Olympia-Quali: Australien im Torrausch, Trainer trotzdem unzufrieden

Von am 8. April 2007 – 11.23 Uhr 2 Kommentare

Wohl nur selten in der Vergangenheit hatte die asiatische Olympia-Qualifikation im Frauenfußball einen derart hohen Aufmerksamkeitswert wie in diesen Tagen. Vor einigen Wochen sorgten die Ergebnisse der beiden Spiele zwischen Südkorea und Hongkong (siehe Womensoccer.de-Bericht vom 18. März) für negative Schlagzeilen.

Und auch der Beginn der Endrunde am gestrigen Samstag hatte es in sich. So setzte es für Südkorea die nächste bemerkenswerte Niederlage, und Australiens Trainer Tom Sermanni überraschte nach dem zweistelligen Sieg gegen Hongkong mit einem besonderen Kommentar.

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Südkorea hat sich mit dem Schachzug, sich in die vermeintlich leichtere Gruppe A befördert zu haben, offensichtlich ins eigene Fleisch geschnitten. Im Heimspiel gegen den Weltranglisten-40. aus Thailand setzte es eine 0:1-Heimschlappe. Ich muss gestehen, dass ich mir eine gewisse Schadenfreude nicht verkneifen kann.

Asiens Olympia-Qualifikation im Überblick

Besser als für die Südkoreanerinnen lief es für Australien, das mit Hongkong beim 15:0 (6:0)-Sieg kurzen Prozess machte. Stürmerin Kate Gill erzielte nach dem Fünferpack beim 8:1-Sieg gegen Taiwan im Februar im zweiten Länderspiel hintereinander erneut fünf Tore.

Gute Laune allerseits, sollte man meinen, doch nicht bei Trainer Tom Sermanni: „Wenn man bedenkt, wie oft wir den Pfosten getroffen haben, wäre es schön gewesen, fünf oder sechs Tore mehr zu schießen.“

In der Tat ließen die Australierinnen weitere hochkarätige Torchancen ungenutzt. So trafen Cheryl Salisbury und Sarah Walsh die Latte, Kate Gill den Pfosten. Mehrmals klärte die gegnerische Verteidigung auf der Linie. Mit etwas mehr Konsequenz hätte möglicherweise das 21:0-Rekordergebnis gegen Amerikanisch Samoa aus dem Jahr 1998 übertroffen werden können.

Sermannis Kritik kommt nicht von ungefähr. Da sich nur die jeweiligen Sieger der beiden Gruppen für die Olympischen Spiele qualifizieren und auf Australien noch zwei Duelle mit dem starken Nordkorea warten, könnte bei Punkt- und Torgleichheit in den direkten Duellen am Ende die bessere Tordifferenz den Ausschlag geben. Und dann würde man den verpassten weiteren Treffern möglicherweise noch hinterher trauern.

Japan ohne Glanz – Nordkorea souverän

Zwei weitere Spiele brachten zum Auftakt die erwarteten Siege der Gastgeber. Japan ließ beim 2:0-Sieg gegen das äußerst defensiv ausgerichtete Vietnam nichts anbrennen, tat sich aber schwer, Lücken im Verteidigungsriegel des Gegners zu finden. Treffer von Homare Sawa und Tomoe Sakai sorgten dann aber doch für zufriedene Mienen beim WM-Teilnehmer. „Ich bin froh, dass wir drei Punkte geholt haben, auch wenn wir trotz vieler Chancen den dritten Treffer nicht gemacht haben“, so Trainer Hiroshi Ohashi. Wenig Mühe hatte Nordkorea beim leicht heraus gespielten 8:0-Sieg gegen Taiwan.

Ergebnisse vom 7. April

Gruppe A

Japan – Vietnam 2:0
Südkorea – Thailand 0:1

Gruppe B

Nordkorea – Taiwan 8:0
Australien – Hongkong 15:0

Die nächsten Spiele

15. April 2007

Gruppe A

Vietnam – Südkorea
Thailand – Japan

Gruppe B

Taiwan – Australien
Hongkong – Nordkorea

Markus Juchem (51) schreibt seit 2003 über Frauenfußball, für Medien wie Womensoccer.de, UEFA.com, FIFA.com, DFB.de, FAZ, NZZ und Kicker.

2 Kommentare »

  • Christian sagt:

    Schadenfreude über die Niederlage Südkoreas? Wo – außer bei Womensoccer.de – gab es denn sonst „negative Schlagzeilen“ zu den Spielen Südkoreas gegen Hongkong? Ich bin jedenfalls auf Anhieb nicht fündig geworden und hätte schon gern etwas mehr Anhaltspunkte dafür, daß Südkorea wirklich absichtlich Hongkong unterlegen sei. Ansonsten sieht mir alles nach einer „Schreibtisch-Interpretation“ aus. Vielleicht ist Südkorea derzeit tatsächlich so schlecht? Die Heimniederlage gegen Thailand läßt jedenfalls auch diese Ferndiagnose zu!

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  • Markus Juchem sagt:

    Natürlich ist auch die Interpretation möglich, dass der südkoreanische Frauenfußball in eine gewaltige Krise gerutscht ist.

    In der koreanischen Presse sowie in einigen einschlägen Foren wurde dennoch über die Ergebnisse der beiden Spiele zwischen Südkorea und Hongkong kräftig spekuliert.

    Ich denke, man darf sich zumindest schon gehörig wundern, bedenkt man, dass Südkorea noch im November 2006 beim Peace Cup nur knappe Niederlagen gegen Italien und WM-Teilnehmer Kanada einstecken musste. Im Juli hat man gegen Thailand in der WM-Qualifikation noch 11:0 gewonnen.

    Hongkong hat vor den beiden Spielen gegen Südkorea bis auf Siege gegen die Malediven und Singapur in den letzten vier Jahren alle Spiele verloren, darunter sogar eine Heimniederlage gegen Taiwan. Das 0:15 gegen Australien – wo man sogar noch glimpflich davon kam – spricht nicht gerade für einen gewaltigen Aufschwung im Frauenfußball Hongkongs.

    Die Vergangenheit hat leider gezeigt, dass der Fußball in Einzelfällen bei derartigen Konstellationen für Merkwürdigkeiten anfällig ist.

    Erinnert sei beispielsweise an den Tiger-Cup 1998, wo der indonesische Torhüter mit einem Eigentor zur Niederlage gegen Thailand seinem Team in der nächsten Runde ein leichteres Los bescherte. Und anschließend auf Lebenszeit gesperrt wurde…

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