USA gegen Deutschland: die Einzelkritik

13

Die deutsche Frauenfußball-Nationalelf hat im Halbfinale der Frauenfußball-WM in Kanada nicht unverdient verloren. Dabei scheiterte die DFB-Elf an ihrer mangelnden Kreativität beim Herausspielen von Torchancen.

Nadine Angerer: An der DFB-Torhüterin lag es nicht, dass die DFB-Elf den Einzug ins WM-Endspiel verpasste. Mit starken Paraden gegen Julie Johnston, Megan Rapinoe und Alex Morgan bewahrte sie ihr Team schon in der Anfangsphase früh vor einem Rückstand. Bei den Gegentreffern war sie machtlos.

Note: 2

Leonie Maier: Brachte sich früh mit der Gelben Karten nach einem Foul an Megan Rapinoe in Schwierigkeiten und hatte Glück, dass sie nach einem Ellbogeneinsatz nicht die Gelb-Rote Karte sah. Bekam die Amerikanerin nie richtig in den Griff. Konnte auch in der Vorwärtsbewegung kaum Akzente setzen. Kämpfte aber verbissen.

Note: 4

Annike Krahn: Viel Schatten, wenig Licht. Ließ sich immer wieder von Alex Morgan düpieren, etwa als diese sie mit dem Ball überlupfte. Die Abwehrchefin bekam die quirlige Amerikanerin nie unter Kontrolle. Ihr Foul an Morgan führte zum Elfmeter, aus dem das 0:1 entstand. Beim zweiten Gegentreffer sah sie erneut schlecht aus.

Note: 5

Saskia Bartusiak: Wirkte aufgrund der starken US-Offensive nicht so abgeklärt wie sonst, stand individuell aber nicht so im Rampenlicht wie Krahn. Konnte ihre Innenverteidigungspartnerin aber auch nicht wirklich entlasten.

Note: 4

Tabea Kemme: War in der ersten Halbzeit eine der besseren deutschen Spielerinnen, aber zu sehr mit Abwehraufgaben gebunden, um sich gezielter ins Offensivspiel einzuschalten. Hielt aber mit ihrer physischen Stärke gut dagegen. Beim zweiten Gegentreffer kam sie gegen Kelly O’Hara zu spät.

Note: 4

Lena Goeßling: Versuchte zu Beginn, das Spiel an sich zu reißen und arbeitete stark im Pressing. Leistete sich aber auch Fehlpässe, lief sich zu oft fest und deutete nur selten ihr kreatives Potenzial an. Ließ in der zweiten Halbzeit nach und gab zu wenig Impulse nach vorne. Auch ein Grund, warum das Pendel in Richtung USA ausschlug.

Note: 4       

Melanie Leupolz: War zwar gewohnt laufstark und arbeitete gut gegen den Ball, verlor diesen aber auch viel zu häufig und verstrickte sich teil in unnötige Zweikämpfe, anstatt den Ball früher abzugeben. Lud durch ihre Fehler teils die US-Spielerinnen zu gefährlichen Angriffen ein. Wie gegen Frankreich eine der Schwächeren im Team.

Note: 4,5

Simone Laudehr
Simone Laudehr im Zweikampf c Nora Kruse / ff-archiv.de

Simone Laudehr: Der Frankfurter Mittelfeldspielerin war von Beginn an die Extramotivation anzusehen. Rackerte auf der Außenbahn wie ein Berserker und war gewohnt konditionsstark. Richtig durchsetzen konnte sie sich aber n den 1:1-Duellen so gut wie nie.

Note: 3,5

Anja Mittag: Wie schon gegen Frankreich lief das Spiel in weiten Teilen an der Mittelfeldspielerin vorbei. Versuchte es ab und an mit Distanzschüssen, aber auch sie fand keine Mittel, Lücken in die gegnerische Defensive zu reißen. Hatte aber einige wenige ordentliche Chancen, etwa bei einem Kopfball anfangs der zweiten Halbzeit.

Note: 4

Alex Popp: Eines der besseren WM-Spiele der Wolfsburgerin. Hatte in der Anfangsphase eine gute Chance und lief auf der Außenbahn hoch und runter und ließ sich auch durch eine klaffende Platzwunde nach einem Zusammenprall mit Morgan Brian nicht aus der Ruhe bringen. Stand im Mittelpunkt, als ein Foul an ihr zum Elfmeter führte.

Note: 3

Célia Sasic: War zwar bemüht, lief sich aber immer wieder in der gegnerischen Defensive fest. Schaffte es in den Zweikämpfen nicht, sich durchzusetzen. Ließ sich offenbar von den Psychospielchen Hope Solos anstecken, als sie den Elfmeter verschoss und somit die Führungschance vergab.

Note: 5

Dzsenifer Marozsán: Kam viel zu spät erst in der 77. Minute und konnte dem Spiel keine wesentlichen Impulse mehr geben. War aber für eine Benotung zu kurz auf dem Platz.

FRAUENFUSSBALL - Weltmeisterschaften 1991 bis 2019: Enzyklopädie des Sports
1 Bewertungen
FRAUENFUSSBALL - Weltmeisterschaften 1991 bis 2019: Enzyklopädie des Sports
  • Roland M. Weissbarth
  • Herausgeber: Independently published
  • Taschenbuch: 272 Seiten

Letzte Aktualisierung am 9.10.2019 / * = Affiliate Links / Bilder von der Amazon Product Advertising API

13
Hinterlasse einen Kommentar

avatar
13 Kommentar-Themen
0 Themen-Antworten
1 Follower
 
Kommentar, auf den am meisten reagiert wurde
Beliebtestes Kommentar-Thema
12 Kommentatoren
Oskar Walteregjowewaiiynever-restMatzeM Neueste Kommentartoren
  Abonnieren  
neueste älteste meiste Bewertungen
Benachrichtige mich bei
FFFan
FFFan

Die Noten finde ich diesmal recht gut getroffen. Außer N.Angerer hat keine deutsche Spielerin überzeugen können. A.Popp kommt vielleicht etwas zu gut weg: hat zwar den Elfmeter herausgeholt, aber sonst wenig bewirkt; negativ fiel auf, dass sie mit rechts keine Flanken schlagen kann.

dummkopf
dummkopf

Na mal kurz vorab. Man kann die Spielerinnen schon anhand ihrer Aufgaben bewerten. Je nach Ausrichtung hat eine „6“ zunächst einmal die Aufgabe, die gefährlichen Räume vor der Abwehr abzuschirmen und dort den Gegner nicht zur Entfaltung kommen zu lassen, zu schiessen, das Spiel aufzuziehen, oder gefährliche Anspiele in die Spitze spielen zu lassen. Das wurde recht gut und erfolgreich gemacht. (Der „spielmachende“ Aufgabenbereich ist hier zu umfangreich zu beschreiben, wurde aber nicht so gut wie die Defensivarbeit gemacht) Eine offensive Mittelfeldflügelspielerin hat zunächst einmal die Aufgabe, von ihrer Seite für Torgefahr zu sorgen, entweder indem sie selber durchbricht und… Weiterlesen »

Fuxi
Fuxi

Ich glaube, wir wissen, warum Sasic weiterspielen durfte und Mittag raus musste. Wo sitzt der DFB? Wo spielt Sasic? Wo spielte Mittag nie? Wer ist Neids Liebling? Tut mir leid, aber so einfach ist es. Aber das ist ja nicht neu. Davon ab: Es muss im deutschen Frauenfußball insgesamt ein Umbruch stattfinden, sowohl von der Spielanlage und Idee als auch personell. Krahn und Bartusiak sind schlicht zu langsam für die Weltspitze. Im Zweikampf sind sie okay, aber sie kommen zu selten ins Tackling rein. Die Doppelsechs hätte Struktur reinbringen müssen, fällt aber im gesamten Turnier eher durch Fehlpässe auf. Dass… Weiterlesen »

translate
translate

Sehr stimmige Bewertung!

H2O
H2O

Hallo,

es fehlt noch:

Siliva Neid:
Schlechte Vorbereitung des Teams auf die Gegnerinnen. Die erste HZ liefen die Deutschen den Amerikanerinnen nur hinterher. Besser nach der zweiten Halbzeit aber nach dem Gegentor kamen keine Impulse um zurückzukommen. Konnte Ihrem Team nicht helfen sich besser auf die USA einzustellen. Wechselte sehr lange nicht, obwohl einige Spielerinnen keinen Bindung zum Spiel fanden. Wirkte hilflos und überfordert.
Note 5

frauenfußball-versteher
frauenfußball-versteher

Alex Popp ’ne Note 3? Eher auch eine 4

pinkpanther
pinkpanther

Stimme mit den Notenlevels grundsätzlich überein, Popp=ist ne Fleißnote … mehr nicht.
Es fehlt: Silvia Neid: Note 5,5
Keine 6, weil sie immerhin noch auf die Idee kam eine (viel zu späte) Einwechslung vorzunehmen

MatzeM
MatzeM

@pinkpanther: Du glaubst doch nicht ernsthaft, dass die Einwechslung vom Maro situationsbedingt war. Das war mit Sicherheit vorher geplant. Sonst hätte sie bei Rückstand die Offensive gestärkt, aber der Wechsel war ja positionell 1:1. Ansonsten kann man SN nur Realitätsverlust (Interviews hinterher) und Ratlosigkeit attestieren. Also Note 5,5 ist noch zu gut…

never-rest
never-rest

Die Noten von WS geben in etwa die bescheidenen Leistungen der Mannschaft – Angerer ausgenommen – wieder. Warum nicht gleich so nach dem nicht minder schlechten Spiel gegen Frankreich. Diese ganze Schönfärberei auch nach mit mehr Glück als Können gewonnenen Spielen geht mir gehörig gegen den Strich. Diese Selbstzufriedenheit der Mannschaft und insbesondere der Trainerin, beispielhaft ihr Kommentar nach der Niederlage gegen die USA, hilft überhaupt nicht weiter. Es muss auch mal knallen in der N11, wenn es nicht läuft. Anlass genug gab es schon nach den vorangegangenen Spielen. Bis auf eine Halbzeit gegen Norwegen und das Spiel gegen desolate… Weiterlesen »

waiiy
waiiy

Ich stimme Dummkopf zu: die defensiven Spielerinnen werden oft zu sehr nach ihren offensiven Nebenaufgaben bewertet und man wundert sich dann, dass sie dabei schlecht wegkommen. Aber dies ist auch damit zu erklären, dass die Berichterstattung und die Aussagen des Trainerteams genau das immer wieder hervorheben. Da wird davon gesprochen, wie wichtig Goeßling/Leupolz für den Spielaufbau sind, wie gute Kemme/Maier in der Offensive Impulse setzen und wie schlecht Krahn in der Spieleröffnung ist und wie gute Fußballer doch unsere Torhüter sind. Der Fakt ist, dass das defensive Team erstmal den eigenen Kasten dicht machen soll. Und wenn das gegen die… Weiterlesen »

egjowe
egjowe

@fuxi
Was Alex Popp anbelangt, sollte sie mal auf der Position von Sasic spielen.
2010 bei der U-20-WM war das sehr erfolgreich mit 10 Treffern im Turnier.

@never-rest
Was das Umfeld der Mannschaft anbelangt, habe ich im Kommenmtar zum Leitartikel schon geschrieben.
Stimme dir zu !!

egjowe
egjowe

@fuxi
Was Alexandra Popp anbelangt, sollte sie mal auf der Position von Sasic spielen.
Hat bei der U20-WM 2010 schon prima geklappt, 10 Tore im Turnier.

@never-rest
stimme dir zu.
Ähnliches habe ich in meinem Kommentar zum Leitartikel angemerkt.

Oskar Walter
Oskar Walter

Da sich fast alle Kommentatoren einig sind, was die Trainerin anbelangt will ich nur soviel sagen: Spielsystem falsch, Spielerinnen am falschen Platz, nach Rückstand eine verletzte Spielerin zu spät dazu und erfolgreiche Torschützinnen wie z.B. Petermann den Untergang zuschauen lassen ohne Torchancen herauszuarbeiten. Wie immer gute einsatzfreudige Mannschaft und konditionelle Stärken, auch eisener Zusammenhalt, letztlich aber die vorhandene Klasse nie auf den Platz gebracht.