Günther Wörle: „Die neue Aufgabe wird mich fordern“

Von am 18. Dezember 2007 – 22.57 Uhr 28 Kommentare

Sissy Raith und Günther WörleDie Nachricht traf Günther Wörle unerwartet. „Eine sinnvolle Zusammenarbeit war aus unserer Sicht unter den gegebenen Umständen nicht mehr möglich“, begründete der TSV Crailsheim in einer Pressemitteilung am Dienstagabend den überraschenden sofortigen Rauswurf seines Erfolgstrainers.

Nur wenige Stunden zuvor war der 58-Jährige in München auf einer Pressekonferenz im dritten Stock des Bayerischen Fußballverbands (BFV) als neuer Trainer Bayern Münchens ab der Saison 2008/2009 präsentiert worden, da Bayern-Trainerin Sissy Raith ab 1. Juli als Verbandstrainerin zum BFV wechselt.

„Wir sind über den Zeitpunkt, zu dem er seinen Wechsel verkündet hat, sehr enttäuscht“, so Abteilungsleiter Hubert Oechsner. Die Enttäuschung in Reihen der Crailsheimer ist sicherlich nachvollziehbar, doch ist sie wirklich Grund genug, einen verdienten Trainer derart stillos vor die Tür zu setzen?

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Bekannte Wechselabsichten

Am Sonntag hatte Wörle nach der 0:2-Niederlage im DFB-Pokal gegen den 1. FC Saarbrücken Team und Vorstand über seinen bevorstehenden Wechsel informiert und bereits Wochen zuvor dem Verein mitgeteilt, dass interessante Angebote vorliegen würden. Ganz unvorbereitet kommt der Weggang Wörles für Crailsheim somit nicht.

„Er kennt unsere Ideen, Konzepte und Zukunftsplanungen. Daher ist der Wechsel zum direkten Konkurrenten nach München denkbar unglücklich“, so die dünne Begründung der Crailsheimer für die sofortige Trennung.

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Dabei hatte Wörle noch am Nachmittag betont, seine ganze Kraft bis zum Saisonende für den TSV Crailsheim einsetzen zu wollen. „Ich muss meine Aufgabe voll und ganz erfüllen. Das wäre sonst der falsche Weg“, so Wörle gegenüber Womensoccer.de.

Verlockendes Angebot

„Wer sich in meine Situation versetzt, wird verstehen, dass ich einfach nicht mehr Nein sagen wollte“, so Wörle über das verlockende Angebot von Bayern München. Auch zu seinem neuen Arbeitgeber wird er aus seinem Wohnort Thannhausen pendeln, zukünftig jedoch nur noch 100 statt 140 Kilometer einfache Strecke. „Die neue Aufgabe wird mich fordern, aber ich gehe mit Optimismus an die Sache ran“, freut er sich auf die neue Herausforderung.

Wörle erhält auf eigenen Wunsch nur einen Einjahresvertrag. „Ich schaue mir die Dinge lieber erst einmal an. Man wird sehen, wie hier die Anforderungen sind und was ich hier bewegen kann“, erklärt er. Wörle lobt die Vorarbeit von Raith: „Im Prinzip brauche ich gar nicht viel verändern, nur Kleinigkeiten. Sissy hat super Arbeit geleistet und das Feld bereitet.“

WM 2011 im Blickfeld

Vor allem gilt es, die zahlreichen talentierten Bayern-Spielerinnen an höhere Aufgaben für die Zukunft heranzuführen. „Das große Ziel ist die WM 2011, wozu ich meinen Beitrag leisten und Hilfestellung geben will. Ich will auch Kontinuität wahren, aber es ist noch zu früh, konkrete Ziele zu definieren.“

Mit einer gesunden Mischung aus jungen, hungrigen und erfahrenen Spielerinnen will er Bayern München in Zukunft noch näher an die Spitze führen. „Die Basis an guten Spielerinnen ist da“, freut sich Wörle über die von Roswitha Bindl und Wolf Wild geleistete Jugendarbeit in U17 und 2. Mannschaft.

Tochter als Verstärkung?

Bei Bayern München freut man sich über den Neuzugang. Frauenfußball-Koordinatorin Karin Danner meint: „Mit Günther Wörle konnten wir einen sehr erfahrenen Trainer gewinnen. Er ist unser absoluter Wunschkandidat. Wir kennen uns schon lange, seine Tochter Tanja war jahrelang herausragende Spielerin und Kapitänin beim FC Bayern München.“

Man sollte also nicht allzu verwundert sein, auch Tochter Tanja in der kommenden Saison wieder im Bayern-Trikot begrüßen zu dürfen. Bis zum 1. Dezember 2008 ist Wörle zwar per Zeitvertrag beruflich an Ulm gebunden, ein Wechsel an die Isar dürfte dennoch nicht viel mehr als Formsache sein. „Sie hat sich bei Bayern früher wohl gefühlt, und sie will auch in die großstädtische Umgebung zurück“, verrät der Vater.

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Markus Juchem (50) schreibt seit 2003 über Frauenfußball, für Medien wie Womensoccer.de, UEFA.com, FIFA.com, DFB.de, FAZ, NZZ und Kicker.

28 Kommentare »

  • Detlef sagt:

    @Georg & Tom,
    Ihr seid beileibe nicht die Einzigen, die mit schmidts Kauderwelsch nichts anzufangen wissen!!!
    Er ist in NATURA eigentlich ganz normal, man kann sich auch gut unterhalten mit ihm!!! WARUM er sich in den diversen Foren und Bloggs immer so VERQUER ausdrückt, wird wohl für immer sein Geheimnis bleiben!!! Er scheint einen starken Drang zur Theatralik zu haben, und schreibt somit oft in Rätseln oder Orakeln!!!
    ALSO lieber Lothar, etwas mehr populärwissenschaftlicher, könnten Deine Beiträge dann schon sein, das habe ich Dir glaub schon mal nahegelegt!!! Wenn Du Dich also nicht nur mit Dir selbst unterhalten willst, drücke Dich etwas konkreter aus!!!

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  • flo sagt:

    Tom du hast recht ich hab schmidts kommentar auch noch nicht so kapiert 😉 und zu deinem beitrag kann ich nur recht geben

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  • Detlef sagt:

    Mir geistern da noch ein paar Ungereimtheiten durch den Kopf!!!
    Ist Günther Wörle nun fristlos entlassen, oder „nur“ beurlaubt???
    Letzteres wäre für den TSV natürlich doppelt bitter, und macht das kopflose Handeln noch unverständlicher!!!
    Für eine fristlose Kündigung, müssten die Hohenloher aber ziemlich schwere Geschütze auffahren, denn da müßte man ihm schon mehr vorwerfen können, als nur den Wechsel zum Ligakonkurrenten, nach Ablauf des Vertrages!!!
    Einen Vertrag, kann man eigentlich nur in beiderseitigem Einverständnis auflösen, es sei denn, einer verstößt gegen das Kleingedruckte!!! Oder muss der TSV eine Abfindung zahlen???
    Kann da jemand Auskunft geben???

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  • Christian sagt:

    „Der baden-württembergische Erstligist entband Wörle von seinen Aufgaben…“ steht auf der Vereinshomepage. Das deute ich als Freistellung/Beurlaubung.
    Ich denke, Fragen nach Gehaltsfortzahlung, Abfindung etc. sind Internas, die uns hier nichts angehen.

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  • flo sagt:

    logisch müssen die weiterzahlen er ist ja beurlaubt sein vertrag endet erst im sommer bis dahin müssen sie zahlen

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  • Detlef sagt:

    Na wenn es wirklich so sein sollte, dass Wörle beurlaubt ist, muss der TSV auch noch doppeltes Gehalt zahlen, eins an Wörle, und eins an den neuen Coach!!! Somit ist das kopflose Verhalten von Oechsner und Co, noch weniger zu begreifen!!!???

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  • Georg sagt:

    @Detlef: Nur auf Grund einer Vermutung, die noch keinesfalls bewiesen ist, die Führungsriege von Crailsheim als kopflos zu bezeichnen, halte ich für jugendlichen Leichtsinn! Herrn Wörle könnte man durchaus so einschätzen, dass er auf seinen Teil verzichtet, falls diese Frage überhaupt jemals relevant sein sollte.

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  • Detlef sagt:

    @Georg,
    sicherlich kenne ich die genauen Gründe nicht, die den Vorstand des TSV dazu bewogen hat, Wörle sofort von seinen Aufgaben zu entbinden!!! Aber auf mich wirkt ihr Handeln eben kopflos und total überzogen!!!
    Wörle hat noch einen Vertrag bis zum Ende der Saison in Crailsheim!!!
    Sein neuer Verein beschäftigt (und bezahlt) ihn erst in der neuen Saison!!! Also WARUM sollte Wörle denn da auf seinen Teil verzichten??? Ist er denn KRÖSUS???

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