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2015

ÖFB-Frauenliga: Endgültige Wachablöse oder Mehrkampf?

Nach zwölf Titeln in Folge für den SV Neulengbach gelang dem FSK St. Pölten-Spratzern in der Vorsaison das schier Unglaubliche: Mit 17 Siegen und einem Remis sowie einem imposanten Torverhältnis von 85:8 entthronten die Niederösterreicherinnen den Serienmeister. Doch kann der Neo-Meister den Abgang seiner beiden treffsichersten Stürmerinnen verkraften? Die Konkurrenz liegt auf der Lauer.

Mit laut St.Pöltens Cheftrainer Hannes Spilka „unvergleichlichem Teamspirit und hoher Professionalität“ fand das Team in der vergangenen Saison den Schlüssel zum Meistertitel – nur vier Jahre nach dem Aufstieg in Österreichs höchste Frauenfußball-Liga. Und auch im ÖFB-Cupfinale behielt St. Pölten-Spratzern gegen den Dauerrivalen mit 4:3 die Oberhand.

Sturm-Duo Billa/Makas wechselt nach Deutschland Großen Anteil an der Ausbeute von 85 Toren hatte die 19-jährige Torschützenkönigin Nicola Billa, die 27 Tore schoss, zur neuen Saison sich aber der TSG 1899 Hoffenheim in der Allianz Frauen-Bundesliga anschloss. Die sportliche Allrounderin und Junioren-Doppelweltmeisterin im Kickboxen (2008 und 2010) ist aber der nicht der einzige hochkarätig Abgang. Denn auch die 23-jährige Sturmpartnerin Lisa Makas (20 Tore) spielt in der kommenden Saison in Deutschland für den SC Freiburg. Dazu wechselt Sophie Maierhofer zum Bundesliga-Aufsteiger SV Werder Bremen.

Können die hochkarätigen Abgänge kompensiert werden? Gleichwertigen Ersatz für den Substanzverlust hofft der neue Meister bereits gefunden zu haben: nach der torgefährlichen Slowenin Mateja Zver und der aus ihrer früheren Bundesliga-Zeit beim TSV Crailsheim bekannten Ungarin Fanny Vágó wurde die erst 16-jährige Viktoria Pinther vom Ligakonkurrenten SKV Altenmarkt als neue Nummer 9 verpflichtet. Sie gilt als Knipser-Talent, das sowohl in der ÖFB-Frauenliga als auch der U19-Nationalelf auch minimale Torchancen kaltblütig zu nutzen weiß. Ergänzt wird der Sturm durch die ungarische Nationalspielerin Lilla Sipos, die vom italienischen Verein ASD CF Bardolino kommt und bereits 2013 in der Liga für den FC Südburgenland spielte.

Auf dem Weg zum Halb-Profitum Auch die Abwehr wurde mit der Slowakin Alexandra Biroova (Neulengbach) und Torhüterin Roxana Mikaela Oprea ( Amazones Dramas AS, Griechenland) verstärkt. Mit dem Kader hofft der optimistische Spilka auch für die internationalen Auftritte gerüstet zu sein. „Der Sprung unter die Top 16 in der Champions League sollte drinnen sein.“ Trotz Hauptsponsor Simacek, einer Wiener Reinigungsfirma, ist aber nicht das große Geld im Spiel, denn Frauenfußball ist in Österreich Amateurfußball, die Spielerinnen erhalten lediglich Aufwandsentschädigungen. Einige meinen dennoch, dass sich St. Pölten-Spratzern in Richtung „Red Bull des österreichischen Frauenfußballs“ entwickelt. Gearbeitet wird jetzt schon recht professionell, auch wenn Spilka lieber öfter als drei- bis viermal rund zwei Stunden pro Woche im Sportzentrum Niederösterreich trainieren würde. „Wir haben super Strukturen“, sagt er.

Neulengbach baut Kader um Auch Dauerrivale SV Neulengbach hat einen personellen Umbruch zu verkraften. Insgesamt verließen 15 Spielerinnen den Verein, von denen es einige ebenfalls in die deutsche Bundesliga zog. So wechselten Nina Burger, Dominika Skorvankova und Jana Vojtekova allesamt zum SC Sand. Die Liste der Abgänge ist länger als je zuvor. Nach dem Rückzug des langjährigen Hauptsponsors Alexander Beer steht nur ein gekürztes Budget zur Verfügung, so dass der neue Trainer Tito Spindler seine Aufgabe unter erschwerten Bedingungen antritt. Mittlerweile wurde der Kader mit den ÖFB-Nationalspielerinnen Katja Trödthandl (Landhaus) , Melissa Abiral (Altenmarkt), Birgit Gumpenberger , Lisa Zmek (Südburgenland) und der malawischen Teamkapitänin Chisomo Kazisonga (Conduit Soccer Academy, Simbabwe) sowie einigen Talenten aufgefüllt, womit das aktuelle Aufgebot 23 Spielerinnen umfasst.

Sturm Graz als Zünglein an der Waage? Nicht zuletzt durch den Zugang der bundesligaerfahrenen Spitzenspielerinnen aus Neulengbach (Natascha Celouch, Daniela Tasch, Claudia Wasser und Tina Charwat) wird in der kommenden Saison das Ensemble aus Graz sehr stark zu beachten sein. Zusätzlich haben sich die beiden Kärntner U19-Nationalspielerinnen Katharina Naschenweng und Anna Malle den Grazerinnen angeschlossen, außerdem Emily Cancienne (Dinamo Zagreb). Neben Wacker Innsbruck wird in Österreich nur das Frauenteam von Sturm Graz vom Männer-Trägerverein maßgeblich unterstützt, womit eine hervorragende Infrastruktur gegeben ist. Nicht mehr für Sturm wird das Trio Sandra Jovanovic, Anja Milenkovic und Urska Zganec aktiv sein, das den Lokalrivalen LUV Graz verstärkt. Ebenfalls abgewandert sind Jelena Nikolic, Carmen Oberreßl und Mihaela Pavlek.

LUV Graz: Steirer-Power Teil 2 Ebenfalls um die Spitzenplätze wird der zweite steirische Bundesligist kämpfen, der ebenfalls aus Graz stammt. Außer den drei erwähnten Ex-Sturm-Spielerinnen wurden auch Isabela Kresche (Neulengbach), Kaja Erzen (Carinthians Soccer Women) und Manja Benak (Ferencvaros Budapest) engagiert. Die routinierte Torhüterin Sarah Grossmann beendete ihre Karriere, Valentina Stipancvecic wechselte zum ZNK Pomurje (Slowenien), Anna Tauschmann zu Ottendorf.

Wacker Innsbruck: Talente stehen im Focus! In den vergangenen Jahren konnten sich die Tirolerinnen stets im Vorderfeld platzieren, obwohl immer wieder Talente dem Klub abgeworben wurden. So könnte auch in der kommenden Saison ein gesicherter Mittelfeldplatz winken, wenn die Abgänge von Maria Hasler, Jasmin Pal und Valentina Schwarzlmüller kompensiert werden können. Torhüterin Jasmin Pal wird künftig für den BV Cloppenburg in der 2. Bundesliga Nord in Deutschland aktiv sein, wo zuvor schon die Österreicherinnen Jasmin Eder, Virginia Kirchberger und Verena Aschauer erfolgreich wirkten.

Endgültige Wachablöse oder Mehrkampf? Durch das überaus rege Transfergeschehen kann noch nicht wirklich beurteilt werden, ob Meister St. Pölten-Spratzern einen ähnlichen Erfolgsrun starten kann wie Neulengbach mit 12-jähriger „Hegemonie“. Trotz des derzeitigen „Vize“-Status Neulengbachs ist der Ex-Meister für die nächste Saison keineswegs abzuschreiben. Die wiederum knappe Niederlage im Cupfinale und auch die beiden 0:1 und 1:2-Niederlagen in der abgelaufenen Meisterschaft deuten darauf hin. Außerdem werden in erster Linie die beiden Grazer Vereine versuchen, die Vorherrschaft Niederösterreichs zu brechen. Sehr zu beachten wird nach der Papierform der SKV Altenmarkt sein, die übrigen Teams können jederzeit zwischen Rang 4 und Rang 10 landen.