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2008

Wie ein US-Teenager Brasiliens Frauenfußball verzaubert

Dass Brasiliens U20-Frauenfußball-Nationalmannschaft vor wenigen Wochen durch einen 3:0-Sieg gegen Argentinien zum dritten Mal nach 2004 und 2006 die Südamerika-Meisterschaft gewann und sich mit einem Torverhältnis von 30:0 und sieben Siegen in sieben Spielen überlegen für die U20-Frauenfußball-WM qualifizierte, wäre alleine vielleicht nur eine Randnotiz wert.

Dass aber eine 17-Jährige mit amerikanischen Wurzeln, die nicht besonders gut Portugiesisch spricht, im brasilianischen Team ihren Kolleginnen die Schau stahl, umso mehr. Die Rede ist von Leah Lynn Gabriela Fortune, einem US-Teenager, der 1990 in Brasilien zur Welt kam, weil seine Eltern für zwei Jahre in Sao Paulo lebten, bevor es sie zurück nach Chicago zog.

Mit ihren artistischen Einwürfen hat sie die Herzen der Fans im Sturm erobert und Vater Hudson stimmt in Anlehnung an das berühmte Lied „Fio Maravilha“ von Jorge Ben, das dem Flamengo-Stürmer aus den 70er-Jahren gewidmet ist, gerne „Leah Maravilha“ an, wenn die Tochter mal wieder besonders gut gespielt hat.

„Ich mache einen Flickflack vorwärts, um dem Ball mehr Schwung zu verleihen und ihn weiter werfen zu können“, erklärt die Tochter ihre ganz besondere Wurftechnik. Bei der Bewegung kommen ihr die Erfahrungen als Turnerin aus der Kindheit zugute. Im Spiel gegen Paraguay katapultierte sie einen Einwurf bis an den Fünf-Meter-Raum, eine Teamkollegin leitete den Ball per Kopf auf Stürmerin Pâmela weiter, die nur noch einzunicken brauchte.

Leahs Flickflack-Einwurf anschauen

Das Tor machte die Runde in zahlreichen brasilianischen Sportsendungen, schon jetzt gehört Fortune zu den populärsten Spielerinnen im Team, die Autogrammjäger stürzen sich nach jedem Spiel auf sie. Brasiliens U20-Trainer Kleiton Lima ist begeistert: „Durch ihre Stärke können wir ihre Einwürfe in Torchancen für uns umwandeln.“

Doppelte Staatsbürgerschaft Die Blondine mit den grünen Augen geht in den USA auf die High School und kann somit nur sporadisch zur brasilianischen Nationalmannschaft stoßen. Doch wann immer eine Nominierung ansteht, „werde ich zurückkommen“, ist sie schon jetzt fest entschlossen. Obwohl sie für Brasiliens U20 an der Südamerika-Meisterschaft teilnahm, gehört sie dem olympischen Entwicklungsprogramm des US-Fußballverbands an und könnte aufgrund ihrer doppelten Staatsbürgerschaft auch für die USA spielen.

Erst mit Beginn des 21. Lebensjahrs muss sie sich entschieden haben, für welches Land sie endgültig spielen will. Der Trend scheint klar. „Ich liebe Brasilien und ich liebe den brasilianischen Fußball“, so Fortune. Die Teilnahme an den Olympischen Spielen in Peking mit der Nationalmannschaft Brasiliens ist ein großer Traum, womit sie die erste „Ausländerin“ der brasilianischen Nationalmannschaft werden könnte. Doch das Turnier dürfte noch zu früh kommen.

Sportlicher Vater Vater Hudson, der in Brasilien aufwuchs und dort Fußball spielte, bevor er Kapitän der Fußballmannschaft der Indiana-Universität wurde und später als Profifußballer für Pittsburgh Spirit und Indianapolis Daredevils spielte, hofft dennoch auf eine Olympia-Teilnahme seiner Tochter. Zweimal im Jahr reist sie nach Brasilien, um Portugiesisch zu lernen und Fußball zu spielen. Großmutter Gretchen Fortune lebt in der brasilianischen Hauptstadt Brasilia.

Die Brasilianer entdeckten den Rohdiamanten im März 2007, als Fortune im Rahmen des olympischen Entwicklungsprogramms in Brasilien weilte. Sofort bekam sie die Einladung, für die Seleção zu spielen. „Ich wusste, das ist eine tolle Gelegenheit für mich. Ich war richtig aufgeregt.“

Schnell und schussstark Vor allem ihre Schnelligkeit, Athletik sowie ihre Schusskraft in beiden Beinen machen sie zu einer außergewöhnlichen Spielerin. Normalerweise spielt sie Stürmerin, doch in der brasilianischen U20 wurde sie als linke Außenverteidigerin eingesetzt. “Ich mag den Stil, die Trainer sind großartig und die Spielerinnen einfach fantastisch. Sie bringen so viel Energie ins Spiel ein. Für mich war das eine unglaubliche Erfahrung“, freute sich Fortune über ihre Teilnahme an der U20-Südamerika-Meisterschaft.

Ihr Vorbild kommt – wie sollte es anders sein – aus Brasilien. Die zweifache Weltfußballerin Marta hat es ihr besonders angetan. Dass Fortune die portugiesische Sprache noch nicht richtig beherrscht, stört sie nicht, denn „ich verstehe genug, um mit den Mädchen zu reden und zu verstehen, worüber sie sprechen.“

Die U20-WM vor Augen Dass eine Amerikanerin für eine ausländische Nationalmannschaft spielt, ist nichts Besonderes. „Wir hatten bereits Spielerinnen, die für Italien, Irland, Neuseeland, Mexiko und Kanada im Einsatz waren“, sagt Aaron Heifetz, Pressesprecher der US-Nationalmannschaft.

Vom 19. November bis 7. Dezember findet in Chile die U20-Weltmeisterschaft statt. Und schon jetzt dürfen sich die Fans auf die sehenswerten Auftritte von „Leah Maravilha“ freuen.