Frankfurt und Duisburg machen auch DFB-Pokal unter sich aus
Es ist so gekommen, wie es viele Frauenfußball-Beobachter und auch die Mehrheit unserer Leser ( siehe Umfrage ) prognostiziert hatten. Am 26. Mai im Berliner Olympiastadion werden sich der 1. FFC Frankfurt und der FCR 2001 Duisburg im Pokalfinale gegenüberstehen. Während sich Favorit Duisburg im Essener Stadion „Am Hallo“ erst in der Verlängerung klare Vorteile erarbeiten konnte, fuhren die Frankfurterinnen gegen den Tabellenführer der 2. Bundesliga Süd, den 1. FC Saarbrücken, einen ungefährdeten Sieg ein. Bei der Liveübertragung des WDR ( siehe Vorbericht ) gelang es den beiden Reviernachbarn, mit engagiertem Spiel über weite Strecken Werbung für den Frauenfußball zu machen und den Zuschauern einen spannenden Pokalhit zu bieten.
Vor 3750 Zuschauern – unter ihnen DFB-Präsident Theo Zwanziger, Griechenlands Nationaltrainer Otto Rehhagel, Bundestrainerin Silvia Neid und ihre Vorgängerin Tina Theune-Meyer – prägten Nervosität und Hektik die ersten Minuten. Erst als diese im Laufe der Zeit abgelegt werden konnten, erspielten sich beide Teams erste gute Chancen, bei denen die Torfrauen auf beiden Seiten sich durch großartige Paraden auszeichnen konnten. Einen sehenswerten Heber aus etwa 18 Metern von Patricia Hanebeck lenkte Stefanie Löhr mit einem tollen Hechtsprung über die Latte des Essener Kastens. Nur wenige Augenblicke später fand Stefanie Weichelt per Kopfball nach Ecke von Melanie Hoffmann in Kathrin Längert ihre Meisterin.
Zum psychologisch wichtigen Zeitpunkt kurz vor der Pause, in der 43. Minute nämlich, brachte Simone Laudehr die Löwinnen durch einen geschickten Heber, der sich über Löhr ins rechte Toreck senkte, in Führung. Nicht unverdient, weil sich der FCR kombinationsstärker und deutlich variabler im Spielaufbau zeigte. Essen versuchte wiederholt über schnelle Konter und weite Pässe auf die Sturmspitzen Mandy Islacker und Charline Hartmann zum Erfolg zu kommen. Doch Mandy Islacker merkte man die fehlende Fitness nach langer Verletzungspause noch deutlich an, für Hartmann war die Duisburger Innenverteidigung um Annike Krahn und Elena Hauer in den meisten Fällen Endstation. Duisburg, bei denen Laudehr und Oster auf die Flügel ausscherten, Hanebeck und Fuss die Fäden zogen und Inka Grings in der Nähe des Strafraums immer anspielbereit war, konnte mehr Torchancen und größere Spielanteile für sich verbuchen.
Symptomatisch denn auch, dass der Ausgleich Essens durch eine Standardsituation fiel. Linda Bresonik setzte einen Freistoß aus gut 20 Metern gekonnt in die Maschen. Nach dem 1:1 neutralisierten sich die beiden Kontrahenten, ehe in den Schlussminuten auf beiden Seiten der unbedingte Wille erkennbar war, noch vor der Zusatzschicht zum Siegtreffer zu gelangen und der nervenaufreibenden Verlängerung zu entgehen. Chancen waren hüben wie drüben vorhanden, blieben aber ungenutzt.
In der Verlängerung schließlich wurde vor allem ein Unterschied zwischen den Reviernachbarn deutlich. Duisburg besaß die besseren Kräftereserven. Zum einen sicherlich, weil bei der SGS gleich mehrere Akteurinnen in den letzten Wochen wegen Blessuren nicht regelmäßig trainieren konnten. Zum anderen aber auch, weil die Essener Spielanlage, das Heil in weiten Pässen zu suchen, wodurch die Angreiferinnen früh geschlaucht waren, viel Kraft raubte. Als Lira Bajramaj, die nach ihrer Einwechslung enormen Schwung in die Begegnung brachte, in der 96. Minute ihren FCR wieder in Führung schoss, war der Bann gebrochen und hatten die Essenerinnen, obwohl sie sich nie aufgaben, nichts mehr entgegenzusetzen. Grings (107.), Laudehr (114.) und Hanebeck (120.) besorgten den 5:1-Endstand, der letztlich wesentlich höher ausfiel, als es der Spielverlauf hergab. Duisburg steht damit nach vier Jahren Abstinenz wieder in einem DFB-Pokalfinale.
Damals, am 31. Mai 2003, verloren die Duisburgerinnen gegen den Abonnement-Finalisten (neun Mal in Folge) FFC Frankfurt. So heißt der Gegner auch dieses Mal wieder, denn dem haushohen Favoriten aus der Mainmetropole reichte eine torreiche Viertelstunde gegen Saarbrücken, um den Finaleinzug auch in diesem Jahr wieder perfekt zu machen. Sandra Smisek (30./42.), Birgit Prinz (37.) und Kerstin Garefrekes (44.) markierten vor 1220 Zuschauern im Frankfurter Stadion am Brentanobad die Treffer zum 4:0-Endstand. Die zweite Spielhälfte blieb torlos.
Nachdem die Hessinnen in den vergangenen drei Jahren immer gegen den Dauerrivalen Turbine Potsdam als Verlierer den Berliner Rasen verließen, wollen sie in diesem Jahr endlich wieder auf dem oberen Treppchen stehen, um nach dem frühen Aus im UEFA-Cup wenigstens national den eigenen Ansprüchen gerecht zu werden. Duisburg hingegen wird es sich zum Ziel setzen, beim dritten Pokal-Finale gegen Frankfurt zum ersten Mal die Oberhand zu behalten. Ob sich die Löwinnen dann erneut ein T-Shirt mit dem Schriftzug „Wir!“ überstreifen werden?