Frauenfußball-WM: Sind 24 Teams zu viel?
Zum ersten Mal nehmen an der Frauenfußball-WM in Kanada 24 statt bisher 16 Teams teil. Und schon am zweiten Spieltag gab es das erste zweistellige Ergebnis. Wasser auf die Mühlen der Kritiker, die die Aufstockung für verfrüht halten. Doch Womensoccer ist anderer Meinung.
2009 beschloss die FIFA-Exekutive auf Robben Island, das Teilnehmerfeld der Frauenfußball-WM ab 2015 von 16 auf 24 Teams zu erhöhen. Ein verfrühter Schritt meinten schon damals viele Kritiker, die sich nach dem 10:0-Siegs Deutschland gegen die Elfenbeinküste zum Auftakt der Frauenfußball-WM 2015 in Kanada nun vermeintlich in ihrer Haltung bestätigt sehen.
So nennt Daniel Meuren in der FAZ die Aufstockung in einem Kommentar den „Geburtsfehler der Frauenfußball-WM“. Die FIFA habe die Stärkeverhältnisse im internationalen Frauenfußball falsch eingeschätzt. “Die WM sollte nicht zum Ort für Nachhilfeunterricht werden.” Eine Meinung, die in den sozialen Medien durchaus geteilt wird.
@womensoccer_de nee, ich teile da auch eher Kim Kuligs Meinung. Der Schritt war noch zu früh. Das ist keine Werbung für den Frauenfußball!
— Vanessa (@FanessaCB) June 7, 2015
@womensoccer_de @FanessaCB Die Aufstockung kommt wohl mindestens 12 Jahre zu früh. GER-CIV lief in USA auf dem Hauptkanal vonFOX. Desaströs.
— spoonman (@a_spoonman) June 8, 2015
Doch diese Ansicht verkürzt die Betrachtung wie so oft auf die Perspektive der Topnationen und versäumt, den Blick über den Tellerrand hinaus auf das große Ganze zu richten.
Begeisterung und Leidenschaft Denn wer gesehen hat, mit welcher Begeisterung die Fans der Elfenbeinküste ihr Team in Ottawa trotz der Lehrstunde anfeuerten oder mit welcher Hingabe und Akribie das Unternehmen Frauenfußball-WM in Thailand vorbereitet wurde, der kann sich nur freuen, dass immer mehr „Kleine“ den Frauenfußball für sich entdecken. Die wachsende Breite wird mittelfristig dem gesamten Frauenfußball zugute kommen.
Lernen von den “Großen” Niederlagen wie die der Elfenbeinküste gehören zum Lernprozess dazu und liefern den Ländern wertvolle Anhaltspunkte, woran es in Zukunft zu arbeiten gilt. Eine 0:10-Niederlage gegen Deutschland hilft dem Team in seiner Entwicklung weiter als ein 3:0-Sieg gegen Angola. Das mag dem verwöhnten TV-Publikum in Ländern wie Deutschland oder den USA nicht besonders gefallen, doch die afrikanischen und asiatischen TV-Zuschauer haben gestern mit ihren Teams nicht minder mitgefiebert und mitgelitten als die europäischen mit ihren Teams.
Nährboden für Wachstum Genau das ist der Nährboden, auf dem der Frauenfußball in Zukunft weiter wachsen wird, unabhängig davon, ob TV-Zuschauer in den USA oder in Deutschland womöglich schon spannendere Spiele gesehen haben. Mit der Aufstockung des Teilnehmerfelds hat die FIFA den kleineren Verbänden eine Perspektive geliefert, mit harter Arbeit und klugen Investitionen eine realistische Chance zu haben, sich für ein internationales Großturnier zu qualifizieren. Dies blieb ihnen in der Vergangenheit verwehrt.
Niveau wird schnell steigen Und so meint FIFA-Direktorin Tatjana Haenni zurecht : „Wir wollen diese Verbreiterung bewusst, weil sich damit in acht Nationen mehr durch die WM-Teilnahme ganz neue Entwicklungsmöglichkeiten ergeben. Wir werden bei diesem Turnier auch Resultate haben, die die Unterschiede krass zeigen. Aber ich bin mir sicher, dass wir schon in vier Jahren bei der WM in Frankreich dieses Thema nicht mehr haben. Das Niveau wird sich bis dahin angeglichen haben.“