USA nach Galavorstellung neuer Weltmeister

Von am 6. Juli 2015 – 2.59 Uhr 31 Kommentare

Die USA haben zum ersten Mal seit 1999 den Titel bei der Frauenfußball-WM geholt. Im Finale gegen Japan spielten sich die Amerikanerinnen gleich zu Beginn in einen wahren Torrausch. Carli Lloyd war mit drei Treffern überragende Akteurin bei der gelungenen Revanche für die Final-Niederlage vor vier Jahren.

Vor 53 341 Zuschauern im ausverkauften BC Place Stadium in Vancouver feierten die USA einen 5:2 (4:1)-Sieg. Carli Lloyd (3., 5., 16.), Lauren Holiday (14.) und Tobin Heath (54.) erzielten die Treffer für die Amerikanerinnen, für Japan trafen Yuki Ogimi (27.) und US-Spielerin Julie Johnston per Eigentor (52.).

Schnellste Treffer der Finalgeschichte
Die Amerikanerinnen erwischten einen Traumstart, wie ihn kein Hollywood-Drehbuch hätte besser schreiben können. Nach einer Ecke von Megan Rapinoe spritzte Carli Lloyd mit geschicktem Laufweg in den Ball und erzielte die frühe Führung (3.). Und kaum zwei Minuten später trat Lauren Holiday einen Freistoß halbhoch nach innen, wieder war die japanische Abwehr bei der eher flachen Hereingabe im Tiefschlaf und erneut war Lloyd zur Stelle (5.). Es waren die zwei schnellsten Tore in einem WM-Finale aller Zeiten.

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Die USA bejubeln den ersten WM-Titel seit 16 Jahren. © Nora Kruse, ff-archiv.de

Die USA bejubeln den ersten WM-Titel seit 16 Jahren. © Nora Kruse, ff-archiv.de

USA im Torrausch
Das Stadion traute seinen Augen nicht, als Holiday nach einem Querschläger von Azusa Iwashimizu mit einem Volleyschuss in den Winkel das 3:0 erzielte (14.), noch nicht einmal eine Viertelstunde war gespielt. Und nur Augenblicke später standen die US-Fans richtig Kopf, als Lloyd mit einem famosen Distanzschuss fast von der Mittellinie den vierten US-Treffer erzielte, Japans Torhüterin Ayumi Kaihori stand zu weit vor ihrem Tor (16.). Fast hätte die überragende Lloyd per Kopf gar ihren vierten Treffer erzielt (18.).

Solo und Angerer teilen sich Rekord
Die Amerikanerinnen blieben weiter am Drücker, Alex Morgans Schuss hielt Kaihori sicher (25.). Doch Japan gab sich nicht geschlagen, Yuki Ogimi verkürzte mit einem Drehschuss nach Flanke von Nahomi Kawasumi, die US-Verteidigerinnen Meghan Klingenberg und Julie Johnston sahen ausnahmsweise nicht gut aus (27.). Damit wurde US-Torhüterin Hope Solo erstmals nach 540 Minuten wieder bezwungen, genauso lang wie Nadine Angerer bei der WM 2007. Die Japanerinnen fassten nun etwas Mut, Aya Miyama prüfte Hope Solo (30.), insgesamt war das Spiel bis zur Pause ausgeglichener.

Japan beweist Moral
organ Brian setzte nach Vorarbeit von Lloyd den ersten Akzent der zweiten Halbzeit, Kaihori lenkte den Ball mit einer Faust übers Tor (50.). Japan sich aber nicht geschlagen. Einen weiten Freistoß von Miyama lenkte Johnston per Kopf ins eigene Tor (52.), das Spiel schien eine neue Dramturgie zu bekommen, doch nach Vorarbeit von Morgan stellt Tobin Heath postwendend den Abstand wieder her (54.). Rumi Utsugi versuchte es mit einem Distanzschuss, der knapp am Tor vorbeistrich (62.), auf der Gegenseite ließ Alex Morgan ihre Klasse bei einem Drehschuss aufblitzen (63.). Japans Moral war weiter bemerkenswert, die eingewechselte Yuika Sugasawa versuchte es per Kopf, doch Solo hielt (76.). Abby Wambach und Christie Rampone kamen in die Partie, die USA spielten die Partie nach Hause.

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Markus Juchem (50) schreibt seit 2003 über Frauenfußball, für Medien wie Womensoccer.de, UEFA.com, FIFA.com, DFB.de, FAZ, NZZ und Kicker.

31 Kommentare »

  • gerd karl sagt:

    tolle arbeit der fifa und von concacaf.
    alle medien vertreter sind auf die fake gruppe des todes hereingefallen.
    usa, nigeria, schweden, brasilien, das diese drei mannschaften die usa nicht vordern war klar, die usa konnten sich sehr sehr schonend durch die gruppe spielen, dann kamen kolumbien und china die locker weggeputzt wurden.
    erst im halbfinale kam ein schwerer brocken auf die amerikanerinnen zu, nämlich deutschland, das aber durch gute planung der fifa und der concacaf, nord und mittelamerikanischer fussball verband, schon geschwächt aus ausgepowert war.
    denn die deutsche mannschaft hatte mit schweden und frankreich starke gegner, bei den schwedinnen körperlich, zwei sehr starke gegner die viel kraft gekostet haben.

    jetzt sagen viele warum sollte die fifa und die concacaf dies tun, ganz einfach, der frauenfussball markt in nordamerika ist für die fifa wichtig und für die concacaf, ussf gehört dazu, ist es wichtig das die nwsl die amerikanische profiliga gestärkt wird.
    mein beweis, 9 fifa funktionäre wurden verhaftet, alle 9 gehören der concacaf an, jeffrey webb der ehemalige präsident der concacaf ist einer von ihnen.

    im übrigen ist auch vielen amerikanischen medien vertretern der unterschiedliche schwierigkeitsgrad der uswnt und des deutschen teams zum finale aufgefallen.

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  • Andreas N. sagt:

    Interessant fand ich im gestrigen Finale die Parallelen zu einem Halbfinale der Männer-WM 2014. Zwei Lawinen innerhalb einer Viertelstunde (oder innerhalb 20 Minuten), die durch einen Eckball vom Reißbrett ausgelöst wurden. Bei beiden Eckbällen (2014: Kroos auf Müller; 2015: Rapinoe auf Lloyd) spielten mindestens vier weitere Mitspieler der eigenen Mannschaft eine genauso entscheidende Rolle wie Torschütze und Assist, nämlich die, die durch ihre – geplanten – Laufwege und „Standorte“ (Sperren) erst den Weg für Pass und Torschützen freimachten. Ebenso selten: zwei Tore nach Eckbällen, die mit dem Fuß erzielt wurden.

    Man kann also Standards planen, üben und dann auch in der Praxis erfolgreich anwenden. Viele andere Standards waren bei der WM ansonsten relativ altbacken.

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  • waiiy sagt:

    Glückwunsch an die USA zum Titelgewinn! Sie haben es absolut verdient und haben ihren Fußball am besten umgesetzt!

    Ich kann die Leute verstehen, die gern aufregenderen Fußball mit moderner Taktik sehen wollen. Aber man muss deutlich sagen, dass Fitness, Technik und vor allem die Einstellung die Grundlagen für jeden Fußball sind. Und wer da seine Hausaufgaben nicht macht, wird von den USA bei großen Turnieren immer bestraft, weil dieses Team dies absolut verinnerlicht hat und dazu seine unendliche Erfahrung voll ausspielt.

    Und da darf man auch jetzt nicht jammern, dass man lieber Fußball à la Frankreich sehen will. Frankreich hat die Hausaufgaben nicht gemacht und sich nur auf die Technik verlassen. Bei Deutschland haben Taktik und vor allem Einstellung versagt. Jeder wusste, wie die USA spielen und trotzdem wurde nichts dagegen unternommen.

    Japan war körperlich einfach zu schwach und mental falsch aufgestellt im Finale. Das änderte sich erst mit der Einwechslung von Sawa, die richtiggehend sauer war für eine zurückhaltende Japanerin, genauso wie dann auch Ogimi. Alle anderen haben sich überrollen lassen.

    Wenn die Mannschaften, die von den technischen und taktischen Voraussetzungen sich nicht auf die grundlegenden Sachen besinnen und diese pflegen, wird das nächste Finale zu Recht USA – England heißen, weil man dann allein mit körperlicher Fitness und eine aggressiven Grundeinstellung jedes Spiel gewinnen kann.

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  • egjowe sagt:

    @Karl

    Für ihre Siege 1924 und 1928 bei den olympischen Spielen
    gab es jeweils auch einen Stern, weil vor 1930
    noch keine Weltmeisterschaften ausgetragen wurden.
    Das Trikot hat 4 Sterne.

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  • Zaunreiter sagt:

    @Jan: Deine Sterne-Statistik halte ich für Firlefanz. Warum das bisher noch niemand geschrieben hat, weiß ich nicht. Aber „wir“, also Deutschland, brauchen kein Trostpflaster.
    Wir wollten doch mal weg von der Sichtweise, dass alles eine Sportart ist. Deshalb gibt es den Fußball, der von Männern gespielt wird und den, der von Frauen gespielt wird.

    Ich fand es gut, dass Französinnen und Engländerinnen ohne den Stern auf der Brust, der von ihren jeweiligen Männern errungen wurde, gespielt haben. Die Norwegerinnen trugen den ihren und die beiden bei Deutschland und den USA. Selbst die Spanierinnen haben auf den Stern ihrer Männer verzichtet. Die einzigen, die mit den fünf Sternen aufliefen, waren die Brasilianerinnen. Warum auch immer.
    Und die norwegischen Männer laufen bei ihren Länderspielen ja auch sternelos auf.

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  • Hitzfeld09 sagt:

    PS: Es gibt nach den drei letzten, enttäuschenden Auftritten nun eine bisher nicht gekannte mediale Aufmerksamkeit für die Zukunft des dt. Frauenfußballs, dokumentiert auch durch die Süddeutsche Zeitung:

    https://www.sueddeutsche.de/sport/fussball-wm-der-frauen-visionaere-gefragt-1.2553716

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  • egjowe sagt:

    @Hitzfeld09
    Der Artikel gefiel mir gestern beim Stöbern nach Artikeln
    und Kommentaren über unsere Mannschaft auch am besten.
    Sachlich und auf den Punkt kommend.

    Ich hatte mir gestern noch einmal einige Spielabschnitte
    es Endspiels aus meiner Aufzeichnung angesehen.
    Dabei fiel mir sehr positiv auf, wie der japanische Trainer
    seine Mannschaft (selbst) nach dem 0:4 umstellte und einstellte.
    Und nicht ratlos an der Seitenlinie hin und herlief.

    Es zeigte Wirkung und vor allen Dingen,
    er hatte aus der Situation heraus einen Plan B entwickelt.
    Dann noch Sawa, die ihre Spieleinnen mitriss, um sich gegen
    das Unvermeidliche zu stemmen.
    Selbst nach dem schnellen 2:5 machten sie weiter und ihre eigentliche Stärke, das Kombinationsspiel, wurde immer sicherer und besser.
    Damit bauten sie noch einmal enormen Druck auf, der trotz etlicher gut herausgespielter Torchancen nicht zum Erfolg führte.
    Ein Tor 20 Minuten vor Ende der Partie hätte diese noch einmal kippen lassen können.
    Die Japanerinnen haben (leider erst) nach dem 0:4 zu ihrem besten Spiel in diesem Turnier gefunden.
    Für mich werden sie in den Medien viel zu schlecht bewertet.
    Liegt wohl letztendlich doch am Endergebnis.
    Hätte nach den Chancen in den letzten 30 Minuten auch 4:5 oder besser enden können.
    Ich gratuliere den Japanerinnen zu dieser Leistungssteigerung und ihrer Einstellung, niemals aufzugeben.
    Dank eines innovativen Trainers, der früh (nach 30 Minuten) die richtigen Schlüsse gezogen hat, auch wenn schon zu diesem Zeitpunkt der Spielstand bereits Aussichtslosigkeit signalisierte.

    Die Schiedsrichterin Monzul hat mich mal wieder aufgeregt mit ihren kleinlichen Korrekturen bei Freistößen, Ecken und Einwürfen.
    Nochmal einen halben Meter zurück oder ihr dürft euch nicht umarmen !
    Vielleicht hat sie Bedenken, dass sie keiner bemerkt,
    obwohl das dann immer die besten Schiedsrichterinnen sind.
    Erinnert sich noch jemand an die Schiedsrichterin im Spiel Deutschland-Thailand??
    Wahrscheinlich nicht, weil vollkommen unauffällig und damit sehr gut.

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  • Carly B sagt:

    Die hier mehrfach erhobenen Manipilations- und Verschwörungstheorien sind für mich nicht nachvollziehbar. Nimmt man die letzten Meisterschaften als Grundlage spielen M.E. bei “ normalen “ Ergebnissen während der Gruppenphase
    in einem Pool Japan (Weltmeister), Schweden (WM-Dritter), Kanada (Halbfinale OL) und Norwegen( EM-Zweiter)
    und in dem zweiten Pool USA( WM-Zweiter u. OL-Sieger), Frankreich (WM-Vierter und Ol-Halbfinalist) sowie Deutschland (EM-Sieger).
    Ich sehe da nominell keine gravierende Unterschiede auf dem Weg zum Endspiel.

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  • Jan sagt:

    @egjowe: Dass Asiaten nie aufgeben, war schon häufig zu bestaunen.

    @Zaunreiter: Wieso sollen Männer- u. Frauenfußball denn unterschiedlich sein? Bei beiden gelten (inzwischen) dieselben Regeln. (Früher dauerte ein Frauenfußballspiel 80 Min.) Im Eishockey u. Baseball/Softball hingegen gelten abweichende Regeln.

    Nach Deiner verqueren Logik – partout zwischen Männer- u. Frauensportarten zu trennen – müssten Mixed-Wettbewerbe (z.B. im Tennis od. Biathlon) ja wiederum eine völlig neue Sportart darstellen. So ein Quatsch. Ich finde, da sollte Dein Feminismus, der Dir gegönnt sei, nicht übers Ziel hinaus schießen.

    Und wieso soll man Sterne nicht mal unkonventionell addieren dürfen? Denn es zeigt Deutschlands Qualität, als einziges Land bei Frauen UND Männern Sterne geholt zu haben – und das sogar jeweils mehrfach! – Frage: Welchem Land traut Ihr das am ehesten als nächstes zu? (Ich: vllt. Frankreich 2019?)

    Normalerweise tragen die Männer ihre Sterne, und die Frauen die ihren. Nur eben Brasilien handhabt es (bisher noch) anders. Glaub‘, Norwegen trug bei der WM 2015 zum 1. Mal einen Stern, oder?

    Und wer wie Zaunreiter der Meinung ist, Deutschland brauche kein Trostpflaster, darf gerne weiter auf der dt. Frauen-Nationalmannschaft rumhacken. Ich hab jedenfalls mal gelernt, dass man auf Jemanden am Boden liegenden nicht länger rumtrampeln soll. Oder habt Ihr gesehen, ob auf Lavogez, Bassett, Iwashimizu, Kaihori, Sasic od. Kemme “rumgetrampelt“ wurde? – oder ob sie getröstet werden mussten?

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  • egjowe sagt:

    @CarliB

    So kann man das natürlich auch verdrehen.

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  • Zaunreiter sagt:

    @Jan: Ich hacke nicht auf der deutschen Nationalmannschaft herum. Ohne die hätte ich mich nicht seit 2007 mit dem FF beschäftigt. Aber wie das halt so ist: Wo viel Licht ist, ist auch viel Schatten. Und im Laufe dieser Zeit habe ich so einiges an Schatten gesehen.
    Wenn ich denn herumhacke – so wie du das bezeichnest – dann kritisier ich das Arbeitsverhalten der Golfspielerin aus dem Siegerland. Das grenzt übrigens an meinen hessischen Heimatkreis.
    Mein Trostpflaster sähe so aus. Silvia Neid und ihre Schwestern im Geiste überlassen den Frauenfußball und die dazugehörige Jugendarbeit anderen Personen. Das würde Innovationen bringen. Sieht man ja auch in England, wo Hope Powell vor die Tür gesetzt wurde. Und hoffentlich begreift man das auch in Spanien. Frankreich ist zu Bergeroos Zeiten besser als noch unter Bini.
    Dann wäre auch Schluss mit diesen seltsamen Ehrencodices. Der Weg dieser Codices ist mit vielen hoffnungsvoll gewesenen jungen Spielerinnen gepflastert. Für diese Frauen sollte jeden Abend eine Kerze im Fenster aufgestellt werden. Nur hab ich leider nicht so viele Fenster.
    Und so lange eine Silvia Neid in Amt und Würden ist, so lange unterstütze ich eben nicht die deutsche Frauen-Natio. Da halte ich es doch lieber aus meiner francophilen Neigung mit Frankreich. Oder mit der Schweiz, den USA oder England.

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