Bernd Schröder: „Wir brauchen uns nicht zu entschuldigen“
Turbine Potsdams Trainer Bernd Schröder erklärt im Gespräch mit Womensoccer , warum er sich wegen des Rassismus-Vorwurfs beim VfL Wolfsburg nicht entschuldigen will, die Sperre gegen Genoveva Anonma aber akzeptieren wird.
Womensoccer: Herr Schröder, der VfL Wolfsburg verlangt von ihrem Verein eine Entschuldigung.
Bernd Schröder: Warum sollten wir uns entschuldigen? Wir brauchen uns nicht zu entschuldigen, ich persönlich habe nichts von Rassismus gesagt, dieses Wort ist nicht von uns gekommen. Ich kann doch nicht in die Gedankengänge und die Wahrnehmung meiner Spielerin eingreifen. Wenn sie so eine Wahrnehmung gehabt hat, egal ob sie stimmt oder nicht, kann ich mich doch nicht dafür entschuldigen. Ich zweifle aber an, dass sie falsch war. Es steht die Aussage von Herrn Kellermann und die Wahrnehmung meiner eigenen Spielerin.
Womensoccer: War das Ganze vielleicht einfach ein Missverständnis?
Schröder: Man muss immer das Prinzip Ursache und Wirkung betrachten und die Ursache kann zwei Grundlagen haben. Entweder ist es wirklich so gesagt worden, wie sie es empfunden hat, oder es ist anders gesagt worden, und sie hat es anders empfunden. Es gab ja schon in der Vergangenheit Konflikte mit Wolfsburg, als sie noch in Jena gespielt hat. Wer die Mentalität der Afrikaner nicht kennt, kann sich nicht ausmalen, was in ihren Köpfen vor sich geht. Wir müssen jetzt darauf achten, dass wir die Spielerin nicht beschädigen und sie nicht als Lügnerin hingestellt wird.
Womensoccer: Der „Kicker“ zitiert Sie in seiner heutigen Printausgabe allerdings mit den Worten, dass der Vorwurf der Spielerin nicht mehr haltbar sei.
Schröder: Was im „Kicker“ steht ist Quatsch und vollkommener Blödsinn.
Womensoccer: Genoveva Anonma soll für drei Spiele gesperrt werden, sind Sie damit einverstanden?
Schröder: Diese Sperre werden wir annehmen, denn juristisch kann man diese Aktion nicht anders bewerten. Es gab einmal die Geste und noch den Schlag gegen das Hütchen. Das wären vier Spiele Sperre, aber die Sperre wird um ein Spiel reduziert, weil sich Anonma vorher nichts hat zu schulden kommen lassen.
Womensoccer: Warum sind Sie der Pressekonferenz nach dem Spiel am Freitag ferngeblieben?
Schröder: Ich bin nicht zur Pressekonferenz gegangen, weil in der Woche zuvor in der „Wolfsburger Allgemeinen Zeitung“ Spekulationen über einen Wechsel von Ada Hegerberg nach Wolfsburg verbreitet wurden. Das ist der größte Quatsch und das hat uns etwas aus der Rolle gebracht und die Emotionen sind hochgekocht.
Womensoccer: Ist damit die Angelegenheit nun bereits erledigt?
Schröder: Wir müssen unsere Stellungnahme abgeben, was das Delikt betrifft, ist der Fall abgeschlossen. Wir werden die Sperre akzeptieren, aber trotzdem unsere Meinung darlegen. Das war alles nicht nötig, wir haben schon so genug Unruhe und Verletzte. Aber man darf nicht vergessen, dass die Ursache nicht von uns gekommen ist.