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2007

Favoriten patzen am Tag der Unentschieden

So viele Treffer wie beim 11:0-Rekordsieg Deutschlands im Eröffnungsspiel fielen am zweiten Spieltag der Frauenfußball- Weltmeisterschaft in China zwar nicht, die begeisterten Zuschauer sahen in den drei Spielen zehn Treffer. Doch was viel wichtiger ist: Die drei Unentschieden zeigten, dass es im internationalen Frauenfußball enger zugeht, als es das Ergebnis des Vortags hätte vermuten lassen.

Der hoch gehandelte Außenseiter Nordkorea wurde seinen Vorschusslorbeeren gerecht und trotzte dem Titelfavoriten USA ein verdientes Remis ab, ebenso wie Afrikameister Nigeria dem Vizeweltmeister aus Schweden. Doch die turbulenteste Partie sahen die Zuschauer in Shanghai. Nach einer packenden zweiten Halbzeit und drei späten Toren teilten sich am Ende auch Japan und England die Punkte.

USA – Nordkorea: Asiaten überraschend Titelfavoriten Es dauerte gerade einmal 12 Sekunden, da ließ Nordkoreas Spielführerin Ri Kum-Suk einen ersten Warnschuss auf das von Hope Solo gehütete U.S.-Tor ab. Und gleich die erste Aktion der Asiatinnen schien das U.S.-Team dermaßen zu beeindrucken, dass das Spiel des Teams von Trainer Greg Ryan im gesamten Spiel nicht richtig in Gang kam. Mit einer derartigen Gegenwehr und Athletik des Gegners hatten die Amerikanerinnen nach 47 Spielen ohne Niederlage in Folge nicht gerechnet. Ein ums andere Mal brachte der Gegner die unsichere U.S.-Verteidigung gehörig ins Wackeln.

Die beste Chance der Amerikanerinnen in Halbzeit eins vergab im strömenden Regen von Chengdu Abby Wambach, die einen Kopfball gegen die Latte setzte (41.).In der 50. Minute gingen die USA fast ein wenig überraschend in Führung. Lilly setzte mit einem Pass Wambach ein, deren Schrägschuss Nordkoreas Torhüterin Jon Myong Hui durch die Finger gleiten ließ (50.). Doch wer dachte, das U.S.-Spiel würde sich jetzt entkrampfen, sah sich getäuscht und auch die Anspannung auf dem Gesicht von Ryan wich nicht.

Läuferisch stark hielten die technisch versierten Nordkoreanerinnen weiter dagegen und wurden schnell belohnt. Allerdings bedurfte es eines Patzers der in einigen Situationen unsicher wirkenden Solo, die einen 17-Meter-Schuss von Kil Son Hui zum von den Spielerinnen und den mit roten T-Shirts und weißen Caps bekleideten Fans gleichermaßen umjubelten 1:1 passieren ließ (58.).

Und nur vier Minuten später gab es noch mehr Grund zum Feiern: Aus acht Metern setzte die früh eingewechselte Kim Yong Ae den Ball ins lange Eck, nachdem Shannon Boxx einen Schuss von Kim Kyong Hwa ihr direkt vor die Füße abgewehrt hatte (62.). Beide Tore fielen, als Wambach neun Minuten lang wegen einer Platzwunde in der Kabine genäht werden musste. Ryan muss sich fragen lassen, ob eine Auswechslung nicht taktisch klüger gewesen wäre.

Doch die Amerikanerinnen bewiesen Kampfgeist. Sieben Minuten später klärte die nordkoreanische Abwehr eine Lilly-Hereingabe zu hastig, der Ball prallt von Ri Un Gyong vor die Füße von Heather O’Reilly, die den Ball gefühlvoll mit dem Außenrist in den Winkel zum schmeichelhaften 2:2-Endstand schlenzte (69.).

Wambachs Fazit nach dem Spiel: „Nordkorea gehört mit Abstand zu den fünf besten Teams der Welt, das haben sie heute bewiesen.“ Nordkoreas Trainer Kim Kwang-Min meinte: „Meiner Meinung nach haben die USA die beste Mannschaft der Welt, aber heute waren sie nicht in Bestform, und das haben wir ausgenutzt.“

Japan und England liefern sich Herzschlagfinale

Der Gesichtsausdruck von Englands Trainerin Hope Powell nach Ende des Spiels Japan gegen England sprach Bände. Mit zwei späten Treffern (81. und 83.) hatte die starke Kelly Smith in einer verbissen geführten Partie aus einem 0:1-Rückstand durch das Freistoßtor von Aya Miyama (55.) eine 2:1-Führung gemacht. Doch Miyama gelangen erstmals in einem Spiel zwei Freistoßtore und mit ihrem zweiten Treffer in der fünften Minute der Nachspielzeit verdarb sie den Engländerinnen die Party. „Wir sind natürlich sehr enttäuscht“, meinte eine frustrierte Smith nach der Partie. Japans Trainer Hiroshi Ohashi erklärte: „Wir hatten heute mit einem besseren Ergebnis gerechnet, aber ich bin zufrieden.“

Nachdem Japan erstmals gegen ein europäisches Team einen Treffer erzielt hatte, gewann mit zunehmender Spieldauer das athletische Spiel der Engländerinnen immer mehr die Oberhand, die Kondition der Japanerinnen ließ nach und es ergaben sich Räume, die Smith zweimal geschickt ausnutzte. England fühlte sich schon als sicherer Sieger, doch musste am Ende mit hängenden Köpfen den Platz verlassen.

Für beide Teams dürfte es in den nächsten Spielen nun darum gehen, gegen Deutschland nicht zu hoch zu verlieren, und gegen Argentinien möglichst hoch zu gewinnen. Ein Kopf-an-Kopf-Rennen um den Aufstieg ins Viertelfinale mit einem am Ende möglicherweise entscheidenden Torverhältnis bahnt sich an.

Nigeria – Schweden: Blasser Vizeweltmeister Nur wenige Höhepunkte hatte das Spiel Nigeria gegen Schweden zu bieten. Der Vizeweltmeister war in den ersten 45 Minuten optisch überlegen, scheiterte aber mehrfach an der starken nigerianischen Torhüterin Precious Dede, die ein ums andere Mal glänzend reagierte, wie etwa gegen einen Schuss von Spielführerin Victoria Svensson in der 34. Minute, den sie um den Pfosten drehte. Doch drei Minuten vorher hatte sie Glück, als Svensson einen 20-Meter-Schuss an die Latte setzte. Sonst gab es kaum nennenswerte Highlights, der Afrikameister wirkte in seinen Aktionen zunächst zu unentschlossen und schien zu viel Respekt vor dem Gegner zu haben.

Auch in der zweiten Halbzeit hatten die spielerisch nicht überzeugenden Schwedinnen zunächst Feldvorteile, doch weder Hanna Ljungberg noch Lotta Schelin konnten dem Spiel maßgebliche Impulse geben. Und so war es erneut Svensson, die mit einem Drehschuss nach Vorarbeit von Frida Östberg die schwedische Führung erzielte (50.).

Das Team von Trainer Thomas Dennerby versäumte es in der Folge, einen zweiten Treffer nachzulegen und wurde in der Schlussphase bestraft. Cynthia Uwak, Afrikas Fußballerin des Jahres 2006, nutzte eine Unachtsamkeit der schwedischen Defensive mit einem platzierten Schuss zum glücklichen, aber nicht ganz unverdienten Ausgleich (82.), dem das nun mutiger agierende Team in den Schlussminuten fast noch den Siegtreffer hinzugefügt hätte.

Schweden feierte erstmals einen Punktgewinn in seinen WM-Eröffnungsspielen. Dennoch meinte ein ernüchterter Dennerby: „Das ist nicht das Ergebnis, das wir uns erhofft hatten.“ Nigerias Trainer Effiom Ntiero kommentierte: „Das war ein guter Anfang, und jetzt möchten wir uns von Spiel zu Spiel steigern.“