Frenetische Freude in Frankfurt
„Ein gutes Springpferd springt nicht höher als es muss“, heißt eine altbekannte Weisheit aus dem Reitsport. Und der 1. FFC Frankfurt deutete im UEFA-Pokal-Halbfinale gegen CS Bardolino Verona nach dem etwas schludrigen 4:2 im Hinspiel beim überzeugenden 3:0-Erfolg im Rückspiel an, dass mit ihm in den beiden Finalspielen gegen Umeå IK zu rechnen sein wird.
Groß war die Freude im Lager der Frankfurterinnen nach dem frühen und enttäuschenden Viertelfinal-Aus im Vorjahr nun endlich wieder die Chance zu bekommen, um den Titel in der europäischen Königsklasse des Frauenfußballs zu kämpfen. Und damit auch wirtschaftlich dem angestrebten Halbprofitum ein Stück näher zu kommen.
„Wir sind sehr stolz und glücklich, dass unsere Mannschaft mit dem Einzug in das vierte UEFA-Pokal-Endspiel innerhalb von sieben Jahren ein weiteres Saisonziel erreicht hat”, freute sich FFC-Manager Siegfried Dietrich und Conny Pohlers, UEFA-Pokal-Siegerin 2005 mit Turbine Potsdam, überzeugte auf der Rückfahrt zum Hotel als „Deutschlands beste Showmasterin“.
Das 7:2-Gesamtergebnis aus den beiden Spielen gegen den italienischen Meister mag den Eindruck erweckt haben, der Gegner aus dem Veneto sei bei seinem Debüt unter den besten vier Teams Europas für den routinierten FFC nur Kanonenfutter und kein gleichwertiger Konkurrent gewesen. Doch wenngleich der FFC sicherlich den angenehmsten aller möglichen Halbfinalgegner erwischt hatte, war dennoch viel Geduld gefragt, bis der schöne Treffer von Karolin Thomas Mitte der zweiten Halbzeit letzte Zweifel zerstreute und der FFC in der Schlussviertelstunde zum Schaulaufen ansetzen konnte.
Vor den fast 13.000 Fans im Stadio Bentegodi bedurfte es aber einer konzentrierten Leistung, um die Italienerinnen in Schach zu halten, die zwar sicherlich nicht zur Crème de la Crème des europäischen Frauenfußballs gehören, doch ein ehrgeiziger und ernst zu nehmender Emporkömmling sind. Wenngleich es ein paar mehr Spielerinnen vom Kaliber einer Patrizia Panico oder einer Melania Gabbiadini bedurft hätte, um die Frankfurterinnen ernsthaft in Bedrängnis zu bringen.
Große Zuschauerresonanz Bis in die Haarspitzen motiviert präsentierte sich die auf drei Positionen veränderte Startformation der Deutschen, in der Renate Lingor nach ihrer Denkpause zumindest in Ansätzen zeigte, was sie in der Vergangenheit so stark gemacht hat. Karolin Thomas avancierte mit ihrem tollen Distanzschuss zum 1:0 und der Vorlage zum 2:0 zur Matchwinnerin.
Zudem belebte Kerstin Garefrekes das FFC-Spiel nach ihrer Einwechslung zu Beginn der zweiten Halbzeit. Und der Sturm um Conny Pohlers, Birgit Prinz und Petra Wimbersky braucht sich vor der europäischen Konkurrenz nicht zu verstecken, wenngleich in Sachen Abschluss und Kaltschnäuzigkeit noch Optimierungspotenzial vorhanden ist.
In den beiden Finalspielen am 17. und 24. Mai gegen Umeå IK wird man die Leistung noch einmal deutlich steigern müssen, denn der schwedische Meister wird den Hessinnen mehr abverlangen und angeführt von Weltfußballerin Marta vor allem die Frankfurter Defensive auf eine harte Probe stellen.
UEFA-Pokal der Frauen eine Erfolgsgeschichte Dass zum zweiten Mal binnen einer Woche eine fünfstellige Besucherzahl ein Halbfinalspiel im UEFA-Pokal der Frauen im Stadion verfolgen wollte (beim Spiel Lyon gegen Umeå waren es 12.375), hat man beim europäischen Fußballverband sicherlich mit Freude zur Kenntnis genommen.
Der 2001 eingeführte Wettbewerb hat sich in den sieben Jahren seines Bestehens kontinuierlich weiterentwickelt. In der UEFA-Kommission für Frauenfußball wurde erst kürzlich rege diskutiert, wie man den UEFA-Pokal auf ein noch höheres Niveau hieven kann. „Ich bin mir sicher, dass in fünf Jahren der Frauenfußball angesehener sein wird als je zuvor“, ist sich Kommissionsvorsitzender Mircea Sandu sicher.
Beide Finalspiele live im TV Und schon das Finale dürfte in dieser Hinsicht ein neuer Meilenstein werden. Denn das zweite Finalspiel in Frankfurt am 24. Mai wird in der großen Commerzbank-Arena ausgetragen, angepeilt werden 15.000 bis 20.000 Zuschauer. Der Ticketverkauf beginnt Ende April und auch wer nicht die Chance hat, die Finalspiele vor Ort zu verfolgen, darf sich schon jetzt freuen, denn der paneuropäische Sportsender Eurosport überträgt beide Partien live.