Frauen-EM: Deutschland verpasst EM-Halbfinale

Von am 30. Juli 2017 – 15.34 Uhr 125 Kommentare

Die deutsche Frauenfußball-Nationalelf hat durch eine überraschende Niederlage gegen Dänemark das Halbfinale der UEFA Women´s EURO verpasst.

Trotz einer schnellen 1:0-Führung durch Isabel Kerschowski (2.) verlor die DFB-Elf nach Kopfballtreffern von Nadia Nadim (49.) und Therese Nielsen (83.) mit 1:2. Somit verpasste Deutschland nach langer Zeit erstmals wieder ein EM-Halbfinale nach zuvor neun Halbfinalteilnahmen in Serie.

Traumstart der DFB-Elf

Dabei erwischte die DFB-Elf einen Blitzstart, als Kerschowski mit einem Schuss von der Strafraumgrenze mit gütiger Mithilfe von Dänemarks Torhüterin Stina Lykke Pedersen die Führung erzielt. Doch Ruhe brachte die schnelle Führung nicht ins deutsche Spiel. Zwar hatte die DFB zunächst noch die besseren Chancen, doch es deutete sich schon in der ersten Halbzeit an, dass Dänemark bei seinen schnellen Vorstößen die deutsche Abwehr in Verlegenheit bringen konnte.

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Logo der Frauenfußball EM 2017

Logo der Frauenfußball EM 2017 © UEFA

Tiefschlaf leitet Wende ein

In der zweiten Halbzeit wurde Deutschland immer schwächer und Dänemark immer besser, das sollte Folgen haben. Nach einem Foul von Marozsán an Stine Larsen ließ Schiedsrichterin Katalin Kulcsár den Vorteil laufen. Dzsenifer Marozsán und Kerschowski waren im Tiefschlaf, ließen Larsen ungehindert in den Strafraum eindringen und flanken, Nadia Nadim stieg höher als Anna Blässe und köpfte zum Ausgleich ein (48.).

Nielsen köpft Dänemark zum Sieg

Dänemark gewann nun Übergewicht und hatte immer wieder viel zu viel Platz bei seinen Kontern. Einen dieser Konter nutzte Dänemark zum Siegtreffer, als Frederikke Thøgersen genauso unbedrängt flanken, wie Theresa Nielsen, die später zur Spielerin des Spiels gekürt wurde, einköpfen konnte (83.).

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Markus Juchem (50) schreibt seit 2003 über Frauenfußball, für Medien wie Womensoccer.de, UEFA.com, FIFA.com, DFB.de, FAZ, NZZ und Kicker.

125 Kommentare »

  • Detlef sagt:

    Hanna Hinrich schrieb;
    „GER hat noch nie ein Pflichtspiel verloren mit Peter+Henning in der IV “

    Hast Du da etwa ein neues Naturgesetz entdeckt??? 😉
    Jede Serie reist irgendwann einmal!!!

    Zu Erstens:
    Die Offensive Grundhaltung sollte für jeden Favoriten ein völlig normaler Zustand sein!!!
    Das defensive Gegenstück dazu ist somit den Underdogs und „Angsthasen“ vorbehalten!!!
    Auch Dänemark hatte gegen uns eine offensive Grundeinstellung!!!
    Von daher ist es blanker Unsinn, die Strategie eines Underdogs, mit der eines Titelverteidigers vergleichen zu wollen!!!

    zu Zweitens:
    Rotation ist für eine Nationalmannschaft etwas grundsätzlich Normales!!!
    Wenn hier immer wieder Leute beklagen, daß (angeblich) Typen wie Alex Popp oder Simone Laudehr fehlen, dann zeigt das doch ganz deutlich, daß wir für solche Ausfälle keinen Plan B haben!!!

    Wenn dann im Turnier klar ersichtlich wird, daß zusätzlich dazu, weitere Leistungsträgerinnen nicht ihre Bestform erreichen konnten, dann fehlt also auch für solche Ausfälle eine Kompensation!!!
    Anscheinend haben wir im Vorfeld der EM nicht genügend rotiert, um auf solche Situationen vorbereitet zu sein!!!
    Einige der „Neulinge“ haben zudem ihren Platz im Team noch nicht gefunden, irren zT etwas planlos herum, und haben noch keine richtige Bindung zum Spiel!!!

    zu Drittens:
    Hier hast Du natürlich absolut Recht!!!
    Wer keine Tore schießt, der kann auch nicht gewinnen!!!
    So gesehen hatten wir (wie schon vor 4 Jahren) sehr viel Glück, daß wir überhaupt ins VF gekommen sind!!!
    Ohne die Geschenke der Italienerinnen und der Russinnen hätten wir die Gruppe nur mit 2 oder 3 Punkten beendet!!!

    zu Viertens:
    Auch hier gebe ich Dir Recht!!!
    Doch es waren ja nicht nur „Jungwölfe“ im Kader, sondern genügend international Erfahrene!!!
    Alle reden hier immer nur von Marozsan!!!
    Aber wo waren all die CL-Erprobten aus Wolfsburg, München oder Malmö???
    Wo waren sie also als es galt, die Unerfahrenen anzuleiten, mitzureißen, aus ihrer Lethargie zu befreien???
    Sie haben es nicht einmal bei sich selbst geschaft!!! 🙁

    Hanna Hinnrich schrieb:
    „Was sehen die Scouts von Arsenal und Lyon in Jo Henning?“

    Genau das frage ich mich bis heute!!!
    Die Ausstrahlung die Du beschreibst hatte sie einmal, vor sehr,sehr langer Zeit, als sie noch in Saarbrücken, Potsdam und auch noch in Wolfsburg spielte!!!

    Mag sein, daß die Verantwortlichen in Paris sie deshalb geholt haben!!!
    Vielleicht auch nur deshalb, weil sie eine deutsche Nationalspielerin war!!!
    Das Prinzip SiDi wollten sie wahrscheinlich kopieren!!!
    Damals sammelte PSG alles deutsche ein, was sie kriegen konnten!!!
    Bresonik, Krahn, HENNING, BERGER, BAJRAMAJ (Alushi), alles war ihnen Recht und teuer, um Lyon endlich einzuholen!!!
    Geschafft haben sie es bis heute nicht!!!

    Aber dort hat JOSI sich nicht behaupten können, und wurde seit dem immer schlechter!!!
    In England wurde es noch viel prekärer, und nun in Lyon sitzt sie nur noch auf der Bank, wenn es in die wichtigen Spiele geht!!!
    JOSI HENNING ist heute nur noch eine verunsicherte Spielerin, sich ihrer Mittel absolut nicht mehr sicher!!!
    So eine Spielerin kann die von Dir genannte Ausstrahlung gar nicht haben, sondern nur Selbstzweifel!!!
    Und wie soll sie so andere zu Höchstleistungen animieren???

    Hanna Hinnrich schrieb:
    „Jeder Trainer wird das Leistungsprinzip anwenden. Aber subjektive Vorlieben sind ebenso legitim. Ein Trainer wird beurteilt nach den Ergebnissen. „Fußball ist Ergebnissport”

    Nein, jein und ja!!!
    Hat die Bundesgöttin immer das Leistungsprinzip angewendet???
    Nein!!!
    Je länger sie BT war, um so weniger!!!

    Subjektiv heißt persönlich!!!
    Persönliche Lieblinge sind nur dann legitim, wenn sie mindestens gleichwertig im Vergleich zu den „Unliebsamen“ sind!!!
    Wer seine Lieblinge auch dann noch vorzieht, wenn sie schlechter-, oder nicht richtig fit sind, bzw in einer sehr tiefen Formkrise sitzen, und keine ausreichende Spielpraxis haben, der betreibt Klüngel- oder Cousinenwirtschaft!!!
    Und darin war die Bundesgöttin einsame Spitze!!!

    Und die Ergebnisse waren am Ende ernüchternd!!!
    Die Bundesgöttin hatte ihre größten Erfolge ganz zu Beginn!!!
    Sie übernahm von TTM eine absolut intakte Mannschaft, die auch in der Breite sehr gut aufgestellt war!!!
    In dieser Mannschaft wimmelte es nur so von Typen!!!

    Je länger ihre Amtszeit dauerte, um so mehr knirschte und knackte es im Getriebe!!!
    Je mehr „Alte“ diese Mannschaft verließen, um so weniger Typen wurden es!!!
    Aus der Nachwuchsabteilung kamen nur noch „glatt gebügelte-,auf Linie getrimmte Spielerinnen“!!!

    Der „Lohn“ dafür kam 2011, die große Pleite im eigenen Land!!!
    Und auch 2015 war es nicht weniger deutlich, denn dort hätten wir eigentlich schon gegen Frankreich ausscheiden müssen!!!

    Nur Europa blieb uns jetzt noch als „Ruhmeshalle“ erhalten!!!
    Doch selbst hier bröckelte der Lack immer mehr ab, und 2013 schwindelten wir uns erst durch die Gruppe, dann ins Finale, und es reichte gerade noch so zum Titel!!!
    Schon in Schweden kristalisierte sich heraus, diese Mannschaft braucht dringend eine Veränderung, und zwar grundsätzlich!!!

    Der Olympiasieg tat uns überhaupt nicht gut!!! 🙁
    Er vernebelte das Offensichtliche, verhinderte so grundsätzliche Änderungen!!!
    Alles war wieder sooooooo Super, man durfte so weitermachen wie seither!!!

    Das Ergebnis haben wir jetzt in Holland präsentiert bekommen!!!
    Steffi Jones und Markus Högner haben das geerntet, was die Bundesgöttin mit ihrer Cousinenwirtschaft gesäht hat!!!
    Auch die beiden Trainer-Rookies haben sich davon leider nicht befreien können/wollen!!!
    Was Steffi zu ihrem Amtsantritt angekündigt hatte hörte sich sehr vielversprechend an!!!
    Auch der Auftritt beim SBC sah sehr beeindruckend aus, gerade was wir gegen die beiden Europäer zeigten!!!
    Doch je näher die EM kam, um so mehr Fragen wurden es!!!
    Außer Durchhalteparolen ala „Wir schaffen das“, bekamen wir keine brauchbaren Antworten,…….bis zum Ende des Dänemarkspieles nicht!!! 🙁

    Irgendjemand hatte hier geschrieben, daß er Steffi Jones und Markus Högner dafür bedauert, daß jetzt ausgerechnet sie es sind, die für die Politik des DFB der letzten Jahre büßen müssen!!!
    Dem kann ich mit der Einschränkung zustimmen, daß diese ja zT mit der selben Strategie versucht hatten, ihre Vorgängerin zu kopieren, und somit auch deren Schicksal geteilt haben!!!
    Auch die Bundesgöttin wäre in diesem Turnier gescheitert!!!

    Ich hoffe die beiden Rookies werden daraus lernen, und ihren eigenen Stil kreieren!!!
    Ob das „Experiment“ mit den beiden gescheitert ist, wird man somit erst in zwei Jahren sagen können!!!

    (1)
  • Fan sagt:

    @Detlef,
    das ist eine sehr gute Analyse der deutschen Frauennationalmannschaft und ihrer Spielweise.
    Du hast nur vergessen zu erwähnen, wer die Hauptschuld an diesen Schlamassel und dem Verfall der Spielkultur unserer Frauen-NN ist.
    Das ist in meinen Augen der DFB mit seinen verantwortlichen Funktionären. Der größte Fehler war dass man nach der verkorksten WM im eigenen Land die Frau Neid weiter machen hat lassen als wäre nichts passiert. Sie hätte hier schon rausgeschmissen gehört.
    Einen Kritikpunkt habe ich an dich: du schreibst eine Defensivtaktik ist was für für Underdogs und Angsthasen. Also das ist Quatsch und ich glaube das hast du mit heisser Feder geschrieben? Wenn du was von Taktik im Fussball verstehst dann wirst du wissen dass eine gute Defensivtaktik ein Grundstock für den Erfolg ist. Denk hier nur an deine geliebten Ösi-Frauen bei dieser EM.

    (18)
  • Detlef sagt:

    Fan schrieb:
    „Das ist in meinen Augen der DFB mit seinen verantwortlichen Funktionären. Der größte Fehler war dass man nach der verkorksten WM im eigenen Land die Frau Neid weiter machen hat lassen als wäre nichts passiert. Sie hätte hier schon rausgeschmissen gehört.“

    Diese Meinung teile ich natürlich im Großen und Ganzen!!!
    Ich bin ja hier dafür bekannt, ja sogar berüchtigt, ein großer Kritiker es DFB zu sein!!! 😉
    Man hat dem FF lange keine echte Beachtung geschenkt, und sich somit auch nicht um die Fehlentwicklungen gekümmert!!!

    Eine Einschränkung Deines vernichtenden Urteils möchte ich aber einbringen!!!
    Theo Zwanziger war ein großer Seegen für die Entwicklung des FF in Deutschland!!!
    Er hat sich als erster-, und leider bisher einziger DFB-Boss für den FF eingesetzt, und sowohl die Buli, als auch die komplette Wertigkeit der Frauen im DFB hervorgehoben!!!

    Man muß ihm aber auch den großen Fehler ankreiden, der Bundesgöttin damals völlig ohne Not, vorzeitig und ohne Leistungsnachweis das Vertrauen ausgesprochen zu haben, und ihren Vertrag überhastet verlängerte!!! 🙁

    Ihre scheinheiligen Begründungen nach der Pleite 2011 hätten sie in der Tat ihren Job kosten müssen, und den Weg schon damals freimachen können, für einen Neuanfang!!!
    Stattdessen durfte sie weiter ihr „Unwesen“ treiben, mit den Folgen die Du beschrieben hast!!!

    Fan schrieb:
    „Einen Kritikpunkt habe ich an dich: du schreibst eine Defensivtaktik ist was für für Underdogs und Angsthasen.“

    Bitte ließ nochmal genau nach!!!
    Es ging nicht um eine „Defensivtaktik“ sondern um eine „defensive Grundausrichtung“!!!
    Das ist für mich nicht das Gleiche!!!

    Eine Taktik kann man zur Not sogar mitten in einem Spiel ändern, zB durch Einwechslungen, oder andere taktische Anweisungen!!!

    Eine Grundordnung dagegen ist etwas Prinzipielles, etwas was man vor einer Saison, oder vor großen Turnieren festlegt!!!
    Das hängt natürlich auch immer davon ab, was für Spielerinnen man zur Verfügung hat!!!

    Die Ösies sind in der Qualifikation zur EM bestimmt nicht mit dieser defensiven Grundordnung zu Werke gegangen!!!
    Ich weiß jetzt nicht, gegen wen sie gespielt haben, aber sie waren dort bestimmt nicht immer der Underdog!!! 😉
    Somit mußten sie zwangsläufig eine andere Strategie wählen als ein 5-4-1!!!

    Hier in Holland waren sie dagegen der krasse Außenseiter, gegen jeden Gegner!!!
    Nur gegen Island hatten sie ihre defensive Grundausrichtung etwas gelockert!!!

    Eine defensive Grundausrichtung der DFB-Elf wäre ja schon daran gescheitert, daß wir gar nicht genügend gute Abwehrspielerinnen in Deutschland haben!!!
    Zudem hatte Steffi Jones ja schon vor der EM sehr deutlich gesagt, daß sie „zu Gunsten einer größeren Spielfreude“ auch gerne ein paar Gegentore in Kauf nimmt!!!
    Das Blöde ist nur, daß man dann auch genügend eigene Tore schießen muß, was uns ja leider nicht gelungen ist!!! 🙁

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  • Karl sagt:

    Irgendwie muss ich da was falsch in Erinnerung haben. Klar sind die damals bei der Heimwm im Viertelfinale gegen den spaeteren Weltmeister Japan rausgeflogen, aber gewehrt haben sie sich schon. Das war damals eine Mischung aus Abschlusspech und individuellen Fehlern in der Abwehr, aber trotzdem waren die doch um Klassen besser als der Chaotische Haufen bei dieser EM.
    Bei der EM haben die mich eher an eine Handballmannschaft erinnert, die immer vor dem Kreis den Ball hin und her schuerbelt , bei Ballverlust war dann, wenn sich der Gegner nicht total dumm anstellte, fast immer ein Gegentor faellig, die Abwehr bestand nur aus Schult. Wenn man den Ball dann zufaellig in der eigenen Abwehr eroberte dann lief keine auf das gegnerische Tor zu, sondern sicherte den Ball erstmal im Mittelkreis um zu warten bis sich die gegnerische Abwehr wieder sortiert hatte….

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  • sangokaku sagt:

    @Karl, kann dir leider nur zustimmen.
    Es heißt immer so schön (auch gestern wieder bei dem Grindel-Interview in HZpause) „dass die Anderen aufgeholt haben“, was sicherlich richtig ist.
    Dass das deutsche Team aber seit Jahren leistungsmäßig immer mehr abbaut wird dabei nicht angetastet.
    Der Zug, die Power und der Spielwitz für den diese Mannschaft einmal stand ist völlig verloren gegangen.
    Von diesem Selbstbewußtsein ist nur noch ein verunsicherter Haufen übrig geblieben, und das Spiel gegen Dänemark, quasi ein (weiteres) i-Tüpfelchen verausgegangener Darbietungen, spricht für sich selbst …

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