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2007

Warum spielt Cristiane nur in der Nationalmannschaft richtig stark?

Jedes Mal, wenn sich Cristiane das kanariengelbe Trikot der brasilianischen Nationalmannschaft überstreift, scheint sie sich in eine zwei Klassen bessere Fußballerin zu verwandeln. Wie zuletzt bei den Panamerikanischen Spielen.

In Rio erzielte sie zuletzt in knapp drei Wochen acht Treffer, einen mehr als beim VfL Wolfsburg in der gesamten abgelaufenen Bundesligasaison. Hätte Cristiane bei den Niedersachsen nur annähernd derart starke Leistungen gezeigt, wäre ihr Vertrag sicherlich mit Handkuss verlängert worden. Doch woher rührt diese Diskrepanz?

„Manchmal fällt es mir etwas schwer, mich an den Rhythmus der anderen zu gewöhnen“, sucht Cristiane nach einem Erklärungsansatz. Doch lässt sich alleine dadurch ihre regelmäßige Leistungsexplosion in der Nationalmannschaft erklären?

Mag sein, dass Cristiane in der Nationalmannschaft stärker von der Arbeit und der Spielweise der Teamkolleginnen profitiert, als das bei Turbine Potsdam oder dem VfL Wolfsburg der Fall war.

Hinzu kommt sicherlich auch, dass nicht alle Gegner bei den Panamerikanischen Spielen und der Südamerika-Meisterschaft der ersten Güteklasse angehörten. Doch auch dann muss man erst einmal derart häufig ins Schwarze treffen. Und auch in der Bundesliga spielen nicht alle Teams auf dem gleich hohen Niveau.

20 Tore bei Panamerikanischen Spielen und Südamerika-Meisterschaft

Im Finale gegen die U-20-Auswahl der USA erzielte sie vor fast 68.000 Zuschauern im Maracaná-Stadion zwei ihrer acht Turniertore. „Sie bestach durch ihren Kampfgeist und ihre gute Technik“, urteilte die brasilianische Zeitung O’Globo. Schon bei der vergangenen Südamerika-Meisterschaft hatte Cristiane 12 Treffer erzielt. Liegt es also doch nur an der Nestwärme?

Im Winter heizte Cristiane in Deutschland regelmäßig ihre Fußballschuhe vor und rüstete sich mit Thermowäsche aus, um der Kälte zu begegnen. Ihr brasilianisches Lieblingsreisgericht „Feijão com arroz“ fehlte ihr, wie sie einmal gestand. Liegt es also etwa am deutschen Klima, der falschen Ernährung oder dem Heimweh?

Mangelnde Integrationsfähigkeit

Oder etwa doch am zu geringen Enthusiasmus für den gelegentlich nicht ganz so glamourösen Ligaalltag bzw. der mangelnden eigenen Fähigkeit, sich in ein neues Umfeld hundertprozentig zu integrieren? „Ich bin eher eine ruhige Person. Es ist schwierig als eine neue Person in einer Gruppe dazu zu kommen“, sagt sie von sich selbst.

Oder ist der Druck zu hoch? „Also die Erwartungen sind viel zu hoch. Es ist unmöglich, diese alle zu erfüllen. Da entsteht ein unglaublicher Druck, der es einem nicht ermöglicht, normal zu spielen“, sagte Cristiane, als sie noch in Potsdam war.

Ob Cristiane in der deutschen Bundesliga noch einmal einen Verein findet, der sie haben will und auch finanzieren kann, ist fraglich. Möglicherweise findet sie ja bei Martas Verein Umeå IK in Schweden Unterschlupf, wo man nach dem als missglückt zu betrachtenden Experiment mit der Chinesin Ma Xiaoxu auf der Suche nach einer neuen Torjägerin ist. Wärmer ist es dort allerdings auch nicht.

Im Hinterkopf liebäugelt sie möglicherweise schon mit einem Wechsel in die USA, sollte eine neue Profiliga 2008 das Licht der Welt erblicken. Mit einer Glanzleistung bei der WM kann und will sie erneut international auf sich aufmerksam machen.

„It never rains in Southern California“, heißt ein bekanntes Lied von Albert Hammond. Warum also nicht Los Angeles? Dort wird die Anschütz-Gruppe eines der neuen Profiteams betreiben. Und dass sich in der Ecke gut leben lässt, wissen wir ja von Jürgen Klinsmann…