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2008

Deutschland quält sich zum Etappenziel

Als in einer saft- und kraftlos wirkenden deutschen Frauenfußball-Nationalmannschaft Birgit Prinz wenige Minuten vor Spielende zu einem ihrer kraftvollen Antritte ansetzte, mag sie bereits intuitiv gespürt haben, wie nah die DFB-Elf am Abgrund wandelte. Denn eine 0:1-Niederlage gegen Nordkorea hätte, wie sich allerdings erst später herausstellte, das Turnier-Aus bedeutet.

Prinz tankte sich also auf der linken Seite an zwei körperlich unterlegenen nordkoreanischen Abwehrspielerinnen vorbei, schoss, und die eingewechselte Anja Mittag stand goldrichtig und staubte den Abpraller dankend an. Ein Tor der oft Geschmähten, das möglicherweise rechtzeitig vor dem Duell mit Lieblingsgegner Schweden am Freitag die Fesseln gelöst hat.

„Es gibt immer Zweifel, ob man die Leistung auch tatsächlich auf den Punkt umsetzen kann“, hatte Bundestrainerin Silvia Neid bei der vergangenen WM in China einmal im Interview gesagt . Und es dürfte nach dem 1:0-Zittersieg gegen die Asiatinnen, das deutete sich im TV-Interview nach dem Spiel an, in Neid mächtig gebrodelt haben. „Wir haben nach vorne heute nicht gut gespielt, kamen immer wieder in Bedrängnis und hatten viele Ballverluste”, so Neid.

Angerer in Topform Das eigene Potenzial abrufen und die Leistung umsetzen konnten im bisherigen Turnierverlauf nur wenige. Etwa Torhüterin Nadine Angerer, die seit der WM im Vorjahr weiter gereift ist und mit ihrer stoischen Ruhe, Souveränität und zahlreichen Paraden das Team im Turnier gehalten hat.

Unfassbare 810 Minuten, WM und Olympia zusammen genommen, hat die DFB-Elf kein Gegentor mehr kassiert. Bei aller Wertschätzung für Angerer - ein Kompliment für die gegnerischen Sturmreihen ist das nicht, denen es oft an der nötigen Abgebrühtheit mangelt.

Dass die deutsche Innenverteidigung derzeit nicht immer besonders stabil aussieht, liegt auch daran, dass das Abwehrverhalten des gesamten Teams verbesserungswürdig ist. Ariane Hingst und Annike Krahn haben somit deutlich mehr Arbeit als sonst, was die Fehleranfälligkeit und die Anzahl der brenzligen Situationen erhöht.

Probleme im Mittelfeld Renate Lingor ist im Mittelfeld das Bemühen anzumerken, die Fäden in die Hand zu nehmen. Dies gelingt ihr bisher phasenweise, der Trend zeigt nach oben. Simone Laudehr gehört derzeit eher zu den Sorgenkindern im Team. Sie kann nicht an die Form anknüpfen, die sie im Vorjahr zur WM brachte und dort auszeichnete. Nach dem WM-Sieg wurde sie ein wenig aus der Bahn geworfen, wie sie selbst kürzlich in einem lesenswerten Interview einräumte .

Doch vielleicht noch mehr beeinflusst die Mannschaft derzeit, dass Kerstin Garefrekes bisher ebenfalls nicht an die tollen Leistungen anknüpfen kann, die sie bei früheren Turnieren oder auch beim 1. FFC Frankfurt in diesem Jahr schon gezeigt hat. Dadurch mangelt es nicht nur an offensiver Durchschlagskraft, sondern auch an Entlastung für andere Spielerinnen und Mannschaftsteile. Somit steht auch Sandra Smisek im Sturm meist allein auf weiter Flur und bekommt nur wenige Anspiele und Entfaltungsmöglichkeiten.

Schweden als Aufbaugegner? „Wir fabrizieren zu viele Fehlpässe. Da müssen wir mehr Ruhe reinbringen, auch mal einfachere, sicherere Bälle spielen. Und das Timing beim Passspiel müssen wir verbessern, mal stimmt der Zeitpunkt des Abspiels nicht, mal müssen wir uns besser vor dem Ball bewegen“, sagt etwa Linda Bresonik. Denn durch die vielen Fehlpässe entsteht Mehraufwand an Laufarbeit, Gift bei den schwierigen äußeren Rahmenbedingungen.

Dass die Automatismen nicht wie gewohnt funktionieren, mag auch daran liegen, dass die Vorbereitungszeit auf Olympia deutlich kürzer war als vor der WM. Nur vier statt sieben Lehrgänge standen auf dem Programm. Doch trotz aller Probleme „haben wir in einer Hammer-Gruppe sieben Punkte geholt und sind Zweiter geworden. Darauf müssen wir aufbauen und nun fürs Viertelfinale neue Kräfte sammeln“, so Neid .

Dort wartet am Freitag Schweden, eine Elf, dass sich in den vergangenen Jahren zu einer Art Lieblingsgegner des deutschen Teams entwickelt hat. „Wenn Schweden gegen Deutschland spielt, gewinnt immer Deutschland“, sagte Ariane Hingst vor einigen Monaten . Wird sie auch diesmal Recht behalten?

Wie endet das Viertelfinale Schweden gegen Deutschland?