Champions League: Wolfsburg auf Halbfinalkurs

Von am 23. März 2014 – 19.04 Uhr 86 Kommentare

Im Viertelfinal-Hinspiel der UEFA Women’s Champions League hat sich Titelverteidiger VfL Wolfsburg mit einer souveränen Leistung und einem klaren Sieg gegen den FC Barcelona eine gute Ausgangsposition für das Rückspiel in einer Woche verschafft.

Beim 3:0 (1:0)-Sieg vor 7 800 Zuschauern im VfL-Stadion am Elsterweg erzielten Kapitänin Nadine Keßler (34.), Martina Müller (52.) und Zsanett Jakabfi (65.) die Treffer für die Wolfsburgerinnen.

Frühe Druckphase
Die erste gute Gelegenheit hatte Wolfsburg bereits nach wenigen Minuten, als Lina Magull nach Hereingabe von Luisa Wensing den Ball herunterpflückte, ihr Schuss allerdings zu zentral ausfiel, so dass Barcelonas Torhüterin Laura Rafols parieren konnte (6.). Und auch Zsanett Jakabfis Schuss knapp am Tor vorbei war Beleg für die Wolfsburger Überlegenheit (9.).

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Großchance für die Gäste
Doch auch der Gegner war nicht ungefährlich, denn nach einem Freistoß von Melanie Serrano wurde der Kopfball von Virginia Torrecilla lang und länger und nur der Pfosten verhinderte die Gästeführung (13.). Doch Wolfsburg arbeitete sich immer besser in die Partie hinein, nach Lupfer von Keßler scheiterte Müller mit einer Direktabnahme (26.).

Nadine Keßler

Kapitänin Nadine Keßler erzielte die Wolfsburger Führung (Archiv-Bild) © Karsten Lauer / girlsplay.de

Führung durch die Kapitänin
Der Druck der Wolfsburger Elf wurde immer stärker und nach tollem Zuspiel von Lena Goeßling legte Magull den Ball auf Keßler ab, die zur verdienten Führung einschob (34.). Wolfsburg blieb weiter am Drücker, Jakabfi konnte eine Flanke von Müller jedoch nicht unter Kontrolle bringen (38.).

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Pfosten verhindert zweites Keßler-Tor
Zwei Minuten später wäre Keßler um ein Haar der zweite Treffer gelungen, doch ihr Kopfball sprang vom Pfosten in die Arme von Rafols (40.). Magull  hatte mit einem Schuss aus 16 Metern, der nur knapp das Ziel verfehlte, die letzte gute Chance in der ersten Halbzeit (42.).

Müller staubt ab
In der zweiten Halbzeit knüpfte Wolfsburg dort an, wo man vor der Pause aufgehört hatte. Die Gastgeberinnen setzten die Katalaninnen unter Dauerdruck und das zeigte Wirkung. Nach einer Ecke von Magull war erneut Keßler mit dem Kopf zur Stelle. Rafols konnte zwar noch abwehren, doch Müller drückte den Abpraller per Kopf aus kurzer Distanz zum 2:0 ins Netz (52.).

Spielszene VfL Wolfsburg gegen FC Barcelona

Der VfL Wolfsburg setzte Barcelona mächtig unter Druck © Natascha Berg

Wolfsburg macht alles klar
Barcelona wurde nun immer mehr in die Verteidigung zurückgedrängt, Keßler scheiterte nur knapp mit einem Schuss (58.), wie auch Jakabfi fünf Minuten später per Kopf. Doch zwei Minuten später war die Ungarin dann zur Stelle, als Müller eine flache Hereingabe von Alex Popp geschickt passieren ließ und Jakabfi aus fünf Metern einschob (65.).

Jakabfi angeschlagen
In der Schlussphase ließ die Konzentration der Wolfsburgerinnen sichtlich nach, Jakabfi musste nach einem Tritt auf den rechten Knöchel verletzt ausgewechselt werden (82.). Jelena Čanković gab auf der Gegenseite einen der wenigen Schüsse der Spanierinnen ab (86.). Es blieb jedoch beim 3:0-Erfolg, so dass der VfL Wolfsburg mit einer komfortablen Ausgangsposition zum Rückspiel am kommenden Sonntag nach Barcelona reisen wird.

Deutsches Halbfinale fast schon unter Dach und Fach
Bereits zuvor gewann der 1. FFC Turbine Potsdam beim ASD Torres Calcio mit 8:0, so dass bereits jetzt die Weichen für ein rein deutsches Halbfinale gestellt sind.

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Markus Juchem (50) schreibt seit 2003 über Frauenfußball, für Medien wie Womensoccer.de, UEFA.com, FIFA.com, DFB.de, FAZ, NZZ und Kicker.

86 Kommentare »

  • Sheldon sagt:

    @Altwolf: Okay, das habe ich also richtig verstanden. Ich muss erst ein VW-Werksangehöriger werden, um als Wolfsburg-Fan ein Stimmrecht haben zu können.

    Für mich ist ein solches Prozedere im Sport nicht tragbar. Denn hier werden Konzern-Geschäfte mit Beruflichem vermischt und hier sind verschiedene Ämter in Personalunion unauflöslich aneinander gebunden. Damit gibt es keine sportliche Eigenständigkeit des Vereins mehr, weder praktisch noch theoretisch.

    Auch dein letzter Satz ist nicht garantiert. Selbst, wenn die Kommune Wolfsburg vollständig hinter dem Fußball steht, VW ist komplett unabhängig von der Kommune. Es ist eher so, dass die Kommune und die Politiker zu 100% von VW abhängig sind, denn geht das Werk, löst sich die Stadt auf. Das bedeutet, VW hat politisch de facto das Sagen. Und wenn VW dem Fußball die finanzielle Unterstützung entziehen würde, könnte die Kommune überhaupt nichts machen, nicht einmal VW sanktionieren, da VW die Druckmittel hat, nicht die Kommune. Sollte der chinesische Markt weiter so boomen, wird VW bald dort so große Tochterwerke haben, dass man auf das Mutterwerk kaum noch angewiesen sein wird. Auch dort gibt es gut ausgebildete Fachkräfte zuhauf. VW kann jederzeit sagen, wenn die Kommune ihnen zu unangenehm wird: Machen wir nicht mehr mit!

    Für den FF hätte das ja noch nicht mal schädliche Auswirkungen. Die Spielerinnen fänden einen neuen Verein, Wolfsburg würde von der Landkarte verschwinden, man hätte nicht viel verloren.

    Viel wichtiger aber ist Folgendes: Die Fans haben keine Handhabe bei sportlichem Misserfolg. Was passiert denn, wenn Wolfsburg abschmiert und jetzt so ne Serie wie Frankfurt in den letzten Jahren hinlegt? Hier hat kein Sportler einen Einfluss darauf, mit welchen Mitteln darauf reagiert wird. Keiner, der nicht VW-Mitarbeiter ist, kann Einfluss darauf nehmen, dass man in dieser Situation verantwortungsvoll entscheidet und nicht massiv Geld in den FF-Markt pumpt und diesen de facto lahm legt.

    Zudem: Wer will denn sagen, ob der Sport nicht allgemein ein Spekulationsobjekt für Wolfsburg ist, insbesondere der Profifußball? Du hast bereits gesagt, dass es VW primär gar nicht um den Erfolg geht, sondern vor allem um Attraktion von Spielern für seine Mitarbeiter. Das bedeutet, wir haben hier einen Konzern, der mit dieser Handhabe aktiv gegen den Sport im Allgemeinen arbeitet, weil er erstens nicht primär sportliche Ziele hat, sondern nur Show-Aspekte besitzt, und zweitens unerschöpfliche Mittel hat. Was dabei rauskommt: Superstars werden für massig Geld geholt, verschrottet und nach einem Jahr wieder gehen gelassen. Was passiert? Ganze Generationen von Spielern gehen unter.

    Schaut euch doch Kevin de Bruyne an: Wurde für viel Asche von Chelsea geholt, obwohl er bei Leverkusen beispielsweise oder anderen Vereinen viel, viel stärker zur Geltung gekommen wäre. Am Ende leidet der ganze Fußball, weil er bei der WM einer der großen Superstars hätte werden können, was nun kaum noch möglich scheint, weil er total außer Form ist.
    Gleiches Spielchen bei Lena Goeßling!

    Es ist schlimm genug, dass es einen solchen Verein gibt. Noch viel schlimmer ist es, dass in Zukunft die Tür geöffnet wurde, damit noch andere Verein dieses Prozedere durchführen können. Aber das Schlimmste ist, dass es tatsächlich Personen gibt, die so etwas gutheißen. Ihr wisst gar nicht, was ihr dem Sport damit antut…

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  • shane sagt:

    „Gehen wir dann einfach mal davon aus, dass alle drei Clubs in den übrigen Spielen nix mehr liegen lassen, dann sieht die Tabelle vor dem 21. Spieltag wie folgt aus:

    Frankfurt 54 Punkte
    Potsdam 51 Punkte
    Wolfsburg 47 Punkte

    Damit wäre Wolfsburg noch vor den beiden Topspielen von Frankfurt aus dem Meisterschaftsrennen.“

    nun, das hat sich ja nun schon recht schnell ueberlebt. jetzt sieht das dann also evtl so aus:
    Frankfurt 52 Punkte
    Potsdam 51 Punkte
    Wolfsburg 47 Punkte
    und damit ist fuer alle noch alles drin 🙂

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  • shane sagt:

    „Am Ende leidet der ganze Fußball, weil er bei der WM einer der großen Superstars hätte werden können, was nun kaum noch möglich scheint, weil er total außer Form ist.
    Gleiches Spielchen bei Lena Goeßling!“

    genau! ich stimme @sheldon da absolut zu! WOB sollte im sinne des deutschen wie des weltfussballs an sich LG bei weiterzahlung ihres gehalts an frankfurt abgeben, damit sie endlich eine der grossen superstars werden kann!

    huch, ich sehe grad, der 1.april ist ja schon vorbei…

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  • Sheldon sagt:

    @shane: Nein! Wolfsburg wäre auch so schon aus dem Meisterschaftsrennen. Denn Potsdam und Frankfurt spielen noch gegeneinander und es ist nicht zu erwarten, dass Frankfurt noch so einbricht im Torverhältnis (bzw. Wolfsburg noch so aufholt).

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  • Altwolf sagt:

    @Sheldon.

    Wie „zwiespältig“ denkst du eigentlich ?

    Auf der einen Seite forderst du eine basisdemokratische Vereinsgrundstruktur mit „Laien“ und „Amateuren“ in der Veinsführung (Paradebeispiel HSV),deren Zusammensetzung durch die Mitglieder gewählt, meist der Sympathie und nicht der Kompetenz entsprechen und auf der anderen Seite die Professionalität des Sportes mit immer mehr Leistungsanspruch, der jedoch inzwischen von „deinen“ Vereinsvorstellungen nicht mehr erfüllt werden kann.

    „Es ist schlimm genug, dass es einen solchen Verein gibt“

    Zu einer demokratischen Grundausrichtung gehört auch die „Toleranz“ , die bei dir demnach nicht vorhanden ist.

    Die von dir aufgezeigten „Horror-Visionen“ sind allein deshalb schon irrelevant, da du einige „Sicherungen“ nicht zur Kenntnis nimmst.
    – als Fan habe ich, auch als Nicht-VW-Angehöriger, die Möglichkeit bei Unzufriedenheit den Stadionbesuch auszulassen und auch auf den Dauerkartenkauf zu verzichten.
    Vor leeren Rängen spielt auch ein gut bezahlter Spieler auf Dauer nicht gern.Und so eine Situation in der öffentlichen Wahrnehmung leistet sich auch VW nicht.
    – VW, als Arbeitgeber,hat auch gegenüber den eigenen Mitarbeitern und damit der Stadt und der Region eine soziale Verpflichtung, diesen Standort zu wahren, wozu sich sowohl der Betriebsrat (im Rahmen der Mitbestimmung) als auch das Land Niedersachsen (im Rahmen des VW-Gesetzes) bekennt und dadurch auch keine Entscheidung eines späteren „VW-Chefs“ dies ändern wird.
    Du machst immer wieder den Fehler, daß du den Konzern VW mit einem Scheich/Öl-Magnaten u.ähnlich positionierte Einzelpersonen in einen Topf wirfst und unterstellst, daß je nach „Lust und Laune“ über das „Wohl und Wehe“ entschieden wird.

    Was ist denn in deinen Augen der „Profi-Fußball“ Anderes als „Unterhaltung“ bzw. „Show“ und inzwischen auch eher „Wirtschaftsunternehmen“ ?
    Sportlicher Erfolg = wirtschaftlicher Erfolg.
    Ruhm und Ehre mag vielleicht noch in medienunwirksamen Randsportgruppen gelten, aber insbes. nicht im MF-Fußball und der FF-Fußball entwickelt sich in genau diese Richtung.

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  • Altwolf sagt:

    @Sheldon.

    Wieder so eine „grandiose“ Behauptung:
    „massiv Geld in den FF-Markt pumpt und diesen de facto lahm legt.“
    Da hast du sicherlich „konkrete“ Zahlen vorliegen, was WOB, 1.FFC, TP,OL,Paris,Tyresö oder Malmö so auf den Tisch legen und investieren ?
    Oder doch wieder nur „hypothetische“ Unterstellung ? 🙂

    Und auch wieviele „Superstars“ wir in WOB nun schon verhindert haben – da können sich C.Sasic, Martha, Messi und Ronaldo nur glücklich schätzen, den Weg nicht nach WOB gefunden zu haben 🙂

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