Martina Müller: „Wir haben einen kleinen Vorteil“
Am Sonntag, 8. Juni, 14 Uhr (live in HR, NDR und DFB-TV) steigt im VfL-Stadion am Elsterweg der große Titel-Showdown in der Frauenfußball- Bundesliga zwischen dem VfL Wolfsburg und dem 1. FFC Frankfurt . Routinier und Torgarant Martina Müller verrät im Interview mit Womensoccer , warum sie ihr Team auf einem guten Weg zum zweiten Deutschen Meistertitel in Folge sieht.
Womensoccer: Die Meisterschaft entscheidet sich in dieser Saison erst in einem direkten Duell am letzten Spieltag. Ist das ein perfektes Drehbuch?
Martina Müller: Aufgrund der Spielplangestaltung vom DFB war die Konstellation schon gegeben, dass es am Ende ein richtiges Endspiel geben könnte. Für uns wäre der Meistertitel die Krönung, nachdem wir die gesamte Saison nicht ein einziges Mal auf Platz 1 lagen. Sollten wir am letzten Spieltag an allen anderen vorbeigezogen sein, hätte man das Drehbuch wirklich nicht besser schreiben können. Unabhängig davon glaube ich, dass es am Sonntag ein tolles Event wird und ich merke schon das Kribbeln und die Vorfreude.
Womensoccer: Nach einem möglichen Happy End sah es in dieser Saison nicht immer aus. Was war der Wendepunkt zum Besseren?
Müller: Das Spiel bei Bayern München [1:3-Niederlage], wo wir uns sehr schlecht verkauft haben. Nach dem Spiel haben wir Spielerinnen uns mit dem Trainerteam zusammengesetzt und uns auf den Rest der Saison eingeschworen. Jede Spielerin musste sich der einen oder anderen Frage stellen und sie auch beantworten. Das hat Früchte getragen und kam zum richtigen Zeitpunkt. Das war der Knackpunkt, denn danach haben wir kein Spiel mehr verloren.
Womensoccer: Ihr Team wirkt momentan nahezu unverwundbar und lässt sich auch durch Rückstände nicht aus der Bahn werfen.
Müller: Das ist der kleine Vorteil, den wir gegenüber Frankfurt haben. Sie werden unsere Spiele gegen Potsdam und Tyresö gesehen haben und sie wissen, dass sie selbst dann noch verlieren können, wenn sie zur Halbzeit 2:0 führen. Natürlich weiß man nicht, ob so etwas wieder funktionieren würde, aber wir werden am Sonntag wie schon gegen Potsdam ein geniales Publikum im Rücken haben. Das hat uns beflügelt und immer weiter nach vorne getragen.
Womensoccer: Für Frankfurt reicht ein Remis, Wolfsburg muss gewinnen. Ist das für Sie ein Vor- oder Nachteil?
Müller: Es ist immer schwer zu sagen, ein Punkt würde reichen. Wir müssen und wollen gewinnen und das ist vielleicht ein kleiner Vorteil. Aber es müssen 90 Minuten gespielt werden und es wird am Ende abgerechnet und dann sehen wir, wo wir stehen.
Womensoccer: In den ersten beiden Duellen mit Frankfurt in dieser Saison, einem 0:0 in der Liga und einem 0:1-im DFB-Pokal , hat Ihr Team aber keinen Treffer erzielt.
Müller: Die Spiele kann man nicht miteinander vergleichen. Frankfurt hat uns in keinem dieser Spiele an die Wand gespielt, ganz im Gegenteil. Wir hatten unsere Chancen, die wir nicht genutzt haben und dann kassiert man schon einmal einen blöden Gegentreffer. Das war schade, aber wir haben uns geschüttelt und einfach weiter gemacht. Am Sonntag geht es wieder bei Null los, und die Chancen sind für beide Mannschaften gleich.