst vor einigen Monaten. Wird sie auch diesmal Recht behalten?

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Letzte Aktualisierung am 18.11.2019 / * = Affiliate Links / Bilder von der Amazon Product Advertising API

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Max DiderotSpockyDetlefSCWRainer Neueste Kommentartoren
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Rainer
Rainer

Ich denke mal, dass Deutschland Topfavorit ist. Aber andererseits hat Lotta Schelin möglicherweise endlich den Durchbruch zur Weltklasse geschafft, zu der sie gehört. Und falls sich Thomas Dennerby und Lillie Persson am Freitag endlich für die athletische Jessica Landström als zweite Sturmspitze entscheiden sollten, könnte es trotz allem recht spannend werden.

idgiefan78
idgiefan78

ANGERER – STEGEMANN, KRAHN, HINGST, BRESONIK – LAUDEHR – BEHRINGER, LINGOR, KG – PRINZ, POHLERS

Ich bleib dabei… wenn wir endlich von der Doppel-6 wegkommen und Idgie mit allen Freiheiten zentral und offensiv spielen darf dürfte Schweden kein Problem sein. Mein Tipp: 2:0 durch Pohlers und Lingor!!! 🙂

Max Diderot
Max Diderot

Mir ist das nicht ganz klar, weshalb häufiger von der Doppelsechs geschrieben und damit Bezug zum Spiel der deutschen Damen genommen wird. Ich habe keine entsprechende personelle Ordnung im Mittelfeld gesehen, die im Stande gewesen wäre, die Mehzahl der gegnerischen Angriffe zu unterbinden. Eine moderne, flexible Spielausrichtung setzt doch beides voraus: Der Sturm beginnt in der Defensive – die Verteidigung in der Offensive. Aber die überwiegende Aufregung-im-Hühnerstall-Spielanlage der deutschen Damen erinnerte eher an den Besuch des Fuchs‘ in demselbigen und ließ Abgeklärtheit vermissen.

Conny68
Conny68

@Max Diderot Es gibt ja viele taktische Ausrichtungen, eine z.B. man soll den Ball möglichst vom eigenen Tor fernhalten, das heißt das Spiel in die gegnerische Hälfte verlagern. Dafür muss man aber Druck erzeugen – und zwar schon recht früh in der gegnerischen Hälfte. Eine taktische Ausrichtung mit einer „Doppelsechs“ geht meistens aber zu Lasten einer Angreiferin/eines Angreifers. Diese Variante hat sich ja auch im männlichen Fußball in einigen Nationalmannschaften und Vereinen durchgesetzt. Man erinnere sich bei der EM an einen gewissen Luca Toni, der allein auf weiter Flur verzweifelt Freistösse geschunden hat oder hoffte, dass ihm irgendwann mal ein… Weiterlesen »

Ruhrschnellweg
Ruhrschnellweg

Egal, welches System: es bringen mehrere Spielerinnen ihre Leistungen nicht, und die sind im Artikel korrekt benannt worden, abgesehen davon, dass Smi nicht nur allein ist, sonden auch nicht beweglich und Ball sicher genug scheint…
es stellt sich bislang für mich weniger die System als vielmehr die Formfrage und die, warum nicht die eine oder andere mal von Anfang an ran darf, CoPo an erster Stelle…

idgiefan78
idgiefan78

@Conny68: Ich sehe, wir sprechen die gleich Sprache… 😉 Ich hoffe auch, dass Frau Neid hier ab und zu mal reinschaut!! Wenn man immer von Leistung spricht… frage ich mich echt, wieviel Leistung eine Conny Pohlers denn noch bringen soll um endlich in die Startelf der Natio zu rutschen! Letzte Saison hat sie schon sehr starke gespielt und durfte net mal mit zur WM. Was man eigentlich schon gar nicht mehr toppen kann, hat sie in der Saison 07/08 trotzdem getoppt!! Respekt und große Anerkennung Conny!! Und ist mehr als zu Recht im Olympiakader!! Aber warum das sie ab dem… Weiterlesen »

Rainer
Rainer

@Conny68 und @idgiefan78: Ich kenne Silvia Neid zwar nicht, gehe aber davon aus, dass sie immer wieder mal auch hier rein schaut. In Schweden lesen die meisten Spielerinnen regelmässig z.B. http://www.damfotboll.com und manchmal wird man (als Schreibender) von Spielerinnen angesprochen. Bei einem Spielbericht hatte ich zuletzt einen typischen Interferenzfehler zwischen Deutsch und Schwedisch produziert und eine Spielerin, die ganz gut Deutsch kann, schickte das dem ganzen Team weiter… Hallo Silvia Neid also! Zurück zum Thema: Bin sehr gespannt, wie das Duell mit den Schwedinnen morgen ausgeht. Die Deutschen eher in schlechter Form, aber mit einer überragenden Nadine Angerer und mit… Weiterlesen »

SCW
SCW

Ich denke auch wie Rainer dass Deutschland das Glück besitzen wird und ins Halbfinale einzieht. Brasilien wird (irgendwie) Norwegen schlagen und dann kommts erneut zum Knaller Deutschland – Brasilien und diesmal hoffentlich mit einem sieg á la WM Finale 2007. Hoffe Marta hat wirklich ein Angerer-Syndrom xD Aber es ist keinesfalls ein Selbstläufer und alles andere als leicht die „Mission Gold“ erfolgreich abzuschließen, zumal die Vorrundenspiele alles andere als überzeugend waren und doch eher Zitterpartien gleichkamen. Im Finale würde dann vermutlich die USA warten (ggf Gastgeber China) und das wäre dann erneut eine harte Aufgabe. Warten wirs ab und drücken… Weiterlesen »

Detlef
Detlef

Ich hoffe zumindest darauf, dass Frau Neid INTERN mal ordentlich LUFT abgelassen hat!!! Wenn sie sich schon nach AUSSEN so hinstellt, als wäre es eine tolle Leistung gewesen, so hoffe ich doch sehr, dass sie einigen Spielerinnen mal ordentlich den Kopf wäscht!!! Ihre ganze Körpersprache, während und nach dem Spiel, verriet doch mehr als deutlich, dass sie STINKSAUER war!!! Was sie der Presse sagt, ist doch nicht so wichtig, was sie der Mannschaft zu sagen hat, darauf kommt es jetzt an!!! :rolleyes: Eigentlich müßte sie das Team komplett umkrempeln, wenn sie denn mal ihren „Leistungsanspruch“ geltend machen würde!!! Dabei bringt… Weiterlesen »

SCW
SCW

Detlef, ich stimme dir zu mit den Positionen Smisek (voll und ganz) und Simon (ab und an). Aber STEGE (Sie wird mit einem „E“ geschrieben 😉 ) und KG tauschen?? Naja.. Kerstin Stegemann offensiv okay, wie im Verein.. aber KG kann man nicht in die Abwehr stellen!
Das mit Sassi + Linda wäre nen Versuch sicherlich wert.

Detlef
Detlef

@SCW,
WARUM kann man KG nicht in die Abwehr stellen???
Sie ist schnell und Kopfballstark!!! Und für das destruktive Spiel, muss sie nicht unbedingt kreativ arbeiten!!! Wir haben keine Abwehrspielerin mehr, wenn Bartusiak für Bresonik außen verteidigt, und BABETT PETER in die IV rückt!!! Wenn Du nur 18 Spielerinnen zur Verfügung hast, sind Deiner Flexibilität sehr enge Grenzen gesetzt!!!
KG hat auch schon in der Abwehr gespielt, als Stege damals verletzt war!!! Hat sie gar nicht mal so schlecht gemacht!!!

Spocky
Spocky

@ Detlef = Deine Vorschläge sind wirklich gut; aber leider viel zu spät …! Wenn Du vielleicht selbst mal Fußball gespielst hast, dann müsstest Du wissen, dass alle Spielerinnen, die bisher nur „Bankdrücker“ waren, die müssten sich erst einmal langsam einspielen – und diese Zeit ist in einem Ko-Spiel leider nicht gegeben …! Frau Neid hätte eigentlich spätestens nach dem zweiten Vorrundenspiel ein paar Positionen tauschen müssen …! Ich glaube auch, dass heute wieder die gleichen Mädels anfangen …! Aber da auch die Schwedinnen wohl noch nicht spielerisch so überzeugt haben, ist dies ein ziemlich offenes Spiel = ich tippe,… Weiterlesen »

Max Diderot
Max Diderot

Versprechen II Nun lässt sich von den überwiegenden Presseartikeln im Fußball wahrlich keine realistische Einschätzung der Dinge erwarten. Auch die betreffenden DFB-Journalisten tun sich gerne damit hervor, dass sie die romantisch-optimistische Seite beschreiben. Nun gut, wes Brot ich ess, des Lied ich sing. Kerstin Garefrekes wird heute auf der DFB-Webseite folgendermaßen zitiert. „Insofern fällte es Kerstin Garefrekes auch gar nicht schwer, einige Gründe zu nennen, warum die DFB-Auswahl aus dem schweren Spiel gegen Schweden als Sieger hervorgehen und ins Halbfinale einziehen sollte. „Zum einen steht bei uns hinten die Null. Zum anderen werden wir in der Offensive unsere Qualitäten besser… Weiterlesen »