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2014

Jennifer Zietz: „Die Rivalität hat sich gelegt“

Vor dem Klassiker zwischen dem 1. FFC Turbine Potsdam und dem 1. FFC Frankfurt am Sonntag, 21. September (live ab 14 Uhr auf RBB und HR) erinnert sich Turbine Potsdams Mittelfeldspielerin Jennifer Zietz im Interview mit Womensoccer an Duelle aus der Vergangenheit und spricht über die veränderte Rivalität zu Frankfurt und ihre persönliche Entwicklung.

Womensoccer: Frau Zietz, am Sonntag spielen Sie mit dem 1. FFC Turbine Potsdam in der Allianz Frauen-Bundesliga gegen den 1. FFC Frankfurt. Wissen Sie eigentlich, zum wievielten Mal?

Jennifer Zietz: So ganz genau weiß ich das nicht, aber wenn man alle Wettbewerbe zusammen nimmt, habe ich bestimmt schon über 30 Mal gegen den 1. FFC Frankfurt gespielt.

Womensoccer: Welche dieser Duelle haben in der Erinnerung den größten Eindruck hinterlassen?

Jennifer Zietz: Am Schönsten war das Spiel 2004 in Frankfurt, als wir zum ersten Mal Deutscher Meister geworden sind. Das konnte man sich zu diesem Zeitpunkt in Potsdam noch gar nicht vorstellen. Wir mussten gewinnen und Frankfurt hatte zwei Punkte Vorsprung. Die gestandenen Frankfurter Nationalspielerinnen konnten auf einmal gegen uns junge Wilde nichts machen, sie waren völlig hilflos und auf dem Spielfeld gab es zwischen den einzelnen Spielerinnen auch ein paar Eklats. Negativer Höhepunkt war sicherlich die Niederlage im UEFA-Pokal, das hat auch noch lange nachgewirkt. Da sind wir mit unseren jungen Wilden ins offene Messer gelaufen.

Womensoccer: Auch am Sonntag treffen wieder jungen wilde Potsdamerinnen auf gestandene Frankfurterinnen. Sind Sie als Tabellenführer also Außenseiter?

Jennifer Zietz: Wenn man die beiden Vereine betrachtet, ist es auf den ersten Blick ein offenes Spiel, kein Team muss sich verstecken. Aber wir haben im Sommer wieder viele Spielerinnen verloren und einen kleinen Umbruch gehabt, von daher ist Frankfurt auf dem Papier leicht favorisiert. Wir haben aber den Heimvorteil, und wer sich im Frauenfußball auskennt, weiß, was das bei uns bedeutet. Mit unseren Fans im Rücken können wir zur Hochform auflaufen.

Womensoccer: Teilen Sie den Eindruck, dass sich die Rivalität zwischen Potsdam und Frankfurt ein wenig abgeschwächt hat, seit der VfL Wolfsburg zur neuen Macht im deutschen Frauenfußball aufgestiegen ist?

Jennifer Zietz: Zwischen den einzelnen Spielerinnen gab es noch nie ein Problem, wir haben uns immer gut verstanden. Auch in der Nationalmannschaft ist das bis heute noch so. Im Spiel zählt natürlich nur der Sieg, da kennt man keine Freundschaft. Früher ist auch viel von außen hereingetragen worden. Das hat sich gelegt und man hat aus der Vergangenheit gelernt.

Turbine Potsdam will Frankfurt auf Distanz halten So tippen wir den 3. Spieltag 2014/15 VfL Wolfsburg – Turbine Potsdam live auf Eurosport Womensoccer: Was ist mit der jungen Potsdamer Mannschaft in dieser Saison möglich?

Jennifer Zietz: Wir hatten eine intensive Vorbereitung und Dinge wurden ein bisschen anders gemacht. So hat unser neuer Co-Trainer Achim Feifel neue Elemente ins Training integriert, die es vorher nicht gab. Wir haben umfangreich gearbeitet, aber es ist normal, dass es seine Zeit dauert, bis jede Spielerin diese Dinge verinnerlicht. Wir haben aber auf jeden Fall Potenzial für das Spiel gegen Frankfurt und die gesamte Saison. Wenn wir das umsetzen, was wir im Training zeigen, dann sind wir auf einem richtigen guten Weg. Fußballerisch und athletisch brauchen wir uns hinter keiner Mannschaft verstecken.

Womensoccer: Ein Champions-League-Platz ist also möglich?

Jennifer Zietz: Es wäre sehr wichtig, wenn wir in dieser Saison wieder unter die Top 2 kommen. Wir müssen uns an die eigene Nase fassen, dass wir es in der vergangenen Saison vergeigt haben. Es ist schwer, wenn man als Verein jahrelang Champions League gespielt hat und das auf einmal wegfällt. Es ist traurig, dass der Verein international nicht repräsentiert wird und das größte Übel ist, dass das Finale vor unserer Haustür in Berlin stattfindet, obwohl bis dorthin natürlich schwere Spiele gelegen hätten. Umso wichtiger ist so ein Spiel wie jetzt gegen Frankfurt, denn das wäre schon ein Minischritt in die richtige Richtung.

Womensoccer: Ist es für die Bundesliga für Turbine Potsdam vielleicht sogar ein Vorteil, keine Champions League zu spielen?

Jennifer Zietz: Das war nie ein Problem, wir konnten das immer gut wegstecken, weil wir athletisch gut drauf waren. Diese Saison ist kompakt mit vielen englischen Wochen, aber wenn man von Spiel zu Spiel denkt und den Rhythmus findet, ist das kein Problem. Wenn wir es nicht wegstecken können, wer sonst?

Womensoccer: Wie sehen Sie Ihre persönliche Entwicklung?

Jennifer Zietz: Letzte Saison war es schwer, weil ich nicht den optimalen Rhythmus hatte. Diese Saison habe ich in der Vorbereitung alle Spiele gespielt und stand auch in den ersten beiden Spielen in der Startformation. Das ist auch der Anspruch, den ich habe. Dafür trainiere ich hart und es macht mir immer noch jeden Tag Spaß. Ich versuche das auch an die jüngeren Spielerinnen weiterzugeben, aus jedem Training das Optimum herauszuholen und die Fehler zu minimieren.