Potsdam lässt Frankfurts ersten Titeltraum platzen
„Totgesagte leben länger“ – der 1. FFC Turbine Potsdam zog mit einem 2:1-Sieg beim favorisierten 1. FFC Frankfurt ins DFB-Pokalfinale ein. Dabei reichte Potsdam eine gute erste Halbzeit zum Erfolg, der 1. FFC Frankfurt vergab leichtfertig die mögliche 14. Finalteilnahme und verlor nach 13 Erfolgen erstmals ein DFB-Pokal-Halbfinale.
„Wer nur noch einen Schritt vom Endspiel in Köln entfernt ist, wird über sich hinauswachsen, um dieses Highlight zu erreichen“, war sich Frankfurts Trainer Colin Bell vor dem Spiel sicher. Doch nach den 90 Minuten inklusive Wetterkapriolen mit Schneeregen, Hagel und Sonnenschein war er umso stinkiger, dass seine Elf dem Erzrivalen bei der 1:2-Niederlage keine dem Spiel angemessene Leistung entgegenzusetzen hatte.
Bell sauer und enttäuscht Minutenlang musste Bell auf dem Platz erst einmal die eigene Wut auf ein erträgliches Maß runterfahren und auch in der anschließenden Pressekonferenz konnte er seine Enttäuschung kaum verbergen, dass seine Elf gegen einen Gegner die Finalteilnahme verschenkte, dem eine gute, doch beileibe keine überragende Leistung zum Erfolg reichte. „Wir haben das leichtfertig verschenkt, Potsdam war heute entschlossener“, musste Bell zähneknirschend einräumen, der noch einmal betonte: „Ich bin hierhergekommen, um Titel zu gewinnen.“
Boquete: „Wir waren nicht bereit“ „Wir waren nicht bereit“, gestand FFC-Mittelfeldspielerin Verónica Boquete, in den vergangenen Wochen und Monaten einer der Garanten im Frankfurter Spiel. „Wir haben uns von Anfang an nicht wohl gefühlt, aber wir müssen lernen mit solchen Situationen umzugehen und für diese Art von Spielen über 90 Minuten bereit sein.“ Und die Spanierin räumte auch ein, dass die Belastung aus Liga, Pokal, Champions League und Nationalmannschaft ihren Tribut zollt. „Das kostet physisch wie psychisch eine Menge Energie. Trotzdem müssen wir mit unseren erfahrenen Spielerinnen für solche Spiele bereit sein.“
Frankfurter Mittelfeld kommt nicht zur Entfaltung Die Potsdamerinnen schafften es mit viel Biss und Robustheit in den Zweikämpfen geschickt, die Mittelfeld-Achse der Frankfurterinnen zu neutralisieren, so dass es vor allem galt, sich der hoch in den Strafraum geschlagenen Bälle zu erwehren. Und Potsdam blieb zugleich im Spiel nach vorne gefährlich „Manchmal ist es einfacher, wenn man nicht in der Favoritenrolle steckt“, erklärte Potsdams starke Mittelfeldspielerin Lia Wälti. „Der Pokal ist unsere letzte Chance, einen Titel zu holen, von daher war das unser Hauptziel und vor allem in der ersten Halbzeit haben wir sehr gut gespielt.“
Keinen Rhythmus gefunden Auch Frankfurts scheidende Mittelfeldspielerin Jessica Fishlock, die ihr letztes Spiel im FFC-Dress bestritt, suchte nach Erklärungen. „Es gab eine Menge Faktoren. Jedes Mal, wenn wir in unseren Spielrhythmus kamen, wurden wir gefoult, auch wenn das vielleicht dumm klingen mag. Dann ist es schwer, in den Rhythmus zu kommen, vor allem wenn der Gegner auch noch schnell kontert.“
Wirtschaftliche Einbußen Auch wirtschaftlich ist das Pokal-Aus ein Rückschlag für die Frankfurterinnen, wenn es gilt, eine schlagkräftige Elf für die kommende Saison zusammenzustellen und Spielerinnen wie Verónica Boquete den Verbleib in Frankfurt nicht nur sportlich, sondern auch finanziell schmackhaft zu machen. Und so stand auch FFC-Manager Siegfried Dietrich die Enttäuschung nach dem Spiel ins Gesicht geschrieben.
Nicht immer dagegengehalten „An einem solchen Tag muss man voll da sein. Potsdam war von Anfang an bissig, unsere Mannschaft hat sich nur bedingt damit auseinandergesetzt und nicht in jeder Sekunde dagegengehalten. Das ist doppelt traurig, denn wir hatten so viele Chancen, so dass so ein Spiel zu drehen gewesen wäre.“