Marta vor Prinz – die vorhersehbare Wahl
Während andere in der Woche vor Heiligabend gewöhnlich in hektischer Betriebsamkeit die letzten Weihnachtsgeschenke besorgen, musste Birgit Prinz wieder einmal die Reise nach Zürich antreten. Bis auf 2006, als sie unverständlicherweise nicht einmal nominiert wurde, stand sie seit 2002 jedes Mal unter den Top 3 bei der Wahl zur Weltfußballerin des Jahres.
Die Spannung hielt sich im Jahr 2007 indes in überschaubaren Grenzen. Denn wohl selten zuvor war das Endergebnis der Wahl vorhersehbarer als diesmal – Marta vor Birgit Prinz und Cristiane. Fast doppelt so viele Punkte wie die Zweitplatzierte (988 zu 507) konnte die Brasilianerin auf sich vereinen, Cristiane (150) wurde gar zur Statistin degradiert.
Spätestens seit Martas Zaubertor im Halbfinale gegen die USA, das per TV-Bilder um die Welt ging und sogar eingefleischten Frauenfußball-Gegnern Respekt abverlangte, war klar, dass sich die Brasilianerin zum zweiten Mal in Folge den Titel sichern würde – und wohl auch im nächsten eine heiße Anwärterin sein wird, sollte sich ihr Team für die Olympischen Spiele 2008 qualifizieren. Denn das olympische Frauenfußball-Turnier wird das Einzige sein im kommenden Jahr, das für die meisten zur Beurteilung der spielerischen Leistungen herangezogen werden kann.
Die Darbietungen in den Ligen werden erneut überwiegend unberücksichtigt bleiben. Die Ergebnisse zeigen somit auch das Dilemma der Weltfußballerinnen-Wahl, denn mangels TV-Präsenz lassen sich die Leistungen der Kickerinnen anders als die ihrer männlichen Pendants kaum adäquat beurteilen. Doch trotz der sportlich zweifelhaften Wertigkeit ist es wichtig und richtig, dass einmal im Jahr bei der Gala in Zürich auch etwas Glanz für die Fußballerinnen abfällt, auch wenn der Wahl- und Nominierungsmodus Optimierungspotenzial birgt.
Wie viele der Trainerinnen und Trainer sowie Spielführerinnen der 137 wahlberechtigten Nationen können ernsthaft beurteilen, wie stark oder schwach eine Marta in Umeå, eine Birgit Prinz in Frankfurt oder eine Cristiane zuletzt in Wolfsburg gespielt haben? Könnten Sie es, hätte es Cristiane trotz einer guten WM wohl nie unter die Top 3 geschafft, vom Thema Fairplay ganz zu schweigen . Eine Auszeichnung für die sportliche Leistung ist die Weltfußballerinnen-Wahl also nur zum Teil. Vielmehr ist ein hoher Bekanntheitsgrad Voraussetzung für ein gutes Ergebnis.
Birgit Prinz gewann die Wahl in den vergangenen sechs Jahren dreimal, zweimal wurde sie Zweite. Doch so konstant wie es die Auszeichnungen vermuten lassen könnten, waren Prinz’ Leistungen nicht. Das weiß die 30-Jährige, die ihre schärfste Kritikerin ist, selbst am Besten. Deswegen schiebt die erfrischend geradlinige Stürmerin auch jedes Jahr im Interview aufrichtig dasselbe hinterher; dass derartige Preise zwar ganz nett sind, aber in der persönlichen Wichtigkeitsskala nicht gerade weit oben stehen.
Umso mehr freuen sich hingegen die Manager, wie etwa Siegfried Dietrich, die es verstehen, die prestigeträchtigen Titel in bare Münze umzuwandeln. Und so dürfte die Wahl in den kommenden Jahren im Frauenfußball eher noch an Bedeutung gewinnen. Denn eine Auszeichnung zur Weltfußballerin des Jahres wird in der Zukunft mehr denn je der Türöffner für lukrative Werbeverträge sein.