Rainers WM-Ecke: Mit Voodoo-Zauber und Angriffslust ins Finale

Von am 27. September 2007 – 13.04 Uhr 1 Kommentar

Jubel deutsche Fans in Tianjin Theo Zwanziger schäumte über vor Glück, obwohl seine DFB-Frauen das Finale erst erreicht, aber noch nicht gewonnen haben. „Das ist die schönste Stunde in meiner Fußball-Laufbahn“, schwärmte er nach dem 3:0 über Norwegen im Halbfinale des Olympia Centers von Tianjin. In der futuristischen Arena, die dem Münchner Allianz-Stadion etwas ähnelt, untermauerte der Titelträger und Europameister seine Ambitionen gegen den Vizeeuropameister eindrucksvoll und mit ein wenig Voodoo-Kraft, wenn man es denn glauben will.

Das 1:0 vor der Pause ein von Birgit Prinz abgefeuerter und Trine Rønning ins eigene Tor geköpfter Schuss (42.) war psychologisch wichtig. Danach erhöhte die Elf von Trainerin Silvia Neid den Druck, machte den Gegner müde und mürbe. Kerstin Stegemann (72.) und Martina Müller (75.) besiegelten das Aus für den Gegner.

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Mit dieser offensiven Art beeindruckte das DFB-Team nicht nur die gut 54.000 Chinesen, sondern auch Theo Zwanziger. „Es ist einfacher, einen Titel zu gewinnen, als ihn neu zu bestätigen“, benutzte der DFB-Präsident eine alte Floskel, um dann kundzutun: „Mit dieser Leistung hat die Mannschaft eine Marke mit einem Ausrufezeichen gesetzt.“

Danach zückte Zwanziger den Talisman, den er seit der Rückkehr nach China vor ein paar Tagen besitzt. Ein Amulett, das ihm ein Taxifahrer in Shanghai als Glücksbringer geschenkt hat. Gegen Nordkorea hatte er schon seine Wirkung getan. Jetzt gegen Norwegen schon wieder. Mit gleichem Resultat und Toren zu fast identischer Zeit. „Bisher hat der Glücksbringer immer gezündet. Er ist mir richtig ans Herz gewachsen.“

An Voodoozauber direkt will Zwanziger aber nicht glauben. „Klar, er hat den Mädchen geholfen. Aber ihre Leistung mussten meine Mädels schon selbst bringen. Toll, wie die gekämpft, sich eingesetzt haben. Die Mannschaft spielt hervorragend. Ich bin beeindruckt, wie der Trainerin die Teambildung geglückt ist zwischen alten und erfahrenen Spielerinnen sowie solchen, für die eine WM eigentlich noch zu früh kommt. Aber gerade diese Spielerinnen werden es sein, die in der Zukunft ein Idol darstellen. Das ist die Zukunft für unsere Mädchen und die wiederum sind unsere Zukunft.“

Die 50.000 Euro, die es im Fall der Titelverteidigung pro Spielerin gibt, als Prämie zu beschließen, sei überhaupt kein Problem gewesen. „Wir speisen diese Spielerinnen nicht mit irgendwelchen Krümeln ab. Der Lohn ist verdient“, zeigt sich Zwanziger gönnerhaft.

Deshalb hat er auch wenige Tage zuvor erst den Vertrag von Silvia Neid statt bis 2009 auf 2011 verlängert. Die 43-jährige frühere Rekord-Internationale und Assistentin von Tina Theune-Meyer ist im zweiten Jahr Chefin und steht vor ihrem ganz großen Durchbruch als Trainerin. „Es ist toll, wie die erfahrenen Spielerinnen die blutjungen führen, die eigentlich noch gar nicht WM-reif sind und wie gut dieses Teambuilding funktioniert.“

Sowohl Neid als auch Zwanziger sehen darin die Grundlage für den bisherigen Erfolg. Während Zwanziger beim Spiel um Gold das Amulett wieder im Jackett trägt, hat seine Trainerin noch einiges an Arbeit vor. „Das andere Halbfinale der USA gegen Brasilien sehe ich mir ganz entspannt bei einem Glas Bier im Fernsehen an“, sagte Neid. Wer ihr Lieblinsgegner sei? „Egal. Wir analysieren wieder, machen die Spielräume eng und üben offensiven Druck aus“, sprach die Trainerin schon über die vorgesehene Marschroute auf dem Weg zum Gold, das wieder im Hangkou Stadion von Shanghai läuft.

Also an jener Stätte, an der das DFB-Team diese WM mit ihrem 11:0-Rekordsieg über Argentinien eröffnet und den Weg des Erfolges eingeschlagen hatte. Angriffslustig und torhungrig.

1 Kommentar »

  • Helmut Pichler sagt:

    Herzlicher Dank an die deutsche Nationalelf, Brigit Prinz und Abbitte an Sylvia Neid1

    Zugegeben, ich hatte meine Probleme mit der Akzeptanz des deutschen Kaders für die Frauen- WM. Die bisherigen Ergebnisse haben mich vom Gegenteil überzeugt, wobei ich immer noch meine, Stürmerinnen wie Inka Grings oder Conny Pohlers hätten für mehr Torgefahr und Entlastung der x-mal beschatteten Birgit PRINZ sorgen können. Okay, Frau Neid hat konservativ, aber r i c h t i g, entschieden und bis zum Finale am Sonntag Recht behalten- meine e h r l i c h e Gratulation, ich hab` mich geirrt!
    Was ich persönlich allerdings an diesem Team besonders toll finde selten haben Weltklassestürmerinnen wie Birgit PRINZ- (Sonder- LOB!!) und Sandra Smisek so viel im Mittelfeld u n d der Abwehr ausgeholfen wie bei dieser WM—-, waren Mittelfeldspielerinnen (mit der ü b e r r a g e n d e n Kerstin GAREFREKES!) so torgefährlich und hat sich eine Abwehr als derartiges BOLL- Werk ausgezeichnet!
    Dafür ein ganz großes DANKE (und wenn sehr viel dazu Sylvia Neid inszeniert hat- RESPEKT und DANK!)
    Wenn die deutschen Weltklasse-Fußballerinnen auch noch den 2. Stern (als Doppelweltmeisterinnen!!) auf dem Revers tragen: dann weiß auch ich als „Ösi -Fan der besten Nationalelf der Welt, Deutschland , dass der Fußballgott letztendlich doch gerecht ist!!!!!(und wenn`s Silber wird, selten hat es so goldig geglänzt!(help)

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