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2015

Zehn Toptalente zum Zungeschnalzen

552 Spielerinnen in 24 Teams werden bei der Frauenfußball-WM in Kanada ab Samstag (6. Juni bis 5. Juli) zu bewundern sein. Womensoccer wirft einen Blick auf zehn viel versprechende Talente aus zehn Ländern, die bei der WM für Furore sorgen könnten, obwohl sie mehrheitlich erst am Beginn ihrer internationalen Laufbahn stehen.

Zugegeben: Von den 552 Spielerinnen in den 24 teilnehmenden Teams der WM in Kanada hätten es sehr viele verdient, hervorgehoben zu werden. Zum Beispiel Topstars wie Nadine Angerer, Vero Boquete, Nilla Fischer; Louisa Necib, Lotta Schelin Homare Sawa oder Abby Wambach, um nur einige wenige zu nennen.

Zehn Toptalente im Blickfeld Doch Weltmeisterschaften sind auch immer dazu da, hoffnungsvolle Nachwuchstalente zu sichten und zu sehen, wie sie sich in ihren zumeist ersten großen internationalen Turnier schlagen, auch wenn sie noch nicht in allen Fällen zur Stammformation gehören. Und so haben wir aus der Vielzahl von talentierten Akteurinnen rein subjektiv zehn Spielerinnen herausgepickt – bekannte und weniger bekannte Namen – , auf die wir uns besonders freuen und von denen wir glauben, dass sie bei der WM für Aufsehen sorgen und die Fans auf der ganzen Welt begeistern können.

Pauline Bremer (Deutschland) Im Kader der DFB-Auswahl ist Pauline Bremer mit ihren 19 Jahren die jüngste Spielerin. Ihr Debüt feierte sie im April 2014 – insgesamt bringt es die Offensivspielerin vom 1. FFC Turbine Potsdam auf mittlerweile fünf Länderspiele. Ein Tor hat sie noch nicht erzielt, dafür war sie am WM-Sieg der U20-Nationalmannschaft im Vorjahr maßgeblich beteiligt. Mit fünf Toren war sie die erfolgreichste Torschützin in Reihen der DFB-Auswahl, insgesamt belegte sie damit den zweiten Platz hinter der Nigerianerin Asisat Oshoala. Dass sie ein Spiel beleben kann, zeigte sie auch bei der WM-Generalprobe der A-Nationalmannschaft gegen die Schweiz, als sie nach ihrer Einwechselung auf der rechten Seite für Tempo und Gefahr sorgte. Auf das große Talent ist auch der zweifache Champions-League-Sieger Olympique Lyonnais mittlerweile aufmerksam geworden – in den kommenden zwei Spielzeiten wird Bremer in Lyon spielen .

Gaëlle Enganamouit (Kamerun) Im Kader Kameruns sind einige Spielerinnen, die bei europäischen Vereinen unter Vertrag stehen. Die meisten in Frankreich, eine auch in Schweden: Gaëlle Enganamouit, die in wenigen Tagen 23 Jahre alt wird, spielt seit zwei Jahren bei Eskilstuna United im Sturm – und ist in der laufenden Saison die erfolgreichste Torschützin der Mannschaft. In sieben Spielen hat sie dreimal ins Schwarze getroffen – in der vereinsübergreifenden Torschützenliste bedeutet das derzeit den geteilten siebten Rang. Mit einem Treffer vor zwei Jahren hat sie in der Champions League Geschichte geschrieben: Für ihren damaligen Verein ZFK Spartak Subotica (Serbien) erzielte sie das schnellste Tor aller Zeiten. Sie traf vom Anstoß weg zum 1:0.

Julie Johnston (USA) Die 23-jährige US-Abwehrspielerin Julie Johnston könnte einer der Shootingstars der Titelkämpfe in Kanada werden. 2012 führte sie die U20-Auswahl ihres Landes zum WM-Titel in Japan, wurde aber dennoch in der Folge immer wieder von Selbstzweifeln geplagt. So wurde sie im vergangenen Oktober bei der CONCACAF-Qualifikation erst nachträglich aufgrund der Verletzung von Chrystal Dunn in den Kader berufen. Es war ein Wendepunkt. Auch dank des Zuspruchs von Freunden und Familie kratzte die zweitjüngste Spielerin ihrer Elf die Kurve und stand angefangen beim Algarve-Cup-Auftaktspiel gegen Norwegen Anfang März seitdem sieben Mal in der Startformation und erzielte drei Tore. Die zweikampfstarke und torgefährliche Spielerin verfügt über ein gutes Auge und eine gute Raumaufteilung.

Claire Lavogez (Frankreich) Es war eine ganz knappe U20-Weltmeisterschaft für die Französinnen. Im Halbfinale sind sie trotz guten Spiels durch ein spätes Tor von Lena Petermann an der deutschen Mannschaft gescheitert. Im Spiel um Platz drei mussten sie ins Elfmeterschießen. Dort behielten sie die Oberhand, und den entscheidenden Elfmeter versenkte Claire Lavogez. Für die 20-jährige Mittelfeldspielerin war das der Schlusspunkt einer aus ihrer Sicht starken WM, bei der sie am Ende auch als drittbeste Spielerin des Turniers ausgezeichnet wurde. Ihr Aufstieg setzte sich fort. Im Oktober 2014 feierte sie ihr Debüt in der A-Nationalmannschaft – der Gegner war ausgerechnet die deutsche Mannschaft, und den Französinnen gelang ein 2:0-Erfolg. Mittlerweile bringt sie es auf neun Spiele im Trikot der „Équipe Tricolore“, ein Tor und dürfte noch eine große Zukunft vor sich haben.

Vivianne Miedema (Niederlande) Die 18-jährige Niederländerin Vivianne Miedema gilt als eines der herausragenden Talente im europäischen Frauenfußball. Im Vorjahr wurde sie mit der U19 Europameisterin und krönte sich mit sechs Treffern zur Torschützenkönigin. Vier Monate später schoss sie dann mit ihren drei Treffern beim 3:2-Gesamtsieg gegen Italien in den Play-off-Spielen zur Frauenfußball-WM in Kanada ihr Team quasi im Alleingang zur WM. Insgesamt erzielte sie in der Qualifikation 16 Tore und stellte damit den Qualifikationsrekord ein. In der Allianz Frauen-Bundesliga erzielte sie in ihrem vierten Spiel für den FC Bayern München den ersten Treffer. Dass sie auch auf der Weltbühne beweisen kann, was sie kann, daran hat ihr ehemaliger U19-Trainer André Koolhof keine Zweifel: „Sie schießt aus allen Richtungen aufs Tor, das ist im Frauenfußball sehr wichtig.“

Jordan Nobbs (England) Sie ist 22 Jahre alt und hat erst im März 2013 ihr Debüt in der englischen Nationalmannschaft gefeiert. Doch im Anschluss erlebte Jordan Nobbs im Team einen kometenhaften Aufstieg und ist aus dem Mittelfeld der „Lionesses“ heute nicht mehr wegzudenken. 21 Länderspiele hat Nobbs mittlerweile auf dem Konto und wurde im März zur Vize-Kapitänin befördert. In der Liga spielt sie seit 2010 bei Arsenal LFC. Als hoffnungsvolles Talent gekommen, ist sie mittlerweile Chefin in Mittelfeld. Und fair spielt sie auch: In ihren 21 Länderspielen ist sie noch nie verwarnt worden.

Asisat Oshoala (Nigeria) Bei der U20-Weltmeisterschaft in Kanada verzückte das 20-jährige nigerianische Sturmtalent Asisat Oshoala im Vorjahr das Publikum. Sie wurde zur besten Spielerin des Turniers gekürt und gewann mit sieben Treffern auch den Goldenen Schuh als beste Torschützin. Im Januar wechselte sie zu den Liverpool Ladies, wo sie behutsam an höhere Weihen herangeführt werden soll. In ihrer Heimat ist sie bereits ein Superstar, im September erhielt sie aus den Händen von Staatspräsident Goodluck Jonathan den Verdienstorden ihres Heimatlandes. Doch damit nicht genug, Ende Mai wurde sie auch noch mit dem erstmals ausgeschriebenen BBC-Award zur Fußballerin des Jahres gekürt und setzte sich dabei gegen eine ganze Reihe namhafter Konkurrentinnen durch: Vero Boquete, Nadine Keßler, Kim Little sowie Marta.

Rachel Rinast (Schweiz) Den eingefleischten Frauenfußball-Fans in Deutschland ist Rachel Rinast schon eine ganze Weile ein Begriff. Die im für die Karl-May-Festspiele bekannten Bad Segeberg aufgewachsene 24-jährige Abwehrspielerin hat dank einer Schweizer Mutter die doppelte Staatsbürgerschaft und kann deswegen für die Schweiz spielen, wo sie bis vor kurzem nahezu unbekannt war. In der Saison 2007/08 spielte sie für Zweitliga-Aufsteiger FFC Oldesloe 2000, ihre weitere Stationen führten sie über Holstein Kiel, den 1. FC Köln und den SC 07 Bad Neuenahr erneut zurück nach Köln. Anfang März dieses Jahres wurde die damals noch in der 2. Liga aktive Rinast von der Schweizer Trainerin Martina Voss-Tecklenburg auf Empfehlung von Kölns Trainer Willi Breuer erstmals in die Nati berufen. „Das ist eine tolle Geschichte“, so Voss-Tecklenburg. „Sie hat sofort überzeugt und steht deswegen verdient im WM-Kader.“

Cecilia Santiago (Mexiko) Vor vier Jahren wurde die mexikanische Torhüterin Cecilia Santiago bei der Frauenfußball-WM in Deutschland im Alter von 16 Jahren und 251 Tagen die jüngste WM-Torhüterin aller Zeiten und half beim 1:1 im Auftaktspiel gegen England, dass Mexiko erstmals bei einer WM einen Punkt holte. „Das war eine Riesensache“, erinnert sie sich noch heute gerne. Und schon bei der FIFA U20-WM in Chile im Jahr 2008 fiel den Beobachtern die reaktionsschnelle 13-Jährige auf. Einst begann „Ceci“ als Abwehrspielerin, doch bereits mit sechs Jahren entschied sie sich dafür, ins Tor zu wechseln – gegen den Willen ihres Vaters. Heute gehört sie trotz ihrer erst 20 Jahre bereits zu den erfahrenen Spielerinnen und den Stützen in ihrem Team. Mit guten Leistungen bei der WM will sich die derzeit vereinslose Spielerin für einen neuen Verein anbieten.

Soyun Ji (Südkorea) Nur zwei Spielerinnen im Kader der südkoreanischen Nationalmannschaft spielen außerhalb ihrer Heimat. Eine von ihnen ist Soyun Ji. Die 24-jährige kickt seit dieser Saison für Chelsea LFC in der englischen WSL. Ihre dortige Trainerin Emma Hayes schätzt die Spielmacherqualitäten der Koreanerin, die zuvor für Inac Kobe in Japan aktiv war. Bei dieser WM spielt sie nominell im Sturm. Soyun Ji war Teil der erfolgreichen U20-Auswahl, die bei der WM 2010 in Deutschland den dritten Rang belegte.