Champions League: Potsdam eliminiert Lyon

Von am 14. November 2013 – 22.10 Uhr 97 Kommentare

Die Überraschung ist perfekt: Der 1. FFC Turbine Potsdam hat das Achtelfinal-Rückspiel der UEFA Women’s Champions League bei Olympique Lyon gewonnen und das Viertelfinale erreicht. Für Lyon war es die erste Heimniederlage seit September 2006, dabei geriet Potsdam sogar früh in Rückstand.

Am Ende stand im Stade de Gerland ein unerwarteter 2:1 (1:1)-Erfolg für die Potsdamerinnen. Camille Abily brachte die Gastgeberinnen in Führung (12.), doch Potsdam drehte die Partie durch Treffer von Kapitänin Steffi Draws (33.) und einen verwandelten Handelfmeter von Maren Mjelde (73.).

Schröder: „Das ist sensationell“
Turbine-Trainer Bernd Schröder freute sich: „Das ist sensationell, hier in Lyon zu gewinnen, da hat noch keiner gewonnen und dann auch noch zwei Tore zu schießen. Wir haben es verdient, weil wir schon im Hinspiel gut gespielt haben, auch wenn viel Glück dabei war.“

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Früher Rückstand
Dabei begann die Partie für Turbine alles andere als viel versprechend. Denn Lyon hatte von Beginn an mehr vom Spiel, Lotta Schelin scheiterte nach Pass von Louisa Necib mit der ersten Chance (8.). Doch schon kurz darauf ging Lyon in Führung, als Lara Dickenmann vom linken Flügel unbedrängt nach innen passen konnte und Abily auf Höhe des Elfmeterpunkts sicher verwertete (12.).

Potsdam beißt sich in die Partie
Doch Potsdam überstand die überlegene Phase Lyons ohne weiteren Gegentreffer und biss sich mit immer besser werdendem Pressing in die Partie zurück. Die Belohnung folgte noch vor der Pause, als nach einer Ecke von Lisa Evans Kapitänin Steffi Draws mit einem platzierten Kopfball den Ausgleich erzielte (33.).

Teamfoto des 1. FFC Turbine Potsdam

Der 1. FFC Turbine Potsdam sorgte für die erste Heimniederlage Lyons seit September 2006 © Sascha Pfeiler / girlsplay.de

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Lyon wackelt
Lyon verlor sichtlich an Selbstvertrauen und kam mit dem aggressiven Spiel der Potsdamerinnen immer schlechter zurecht. Und so erarbeiteten sich die Französinnen auch kaum Torchancen, etwa durch einen abgefälschten Schuss von Sabrina Viguier (52.) oder einem Schuss von Eugénie Le Sommer über das Tor (62.).

Mjelde sorgt für Entscheidung
Doch die entscheidende Szene des Spiels ereignete sich in der 72. Minute: Eine Hereingabe von Pauline Bremer bekam Saki Kumagai nach Ansicht von Schiedsrichterin Kateryna Monzul an die Hand, den zweifelhaften Elfmeter verwandelte Maren Mjelde zur umjubelten Potsdamer Führung (73.). In der Schlussviertelstunde drückte Lyon noch einmal aufs Tempo, doch große Torchancen erspielte sich das Team nach wie vor nicht.

Turbine bringt Sieg über die Zeit
Ein abgefälschter Schuss von Amandine Henry wurde sichere Beute von Turbine-Torhüterin Ann-Katrin Berger (87.). In der Nachspielzeit wäre der eingewechselten Antonia Göransson sogar fast noch der dritte Treffer gelungen, doch ihren Aufsetzer lenkte Lyons Torhüterin Sarah Bouhaddi um den Pfosten (90.+3).

Katerstimmung in Lyon
Während Potsdam dank  der Auswärtstorregel mit einem Gesamtergebnis von 2:2 ins Viertelfinale einzog, ist bei Lyon nach zwei Titeln und sechs Halbfinalteilnahmen in Folge Katerstimmung angesagt. „Das ist eine Riesenenttäuschung und wirklich schade. Was soll ich sagen?“, so eine fast sprachlose Le Sommer.

Markus Juchem (50) schreibt seit 2003 über Frauenfußball, für Medien wie Womensoccer.de, UEFA.com, FIFA.com, DFB.de, FAZ, NZZ und Kicker.

97 Kommentare »

  • Dummkopf sagt:

    @jan:

    Ich muss Danke sagen, dass du nicht besser französisch kannst. Was für ein Glück, dass uns dieser Live-Mitschnitt erhalten bleibt. Gute Idee!

    Und die Frage:
    „Welche Worte die zumeist blutjungen Potsdamer Legionärinnen nach (bzw. vor) diesem denkwürdigen Spiel mit ihren gestandenen Landsfrauen auf Lyoner Seite u. vllt. ja Vorbildern wohl noch gewechselt haben mögen? – also: Wälti u. Dickenmann, Göransson u. Schelin, Nagasato u. Kumagai, Singer u. Rapinoe…“

    kann ich dir auch beantworten:
    Aus wie immer gut informierten Kreisen habe ich gehört, dass die OL Spielerinnen gefragt haben: „Wer war denn eure Nummer 31? Kannst du mir von der Bitte vielleicht ein Autogramm besorgen. Und auch noch von der 10? Und der 4. Und …“

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  • grammofon sagt:

    Haha, da ist man mal einen Tag weg, und schon ist die Diskussion wieder in Sheldon vs. Wolfsburg umgekippt.

    Jetzt wo ich ein bisschen Zeit habe, wollte ich auch was zum Spiel schreiben aber eigentlich ist schon alles gesagt. Ich bin da in letzter Zeit wohl zu langsam.

    Na gut, ein paar Sachen kann ich noch hinzufügen: Bin auch froh, dass Anonma mal etwas früher raus genommen wurde. Sie hat eine kleine Pause so langsam richtig nötig, und zwar nicht weil sie schlecht spielt oder müde wirkt. Sie gibt sichtlich immer mindestens ihre hundert Prozent. Aber ich glaube bei ihr ist der Kopf langsam etwas müde. Sie hat, soweit ich mich erinnern kann, diese Saison bisher alle Pflichtspiele 90 Minuten durchgespielt. Da braucht man auch mal eine Pause. Und außerdem gibt es im Sturm mit Nagasato, Andonova und Göransson auch reichlich Spielerinnen die mehr Einsatzzeit gebrauchen könnten.

    Aber wie ja schon geschrieben wurde, in diesen zwei Spielen ging es nicht um einzelne Spielerinnen. Das Team hat einfach wunderbar zusammen funktioniert. Besonders auffällig fand ich dabei, dass Lyon sehr oft den Ball schon im Mittelfeld verloren hat. Das bedeutet, dass das Defensivspiel und das Pressing von Turbine klasse funktioniert hat. Und so etwas ist immer ein Zeichen guter Teamarbeit.

    Anders als manche hier würde ich Lyons Leistung aber auch nicht so sehr unterschätzen. Das ist schon noch bei weitem eine der besten Teams in Europa und sie werden sicherlich im nächsten Jahr noch stärker zurückkehren. Eines ist aber klar: Lyon hat keine Ahnung wie man mit einem Rückstand umgeht. Ich war nach dem Elfer zuerst auch sehr nervös aber es wurde dann schnell klar, dass Lyon da nichts mehr machen würde. Die haben nur noch kopflos und verzweifelt die Bälle nach vorne geschlagen, selbst die Freistöße von hinter der Mittellinie in den Strafraum geschossen, und Unmengen von unnötigen Fouls produziert. Bei einer Mannschaft wie Lyon, mit den vielen erfahrenen Stars, war das schon komisch anzusehen.

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  • laasee sagt:

    @grammofon

    Yeah, the pressing game of Turbine was excellent, especially in the second half.
    Turbine defended from the front. Hegerberg did a lot of unselfish work. She continued competing with Renard even though the French girl was winning almost all of the initial duels.
    The effort of Hegerberg was very impressive. In contrast, Schelin made very little contribution – she is a ’sunny day‘ player.

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  • Jan sagt:

    @Dummkopf: Oh, vielen Dank! Aber vllt. hätte ich die Glosse besser 2-3 Tage später posten sollen, wenn sich die aufgewühlten Gemüter nach dem aufregendem Spiel wieder etwas beruhigt haben. (Anm.: engl. Fox = dt. Fuchs = frz. Renard) Wie heißt es doch: Wer den Schaden hat, braucht für den Spott nicht zu sorgen. Diesmal traf’s eben die Übermannschaft aus Lyon.

    zu Wolfsburg: Anna Blässe ist eine der Aktivsten. Sie scheint immer mehr starke Akzente zu setzen. Leider fehlt ihr beim Abschluss meist etwas Fortune. Da müsste sie abgeklärter, lockerer, cooler, abgebrühter werden – weil die Entschlossenheit in ihrer Mimik eher Verbissenheit gleicht. Vllt. kann ihr Conny Pohlers da mal paar Tipps geben. 🙂

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  • Schenschtschina Futbolista sagt:

    Ich habe auch keine Erklärung, aber Anna Blässe tritt seit geraumer Zeit auf der Stelle! Ihre Entwicklung stagniert und allein über ihre Grundschnelligkeit und gute Technik bei fehlendem Abschluß und mangelnder Spielübersicht inkl. ungenauer Ab- und Zuspiele wird es ihr schwer machen, zu Höherem berufen zu werden. Kellermann richtet auch während der Spiele häufig seine Zurufe/Hinweise/Aufforderungen an Anna. Von daher halte ich es für gar nicht so abwegig, dass eine Vertragsverlängerung beim VfL ausbleiben könnte und sie woanders anheuern muss. Nur wird sie da u.G. nicht die Einzige sein bzw. bleiben.

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  • enthusio sagt:

    Ich gehe jedenfalls stark davon aus, dass Conny Pohlers an ihrem 35. Geburtstag von Kellermann genügend Einsatzzeit erhält. Sie ist durch ihre Nichteinwechselung im Mittwochspiel gegen Malmö ausgeruht und weiterhin torgefährlich, dazu gegen ihren alten Verein sicherlich weiterhin hochmotiviert. Pohlers wird Blässe also nicht nur Tipps geben können @Jan, sondern ihr gleich noch einmal vorführen, wie man Tore schießt – zum Leidwesen von Frankfurt :-).

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  • Dummkopf sagt:

    @Sch.Fut.
    Endlich bei dir raus aus meinem Abseits bei dir!

    Blässe läuft viel und ist ziemlich schnell.
    Überall, wo und wann das gebraucht wird, ist sie gut.
    zB Spielstände wo man Kontern kann, oder einen Rechtsaussen zum mit-verteidigen braucht.
    Aber ihre spielerischen Mittel sind leider doch sehr begrenzt.
    Wenn nicht viel freier Raum vorhanden ist, wohinein sie sich den Ball vorlegen und hinterherstarten kann, ist sie daher leider ein Schwachpunkt (auf diesem hohen Niveau).
    Auch für jede Art von Kombinationsspiel und für alle gedrängten Spielsituationen. Das wird aber in den meisten Situationen gebraucht.
    Aus dem Grund, dass sie viel Raum braucht, ist sie auch nur auf Rechtsaussen eine Alternative. (Ich würde sie übrigens einmal als Aussenverteidigerin ausprobieren, sie scheint im defensiven Zweikampf auch nicht schlecht, und hätte vielleicht mit dem Speed von Melis mithalten können) Jede anderweitige Aufstellung von Blässe bedeutet eine massive Schwächung für Wob.
    Aber RA ist Jakabfi wegen ihrer spielerischen Möglichkeiten normalerweise mit weitem Abstand besser.

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  • maxsee sagt:

    1. Dummkopf
    Auf diese Art und Weise kann man auch Einzelleistungen in den Vordergrund rücken. Mir gefällt die Einschätzng des selbst überraschten B.S über die Leistung seines TP-Teams bessser.

    2. Wenn der Gegner – TP – in diesem hochklassigen Spiel nicht mehr zulässt, dann kann auch OL seine Klasse nicht ausspielen.

    3. Dank an Jennifer für den Tip zum Stream. Stream ist immer noch besser als Liveticker

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  • laasee sagt:

    „Frankfurt wird Meister
    Bayern wird Vizemeister und DFB-Pokalsieger
    Potsdam wird Dritter und CL-Sieger.“

    hmmmmm……..DFB liveticker shows that Inka Grings kicks Bayern out of Pokal.

    LOL

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  • Dummkopf sagt:

    @maxse
    Ich glaube du meinst die Autogramme?
    Und nicht weil das dummerweise drüber gerade steht, Jakabfi sei normalerweise besser, und die natürlich prompt heute – natürlich nur um mir eins reinzuwürgen – versuchen musste, das Gegeteil zu beweisen.
    Ist doch klar, dass BS natürlich keine Autogramme seiner Spielerinnen will. Und das war von mir eher ein kleiner Scherz in Richtung @jans Vorbild-Theorie.
    Ich hatte zunächst schreiben wollen, sie unterhielten sich wohl darüber, wie man den Stadionsprecher beim FFC fremdsprachlich mit ein wenig mehr Spielraum ausstatten könnte, um ihm zB peinliche schwedisch-Lücken zu ersparen. 😉

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  • Herr Schulze sagt:

    Kleine Botschaft an die Titel-Schmiede:
    Meines Wissens steht das schöne und besuchenswerte Lyon, das schon schlimmere Zeiten und Begegnungen mit Deutschland erlebt hat, immer noch. Es ist lediglich die Frauenmannschaft von Olympique durch einen umstrittenen Elfmeter aus dem Champions-League-Wettbewerb ausgeschieden.

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  • Schenschtschina Futbolista sagt:

    Sehr primitiv, Herr Schulze, das OL-Ausscheiden auf lediglich einen „umstrittenen“ Hand11m zu reduzieren – ihre exklusive Meinung, die Materiekenner anders sehen! Andere FF-Fans konnten sich wenigstens zu einem Glückwusch an den Sieger überwinden…

    @alle
    Immer noch keinen DL-Link für das Superspiel in petto?

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  • mrx sagt:

    Tja Sheldon – im Pokal wird Bayern nix mehr erreichen 😉

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  • be sagt:

    Ich muss ganz ehrlich sagen, dass ich nach dem Auftreten im Hinspiel fest mit dem Weiterkommen gerechnet habe. Dass Lyon das Hinspiel analysiert, entsprechend die Taktik geändert hat und somit in der Anfangszeit des Rückspiels anders aufgetreten ist, war absehbar. Letztlich hat Lyons Treffer nichts an der Ausgangslage geändert und nur bewirkt, dass die Partie weder ins Elfmeterschießen noch in die Verlängerung gegangen ist. Lyon hat, wie bereits im Hinspiel und auch in London gegen Wolfsburg gesehen, im Abschluss ein Effizienzproblem. Das hat man auch im Hinspiel gegen Twente gesehen, wo mir die Niederländerinnen insgesamt besser gefallen haben als vor zwei Jahren gegen Rossijanka. Lyons Abschlussschwäche war sicher auch Potsdams Glück, und der Hinspieltreffer eher Ergebnis einer Potsdamer Unachtsamkeit (wie wohl man auch Kumagais „Handspiel“ als „Geschenk“ an Potsdam werten kann). Besonders positiv fand ich auf Potsdamer Seite das Standhalten gegenüber Lyons Schlussoffensive, das Problem scheint wohl endgültig erledigt zu sein. Auch dass Potsdam sich nicht vom erneuten Regen in Lyon hat beeindrucken lassen.

    Insgesamt eine sehr packende Partie und wirklich schade, dass Eurosport keine Rechte bekommen hat und auch die ÖR lieber langweilige Einbahnstraßen-WM-Qualiturniere übertragen.

    Gratulation an Turbine für diese grandiose Mannschaftsleistung! Chapeau!

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  • tpnf sagt:

    hier das rückspiel tp-lyon vom 14.11.

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  • Jennifer sagt:

    Hier gibt es Berichte plus Videos von verschiedenen CL Rückspielen:

    (Spanish).

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  • enthusio sagt:

    Jetzt habe ich endlich das Rückspiel Lyon-Potsdam in voller Länge sehen können (danke @ tpnf) und muß sagen, es war ein durchaus verdienter Sieg der Turbinen. Zwar hatte Lyon in der 1. Halbzeit (besonders in den ersten 15 Minuten) ein deutliches Übergewicht, doch im Laufe des Spiels fand Potsdam durch gute Raumaufteilung und aggressives Pressing zu seinem Spiel. In der 2. Halbzeit hat die Potsdamer Defensive praktisch keine Lyoner Torchancen zugelassen. Thomis war völlig abgemeldet, auch Schelin mußte auf die Flügel ausweichen, um überhaupt mal brauchbare Bälle zu bekommen. Den Handelfmeter kann man geben, die unnatürliche Armhaltung Kumagais kann man als Argument für den Elfer in dieser strittigen, unübersichtlichen Situation gelten lassen. Die Turbinen haben mich – über das ganze Spiel gesehen – enorm beeindruckt, sie haben mit Ausnahme der Szene von Dickenmann, die zur Lyoner Führung durch Abily führte, das Lyoner Kombinationsspiel gut unterbunden. Schröder und Heinrich können mit dieser Leistung ihrer junge Mannschaft sehr zufrieden sein.

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