Sandra Minnert sagt heute Servus
Zur allerbesten Sendezeit steht heute Abend das letzte EM-Qualifikationsspiel dieses Jahres im niederländischen Volendam an (ab 19.25 Uhr, live im ZDF). Ein würdiger Termin, um ein ausgesprochen erfolgreiches Jahr zu beenden und sich mit Sandra Minnert von einer der ganz Großen im deutschen Frauenfußball angemessen zu verabschieden.
Nach vier Siegen in vier Spielen würde selbst eine Niederlage das Unternehmen EM-Qualifikation nicht ernsthaft gefährden. Doch ein Jahr, in dem die deutsche Nationalmannschaft nach dem holprig verlaufenen Frühjahr, als man den Algarve Cup nur als Achter beendete, als erste Mannschaft ihren Titel bei einer Frauenfußball-Weltmeisterschaft verteidigen konnte , soll natürlich ohne Punktverlust beendet werden.
Das ist Anreiz genug, aus den nach den letzten Anstrengungen müden Körpern nochmal alles herauszuholen. Auch wenn Bundestrainerin Silvia Neid und ihre Assistentin Ulrike Ballweg davon berichten, dass der Akku der Spielerinnen leer sei, hat die DFB-Elf diese Herausforderung am Sonntag gegen Belgien hervorragend gemeistert. Gegen den vermeintlich stärksten Gruppengegner aus den Niederlanden, bei dem man heute antritt, gab es im Hinspiel einen klaren 5:1-Sieg .
Noch einmal zur WM zurückgekämpft
Nicht mit von der Partie war damals Sandra Minnert. Die Abwehrspielerin vom SC 07 Bad Neuenahr musste mehrere Monate wegen eines Knorpelschadens im Knie pausieren und fand dennoch dank ihres großen Kämpferherzes bis zur WM rechtzeitig zurück zu alter Form.
Dort bestritt sie das Auftaktspiel gegen Argentinien, ehe sie eine Oberschenkelverletzung für die beiden letzten Gruppenspiele außer Gefecht setzte . Ihre 12 Jahre jüngere Vertreterin Annike Krahn, der die Zukunft gehört, machte ihre Sache dort so gut, dass Minnert nur noch zu Kurzeinsätzen kam.
Nicht eigene Schwäche, sondern die Stärke und vor allem die Zukunftsperspektive ihrer Konkurrentin waren ausschlaggebend. Denn Minnert präsentierte sich auch im 16. Jahre ihrer Zugehörigkeit zur Nationalmannschaft als absolut sichere Bank, die mit ihrem guten Stellungsspiel, ihrer Kopfball- und Zweikampfstärke aus diesem Nationalteam kaum wegzudenken ist.
Nationalmannschaft ohne Minnert – kaum vorstellbar für viele
„Wir sind so einen langen Weg miteinander zusammen gegangen, ich kann es mir eigentlich gar nicht ohne sie vorstellen“, sagt stellvertretend Kapitänin Birgit Prinz, die mit Minnert bei beiden Frankfurter Vereinen – FSV und FFC – sowie im Nationalteam seit mehr als 15 Jahren zusammengespielt hat: „Und jetzt hört sie einfach auf. Schade.“
Es werden einige noch ihre Zeit brauchen, um zu realisieren, was diese Entscheidung bedeutet, die Minnert getroffen hat, nachdem sie das Thema „seit Monaten beschäftigt“ hatte, wie sie dem Bonner General-Anzeiger erzählte. Sie selber auch. „In ein letztes Spiel zu gehen, ist schon komisch. Schon gegen Belgien musste ich mich schwer zusammenreißen, als die Hymnen gespielt wurden. Leicht wird es mir sicher nicht fallen“, blickt die 34-Jährige mit mulmigen Gefühlen auf ihren letzten Auftritt im schwarz-weißen Dress.
Vielleicht gelingt der beliebten Abwehrspielerin ja auch wie schon beim letzten Heim-Auftritt am Sonntag gegen Belgien erneut ein Tor. Gar nicht ausgeschlossen, denn Minnert ist eine der wenigen Abwehrspielerinnen, die auch im Offensivspiel ihrer Vielseitigkeit unter Beweis stellen können. Per Kopf bei Standardsituationen oder mit ihren gefährlichen, geschlenzten Freistößen hat sie in 146 Länderspielen immerhin 16 Treffer erzielt. Käme heute Nummer 17 oder mehr dazu, würde es ihr wohl jeder gönnen.
Denn Nationalmannschaft ohne Sandra Minnert ist kaum vorstellbar. Was geht Euch dabei durch den Kopf?