Presseschau zum deutschen Finaleinzug

Von am 27. September 2007 – 14.55 Uhr 24 Kommentare

Am Tag nach dem 3:0-Sieg der DFB-Elf gegen Norwegen im Halbfinale der Frauenfußball-Weltmeisterschaft haben wir uns ein wenig durch den Pressedschungel gekämpft. Und verwundert festgestellt: Die Medien verneigen sich zwar mit Respekt vor dem „Siegeszug der deutschen Rekordjägerinnen“, doch wahre Liebe zum Frauenfußball und zur deutschen Nationalmannschaft lässt sich aus den Berichten nicht heraus lesen.

Katrin Weber-Klüwer lobt auf Spiegel online, die deutsche Mannschaft sei inzwischen bemerkenswert, weil sie „ihr sehr diszipliniertes Spiel sorgsam auf viele Schultern verteilt“ habe und damit selbst gleichwertige Gegner mürbe zu machen verstehe.

FAZ online merkt an, „die Deutschen spielten so konzentriert und engagiert wie noch nicht zuvor in diesem Turnier. Die Selbstsicherheit eines Titelverteidigers war nach dem Sieg im Viertelfinale gegen Nordkorea endlich zurückgekehrt.“

Anzeige

„Das letzte Ziel der Makellosen“ überschreibt die Süddeutsche Zeitung einen Beitrag von Wolfgang Gärner, der sich kritische Zwischentöne erlaubt. Die makellose Bilanz könne „hinwegtäuschen über die Tatsache, dass es der Damenriege um Birgit Prinz lange Zeit nicht leicht gemacht wurde bei ihrem fünften Auftritt im Turnier.“ Dementsprechend habe es gedauert, „bis (auch durch das glückhafte Ereignis eines Eigentores) der Widerstand gebrochen war.“ „Reingebissen, durchgebissen, weggebissen“, lautet die Überschrift eines weiteren SZ-Berichts.

Auch der Kicker sah im Eigentor von Trine Rønning das entscheinde Ereignis des Spiels. Das Eigentor Norwegens zum Ende einer ausgeglichenen ersten Hälfte habe „den Bann zu Gunsten der DFB-Elf gebrochen.“ Der Generalanzeiger wertete den Einzug ins WM-Finale als „taktisch klug und mit viel Poesie“ und vergleicht den Stil der DFB-Elf mit den Männer-Nationalmannschaften der 80er-Jahre.

Schlagwörter:

Markus Juchem (50) schreibt seit 2003 über Frauenfußball, für Medien wie Womensoccer.de, UEFA.com, FIFA.com, DFB.de, FAZ, NZZ und Kicker.

24 Kommentare »

  • Markus Juchem sagt:

    Ich habe jetzt auch noch mal recherchiert. Die Teams wurden bereits im April von der FIFA folgendermaßen informiert:

    – If a player receives a yellow card in two separate matches in the same phase of the competition (i.e. group phase or knock-out phase), she will be suspended from her team’s next match. If a player receives one yellow card in the group phase, it will not be carried over to the knockout phase.

    (0)
  • Tom Schlimme sagt:

    Die Zahl derer, die mitbekommen, wie negativ die Leistung der deutschen Mannschaft zumindest bis zum Halbfinale vom kleinen Kreis der im Internet aktiven Frauenfußballfans eingeschätzt wurde, dürfte zum Glück sehr gering sein. Insofern mache ich mir keine Sorgen, dass dadurch die weitere Entwicklung insbesondere der Bundesliga behindert wird. Die in meinen Augen überzogene Kritik ging mir nur irgendwann persönlich auf den Keks, deswegen habe ich mich dagegen gestemmt.

    Relevanter dürften die zahlreichen Zeitungsartikel sein, von denen du ja in deiner Presseschau einen kleinen Teil wiedergibst, und die sind ja nun deutlich positiver und in den verschiedensten Variationen momentan praktisch in jeder Zeitung nachlesbar. Das dürfte dann doch ein wesentlich größeres Publikum erreichen und ist meines Erachtens nach schon als positive Werbung für Nationalmannschaft und Bundesliga geeignet.

    Das Spiel gegen Norwegen kam nach allem, was ich gehört habe, gut an bei Leuten, die jetzt keine ausgewiesenen Fans des Frauenfußballs sind und es im Fernsehen gesehen haben. Die erwarten übrigens gar nicht, dass die deutsche Mannschaft glänzt, und sind auch mit Eigentoren als Eisbrecher durchaus einverstanden.
    So jedenfalls die, mit denen ich gesprochen habe. Die hatten mitbekommen, dass Norwegen als schwerer Gegner eingeschätzt wurde, und fanden ein 3:0 gegen einen solchen Gegner ziemlich gut.

    Wenn es jetzt auch gegen Brasilien einigermaßen läuft, wo ich mit der größten Zuschauerzahl (Fernsehen) in Deutschland bei dieser WM rechne, dann erwarte ich schon, dass wenigstens ein paar davon dann auch mal zur Bundesliga kommen. Die Vorrundenspiele sind dann so oder so vergessen.

    So optimistisch wie früher bin ich aber auch nicht mehr. Ich erwarte keinen großen Schub mehr, aber eine Fortsetzung des kontinuierlichen Aufwärtstrends. Einen stärkeren Schub nach vorne könnte dann aber die WM 2011 bringen, wenn sie in Deutschland stattfinden sollte und so ein Jahr bevor das losgeht, mit der Werbetrommel losgelegt wird.

    Markus, bist du dir wirklich sicher, dass die gelben Karten aus der Vorrunde verfallen? Ich finde einfach keine Quelle, wo das steht.

    (0)
  • Tom Schlimme sagt:

    Okay, dann hat sich das mit den gelben Karten jetzt doch geklärt.

    (0)
  • Detlef sagt:

    Ich bin ja einer der größten Pessimisten hier und anderswo gewesen!!!
    Ich glaube auch niemals, dass die Spiele gegen England und Japan als Schongang bezeichnet werden sollten!!! Dafür stand einfach zu viel auf dem Spiel!!! So eine Arroganz traue ich Frau Neid dann doch nicht zu!!!
    Sie waren einfach schlecht, Punkt aus!!! Das ihre Gegnerinnen daraus kein Kapital schlagen konnten, ist einfach DUSEL!!! Ähnliches im Viertelfinale!!! Die Koreanerinnen hatten mehr Spielanteile, und lange die besseren Torchancen, aber sie waren beim Abschluss nicht konzentriert genug!!!
    Es erinnerte mich irgendwie an das BuLi-Spiel „TSV Crailsheim-TURBINE POTSDAM“ vor zwei Jahren!!! Potsdam hatte 95% Spielanteil, und viele Torchancen, aber sie bekamen den Ball nicht ins Tor!!! Der TSV hatte zwei oder drei Torchancen, und machte zwei Tore daraus!!! Das nennt man dann wohl Effizienz!!!
    Genau so machten es die deutschen Kickerinnen, gegen die Koreanerinnen!!! Viel mehr Torchancen, als die die zu den Toren führten, hatten sie ja auch nicht!!! Ist das nun die neue Taktik von Frau Neid??? Kräfte sparen, auf Teufel komm raus??? Gar nichts mehr für den Angriff tun, sondern nur auf Fehler des Gegners warten, und die dann clever und eiskalt nutzen???
    Gegen Norwegen gefiel mir die deutsche Offensive schon besser!!! Da war mal wieder so ein Hauch von der früheren Klasse zu spüren!!! Solveig Gulbrandsen hatte vor dem Spiel schon gewarnt; „die Deutschen sind unbequem, denn sie machen Tore aus dem NICHTS!!!“ Und das ausgerechnet diese Warnung wieder Wirklichkeit wurde, wird sie um so mehr wurmen!!!
    Ich glaube nicht, dass die Norwegerinnen körperlich am Ende waren!!! Eher fehlten ihnen die Ideen im Sturm!!!
    Im Vorbereitungsspiel sah dies noch ganz anders aus!!! Da wär die deutsche Elf sicher unter die Räder gekommen, hätte Bjarne Berntsen sein Team nicht „Kaputtgewechselt“!!! Also woran hat es gelegen, dass den Norwegerinnen gerade in Halbzeit zwei, nichts konstruktives mehr einfiel??? Lag es wirklich am Eigentor, der sonst sicher spielenden Trine Rönning??? Oder konnten sie den Rückstand mental nicht verarbeiten!!! Ich gebe Katja recht, Norwegen war bis zur Pause das bessere Team, mit leichten Feldvorteilen!!!
    WARUM haben sie nicht so weiter gespielt??? Genau wie gegen Korea, lag es ganz sicher nicht an der deutschen Mannschaft, dass Norwegen in Hälfte zwei, immer weiter abbaute, und zwar mental!!! Spätestens nach dem (für sie) ebenfalls unglücklichen 2:0, resignierten die Norwegerinnen, und sahen schon alle Felle davon schwimmen!!! Spielerisch können die Nordländerinnen viel mehr, sie sind aber an ihrem dünnen Nervenköstüm gescheitert!!!
    Für mich ist er Sieg der deutschen Mannschaft vor allem deswegen gerechtfertigt, weil sie mental einfach stärker waren!!! Sie haben wieder gewartet, bis der Gegner seine Schwäche zeigte, und nutzten diese dann eiskalt aus!!!
    Auch wenn die Brasilianerinnen sicher technisch und spielerisch klar im Vorteil sind, werden sie aber sicher auch Fehler machen!!! Diese werden Prinz & Co sicher erneut eiskalt ausnutzen!!! Allerdings müssen sie sich gerade in der Abwehr weiter steigern, denn Marta, Daniela und CRISSY sind immer gefährlich, wenn sie genug Platz haben!!!

    (0)