Presseschau zum deutschen Finaleinzug

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Am Tag nach dem 3:0-Sieg der DFB-Elf gegen Norwegen im Halbfinale der Frauenfußball-Weltmeisterschaft haben wir uns ein wenig durch den Pressedschungel gekämpft. Und verwundert festgestellt: Die Medien verneigen sich zwar mit Respekt vor dem „Siegeszug der deutschen Rekordjägerinnen“, doch wahre Liebe zum Frauenfußball und zur deutschen Nationalmannschaft lässt sich aus den Berichten nicht heraus lesen.

Katrin Weber-Klüwer lobt auf Spiegel online, die deutsche Mannschaft sei inzwischen bemerkenswert, weil sie „ihr sehr diszipliniertes Spiel sorgsam auf viele Schultern verteilt“ habe und damit selbst gleichwertige Gegner mürbe zu machen verstehe.

FAZ online merkt an, „die Deutschen spielten so konzentriert und engagiert wie noch nicht zuvor in diesem Turnier. Die Selbstsicherheit eines Titelverteidigers war nach dem Sieg im Viertelfinale gegen Nordkorea endlich zurückgekehrt.“

„Das letzte Ziel der Makellosen“ überschreibt die Süddeutsche Zeitung einen Beitrag von Wolfgang Gärner, der sich kritische Zwischentöne erlaubt. Die makellose Bilanz könne „hinwegtäuschen über die Tatsache, dass es der Damenriege um Birgit Prinz lange Zeit nicht leicht gemacht wurde bei ihrem fünften Auftritt im Turnier.“ Dementsprechend habe es gedauert, „bis (auch durch das glückhafte Ereignis eines Eigentores) der Widerstand gebrochen war.“ „Reingebissen, durchgebissen, weggebissen“, lautet die Überschrift eines weiteren SZ-Berichts.

Auch der Kicker sah im Eigentor von Trine Rønning das entscheinde Ereignis des Spiels. Das Eigentor Norwegens zum Ende einer ausgeglichenen ersten Hälfte habe „den Bann zu Gunsten der DFB-Elf gebrochen.“ Der Generalanzeiger wertete den Einzug ins WM-Finale als „taktisch klug und mit viel Poesie“ und vergleicht den Stil der DFB-Elf mit den Männer-Nationalmannschaften der 80er-Jahre.

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Christian
Christian

Ich werfe mal die Frage auf, ob es die Aufgabe von Journalisten ist, „wahre Liebe zum Frauenfußball und zur deutschen Nationalmannschaft “ durchblicken zu lassen. Da sind mir sachliche Positionen schon lieber. Und der deutsche Siegeszug bis ins Finale ist eher die Folge schlechter bis kaum vorhandener Gegenwehr als etwa besonders herausragender Leistungen.

Überhaupt: Man muss schon besondere Vorlieben haben, um diese Mannschaft und ihren eher verbissenen, eher zähen Stil zu „lieben“. Es ist eben eine deutsche Fußball-Nationalmannschaft, mit allen Stärken und Schwächen.

Markus Juchem
Markus Juchem

Ein bisschen mehr Freude und Begeisterung hätte nach meinem Empfinden trotzdem durchschimmern dürfen. 😉

Katja Öhlschläger
Katja Öhlschläger

@ Christian

Da findest du meine Zustimmung. Es wäre meines Erachtens auch nicht unbedingt förderlich für den Frauenfußball, die gestrige Leistung mit allzu viel Lob zu goutieren. Dafür war die Gegenwehr der Norwegerinnen einfach zu schwach.

Begeisternd kann es in gewisser Weise schon sein, wenn es eine Mannschaft immer wieder schafft, mental und kämpferisch auf den Punkt 100% zu bringen. Das wiederum ist gleichzeitig aber auch ein Armutszeugnis für die anderen Mannschaften, die es dem deutschen Team über weite Strecken des Turniers recht einfach gemacht haben.

Das spielerische Niveau bei dieser WM ist sicherlich nicht zufriedenstellend.

Shortbottom
Shortbottom

Die Frage ist natürlich auch, ob es die Gegnerinnen es dem DFB Team wirklich einfach gemacht haben, oder ob da nicht viel eher die kämpferische Arbeit des deutschen Teams der Grund für war. Immerhin haben die gleichen Gegnerinnen gegen andere Teams teilweise brilliert.

Norwegen vor allem ist keine Thekenmannschaft, sondern eine der stärksten Mannschaften überhaupt im Frauenfußball. Ich wage es doch stark zu bezweifeln, dass es nur deren Defizite waren, die für die deutsche Dominanz in halbzeit zwei gesorgt haben.

Max Diderot
Max Diderot

Wie bitte? Stehen die beiden Meinungsbeiträge von Katja Öhlschläger und Christian möglicherweise unter dem Einfluss halluzinativ wirkender Alkoholika? Ja wo finden wir die wahre Liebe? Die Einen in ihrer Partnerschaft und die Anderen eventuell auf dem Fußballplatz. Ich sehe diese auch nicht als ultimative Notwendig für das deutsche Team an. Aber alleine der Hinweis, dass ein größeres Heer an Pressevertretern gen China aufgebrochen ist als es seinerzeit in den USA der Fall war, mag doch ein mehr als dezenter Hinweis auf eine entsprechende Fortentwicklung in der medialen Akzeptanz sein? Und die deutschen Gegnerinnen waren schwach? Klar, sie waren zu schwach,… Weiterlesen »

Christian
Christian

@Max Diderot Es zeugt schon von einer gewissen argumentativen Armut, wenn man der eigenen Meinung nicht entsprechende Stellungnahmen mit Drogen in Verbindung bringt. Ich spreche den Frauen nicht ab, große Fortschritte zu machen. Im Gegenteil: Wäre Frauenfußball für mich nicht interessant, würde ich mih nicht ab und zu für ein WM-Spiel vom Schreibtisch vor den Fernseher bewegen. Aber: Es gibt auf internationalem Niveau nur sehr wenige Mannschaften, die wirklich mithalten können. Und denen fällt gegen die vor allem physisch starke deutsche Mannschaft meist nicht viel ein. Ich werfe den Deutschen ihr Spiel nicht vor: Es ist erfolgreich, und das zählt.… Weiterlesen »

Detlef
Detlef

Ich habe gerade mein Bier ausgetrunken, damit ich genug hallozi…..inierende Drogen konsumiert habe, um Katja und Christian recht zu geben!!!
Bäume haben die deutschen Spielerinnen gestern wahrlich nicht ausgerissen!!! Kein Kombinationsfußball, kaum Flügelspiel!!! Die Tore kamen durch Einzelaktionen, nach Fehlern der Norwegerinnen zustande!!! Aber es gibt keine B-NOTE im Fußball, und am Ende ist es egal, wie die Titelverteidigung zustande gekommen ist!!!
Der deutsche Fußball ist nicht schön, aber erfolgreich!!!
Norwegen hat gestern total enttäuscht, denn sie können es eigentlich viel besser!!! Viel zu durchsichtig und zu ideenlos, war ihr Spiel!!!

Deutschland muss sich weiter steigern, um gegen die Brasilianerinnen bestehen zu können!!!

Max Diderot
Max Diderot

Christian, ob es meine argumentative Armut oder meine überspitzte Replik war, die mich verleiteten, auf die zwei Einwände zu reagieren, sei dahingestellt. Du hast Dich für den ersten Aspekt entschieden, und das nehme ich zur Kenntnis. Und wenn Du das Norwegen-Spiel als wenig ansehnlich betrachtest, dann spricht das auch für ein gewisses ästhetisches Empfinden aber nicht für eine realistische Einstellung. Mir hat gerade das Match gegen die Skandinavierinnen recht gut gefallen. Ich will Dir auch sagen warum. Beide Teams hatten eine annähernd identische taktische Ausrichtung. Und die deutsche Mannschaft hat es gut verstanden, gegen lange ebenbürtige Konkurrentinnen ihr System durchzusetzen.… Weiterlesen »

Crackfly
Crackfly

„Nicht nur auf dem Fernsehbild, denn ich habe sie schon in realitas spielen sehen, sind beispielsweise Sandra Smisek und Renate Lingor eher grazile Spielerinnen.“

BITTE????? Neeeee… Grazil ist meiner Meinung nach eine Lira oder eine Linda… aber bestimmt ned eine Lingor.

Max Diderot
Max Diderot

Genau! Deshalb schrieb ich ja auch beispielsweise. Die Liste der deutschen Spielerinnen, ließe sich um einige Namen erweitern. Die entsprechenden Angaben lassen sich u.a. auch auf der DFB-Seite nachvollziehen.

Tom Schlimme
Tom Schlimme

Es ist schon merkwürdig, dass Mannschaften, die ansonsten bei dieser WM teilweise sehr gute Leistungen geboten hatten, ausgerechnet gegen Deutschland dann patzen. Ich bin der Meinung, das liegt daran, dass das deutsche Team diese Mannschaften einfach nicht so hat spielen lassen, wie diese sich das gerne gewünscht hätten. Vielleicht lesen die auch in den deutschen Frauenfußballforen mit und unterschätzen dann das deutsche Team, das kann natürlich auch sein, insofern wäre dann der verschiedentlich vorgetragene Pessimismus ein raffinierter Trick der deutschen Fans, um die gegnerischen Spielerinnen und Trainerinnen in Sicherheit zu wiegen. Wenn dem so sein sollte, Hut ab, ihr seid… Weiterlesen »

Markus Juchem
Markus Juchem

Ich denke, man darf bei allem Respekt vor der Leistung Deutschlands und Brasiliens, die verdient im Finale stehen, auch nicht vergessen, dass es sicher kein Zufall ist, dass gerade die zwei Mannschaften das Endspiel erreicht haben, die in ihren Vorrundenspielen eine Menge Kraft sparen konnten. In der zweiten Halbzeit sah es bei Norwegen für mich zumindest sehr danach aus, dass einfach keine Kraft mehr vorhanden war, in der ersten Halbzeit konnte ich keine Vorteile für Deutschland erkennen. Die Spiele gegen Kanada, Australien und China waren offenbar zu sehr an die Substanz gegangen. Und auch das Spiel der USA in der… Weiterlesen »

Max Diderot
Max Diderot

Arbeit = Kraft * Weg Einspruch Euer Ehren! Dass die beiden Finalteams einen beschaulicheren Weg gehen durften und sich damit Vorteile gegenüber der Konkurrenz verschaffen konnten, glaube ich nicht. Die Brasilianerinnen hatten schon arge Mühe, um die Matildas im Zaum zu halten. Und die Mimikry in einigen südamerikanischen Gesichtern während dieses Spiels lechzte wohl auch eher dem Schlusspfiff als einer möglichen Verlängerung entgegen. Aus die Sportgruppe aus Herrn Kims Reich erinnerte mich in ihrem läuferischen Engagement an den Duracell Hasen. Vermutlich sind die Damen aus Nord-Korea auch noch per pedes Richtung Heimat unterwegs, so sehr schienen sie im Stile eines… Weiterlesen »

Katja Öhlschläger
Katja Öhlschläger

Ich denke, dass in beiden Halbfinals das Zutrauen in die eigenen Fähigkeiten den Unterschied gemacht hat. Die Körpersprache Brasiliens und Deutschlands signalisierte unbedingten Siegeswillen, da war kein übertriebener Respekt vor dem Gegner vorhanden. Das hinterlässt Eindruck beim Gegner. Dass starke Mannschaften gegen Deutschland nicht ihr Leistungspotenzial ausschöpfen, liegt meines Erachtens genau am fehlenden Zutrauen, am Respekt vor einem vermeintlich übermächtigen Gegner. Selbstverständlich ein Respekt, den man sich erarbeitet und damit verdient hat. Allerdings fällt das Halbfinale gegen Norwegen für mich nicht in diese Kategorie. Bis zum Eigentor von Trine Rønning hatte keine Mannschaft klare Vorteile für sich verbuchen können. Geordneter… Weiterlesen »

Tom Schlimme
Tom Schlimme

Okay, ein bißchen übertrieben ist es sicher, wenn ich schreibe, das deutsche Team hätte dem aus Norwegen die Grenzen aufgezeigt. Aber erstens mußte das jetzt einfach mal sein nach der Prophezeiung von Markus vor diesem Spiel, und zweitens ist ein Funken Wahrheit auch dabei. Auch wenn die ersten beiden deutschen Tore glücklich zustande gekommen sind, das sehe ich schon auch so – aber Norwegen war in der zweiten Halbzeit gefordert, gegen eine Mannschaft die mit Glück in Führung gegangen ist, aufzuholen, und ist da einfach an seine Grenzen gestoßen und nicht über diese Grenzen hinweggekommen. Und wer hat Norwegen an… Weiterlesen »

Markus Juchem
Markus Juchem

Lieber Tom, da muss Dir eine Fehlinformation vorliegen. Aline und Renata Costa werden im Finale spielberechtigt sein, da ihre ersten Gelben Karten aus dem Gruppenspiel gegen China nach der Vorrunde annulliert wurden. Beide haben also mit Beginn der K.-o.-Phase wieder bei Null begonnen und haben jetzt jeder eine Gelbe Karte auf dem Konto. Keine Spielerin ist für das Finale gesperrt, die USA müssen im Spiel um Platz 3 auf Shannon Boxx verzichten.

Tom Schlimme
Tom Schlimme

Der Kommentator der ARD hat immer wieder behauptet, Aline und Renata Costa seien für das Finale gesperrt. Also eine Fehlinformation, okay.

Ändert aber Null an meiner Einschätzung der Kritik an der deutschen Mannschaft vor dem Halbfinale, und wenn Deutschland gegen dann doch mit den wichtigsten Spielerinnen besetzte Brasilianerinnen sogar noch das Finale gewinnen sollte, ist hoffentlich ein Punkt weniger vorhanden, mit dem man dann die deutsche Leistung wieder relativieren könnte!

Tom Schlimme
Tom Schlimme

Ich habe jetzt mal ein bißchen recherchiert wegen der möglichen Sperre der beiden brasilianischen Spielerinnen. Beim SID heißt es, wie auch beim Kommentator in der ARD: „Im Finale gegen Deutschland muss Brasilien allerdings ohne die beiden Abwehrspielerinnen Aline und Renata Costa auskommen. Beide sind nach ihrer zweiten Gelben Karte gesperrt.“ Bei der FIFA finde ich auf Anhieb nur Artikel 17, Punkt 3, in dem es heißt, dass ein Spieler automatisch für die nächste Partie desselben Wettbewerbs gesperrt ist, wenn er in zwei Spielen in einem von der FIFA organisierten Wettbewerb eine gelbe Karte erhält. Ausnahmen sind möglich, müssen aber vorher… Weiterlesen »

Markus Juchem
Markus Juchem

Tja, leider hat er ja manches falsch gesagt. Wenn das alles so gewollt war in der Vorrunde, dann gebe ich Dir Recht, kluge Taktik. Sollte Deutschland Weltmeister werden, dann sicherlich verdient und nicht mit Dusel, weil einfach kein anderes Team besser war. Dennoch muss man ja Dinge kritisieren dürfen. Wie gesagt: Der Erfolg gibt Silvia Neid Recht, doch Begeisterungsstürme löst die Mannschaft mit ihrem Spiel bisher nicht aus. Deswegen bin ich auch mal gespannt, ob ein WM-Erfolg wirklich einen neuerlichen Schub auslösen wird. Sicher bin ich mir ehrlich gesagt nicht. Mal sehen, wie sich die Zuschauerzahlen in der Bundesliga nach… Weiterlesen »

Markus Juchem
Markus Juchem

Im sogenannten „Disciplinary Preview“ der FIFA auf Spiel um Platz 3 und das Finale ist keine der beiden brasilianischen Spielerinnen erwähnt, sondern nur Shannon Boxx.

Ich kann mich auch an kein FIFA-Turnier der jüngeren Vergangenheit erinnern, bei dem Gelbe Karten aus der Vorrunde mit in die K.-o.-Phase hinübergenommen wurden.