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2007

Deutsche Nationalmannschaft meldet sich mit einem 4:0 gegen Dänemark eindrucksvoll zurück

Bewusst hatte sich der DFB für diesen Zeitpunkt der Vorbereitung einen starken Gegner gewünscht und mit Dänemark zudem noch einen WM-Teilnehmer gefunden. Es sollte “eine erste Standortbestimmung” (Nadine Angerer) sein. Die ist gelungen - so viel lässt sich sagen.

Bestimmt nicht für Dänemark, wie ein sichtbar konsternierter Kenneth Heiner-Møller einräumen musste. Wohl aber für die deutsche Nationalmannschaft, die - bei allen Defiziten, an denen noch zu arbeiten sein wird - einen großen Sprung nach vorne gemacht hat. “Es wäre ja auch schlimm, wenn wir vier Wochen gemeinsam arbeiten und uns nicht verbessern”, meinte Bundestrainerin Silvia Neid dazu trocken.

In der Tat, der amtierende Weltmeister hat in vielen Bereichen deutliche Fortschritte gezeigt:

Der Zustand an der Algarve im März sei so miserabel gewesen, so Neid, dass man damit “auf internationalem Niveau nicht mithalten kann.” Die vier Wochen Vorbereitung hat die Mannschaft offensichtlich dazu genutzt, die in den Vereinen auf Vordermann gebrachte körperliche Verfassung zu konservieren und gezielt in Richtung WM auszubauen. Das wurde nicht nur einmal deutlich, wenn es deutschen Spielerinnen gelang, ihre Gegnerinnen regelrecht abzuhängen und den hohen Offensivdruck über weite Strecken des Spiels aufrecht zu erhalten. Damit ist die Basis geschaffen, um ein langes Turnier auf hohem Niveau zu absolvieren und die spielerischen Fähigkeiten zur Entfaltung zu bringen.

Nur in den ersten 5-10 Minuten fühlte man zurückgebeamt, die Fehlpassorgien vom Algarve Cup kamen wieder ins Gedächtnis. Doch diese Verunsicherung, die aus der vollkommen neuen Situation resultierte, ein halbes Jahr hinter den eigenen Möglichkeiten geblieben und in die Kritik geraten zu sein - “das kannten wir so noch nicht” (Angerer) - legte die Mannschaft schlagartig ab, als die starke Melanie Behringer in der 13. Minute mit einem satten Fernschuss aus knapp 20 Metern für die Führung sorgte ( siehe DFB-Spielbericht ).

Jetzt lief der Ball, legte auch Simone Laudehr auf der für sie “ungewohnten Position” (Laudehr) im zentralen, eher defensiven Mittelfeld, auf der sie sich “wohl fühle und gut von Renate Lingor geführt” werde (Silvia Neid), nach und nach zu und kam besser ins Spiel. Geschickt wurde die dänische Abwehr durch schnelles und geschlossenes Verschieben ausgehebelt und wurden die Schwächen des Gegners genutzt. “Wir wussten, dass sie auf den Außenpositionen Probleme haben, so konnten wir sie mit Doppelpässen ausspielen”, so Birgit Prinz.

Der vor allem in Halbzeit eins wieder stark wie lange nicht aufspielenden Lingor sowie der von Neid besonders herausgehobenen Kerstin Stegemann, Kerstin Garefrekes und Birgit Prinz gelang es, immer wieder neue Ideen zu entwickeln und die dänische Abwehr dauerhaft zu beschäftigen. Wie selten die Däninnen allerdings in der Lage waren, sich zu befreien, und wie harmlos sie in Strafraumnähe blieben, darf etwas mehr als einen Monat vor WM-Beginn als erschreckend bezeichnet werden.

Dass sich Körpersprache und sportliche Leistung gegenseitig bedingen, ist keine neue Erkenntnis. Neuester Beleg war die heutige Partie. Von Beginn an war der Wille erkennbar, selber das Spiel zu machen, um die eigenen Stärken zum Tragen zu bringen. Nach dem Führungstreffer attackierten die Titelverteidigerinnen früher, eroberten viele Bälle und automatisierten das Umschalten von Abwehr auf Angriff zusehends. “Damit haben wir große Probleme gehabt”, so Heiner-Møller.

Treffend stellte ein Kollege gegenüber Birgit Prinz fest, es habe den Eindruck gemacht, als habe die Abwehr 20 Meter weiter vorne gestanden als noch beim Algarve Cup. “Ja, das hat es schon leichter gemacht”, grinste die Spielführerin vielsagend.

Viel besser, aber noch nicht alles gut

Insgesamt ein Auftritt, der der Truppe viel Selbstvertrauen geben sollte und auf den sich in den noch verbleibenden sechs Wochen aufbauen lässt. Doch gerade über die Defizite in der Abwehr, die Neid explizit ansprach, sollte dieses Ergebnis nicht hinwegtäuschen. Wenngleich sich insbesondere Sandra Minnert nach ihrer langen Verletzungspause eindrucksvoll zurückgemeldet hat. Doch Dänemark präsentierte sich nicht in der Verfassung eines Gegners, den es in China zu schlagen gilt, um den Titel zu verteidigen. Dort muss mit härterer Gegenwehr gerechnet werden. Insofern kam dieses Testspiel vermutlich wirklich genau zur richtigen Zeit.